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Die Welt · 1907-11-15 · 46 (15.11.1907) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 46 SIEGELT 9 Reicher Beifall des überaus zahlreich erschienenen Publikums, worunter sich viele Nichtzionisten befanden, lohnte den Redner. Aber seine Objektivität erregte bei einem Teil der Hörer Mißfallen. Herr Landes verlieh diesem Gefühl als erster Diskussionsredner Worte. Er (adelte scharf die Aufgebung der obersten Prinzipien des Zionismus, die er in der Empfehlung des Hilfsvereins erblicken zu müssen glaubte, und sprach mit Emphase von einer Bankerotterklärung des Zionismus, um schließlich zu bekennen, daß er gar nicht Zionist sei. Herrn Landes erwiderte Dr. Hans G. Heymann, der in seiner ruhig bestimmten, sachlichen Art nachwies, wie sehr ersterer den Redner mißverstanden labe, der unter strengster Wahrung des prinzipiellen nationalen Standpunktes lediglich das Zusammengehen mit befreundeten Organisationen in rein praktischen Dingen empfohlen hatte, wie es in jeder Politik notwendig und üblich ist. Dr. Lew in bestätigte in seinem Schlußwort die Richtigkeit dieser Auffassung — es latte ihn auch kaum ein Zionist mißverstehen können, - und riß noch einmal durch packende Beredsamkeit seine Hörer fort. Die Zionistische Vereinigung ist lerrn Dr. Lewiri für den genußreichen und anregenden \bend zum größten Danke verpflichtet. Der HL Oberschlesische Zionistentag Am 3. November fand inKattowitz der dritte Oberschlesische j'onistentag statt. Wenn wir in folgendem einen ausführlichen ericht der Verhandlungen geben, so tun wir es in dem frohen ewußtsein, daß diese Tagung alle unsere Erwartungen, die wir iglich auf sie setzten durften, weit übertroffen hat. Denn eine ■) große Anzahl organisierter Zionisten aus ganz Oberschlesien, ie sie am 3. November in Kattowitz zusammengekommen ist, atte bisher noch kein Gruppentag vereinigen können. Daraus ist ii ersehen, daß die Zahl derer, die ihr Interesse an unserer Sache urch aktive Teilnahme an unserer Arbeit bekunden wollen, ständig i Wachsen begriffen ist. Die starke Beteiligung von Gesinnungs- .nossen aus Russisch-Polen ist uns ein gutes Zeichen für das von :is angestrebte Zusammenwirken mit unseren zionistischen Brüdern den Grenzgebieten, das sicherlich von Segen für unser gemeinme Arbeit sein wird. Im Saale des „Hotel Kaiserhof" in Kattowitz begann die erne Sitzung um 4 Uhr mit einer Begrüßungsansprache des ersitzenden der Ortsgruppe Kattowitz, Herrn Arnold Wiener. :r Redner gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß die ige Kattowitzer Ortsgruppe den Zionistentag bei sich begrüßen •rfe, und daß eine so stattliche Anzahl Gesinnungsgenossen dem ife der Leitung Folge gegeben habe. Oberschlesien mit seiner hlreichen jüdischen Bevölkerung biete ein weites Feld für .nistische Arbeit. Trotzdem seien die Schwierigkeiten außerlentlich groß und infolgedessen die. Anzahl der organisierten »nisten verhältnismäßig gering. Mit den Worten „Im Zeichen ms begrüße ich Sie und wünsche ihren Beratungen gedeihliches iingen" schloß der -Redner seine gedankenreiche, eindrucksvolle' spräche. Es folgte nunmehr die Wahl des Bureaus. Aus ihr gingen vor: l. Vorsitzender: Dr. Stahl-Tarnowitz, 2. Vorsitzender: 'ener-Kattowitz, 3. Vorsitzender: Leßer-Beuthen, 1. Beisitzer: . Kassel-Ratibor, 2. Beisitzer: Förder-Gleiwitz, 3. Beisitzer: ^erendar Dr. Fränkel-Königshütte, 1. Schriftführer: Referendar thmann-Gleiwitz, 2. Schriftführer: Referendar Schutz-Zabrze. Hierauf erstattete der Vorsitzende des Gruppen Verbandes Dr. :thl-Tarnowitz, Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses. Es t in Oberschlesien 9 Ortsgruppen, 4 Vertrauensmänner, 610 hekelzahler. In der bisherigen Arbeit seien viel Fehler gemacht rden. Die Organisation sei mangelhaft gewesen, weil der ntakt der Ortsgruppen untereinander nicht vollständig gewesen, 'd weil die Leitung von den Mitarbeitern im Stiche gelassen rden sei. Darauf legte der Redner die Grundlagen der neuen : ganisation an der Hand des Statuts dar und zählte die Vertaltungen im verflossenem Berichtsjahre auf. Nach Verlesung einer Begrüßungsdepesche des Präsidenten I; deutschen Zentralbureaus Dr. Bodenheimer ging Herr Stahl zu s;;iem Referat „Zionistische Arbeit in Oberschlesien" II;-r. Redner empfahl in diesem den Ortsgruppen, regelmäßige Sitzungen abzuhalten, den Mitgliedern die Jüdische Rundschau gratis zukommen zulassen und hierfür die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Bei der Einziehung der Beiträge sollten Broschüren verteilt und diese in der darauffolgenden Sitzung zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden. Redner appellierte an die Mitarbeit aller Gesinnungsgenossen; nur dann könne ein Erfolg erreicht werden. In der darauffolgenden Diskussion bemängelte Herr Karl Löwy-Gleiwitz, daß von den Einnahmen der Ortsgruppen zuviel für Organisationsunkosten ausgegeben werde, während die zionistischen Gelder in der Hauptsache den zionistischen Fonds zufließen müßten. Es empfehle sich, um außerhalb unserer Bewegung stehende Personen heranzuziehen und für unsere Zwecke einzutreten, nicht rein-zionistische Vereine zu gründen, wie Jugend-, Frauen-, Turnvereine, Vereine zur Förderung von jüdischer Kunst und Literatur usw. Ein solcher Versuch sei erst kürzlich in Gleiwitz mit der Gründung eines jüdischen Jugendvereins gemacht worden. Leßer-Beuthen empfiehlt, von großen kostspieligen Agitationsvorträgen Abstand zu nehmen, da ihre Anziehungskraft sehr eingebüßt habe. Der Radikaiismus und die Maßlosigkeit, mit der bisher vorgegangen worden sei, müsse aufgegeben werden. Man müsse besonders danach streben, die Jugend für unsere Ideale heranzuziehen. Der Redner bedauert lebhaft, daß das Zentralkomitee keinen Vertreter entsandt habe. Dr. Cassel-Ratibor: Das Wachsen der Mitgliederzahl in den einzelnen Ortsgruppen sei nicht ein Zeichen für den Fortschritt der Bewegung. Etwas Grundfalscheres könne gar nicht gesagt werden, als daß der Zionismus zu radikal sei. Er sei im Gegenteil zu wenig radikal. Nichts sei leichter als Ortsgruppen beliebig zu vergrößern. Die Ortsgruppen seien einfach zu groß* als zu klein. Der Zionismus sei die Selektion derer, die berufen sind, das echte Judentum zu erhalten und fortzupflanzen. Große Versammlungen seien überflüssig. Alsdann ergreift Herr Dr. Sandler-Breslau, mit lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort zu seinem Vortrage über „Städtische und ländliche Kolonisation in Palästina." Der Redner gab zunächst einen kurzen Rückblick über unsere bisherigen Kolonisationsversuche in Palästina; zwei Arten von Kolonien haben reüssiert: 1. diejenigen, die der Privatinitiative ihr Dasein verdankten, und 2. diejenigen, die auf dem Prinzip der Selbständigkeit beruhten. Die Richtigkeit des ersten Prinzips beweise die blühende Kolonie von Petach-Tikwah, wo innerhalb von 20 Jahren der Wert des Landes um das 20fache gestiegen sei, und deren Orangengärten einen Wert von 5 Millionen Francs repräsentierten. Es werden daselbst jährlich 1 — IV2 Millionen Orangen geerntet. Dasselbe beweise Moza. Dahin sei der erste Kolonist mit wenig Geld gekommen, habe sich selbst aus Steinen ein kleines Haus gebaut, und heute besitze er ein großes Haus und große Weinniederlagen in Jerusalem. Das beweise endlich auch Rechoboth, dessen Boden eine 4—20fache Wertsteigerung erfahren habe. Das Prinzip der Selbständigkeit sei in den ehemals Rotschildschen Kolonien eingeführt worden, die zunächst infolge schlechter Administration sich nicht haben entwickeln können. Als sie von der Ica übernommen wurden, blühten sie auf. Die Ica habe die Kolonisten zunächst als Landarbeiter beschäftigt und einen Teil des von ihnen verdienten Lohnes zurückbehalten. Sobald sie einige Ersparnisse gemacht und die nötigen landwirtschaftlichen Erfahrungen gesammelt hatten, verpachtete man ihnen Land zur eigenen Bearbeitung, das sie käuflich erwerben konnten, sobald sie das hierzu nötige Geld erarbeitet hatten. Ein drittes Kolonisationsprinzip schlage Franz Oppenheimer vor, das der Siedlungsgenossenschaft, dessen Prüfung und Realisierung der VIII. Kongreß der Palästinakommission anheiingestellt habe. Diese Idee sei jedoch nur in kleinen Kreisen ausführbar. Wenn wir große Fortschritte machen, Massenkolonisation treiben wollten, müßten wir die großkapitalistische Methode anwenden. Große Gesellschaften müßten Land in Massen ankaufen und kleine Bauern ansiedeln, und zwar nach dem von der Ica angewandten Prinzip der Selbständigkeit. Da die bestehenden Gesellschaften sich nicht mit Ankauf von Land im großen befassen, müssen wir solche Gesellschaften gründen, die den vorhandenen jüdischen Länderkornplex vermehren. Hierzu sind wir gerade jetzt imstande, so lange sich Palästina auf der ersten Kulturstufe befindet. Ein Anfang ist bereits mit den Gesellschaften Geulah, Agudath Nethaim und Menucha Wenachlah gemacht. Wenn auch die landwirtschaftliche Kolonisation die Hauptsache sei, so dürfe man nicht die Industrie vernachlässigen, durch die wir viele Juden ins Land bringen könnten und die mehr Einwanderer ernähren könnte als die Landwirtschaft. Wir müssen unsere Kapitalien so anlegen, daß durch sie unsere 3*

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