Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 47 fr DIETOELT 13 c ooooooooo <^=^?° NACHRICHTEN q^oopo....! Die Ausstellung jüdischer Künstler in Berlin wurde am Sonntag den 17. ds. Mts. durch eine feierliche Veranstaltung, zu der die Vertreter der Presse und die Mitglieder des „Vereins zur Förderung jüdischer Kunst" geladen waren, eröffnet. Indem wir uns, wie bereits angekündigt, eine ausführliche Besprechung der Ausstellung für die nächste Nummer vorbehalten, möchten wir nur einige Worte über die äußere Ausstattung sagen. Sie verdient uneingeschränktes Lob. Herr Pilichowski, der dabei von Maler Co schell u. a. unterstützt wurde, hat tatsächlich Hervorragendes geleistet, da er die für eine große Exposition nicht gerade prädestinierten Räume zu einem künstlerischen Interieur umwandelte, das einen vornehm-stilvollen Charakter im ganzen und vor allem in den Details nie verliert, obwohl die Zusammenlegung von modernen Gemälden mit bildnerischer und gewerblicher Kunst und die Separat-Ausstellung von Altertümern scheinbar unvermeidlich die Gefahr eines etwas bunten Mosaiks in sich schlössen. Wie gesagt, der äußere Eindruck der Ausstellung ist ein sehr guter. Insbesondere muß man von der Mittelgruppe des Saales sagen, daß sie — wenigstens für das jüdische Empfinden — eine geradezu weihevolle Stimmung auslöst. Um einen altarartigen Aufbau, der mit prächtigen Tempelvorhängen und Teppichen (darunter solchen des „Bezalel") bekleidet ist und der auf einer kleinen Erhebung eine mächtige, aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts stammende Menorah trägt, gruppieren sich — wenn man so sagen darf — die jüdischen Gemälde der Ausstellung: die Leiden der jüdischen Wanderung, die tiefen Freuden der Glaubensfestigkeit, der Kampf zwischen alter und junger Generation, das Grauen der Pogrome symbolisierend. . . . In diesem feierlich-ernsten und zugleich intim-jüdischen Räume sammelten sich am Sonntag die Festgäste, denen von der Estrade her Herr Schildkraut, der Vorsitzende des „Vereins zur Förderung jüdischer Kunst", den Willkomm entbot. Herr Schildkraut hielt eine längere Ansprache, in der er die Absichten der Veranstaltung dieser Ausstellung ausführlich darlegte: Nicht das konfessionelle, sondern einzig das ethnologische und kulturhistorische Moment — so erklärte er — kämen für diese Ausstellung in Betracht. Ob es den Juden trotz der langen Unterbindung jeglichen freien, künstlerischen Schaffens gelungen sei, künstlerische Fähigkeiten bemerkenswerter Art zu entwickeln und sie originell auszugestalten» ob das Rassenmoment als gemeinsames Merkmal in dem Werke der jüdischen Künstler sich geltend mache und worin eventuell diese Rasseneigehart hauptsächlich bestehe, endlich, inwiefern das Milieu die jüdischen Künstler beeinflusse, ob es sie unterwerfe oder ob sie ihr Spezifisches hineintrügen — das seien die Fragen, zu deren Beantwortung durch Kunstkritiker und Kunsthistoriker diese Ausstellung mitbeitragen wolle. Herr Schildkraut setzte sodann auseinander, warum die Ausstellung sich auf eine — verhältnismäßig — nur unvollkommene Darbietung des vorhandenen Materials beschränken mußte, hofft aber, daß mit Rücksicht auf die folgenden Ausstellungen die Berliner, zumal sie immerhin eine ziemlich große Zahl hervorragender Künstler vorführt, doch einen wertvollen und interessanten Hinblick in das jüdische Kunstleben gestatten werde. Schließlich lenkte er noch mit einigen erklärenden Worten die Aufmerksamkeit der Gäste auf die Separat-Ausstellung jüdischer kunstgewerblicher profaner und synagogaler) Arbeiten und dankte in herzlicher Weise den Künstlern, Kunstfreunden und der Jury, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben. — Hierauf erklärte er die Ausstellung für eröffnet. Justizrat Horowitz dankte sodann im Namen der Mitglieder des „Vereins zur Förderung jüdischer Kunst" dem Ausstellungs-Komitee für seine hingebungsvolle Tätigkeit, worauf die Gäste den Rundgang durch die Ausstellung antraten, um sich mit großem