Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316289--49956-3344917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 46 DIE] Radautz: Samstag den 26. Oktober tagte im Radautzer Gemeinderatssaale eine massenhaft besuchte jüdische Volksversammlung, die sich mit der Interpellationsbeantwortung des Landespräsidenten in, der Affäre des Qymnasialsupplenten Oskar Lieben befaßte. Der Einberufer und Vorsitzende, Dr. Leon Luttinger, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er mit kräftigen Worten auf die grundlose Enthebung des Herrn Lieben hinwies. Herr Kultus- und Gemeinderat Israel Menschel besprach die segensreiche jüdische Tätigkeit des Herrn Lieben, der sich in kurzer Zeit bei der jüdischen Bevölkerung beliebt zu machen wußte. Als aber die Wahlen kamen und Herr Lieben für den jüdischnationalen, der Kultusvorsteher aber für den deutschfreisinnigen Kandidaten eintrat, da wußte man, daß Herr Lieben nicht mehr lange in Radautz bleiben werde, Der Kultusvorsteher erklärte öffentlich, daß er für sein Verschwinden Sorge tragen werde. Der Mann lief fortwährend zur politischen Behörde, die sich auch für die Enthebung des Gymnasialsupplenten Oskar Lieben eingesetzt haben soll. Denn wie anders wäre die Antwort des Landespräsidenten zu erklären, daß sich jüdische und christliche Kinder beim Gymnasialdirektor Gabriel von Moor über Herrn Lieben beschwert haben und daß er sich daher gegen seine Weiterbelassung am Radautzer Gymnasium aussprechen müsse. Hat ja doch der Radautzer Gymnasialdirektor Gabriel v. Moor- Herrn Menschel ermächtigt, in öffentlicher Versammlung zu erklären, daß sich bei ihm weder jüdische noch christliche Kinder über Lieben beschwert haben und daß er in keiner Weise Gelegenheit hatte, sich in dieser Angelegenheit zu äußern, somit die Informationen des Landespräsidenten nicht, wie angegeben, aus der Gymnasialdirektion, sondern aus anderer Quelle stammen müssen. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die heute am 26. d. M. im hierortigen Gemeinderatssaale massenhaft besuchte jüdische Volksversammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß der Landeschef auf Grund falscher Informationen die Interpellation der Abgeordneten Dr. Weidenfeld und Genossen vom 5. Oktober 1. J., betreffend die gänzlich ungerechtfertigte Enthebung des Gymnasialsupplenten Oskar Lieben* vom Lehramte am Staatsgymnasium in Radautz, in der Landtagssitzung am 8. Oktober 1. J. beantwortet hat, und verlangt, überzeugt von seiner loyalen Gesinnung und seinem Gerechtigkeitsgefühle, strenge objektive Untersuchung und öffentliche Klarstellung dieses Falles. Gleichzeitig fordert die . heutige Versammlung den jüdischen Reichsratsklub als legale Vertretung der jüdischen Interessen auf, die Regierung betreffs der wegen ihrer jüdischnationalen Tätigkeit verfolgten Herren Professor Dr. Engel und Gymnasialsupplent Lieben energisch zu interpellieren und deren Rehabilitierung anzustreben." Hierauf wurde eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Luttinger, J. Menschel und Dr. Bierer, gewählt, um diese Resolution den Landespräsidenten zu überreichen. Nach Schluß der Versammlung erfuhr man, daß Gerichtsadjunkt F. Rachmut vom Oberlandesgerichtspräsidium aufgefordert worden ist, sofort die Obmannstellvertreterstelle im Radautzer „Dorsche-Zion"-Vereine niederzulegen. So geschehen in der glücklichen Bukowina. . Dorna-Kandreny (Bukowina): Am 2. November konstituierte sich die erste Generalversammlung des hierortigen neugegründeten zionistischen Vereins „Zeirei ftELT 11 Zion". Gewählt wurden die Herren M. L. Pächt als Obmann, Markus Katz, Obmann-Stellvertreter, S. Besner, Schriftführer, J. Feßler als Kassierer; im Ausschusse sind die Herren/J. Solner, Jakob Rosner und N. Fleischer. Buczacz: Die Chargenwahl für das Wintersemester 1907 in der neugegründeten zionistischen akademischen Verbindung „Bar-Kochba" in Buczacz gab als Resultat: Senior: stud. iuris Leon Wechsler, Cosenior: stud. iuris Matthias Weinreb, Schriftführer: stud. iuris Josef Andermann. Der Inaugurations-Abend, der mit einer Ausstellung und Verkauf von Palästina-Produkten und -Erzeugnissen verbunden war, fand am 1. Oktober statt. Es haben an demselben die Chg. M. Weinreb und L. Wrechsler gesprochen. Lichtbilder mit Palästina-Ansichten hat Chg. M. Richter aus Lemberg demonstriert. Die Verbindung entwickelt außer der inneren Arbeit eine Tätigkeit in den Vereinen „Zion", „Poale-Zion", „Sefer-Berura" und in dem zionistischen Kreiskomitee, das einen großen Teil Podoliens umfaßt und vom Senior der „Bar-Kochba" geleitet wird. Krakau: Am 13. Oktober fand hier die zweite ordentliche Versammlung des akademischen Vereines „Hasmonea", der an Stelle des suspendierten „Przedsvit- Haschachar" gegründet wurde, statt. In den neuen Ausschuß wurden gewählt: Adolf Bienenzucht als Obmann, Dr. Hirsch Herstein, Vizeobmann, Heinrich Manheimer, Schriftführer. Im allgemeinen scheint sich eine neue rege Tätigkeit für das künftige Jahr vorzubereiten. Die Wahlen haben zwar eine große Abgespanntheit verursacht, haben aber den Kern einer neuen Weltanschauung in die Massen geworfen, der reiche Früchte zu tragen verspricht. Der VIII. Kongreß gab das Losungswort zur stillen, ausdauernden Arbeit, und wir benutzen die Zeit zur Sammlung unserer Kräfte, um diese Arbeit in Angriff zu nehmen. An der Spitze der lokalen Bewegung steht der akademische Verein „Hasmonea", der außer seiner inneren Arbeit sich bemüht, die stumpfe und apathische Judenmasse aufzurütteln und sie über die zionistische Idee aufzuklären. Die Partei als solche wird hier von zwei Vereinen repräsentiert: durch den bürgerlichen Frauenverein „Ruth", der nach den Ferien wieder zusammengetreten ist und seine Arbeiten aufgenommen hat und den Arbeiterverein „Poale-Zion". Der letztere entstand durch Zusammenschmelzung einiger bisher selbständig bestehender Männer- und Frauenvereine, zu einem einheitlichen, starken und arbeitsfähigen Körper, der in Bälde ein mächtiger Faktor in der Verbreitung des poalezionistischen Gedankens sein dürfte. Sehr stark läßt sich der Mangel eines Bürgervereins fühlen, der die bisher vereinzelt wirkenden zionistischen Bürger zusammenfassen würde. Die Gründung eines solchen Vereines sollte die erste Aufgabe des neu zu organisierenden Distriktes werden. Ostböhmischer Zionistentag Es wird hiermit den ostböhmischen Gesinnungsgenossen zur Kenntnis gebracht, daß Sonntag den 1. Dezember 1907, nachmittags V23 Uhr, in Kolin ein Ostböhmischer Zionistentag stattfindet. — Die Tagesordnung enthält Referate über „Die gegenwärtige Lage im Zionismus", „Palästinaarbeit" und „Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.