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Die Welt · 1907-11-08 · 45 (8.11.1907) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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sitzender des Ministerrats. Er teilte Herrn Stoff mit, er möge sich nach den Bestimmungen des Ministerrats berüglich der Normierung der Judenzahl richten. Herr Stoff schien sich aber in diese Angelegenheit aus Rücksicht auf die Autonomie des Instituts sich einmischen zu wollen. Da wiederholte ihm Herr Stolypin seinen Auftrag auf telephonischem Wege, und diesmal in einem schärferen Ton. Die Folge davon war, daß Herr Stoff den Auftrag sofort zur Ausführung gebracht und zugleich sein Demisstonsgesuch eingereicht hat. Auch letzteres war in einem solchem Tone abgefaßt, daß das Gesuch sofort angenommen worden ist, und dies trotz der üblichen Form, die es verbietet, Stellvertreter zu entlassen, solange die Minister in deren Vertretung sie fungieren, abwesend sind. Herr Filossofow ist noch jetzt abwesend. Bezüglich der ausgeschlossenen jüdischen Studenten ist aus Petersburg die Verordnung erlassen worden, sie als freie Zuhörer ohne Berechtigungen zu Prüfungen, zur Arbeit in den Laboratorien und zum Gebrauche der Instrumente einzuschreiben. Nachher erschien beim Minister eine Deputation der ausgeschlossenen Studenten und erlangte weitere Zugeständnisse. Es wurde ihnen geslattet, in dem Laboratorium zu arbeiten, und wenn sie im Laufe eines Jahres „sich gut aufführen werden" können sie dann, ohne eine Konkursprüfung bestehen zu müssen, aufgenommen werden. *e^rn NACHRICHTEN Feuermelder in „Yiddish" » Im E a s t e n d Londons ist die Polizei zu einer bemerkenswerten Neuerung geschritten. Sie hat in den jüdischen Vierteln die Feuermelder mit Aufschriften in jüdischer Sprache versehen lassen. Wir bringen im Bilde eines dieser hervorstechenden Zeugnisse für den „Triumph des Yiddish". „Selbstwehr" in Qalizien Satiok: Vorige Woche hat vor dem hiesigen Kreisgerichte der Prozeß gegen 31 Juden aus Litwinsk begonnen. Am 10. März d. J. versuchten Bauern von der ungarisch-rumänischen Grenze, welche in der Litwinsker Holzsäge als Arbeiter beschäftigt waren, einen Pogrom zu veranstalten. Die Juden begaben sich sofort zur Gendarmerie, die aber dem Bauernhaufen nicht gewachsen war und den Juden riet, zur Selbswehr zu greifen. Die Juden organisierten sich rasch, und in den darauf folgenden Gassenschlägereien wurde ein Bauer getötet, zwei schwer und 15 leicht verletzt Die Juden trugen bloß geringfügige Verletzungen davon. Alle Juden wurden verhaftet und befinden sich bereits seit März in Untersuchungshaft. Die Verhandlung gegen sie ist für 10 Tage anberaumt; 153 Zeugen sind vorgeladen. Über den Ausgang der Verhandlung werden wir noch berichten. Der Konig von Rumänien gegen Soldatenv mißhandlungen Bukarest, 31. Oktober. König Carol hat erst jetzt durch einen Zufall von den Folterungen der jüdischen Soldaten im Regimente VIII Dragos (Dorohoi), über die wir seinerzeit berichtet haben, Kenntnis erlangt. DerKönighatsof ort den Kriegsminister, General Aver es cu, beauftragt, ungesäumt eine gründliche Untersuchung gegen den Colonel Marasescu neuerdings einzuleiten, und ihm — dem Könige — von deren Ergebnis Bericht zu erstatten. Diesem Allerhöchsten Befehle zufolge wird sich Colonel Marasescu gemäß den vom Kriegsminister getroffenen Dispositionen Mitte November vor einem Kriegsgericht, bestehend aus den Generalen Pavlo, Pressan und