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Die Welt · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 47 DIE^ELT Massenmeetings gegen Zion, mit einem Programm nationaler Auflösung und) möge er mit dem Resultat in bar, Gegen-Palästina-Bank, Anti-Nationalfonds und anstatt Ölbaumspenden — Ölbaumausreißungsspenden herausrücken. Passivität bedeutet nichts; gegen eine Aktivität auf der einen Seite muß auch eine Aktivität auf der anderen hervortreten. Die anderen Organisationen für Qegenwartszwecke, die auch der Zionismus anerkennt, beweisen da gar nichts. Ohne diese anderseitige Taxierung hinkt die Statistik, abgesehen von ihrer Unanwendbarkeit auf dieses Qebiet — auf einem Fuße. N. S. Die Kriminalität der Juden Von Felix Theilhaber, München „Beruf, Konfession und Verbrechen — eine Studie über die Kriminalität der Juden in Vergangenheit und Gegenwart" — ist der Titel einer jungen wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Rudolf Wassermann (verlegt bei Ernst Reinhardt, München 1907). Der Wissenschaftler wird sicher bei allen Fragen der Kriminalstatistik der Juden zu dieser Arbeit greifen, da sie ganz eigene Forschungen, über die wir später sprechen wollen, bietet. Aber auch das große jüdische Publikum soll von dem Erscheinen dieses Buches aus verschiedenen Gründen Kenntnis erhalten. Denn der Verfasser hat, um den Doktortitel sich zu erwerben, eine jüdische Frage bearbeitet. Wir freuen uns, daß der Doktorand auch mit seiner fleißigen Arbeit den gewünschten Erfolg hatte, um so mehr, als auch sein Beispiel an der Münchener Universität Nacheiferung zu finden scheint. Man kann hei dieser Gelegenheit den jüdischen Studierenden der Nationalökonomie und der Rechtswissenschaften nur empfehlen, soweit angängig, sich jüdische Themen zum Vorwurf ihrer Doktorarbeiten zu nehmen. Von weiterem allgemeinem Interesse sind aber die Resultate, die uns Dr.Wassermann in seiner Arbeit bietet. llv hat eine Methode angewandt, die zwar öfters schon oenutzt war, aber so präzise und durchgehend wohl in keinem wissenschaftlichen Werke angewandt worden ist. Dr. Wassermann verurteilt den Vergleich absoluter Bahlen bei Gegenüberstellung von Massen, die nicht *üe gleichen Verhältnisse aufweisen. Die Zahl der Verurteilten der Juden bei den einzelnen Delikten muß ine andere sein, als die der Christen. Es gibt viele ergehen und Verbrechen, die indirekt mit dem Berufe zusammenhängen. So sind Bankrott, Verkauf gefälschter Nahrungsmittel, Unterschlagung, Betrug etc. hauptsächlich denkbar bei der handeltreibenden Schicht der Bevölkerung. Die luden, die in 56 Prozent 1895 im Handel tätig waren, werden natürlich auch ein starkes Kontingent von Verurteilungen bei diesen Formen von Vergebungen haben, während die übrige Bevölkerung, besonders die Erwerbstätigen in Berufen, die nur körperliche Arbeit erfordern, üher zu körperlichen Delikten neigen. Es ist ebenso klar, daß die große Zahl der jüdischen Journalisten, Literaten, der politischen Agitatoren, Buchhändler etc. auch eine dementsprechend große Zahl von Preßvergehen, von Anklagen, wie der öffentlichen Aufreizung, der Verbreitung unzüchtiger Schriften, aufzuweisen hat. — Berücksichtigung findet in der Wassermannschen Arbeit auch ein Umstand, wie der, daß der Altersaufbau bei den Juden ein anderer als der der Christen ist, das heißt, auf hundert Christen im Alter von fünfzehn Jahren an kommen im Verhältnis bedeutend mehr Juden. Wenn man also die Zahl der Verbrecher berechnen will, so darf man sie nicht auf die Gesamtbevölkerung berechnen, sondern muß sie ins Verhältnis zur strafesmündigen Bewohnerschaft rechnen. Auch gewisser Einwirkungen auf die Auslösung von Vergehen ist gedacht, wie des Alkohols, der besonders bei den Christen zur Begehung gewisser gesetzeswidriger Handlungen führt. So waren unter den männlichen Vorbestraften bei Vergehen gegen die öffentliche Moral bei Begehung der Tat 47°/o betrunken, bei Vergehen gegen die öffentliche Ordnung sogar 63°/o. Anderseits hält die höhere soziale Stellung der Juden viele ihrer Individuen vor der Begehung von Verbrechen ab (zum Beispiel: Diebstahl). Dr. Wassermann entrollt hiermit ein interessantes Bild, in der die starke oder geringe Beteiligung an den einzelnen Delikten eine interessante Beurteilung erfährt. Nach seinen Berechnungen schneiden dabei die Juden sehr günstig ab. Sie überwogen nur besonders da, wo die Intelligenz zur Übervorteilung dient (zum Beispiel: Bankrott, Urkundenfälschung, Betrug usw.). Die Christen haben einen ihnen nicht entsprechenden Prozentsatz besonders da, wo Anwendung der Gewalt mit im Spiele ist (Mord, Totschlag, Hausfriedensbruch, Notzucht, Blutschande etc.). Nun geht aber Dr. Wassermann zu weit, er will mit seiner Methode förmlich alle Delikte in Verbindung mit dem Beruf oder den biotischen Verhältnissen des Volkes bringen. Die völkische Eigenart wird sehr wenig berücksichtigt. Schon um gegen gewisse Schlüsse, die aus Dr. Wassermanns Buch gezogen wurden, zu protestieren, müssen wir darauf hinweisen, daß die Statistik des jüdischen Proletariats (der arbeitenden Klassen von Juden in Rußland, Qalizien, New-York etc.) keine ObereinstimmungzeigtmitderumwohnendenArbeiterbevölkerung. Das Fehlen von Vergehen wie: Blutschande, Notzucht an Kindern und Unzucht an Kindern, widernatürliche Unzucht, Kindesmord, Raub, räuberische Erpressung, Mord etc. ist nicht aus den sozialen Verhältnissen zu erklären. (Fehlen von Mördern etc. bei den armen Chalukahjuden.) — Diejüdische Eigenart, die Einwirkung gewisser in den Grundzügen einheitlicher intellektueller und ethischer Kultur —, nationale Sonderart, wie dieStellung des Individuums zur Familie, zum Vater, zum Kinde, die eingewurzelte Abneigung gegen Gewalttaten und dergleichen mehr bedingt, solange das Judentum nicht in der Umgebung aufgegangen ist, bei aller Assimilation, bei allen sozialen Einflüssen eigene Kriminalitätsfaktoren. Dr. Rudolf Wassermann hat leider die Betrachtung über dieses Kapitel zugunsten seiner Theorie, daß der Beruf gewisse Verbrechen schafft, völlig in den Hintergrund gedrängt. Gleichwohl sei das Buch allen denen, die sich mit der Kriminalität beschäftigen, wärmstens empfohlen, zumal sich auch die Regierung eines großen Landes auf Grund dieses Buches mit dem Verfasser wegen der Beurteilung der Juden in krimineller Hinsicht ins Benehmen setzte. In einer größern jüdischen Bibliothek dürfte das Buch kaum fehlen, da es eines der interessantesten wissenschaftlichen Bücher der letzten Jahre auf dem Gebiete jüdisch-sozialer Fragen ist. — 2

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