Interesse einer ersten Übersicht des reichen künstlerischen Materials zu widmen. Jüdische Volksbewegung in Galizien Lemberg. Dienstag am 12. ds, Mts. hielt Dr. N. Birnbaum hierin einer sehr gut besuchten Versammlung, welche die „Emunah" veranstaltet hat, einen zweistündigen Vortrag über „Die Assimilation". Er wies auf die besonderen Bedingungen des jüdischen Lebens und auf das Wesen des Judentums hin, welche eine wahrhafte Assimilation unmöglich machen. Es ist nur eine Schein-Assimilation entstanden, gegen welche wir mit aller Kraft kämpfen müssen. Der Redner führte das Beispiel der deutschen Juden an, die durch diese Assimilationsbestrebungen verkommen sind. Wir brauchen ein ganzes, gesundes Judentum, das die Kraft hätte, zu leben und zu schaffen für sich und die menschliche Kultur. Die Juden selbst aber vernachlässigen ihre nationalen Aufgaben. Insbesondere betont der Redner, daß das jüdische Theater und die jüdische Sprache (Jargon) sogar von den Nationaljuden verachtet werden, wodurch die nationale Idee einen großen Schaden erleidet. Die Ausführungen des Redners wurden vom Publikum, unter welchem sich auch mehrere Assimilanten eingefunden hatten, mit großer Sympathie aufgenommen. Rüben Brainin in Galizien Schon seit zwei Wochen weilt der bekannte hebräische Schriftsteller und unser eifriger Gesinnungsgenosse Rüben Brainin in Galizien, wohin er kam, urn das heutige jüdische Leben in diesem Lande, das sich in den letzten zwei Jahren so rasch entwickelt hat, kennen zu lernen. Sein Besuch und seine Vorträge, die er in einigen Städten abgehalten hat, gestalteten sich bald zu einer schönen und großen Agitation für die hebräische Sprache und Literatur. In Lemberg hatte das Komitee „Techijath sfath ewer" der Jugendorganisation Zeirei Zion am 26. v. Mts. im Saale des ruthenischen Volkshauses einen großen hebräischen Abend veranstaltet, dem über 500 Leute beiwohnten. Brainin sprach hebräisch über die Wiedergeburt und nationale Bedeutung der hebräischen Sprache. Unter brausendem Beifall wurde dem Redner nach Schluß des Vortrages ein silberner Kranz überreicht. Am 2. d. Mts. hielt Brainin noch einmal im Vereine Tikwath Zion einen längeren Vortrag über die Geschichte der neuen hebräischen Literatur, und Dienstag den 5. d. Mts. sprach er in Jargon über „Menschen und Länder". Diese beiden Vorträge waren zahlreich besucht und insbesondere der letzte, in welchem Brainin in einer meisterhaften Weise das jüdische Leben fast in allen Ländern Europas schilderte, machte einen großen Eindruck. Brainin mußte auch in Stryj, Stanislau, Drohobycz, Boryslaw und Brzezany eine längere Zeit verbringen und dort in massenhaft besuchten Versammlungen über verschiedene Fragen der jüdischen Kultur und Renaissance sprechen. Überall mit der herzlichsten Gastfreundlichkeit aufgenommen, erfreuten sich seine Vorträge eines solchen Besuchs des Publikums aus allen Schichten des jüdischen Volkes, wie ihn die zionistischen Versammlungen Galiziens schon lange nicht gesehen haben. Die Reise und die Vorträge Brainins waren ein vortreffliches Agitationsmittel für die Verbreitung unserer nationalen Sprache in Galizien, und augenscheinlich bemerken wir den Einfluß, welchen sie auf die Tausende Zuhörer ausgeübt haben. Es wäre Sache des neugegründeten zionistischen Zentralkomitees für Galizien, die erweckte Begeisterung für die hebräische Sprache weiter zu schüren und die Gründung von mehreren neuen Schulen ersprießlich zu unterstützen. Ein schönes Beispiel Lemberg: Unser alter Gesinnungsgenosse S. Paßweg aus Przemyslany hat vor einigen Tagen in der Versicherungs-Gesellschaft „Riunione Adriatica di Sicuritä" eine Lebensversicherung auf 2000 Kronen zugunsten des Nationalfonds geschlossen. Die Duma und die Judenfrage Der Ministerrat hat in seinen letzten Sitzungen beschlossen, in der Judenfrage der Reichsduma keinen Entwurf vorzulegen, sondern die Initiative der Duma abzuwarten. Der Vorschlag einiger Bureaukraten, die Juden als Ausländer zu betrachten, wurde vom