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Die Welt · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 MEIßELT No. 46 zionistische Arbeit im czechisdien Sprachgebiet". Die Referate werden deutsch und czechisch erstattet. An dem Zionistentag kann sich jeder Gesinnungsgenosse beteiligen. Auch Gäste haben Zutritt. Am Vormittag findet eine Sitzung der Vereinsvorstände und Vertrauensmänner mit dem Rayon- Komitee statt. Am Abend veranstaltet der „Jüdische Volksverein „Zion", Kolin, eine große öffentliche Versammlung. Alles Nähere wird demnächst bekannt gegeben werden. Trautenau, im November 1907. Zionistisches Rayonkomitee für Ostböhmpn Für die Leitung: Emil Margulies Zionistische Landeskonferenz in Galizien Schlußsitzung Als erster sprach Abg. Dr. H. Gabel, der im Namen des „Jüdischen Klubs" über die bisherige Tätigkeit der zionistischen Abgeordneten im Parlamente Bericht erstattete. Er verweist darauf, daß die Antisemiten im österreichischen Parlamente jetzt die stärkste Partei bilden und daß der „Jüdische Klub" mit ihnen keinen offenen Kampf aufnehmen kann, da dann den Juden die größte Gefahr drohe. Wir müssen Anhänger suchen bei den fortschrittlichen Parteien, da wir ein ausgesprochen radikal-demokratischer Klub sind. Unsere Stärke Hegt aber nicht in unserer Zahl, sondern in der Kraft unserer Überzeugung. Durch den Ernst und die Würde unseres Auftretens wollen wir uns Freunde verschaffen. Wir appellieren an das Rechtsgefühl der fortschrittlichen Parteien, und so erwerben wir uns ihre Sympathie. Der Redner erwähnt dann die Rede des Abg. Stand, die Anträge und Interpellationen des Klubs und die Konferenzen mit dem Ministerpräsidenten Beck, der dem Klub versprochen hat, „aus seiner passiven Objektivität zu einem aktiven Wohlwollen überzugehen". Der Klub führt auch mit den maßgebenden Persönlichkeiten Unterhandlungen, welche die Gründung einer jüdischen Bank in Galizien bezwecken, wie er überhaupt die soziale und ökonomische Hebung der jüdischen Masse in Galizien als seine wichtigste Aufgabe betrachtet. Der Redner schließt mit der Versicherung, daß die Mitglieder des Klubs die größten Opfer für die Sache zu bringen bereit sind und daß sie sich alle der schweren Verantwortlichkeit dem ganzen jüdischen Volke gegenüber gut bewußt, ihre Aufgaben mit aller Hingebung zu erfüllen trachten werden. (Stürmischer Beifall.) Dr. Salz dankt im Namen der Konferenz dem Abg. Dr. Gabel für seinen Bericht und spricht unter langanhaltendem Beifall der Versammelten dem „Jüdischen Klub" das Vertrauen der Konferenz aus. Darauf folgt das Referat des Dr. Brau de über das Verhältnis der zionistischen Partei zu der politischen Organisation in Galizien. Der Referent weist zuerst darauf hin, daß der frühere galizische Zionismus immer für die Landespolitik eingetreten ist und daß er damals sein Programm auf ein Landes- und Palästina-Programm verteilte. Mit dem Auftreten Herzls und mit der Verbreitung der Idee des politischen Zionismus, der die baldige Erlangung eines Charters erhoffte, haben auch die galizischen Zionisten jeder politischen Gegenwartsarbeit im Lande entsagt. Nachdem wir aber jetzt zu einer anderen, besseren Auffassung des Zionismus gelangt sind, müssen wir zugleich mit der realen Arbeit in Palästina, welche uns das Vaterland vorbereiten soll, auch die Gegenwartsarbeit in den Golusländern in Angriff nehmen, damit wir unser Volk erziehen und organisieren können. Wir müssen alles aufbieten, um die breiten Volksmassen für unsere Idee zu gewinnen, und das kann nur vermittels einer systematischen, zielbewußten jüdischen Politik geschehen. Die kleinen Mittel, die Toynbeehalls und die Raiffeisenkassen erfüllen nicht diesen Zweck. Nur mit Hilfe des Staatsorganismus wird es uns möglich sein, dies zu tun. So führt die nationale Selbsthilfe zur nationalen Politik. Wir haben auf eine andere Weise nicht die mindeste Möglichkeit, die ökonomische und kulturelle Lage des galizischen Judentums, welches im Elend darbt, hier im Lande zu verbessern. Die Unterstützung des Staates ist uns notwendig; ohne sie werden alle Anstrengungen zu Kleinmitteln, deren Nachwirkung bald spurlos verschwindet. Die Erscheinungen auf dem kulturellen Gebiete und die Zustände in unserem ökonomischen Leben zwingen uns, uns mit der Gegenwart zu beschäftigen. Diese Politik ist eine zionistische Arbeit, denn sie dient den zionistischen Zwecken. Ohne sie laufen wir Gefahr, das Volk zu verlieren. Die zionistische Organisation ist aber eine interterritoriale, und als solche kann sie nicht eine einheitliche zionistische.Politik führen. Die politische Tätigkeit kann also niemals Sache der neutralen zionistischen Behörden sein, sie muß den Landesorganisationen überlassen werden. Der Referent ist zwar persönlich der Meinung, daß die Landespolitik und die Gegenwartsarbeit zum zionistischen Programm gehören. Um aber die zionistische Weltorganisation nicht mit den besonderen politischen Bestrebungen einzelner Landsmannschaften zu verwechseln, und um nicht alle jene Zionisten aus der Partei zu verdrängen, welche gegen die Landespolitik auftreten, hat er schon auf dem Krakauer Parteitage die Meinung vertreten, daß man formell zwei Organisationen bilden soll. Er stellt auch jetzt die folgenden zwei Thesen: 1) Die zionistische Organisation als solche nimmt keinen Anteil an der politischen Tätigkeit. 