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Die Welt · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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DIE^ELT No. 46 10 politische Macht im Lande verstärkt werde. Die Bodenschätze, die unausgenutzten Wasserkräfte, die noch nicht gehobenen Metalle müssen wir uns nutzbar machen, Konzessionen für Eisenbahnbauten, Bewässerung, Hafenbau und Bankgründungen zu erwerben suchen. Die Hausindustrie habe in Palästina eine große Zukunft, da man dort zu billigeren Preisen arbeite als sonst in Europa. Neben der wirtschaftlichen Methode dürfe die politische und kulturelle nicht in den Hintergrund treten. Der Redner weist auf den Einfluß hin, den die Amerikaner durch Gründung eines College in Beyrut, die Deutschen durch Gründung des deutsch-archäologischen Instituts gewonnen haben. Wir brauchen eine jüdische Universität. Dadurch, daß der Hilfsverein die hebräische Sprache zur Umgangssprache gemacht habe, habe er mehr genutzt, als durch Gründung von 20 Kolonien. Eine weitere Aufgabe sei die Verbreitung der Kenntnis über Palästina, über das die unglaublichsten Vorstellungen herrschten. Alle diese genannten Methoden, die wirtschaftliche, politische und kulturelle, können nur zusammen den Erfolg bringen, keine darf für unwichtig erklärt werden. Wenn wir unsere Tätigkeit in diesem Sinne auffassen, dann dürfen wir getrost unserm Volke zurufen: „In hoc signo vinces!" Nach diesem mit anhaltendem stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrage sprach Herr Schachtel-Breslau über die Bedeutung und Wichtigkeit des Parteifonds und des Nationalfonds. Er kritisierte das zum System gewordene Chalukawesen in Palästina, das die Schnorrerei großzüchte. In das Sammeln und Ausgeben des Geldes müßte System gebracht werden. Er schloß mit der Mahnung, ein jeder müsse nach Kräften aus seinem Vermögen beisteuern, wenn der Zionismus nicht ein bloßer Sport bleiben solle. Unter Absingung der „Hatikwah" schloß die Versammlung gegen 7 Uhr. Um 8 Uhr begann der von der Ortsgruppe Kattowitz aus Anlaß des Zionistentages veranstaltete jüdische Volk sab end. Er nahm in jeder Beziehung einen glänzenden Verlauf. Der Saal war bis auf den letzten Platz von einer mehr als dreihundertköpfigen Zuhörerschar gefüllt, die den vorzüglichen Darbietungen des vom künstlerischen wie nationalen Standpunkt aufs beste zusammengestellten Programms mit sichtlichem Interesse folgten. Herr dipl. Ingenieur Hecker eröffnete den Abend mit einigen schönen Worten der Begrüßung. Nach dem gemeinschaftlichen Gesang eines nationalen Liedes trug Herr Oberkantor Singer-Kattowit? das „Heimatlied aus den Auswandern" von Max Bruch und das von ihm selbst vertonte „Ein Hauch weht durch die Lande" vor. Ihm folgte Frl. Hellwig vom Kattowitzer Stadttheater mit einigen musikalisch und ausdrucksvoll vorgetragenen Liedern. Alsdann hielt Herr Arthur Morgenstern-Gleiwitz die Festrede. Nach einer von Herrn Oberkantor Singer auf dem Klavier meisterlich zu Gehör gebrachten, von ihm selbst komponierten, machtvollen Phantasie über die Melodie „Eli Zion", rezitierte Herr Aufricht- Kattowitz mit gleicher Vollendung einige Gedichte von Berthold Feiwel und Emil Cohn und mußte schließlich auf stürmisches Verlangen auch noch die von ihm erschütternd und packend wiedergegebenen Szenen zwischen dem Grafen und dem roten Itzig aus Beer-Hofrnanns „Grafen von Charolais" zugeben. Endlich erfreute noch Herr Dr. Pinczower-Antonienhütte die Zuhörer durch einige mit bekannter Meisterschaft vorgetragene jüdische Volkslieder, die ungeheuren Jubel auslösten. Der gemeinsame Gesang der „Hatikwah" unter Begleitung des Orchesters beschloß die Feier. Tanz hielt einen großen Teil der Erschienenen noch lange zusammen. Österreich Jüdische Volksversammlung in Wien Mittwoch den 6. d. M. fand im Hotel