Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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18 OIEI^ELT No. 45 ^KORRESPONDENZEN^] Zu unserer in der le'zten Nummer veröffentlichten Notiz unter der Überschrift „Die jüdischen Sozialisten Amerikas und Galveston" erhalten wir folgenden Brief: London, den 4. November 1907. / An die Redaktion der „Welt". Werter Herr! Ich bemerke in Ihrer letzten Nummer einen Artikel, der die Aufmerksamkeit meiner Organisation auf die Gefahren einer Form legalisierter Sklaverei in „Südamerika" lenkt. Weshalb dieser Artikel die Überschrift „Galveston" trägt, begreife ich nicht, da doch Galveston nicht in „Südamerika" gelegen ist. Sollten jedoch damit die südlichen Vereinigten Staaten von Amerika gemeint sein, so stehen auch diese in geringer Verbindung mit unserer Galveston-Emigration, da die größte Zahl unserei Emigranten nach den mittleren westlichen Staaten befördert werden. Wenn Sie meine eigene Rede über diesen Gegenstand ebenso gierig wie diesen mißleitenden Bericht abgedruckt hätten, so würden Sie ersehen haben, daß der Schutz und die Leitung der Ito gerade gegen solche Geiahren nötig sind, ohne die anderen große Ziele zu erwähnen, welche einst auch die Zionisten begreifen werden. Galveston ist bloß der Weg zu unserem Zufluchtslande, wie hoffentlich Köln der Weg zu Palästina ist. Ich ergreife diese Gelegenheit, um mein Bedauern auszudrücken, daß die Jüdische Kolonialbank noch immer darauf erpicht ist, ihre kostbaren Fonds auf einen vollständig nutzlosen Prozeß zu vergeuden, der nur den Advokaten von Nutzen sein kann, wie auch die Entscheidung ausfallen mag. Wenn auch meine Seite gewinnen sollte, so kann ja noch immer, bei der gegebenen Einrichtung des Gründeraktienmechanismus, der Besitzer einer einzigen namentlichen Pfundaktie jedes territorialistische Projekt vereiteln. Möge es daher Herr Katzenelsohn nicht wiederum wagen, mich anzuklagen, das Geld der Bank zu verschwenden oder das Kind entzwei schneiden zu wollen. Er ist es, der das uns von Herzl hinterlassene Kind zerschneidet nicht ich. Ihr gehorsamer Israel Zangwill Wir müssen gestehen, daß wir den gereizten Ton nicht recht begreifen, in dem dieser Brief gehalten ist. Eine solche Beschwerde wäre richtiger an den „Vorwärts" in New York gerichtet worden, der die Nachricht zuerst gebracht hat oder an den „Fraind" in Petersburg, dem wir sie entnommen haben. Indem wir der Pflicht der Berichterstattung Genüge geleistet haben, verfehlten wir nicht, selbst im Anschlüsse an die Mitteilung sofort unserem Zweifel darüber Ausdruck zu geben, ob sich die Verhältnisse tatsächlich so verhielten, wie die Notiz besagt, und schrieben, daß es unbedingt erforderlich wäre, daß die in Betracht kommenden Korporationen die Angelegenheit sofort klarstellten. Wir bedauern lebhaft, daß der Brief des Herrn Zangwilleine tatsächliche Aufklärung nicht enthält. Wir können uns dadurch durchaus nicht darin beirren Massen, diese Sache auch weiterhin mit der Aufmerksamkeit zn verfolgen, die unseres Erachtens die jüdische Presse pflichtgemäß k tatsächlichen oder vermeintlichen Mißständen auf jüdischem Gebiete Zuwenden muß. Von einer Gier, oder irgend einer Tendenz kann dabei nicht die Rede sein. Was schließlich die Bemerkungen des Herrn Zangwill wegen der Abänderung der Statuten der Jüdischen Kolonialbank betrifft, so verstehen wir den Zusammenhang nicht, die sie mit der Angelegenheit der Immigranten in Galveston hat. Wir sehen uns daher äußer Stande, bei