2) Die Landeskonferenz empfiehlt allen Zionisten, sich der national-jüdischen politischen Partei anzuschließen, welche das Baseler Programm anerkennt. Die erste zionistische Organisation wird alle rein-zionistischen Aufgaben erfüllen, während der national-jüdischen Partei, welcher nur Zionisten angehören können, die Führung der Politik im Lande obliegt. Der Redner beweist noch zuletzt daß die politische Tätigkeit der eigentlichen zionistischen Agitation gar nicht geschadet, sondern die Idee vielmehr verbreitet hat, und fordert die Versammelten zu einer intensiven Arbeit für das Wohl und die Zukunft des jüdischen Volkes auf. (Beifall.) In der Diskussion über das Referat Brau des ergriff als erster das Wort Dr. Thon. Die letzten Wahlen haben ein erfreuliches Resultat aufgewiesen, indem sich die Majorität des jüdischen Volkes auf unsere Seite gestellt hat. Es war ein erfreuliches Ereignis, aberkein Zionismus. Hätten wir diese gewaltige Arbeit und Energie für die rein-zionistische Agitation verwendet, dann könnten wir einen großartigen Aufschwung unserer Idee in Galizien erleben. Statt 6000 Schekelzahlern hätten wir heute nach einer solchen anstrengenden Propaganda 60000 Genossen. Und ein bewußter Schekelzahler ist mir lieber, als 10 nationale Juden, Mitläufer. Es ist ein großes Verdienst des Dr. Braude, daß er für die Verbreitung der nationalen Idee unter den Juden durch die letzte Wahlagitation, welche er leitete, so viel beigetragen hat. Aber mir scheint die Behauptung, daß durch die politische Arbeit der Zionismus im Lande gewachsen sei, unbegründet. Die politische Agitation hat die Kräfte zerstreut und ein Strebertum in unserer Partei hervorgerufen. Während der Wahlaktion haben wir nicht mit dem Baseler Programm, sondern mit dem Befähigungsnachweis und der Sonntagsruhe für unsere Kandidaten agitiert. Wenn wir schon aber fest entschlossen sind eine Politik zu führen, müssen wir eine kluge Politik vertreten. Die bisherige politische Tätigkeit des Jüdischen Klubs und seine Stellung zu den andern Parteien beweisen aber, daß unsere Abgeordneten nicht den rechten Weg eingeschlagen haben. Dr. Wald mann konstatiert, daß der Referent und sein Gegner Dr. Thon viel Wichtiges hierüber unsere Politik bemerkt haben,"daß aber beide die Konsequenzen aus ihren Behauptungen nicht ziehen wollten. Er vergleicht die Entwicklung des Zionismus mit der Geschichte der Sozialdemokratie. Indem wir zu der Überzeugung gelangt sind, daß wir nicht in der nächsten Zeit den Charter erlangen werden können, mußten wir die Gegenwartsarbeit in Angriff nehmen, um eine Partei des realen Lebens zu bleiben. Die politische Tätigkeit und die Organisierung des jüdischen Volkes ist eine zionistische Arbeit, da sie im vierten Punkt des Baseler Programms als solche hingestellt wurde. Wer nicht auf dem Standpunkte des Zionismus steht, kann kein Nationaijude sein. Die Tatsache, daß heuer auffällig wenige Schekel gesammelt wurden, ist noch kein Beweis für die Schwäche des Zionismus. Anderseits ist das ganze zionistische Leben zum Ausdruck gelangt, und unsere Partei wird im Lande jetzt geachtet. Nur müssen wir ein Programm feststellen, da wir bis nun ohne ein einheitliches Programm in den Kampf gingen. Die zionistische Organisation als solche muß sich mit der politischen Tätigkeit befassen. Der Redner stellt zuletzt folgenden Antrag: Die zionistische Landeskonferenz in Lemberg erachtet, daß die Landespolitik zu den wesentlichen Aufgaben der zionistischen Organisation gehört und beauftragt das Zentralkomitee, alle Schritte vorzunehmen oder vorzubereiten, die die Arbeit für die Landespolitik in der zionistischen Organisation möglich und erlaubt machen. Del. Mayer und Del. Rosmarin kritisieren in scharfen Worten die Taktik des Jüdischen Klubs, und verlangen, daß man in die Sache Klarheit hineinbringe. Die Politik soll im Rahmen der zionistischen Organisation geführt werden. Del. Neiger verteidigt den „Jüdischen Klub" und weist auf

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