Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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~ 8 DIEMKE LT No. 46 eine Heimstätte finden. Der Referent schildert dann nach eigener Anschauung die Verhältnisse in Amerika, wo sich trotz äußerer politischer Freiheit durch die immer mehr zuströmenden Massen jüdischer Auswanderer die Lage der Juden wesentlich verschlechtert hat. Die Bedingungen für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Juden in Palästina zu schaffen, sei die mit Erfolg begonnene und kraftvoll fortgeführte Aufgabe des Zionismus. Zum Schluß fordert Redner die Anwesenden auf, mitzuwirken an der Förderung der jüdischen Palästinaarbeit. Minutenlanger Beifall folgte den Ausführungen des Redners. An das Referat schloß sich eine anregende Debatte. Köln: Am verflossenen Samstag sprach in der Zionistischen Vereinigung Köln Herr Bankier Levy über „Meine Reise nach Palästina". Der Redner, der die seinerzeit von dem Zionistischen Zentraiverein in Wien veranstaltete Reise nach Palästina mitgemacht hatte, verstand es in fesselnder Weise seine Eindrücke vorzutragen. Das überaus zahlreich erschienene Publikum folgte den Darlegungen mit gespannter Aufmerksamkeit. In der Diskussion vertrat ein Anhänger der Poalei-Zion den sozialdemokratischen Standpunkt. Herr Berg er erwiderte ihm in einigen sachlichen Bemerkungen, die sich mit der Meinung der großen Mehrheit der Erschienenen deckten. Posen: Am 26. Oktober fand eine Monatsversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, zu der auch zahlreiche Gäste erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Kollensch er, gedachte zunächst in warmen Worten des Dankes der außerordentlich hingebungsvollen Tätigkeit des bisherigen Vorsitzenden, Herrn Dr. Jeremias, der als Erster in Posen eine 'zionistische Propaganda entfaltete und unter Kämpfen und Feindseligkeiten die hiesige Ortsgruppe ins Leben gerufen und zu ihrer heutigen Bedeutung emporgeführt habe. Die Ortsgruppe werde ihren Dankesgefühlen dadurch Ausdruck verleihen, daß sie die nächste Eintragung in das Goldene Buch des N.-F. auf den Namen des Herrn Dr. J. bewirken lasse. Dieser dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und ermahnte zu eifriger weiterer zionistischer Arbeit. Sodann erstattete der Vorsitzende Bericht über die neuesten Ereignisse und über die Lage im Zionismus, Daran schloß sich eine anregende und reichhaltige Diskussion, die besonders lebhaft bei der Gründung eines jüdischen Frauenbundes in Berlin für Kulturarbeit in Palästina verweilte und die Bedeutung und das fruchtbare Arbeitsgebiet jüdischer nationaler Frauenvereinigungen allgemein anerkannte. In einem Bericht über die politische Lage erwähnte Herr Dr. Jeremias die Frankfurter Tagungen des 2. Judentages und des jüdischen Frauentages, die sich durch selbstbewußte jüdische Haltung und nationalen Sinn auszeichneten, und gab sodann bei der Besprechung der Itotagung ein eingehendes Bild über die Tätigkeit, welche die Ito im letzten Jahre entwickelt hat. Bei der Erwähnung der Ica-Ansiedelungen in Argentinien berichtete Herr Schild über die überaus traurigen Erlebnisse argentinischer Rückwanderer, die erkennen lassen, daß die Ica die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der jüdischen Ansiedler vollkommen vernachlässige. Nach einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen durch den Vorsitzenden fand diese Monatsversammlung nach Mitternacht ihr Ende. Emden: Am 27. Oktober fand unsere erste diesjährige Winterversammlung statt. Nach Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Isaac A. Stein gedachte unser 2. Vorsitzender Edmund van Cleef des verstorbenen Großherzogs von Baden, des eifrigen Förderers unserer Sache. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Daraufhin hielt unser Kongreßdelegierter Jacob Schnelling sein Referat über den VIII. Zionistenkongreß, dessen Verlauf uns derselbe in beredten Worten schilderte, wofür ihm auch von der Versammlung der Dank abgestattet wurde, nachdem im Laufe der Diskussion folgende Resolution gefaßt worden: „Die am Sonntag den 27. Oktober in der Börse abgehaltene Versammlung der zionistischen Ortsgruppe nimmt mit Dank Kenntnis von dem Berichte des Kongreßdelegierten, Herrn Jacob Schnelling, Hannover, und verspricht, die Bestrebungen des Kongresses unterstützen zu wollen. Sie spricht der Leitung ihr Vertrauen aus. Berlin: In einer öffentlichen Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung sprach am 4. November Dr. Schemarja Lewiii aus Wilna über Kulturprobleme in Palästina. Der Vortragende, beim Berliner Publikum durch seine vorjährigen Vorträge über die Stellung der Juden in Amerika und über nationale Erziehung noch in bester Erinnerung stehend, knüpfte an die Stimmungen an, die ihn, der nach längerem Aufenthalt in Nordamerika eine Reise nach Palästina unternahm, ergriffen, als er den durch tausend Erinnerungen und Hoffnungen geheiligten Boden der Heimat des jüdischen Volkes betrat. Ein Vergleich der Lage der 2 Millionen Juden Amerikas mit der an Zahl so viel geringeren Judenheit Palästinas fiel, wenn man nicht einen rein materiellen Maßstab anlegt, bei weitem zugunsten der letzteren aus; nur in ihr liegen die Keime einer rasch aufsteigenden Entwicklung zur Freiheit, zur wirtschaftlichen Selbständigkeit und zu nationalem Eigenleben. Die Bedeutung der hebräischer Sprache für diese Renaissance des jüdischen Volke? wurde eingehend dargelegt, der Vortragende sieht sie nur in Palästina zu wahrem Leben erwachen; alk Wiederbelebungsversuche in der Diaspora sind ihm nu» Experimente, vergebliche Bemühungen um einen Toten Es folgte nun eine Schilderung des Werkes der Alliance des Hilfsvereins, der Chaluka, des Barons Rothschild mit Hinweisen auf die Tätigkeit christlicher Körper schatten. In ergreifenden Worten und Bildern kam de Schmerz des Vortragenden zum Ausdruck, als er de geringen Beteiligung der Judenheit, und namentlich de zionistischen, an allen palästinischen Kulturwerker z. B. im Schulwesen, in der Erforschung jüdische Altertümer, gedenken mußte. Und von seiner Vorur teilslosigkeit legte es ein schönes Zeugnis ab, weir er, trotz Erkenntnis aller so oft betonten Fehler de erwähnten Organisationen, ihnen dennoch nach Mög lichkeitGerechtigkeit widerfahren ließ und sich schließlic h mit einem lebhaften Appell an die Kreise, die sich zur Zionismus bisher nicht haben durchringen könnei: wandte, indem er sie aufforderte, den Hilfsverein dt deutschen Juden zu fördern, der zuerst nächst der Zionismus und unter dessen Einwirkung die nationale Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung Palästinas erkani und ihnen nach Möglichkeit (namentlich durch Einführung der hebräischen Unterrichtssprache in seine i Schulen) Förderung gewährt habe.