Zossima, zu verantworten haben. Die Anklage wird Colonel Paleologlu vertreten. Das Endresultat der jüdischen Dumawahlen in Rußland Über das Endresultat der jüdischen Wahlen in Rußland berichtet man uns noch folgendes: Die Wahlen in die Reichsduma sind schon fast beendet. In sämtlichen Orten des Ansiedlungsrayons außer Odessa sind die Deputierten gewählt, und wir können schon die Gesamtbilanz unserer parlamentarischen Vertretung ziehen. Summa Summarum hat die jüdische Bevölkerung zwei Vertreter in der dritten Duma: einen von den kurländischen Juden — Rechtsanwalt Nisselowitz und einen von dem Kownoer Gouvernement, Rechtsanwalt Fried mann aus Ponewesch. Diese beiden Gouvernements, wo die Juden .stets mit den Letten und Littauern blockieren, bleiben der jüdischen Vertretung treu! Das Blockieren der jüdischen Wahlmänner mit den Russen, Polen und anderen Majoritätsvölkern, hat leider zu keinem günstigen Resultate geführt. Beide obengenannte jüdische Deputierte nennen sich Anhänger der Kadettenpartei, in der jüdischen Frage vertreten sie das Programm des Verbandes für Vollberechtigung, das sich bis auf einige Details mit unserem Helsingforser diesbezüglichen Programm deckt. In Odessa wird eine Nachtragsstichwahl zwischen einem christlichen K. D. Nikolsky und unserem Jabotinsky stattfinden. Die Entscheidung findet am 24. Oktober/6. November statt. Quantitativ und qualitativ ist unsere Vertretung schlecht und zwar um so mehr, als die Duma sich höchstwahrscheinlich mit uns viel mehr als jetzt erwünscht beschäftigen wird. Odessa» 6. Novbr.* Das Ergebnis der neuen Wahl eines Abgeordneten für die Reichsduma in der zweiten Kurie ist folgendes: der Kandidat der.Kadetten, Nikolski, bekam von 10263 Stimmen 7274, der Kandidat des russischen Bundes, Kanownitzew erhielt trotz aller Repressalien nur 2983. Gewählt ist also Nikolski. Die Bewaffnung des Volksverbandes in Odessa Odessa, 29. Oktober. Vielen Mitgliedern des russischen Bundes, welche an der jüngsten Judenhetze teilnahmen, wurden die Waffen von der Polizei weggenommen. Heute schrieb die Gendarmerieverwaltung der Polizei vor, den Volksverbändlern die Waffen zurückzugeben. Das schwarze Hundert in der Duma Die zur Reichsduma gewählten Abgeordneten des Bessarabischen und Podolischen Gouvernements, die zu den Parteien der Rechten gehören, arbeiteten ihre Taktik in der Duma aus. Sie fordern Repressivmaßregeln gegen die Juden und Einführung des Kriegszustandes in ganz Rußland. Erschwerung der Einwanderung Das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden teilt mit, daß nunmehr auch in Argentinien, in Kuba und in Mexiko, wie in Amerika und Kanada, allen trachomkranken (an ägyptischer Augenentzündung leidenden) Einwanderein die Landung nicht gestattet wird. „Si duo faciunt idem....." Bei Besprechung des Blutbades in Csernova, bei dem bekanntlich 12 slowakische Bauern von der ungarischen Gendarmerie erschossen wurden, kommt die „Frankfurter Zeitung" auf das Verhältnis der verschiedenen Nationalitäten Ungarns zu den magyarischen Machthabern zu sprechen und schreibt folgendes: Unter allen Nationalitäten des Ungarlandes sind die Slowaken am schlechtesten dran, denn sie haben, ungleich den Deutschen, Rumänen und Serben, keinen selbständigen Nationalstaat, den sie, wenn es in Ungarn gar zu bunt hergeht, für sich interessieren könnten. Gegen die Slowaken kann man sich daher am meisten herausnehmen.

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