Post eine vom „Jüdischen Nationalverein in Österreich" einberufene Versammlung statt, die von etwa 1200 Personen besucht war. Hunderte fanden keinen Einlaß und mußten abziehen. Der Obmann des „Jüdischen Klub", Abg. Dr. Straucher, war von Wien abwesend und hatte seine Abwesenheit entschuldigt. Den Vorsitz führte Dr. Isidor Margulies. Als erster Referent sprach Abg. Dr. Qabel, der hauptsächlich die Drangsalierungen erörterte, denen die jüdischnationalen Wähler Qaliziens ausgesetzt sind. Abg. Stand entwickelte das parlamentarische und allgemein politische Programm des „Jüdischen Klubs", das zwei Ziele habe: ein jüdisches und ein demokratisches. Er wies besonders den Vorwurf zurück, daß die Zionisten irgendwelchen reaktionären Tendenzen huldigen. Die beste Widerlegung liege darin, daß sie bisher im Parlament bei allen Anlässen mit den oppositionellen demokratischen Parteien gestimmt haben. Abg. Dr. Mahl er besprach die Verhältnisse der Juden in den Sudetenländern, besonders die Entstehung der antijüdischen Boykottbewegung unter den Czechen. Nach ihnen sprach noch Dr. J. Schalit über die politischen Verhältnisse in Wien und die Haltung der assimilatorischen Juden. Die Redner ernteten stürmischen Beifall. Organisation jüdischer Lastträger Tarnopol: In unserer Stadt spielten zu Zeiten von Wahlen die jüdischen Lastträger — 200 an der Zahl — eine große Rolle. Sie wurden nämlich von dem jeweiligen Regierungskandidaten in Sold genommen, oppositionelle Versammlungen zu sprengen, unliebsame Agitatoren unschädlich zu machen und durch einige Gulden zu einer für ihn günstigen Stimmenabgabe gewonnen. Um das Wohl dieser Leute kümmerte sich niemand. Dies war erst der zionistischen Organisation vorbehalten, die vorige Woche die Lastträger versammelte und organisierte. Die Vereinigung umfaßt 130 Mitglieder, die sich sofort nach der einberufener. Versammlung in die Mitgliederliste eintragen ließen. Die Versammlung wurde durch eine Rede des Genossen Dr. Waldmann eröffnet. Nach weiteren Ansprachen des Dr. Demant und Dr. Blemmer, in denen auf die Notwendigkeit einer Organisation hingewiesen wurde, bildete sich ein Komitee, das mit der Abfassung der Statuten betraut wurde. Skalat: Samstag den 19. Oktober 1907 veranstaltete der hiesige, erst jüngst gegründete zionistische Verein „Jehudea", eine Versammlung im hiesigen Ge meindesaale, in der stud. jur. H. Hirschkorn über „Die Lage der Juden in Europa" referierte. Die Mitte! welcher sich der Referent bediente, um die jüdisch Lage zu schildern, waren eine Elektion historische Tatsachen, die, zum System organisiert, an sich s< mächtig reden und in das jüdisch-menschlich fühlend Herz so tief und erschütternd greifen, daß man es herz lieh bedauern muß, wenn das Skalater assimilatorische und chassidische Judentum es aus Unduldsamkeit nich; über sich bringen kann, in diese Sphäre der ernstere i Jugend bei solcher Gelegenheit einmal hineinzublicke und auf ihre redlichen Äußerungen objektiv zu lauschet Prag: Wie alljährlich, findet auch heuer und zwr am 7. Dezember, eine große Makkabäerfeier stat die von einem gemeinsamen Komitee der hiesige i zionistischen Verbände vorbereitet wird. Das Programm ist sehr reichhaltig. Die Festrede wird der Reichsrats abgeordnete Dozent Dr. Mahl er halten. Von hervorragenden Kräften werden Lieder des jüngst verstorbene; Komponisten Brüll und Rezitationen zum Vortrag gebracht werden. Nach der Abwicklung des Programmfolgt ein Tanzkränzchen. Komotau: In einer großen Versammlung wurde folgende Resolution gefaßt: Die Versammlung des Jüd. Volksvereins Theodor Herzl in Komotau spricht nach einem Referate, das Herr Ernst Bechert aus Teplitz über den Verlauf des VIII. Kongresses erstattet hat, dem neugewählten Aktionskomitee sein volle? Vertrauen aus.

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