dieser Gelegenheit darauf einzugehen. Bezugnehmend auf. Ihren Bericht wegen unserer Konferenz in Nr. 40 Ihres w. Blattes, stellen wir hiermit richtig, daß: 1. dieselbe keine „Konferenz jugendlicher Poalei-Zion", sondern der Frei-Jugendlichen Arbeiterbildungsvereine „Jugend" gewesen ist. 2. Es ist nicht richtig, daß wir mit einer heftigen Gegenagitation der Sozialdemokraten kämpfen müssen; im Gegenteil, die „Internationale Verbindung der sozialistischen Jugendorganisation" hat unsere Konferenz begrüßt und unsere Bestrebungen anerkannt. 3. Wir haben nicht beschlossen, mit dem „Verband Poalei-Zion", sondern mit dem „Exekutivkomitee der Jüdischen Sozialistischen Arbeiterpartei „Poalei-Zion" in engere Verbindung zu treten. Hochachtungsvoll Für das Zentralkomitee der jüdischen jugendlichen Arbeiter und Handelsangestellten Bildungsvereine „Jugend" in Österreich, Lemberg. Osias Tunis. Auf dem Prager Distriktstag wurde behauptet, die „Jüdische Zeitung" wäre ebensowenig wie die „Selbstwehr" ein offizielles zionistisches Organ. Demgegenüber erklären wir, daß die „Jüdische Zeitung" von Mitgliedern unseres Komitees auf unsere Veranlassung gegründet wurde und daß sie unter ständiger Kontrolle eines von uns eingesetzten Presskomitees herausgegeben wird. Innerösterreichisches Distriktskomitee Wien IX, Türkenstraße* 9. Auf verschiedene Anfragen. Von der Jubiläumsfestnummer haben wir noch einen kleinen Vorrat auf Lager und zwar sowohl in der besseren, als auch in der billigeren Ausgabe. Wir liefern solange der Vorrat reicht erstere zum Preise von Mk 1.20, letztere ä 50 Exemplare pro Nummer gegen Voreinsendung des Betrages. Expedition der „WELT" Anläßlich unserer Verlobung sind uns von Freunden und s Bekannten wie auch zionistischen Institutionen und Vereinen \ so zahlreiche und herziehe Glückwünsche zugegangen, daß \ es uns ganz unmöglich ist, die einzelnen zu beantworten, \ Wir sprechen daher auf diesem Wega für alle diese freundf liehen Wünsche unsern innigsten Dank aus. jj Sarah Waschitz □ Isak Katz \ Zloczöw, im November 1907 | Abänderung der Bankstatuten Unter Bezugnahme auf die in Nr. 40 der „Welt" veröffentlichte Bekanntmachung der Herren Lewis und Yglesias in Sachen der Abänderung der Statuten der Jüdischen Koloniaibank ersuchen wir hierdurch die Landsmannschaften dringendste dahin zu wirken, daß eine möglichst große Zahl von Aktionären die in der Bekanntmachung aufgeführten Formulare unterzeichne und rechtzeitig, d.h. bis spätestens Ende Februar, an die Jüdische Kolonialbank einsende. Die Landsmannschaften mögen die erforderliche Anzahl von For mularen von der Jüdischen Kolonialbank beziehen und sie den Aktionären zur Verfügung stellen. Im Interesse einer sorgfältigen Ausfüllung der Formulare und einer zahlreichen Beteiligung der Aktionäre an der vom Gerichte vorgeschriebenen Abstimmung, durch die allein der tatsächliche Wille der Mehrheit bezüglich der Abänderung sich ermitteln läßt, liegt es, wenn die Landesorganisationen auch die rechtzeitige Ablieferung der unterzeichneten Formulare an die Kolonialbank in die Hand nehmen. Zu diesem Zwecke soll seitens der Landsmannschaften allen Vereinen und allen bekannten Aktionären mitgeteilt werden, daß die Formulare bei der Federation zu haben sind und daß diese die Übermittelung der unterschriebenen ai) die Bank besorgt. Auch soll bei jeder Gelegenheit für eine ausgedehnte Sammlung der Unterschriften der Aktionäre agitiert werden. Köln, 7. November 1907. Zionistisches Zentralbureau