Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 45 DIE^ ELT daß die vom D.-K. gegründete „Jüdische Zeitung'- sich sehr entwickelt, ferner, daß Dr. Isidor Margulies, der bisherige Obmann des D.-K., das Präsidium wegen Übernahme anderer Parteiagenden niedergelegt hat. Er würdigt die außerordentlichen Verdienste, die sich dieser Gesinnungsgenosse betreffs Reorganisation des D.-K., Wiederbelebung zionistischen Geistes und der Führung großer Parteiaktionen erworben hat. Zum Schlüsse konstatiert Gg. Böhm mit Genugtuung, daß der Standpunkt des letzten Distriktstages fast in allen Fragen vom Parteitage in Bielitz wie auch vom VIII. Kongresse geteilt wurde. Auf Antrag des Gg. Sitzmann wurde dem Dr. Margulies Dank und Anerkennung des Distriktstages ausgesprochen. Gg. Adolf Böhm wurde durch Akklamation zum Obmann des D.-K. gewählt. Betreffs der Parteisteuer wurden die Vorschläge des Referenten Adolf Böhm angenommen: 1. Die Mitglieder der „bürgerlichen" Vereine zahlen 50 Heller monatlich. Die Vereine dürfen davon 2 Kronen jährlich für ihre Zwecke zurückbehalten. 2. Die Mitglieder der studentischen Korporationen zahlen 30 Heller monatlich. 3. Die Mitglieder der Arbeiter- und Mädchenvereine zahlen 20 Heller monatlich. Der Schekel ist in der Parteisteuer inbegriffen. 4. Mit dem 1. Januar 1908 tritt die neue Parteisteuer an Stelle der bestehenden. Auf Antrag des Dr. Margulies wurde folgende Resolution angenommen: „Der Distriktstag macht es allen Gesinnungsgenossen zur Pflicht, die „Jüdische Zeitung" zu abonnieren und zu verbreiten und nach Möglichkeit durch Zeichnung von Anteilen und durch Inserierung zu unterstützen." Um 1 Uhr nachmittags wurde der Distriktstag geschlossen. Iglau: Der Jüdische Volksverein „Theodor Herzl" für Iglau und Umgebung veranstaltet am Sonntag den 10. November (4. Kislev) d. J. im Bräuhaussaale eine öffentliche Vereinsversammlung. In dieser Versammlung erstattet der Delegierte des Vereins auf dem VIII. Zionisten-Kongreß im Haag, Herr Dr. Emil Margulies aus Trautenau den Bericht über den Kongreß und spricht über das Thema: „Was bedeutet der Zionismus für Juden und Nichtjuden?" Die Versammlung beginnt präzise um 1*U Uhr abends. Bielitz-Biala: Am 22. Oktober fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des zion. Bürgervereins „Haschachar" statt. Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Prof. Dr. Jul. Werner, der insbesondere die Leistungen des Vereines anläßlich der Kultuswahlen hervorhob und auch auf den großen Fleiß des Vorstandes gelegentlich des Bielitzer Parteitages hinwies. Nachdem der Kassierer Herr A. Huppert den Kassaausweis, der einen Überschuß von K. 537.72 anzeigt, verlesen hatte, wurde dem scheidenden Ausschuß das Absolutorium erteilt. Der neugewählte Ausschuß besteht aus den Herren: Dr. Padawer (Obmann), Huppert, Rabinowitz, Steuer, Dr. Werner, Ziffer. Zionistische Landeskonferenz in Galizien II. Sitzung, Sonntag, 27. Oktober. Sonntag, 27. Okt., nachmittags um 5 Uhr eröffnete der Vizepräsident 'ig. Dr. Pacht mann im Saale des Bürgervereines „TikwahZion" 11 Auf der Tagesordnung steht die Frage der die zweite Sitzung. Reorganisation. Dr. Lauf er aus Stanislau referiert über das Organisationsstatut, welches die Stanislauer Genossen vorgelegt haben, da das Projekt der Einberufer der Konferenz im letzten Augenblicke zurückgezogen wurde. „Alle Redner, welche heute schon die Gelegenheit hatten, ihre Meinung auf der Konferenz zu erörtern, haben die Notwendigkeit einer neuen Form für die zionistische Organisation Galiziens betont. Der Bielitzer Parteitag hat die Beibehaltung der drei Distriktskomitees unter der Zentralleitung des Landeskomitees mit dem Sitze in Wien beschlossen. Wir müssen nun also mit dieser Tatsache rechnen, und es ist uns nicht gestattet, die Distriktskomitees, die sich so sehr um die Verbreitung des Zionismus in Galizien verdient gemacht haben, abzuschaffen. Die Schwäche der zionistischen Organisationsformen besteht eben darin, daß wir sie ohne Vorbereitung und Überlegung einführen und dann, ohne genügende Gründe dazu zu haben, sie wieder auflösen. Wir sollten in dieser Neuemngssucbt, wenigstens was die Orgawisationsformen anbelangt, konservativer sein. Die alten drei Distriktskomitees sollen erhalten bleiben; um aber die laufenden Agenden, welche eine zentrale Führung für das ganze Land erfordern, ungestört ausführen zu können, proponieren wir die Gründung eines Zentralausschusses mit dem Sitze in Lemberg, welcher die Fragen des Nationalfonds, der Presse u. dgl. erledigen könnte. Die Kompetenz dieses Ausschusses sollte sich allmählich vergrößern; wir können aber nicht auf einmal die ganze Macht diesem Zentralkomitee übergeben, da wir erst erproben müssen, ob es lebensfähig und arbeitslustig sein wird. Der Zentralausschuß soll aus sechs Mitgliedern bestehen; jedes D. K. entsendet also zwei Delegierte in die Zentrale. An der Spitze des Zentralausschusses soll ein Vorsitzender stehen, der durch die Landeskonferenz direkt gewählt wird." Der Redner bespricht noch den Wirkungskreis des Zentralausschusses und fordert zugleich die Reorganisation der Distriktskomitees. Er ersucht zuletzt um die Annahme des Projektes der Stanislauer Genossen. Über dieses Referat entwickelte sich eine lange, ermüdende und an vielen Stellen ganz unverständliche Diskussion, welche bis 10 Uhr abends dauerte. Verschiedene Organisationsprojekte werden vorgelegt und debattiert. Besonders lebhaft gestaltet sich die Diskussion über die Kompetenz des zu bildenden Zentralkomitees. Die Lemberger Delegierten fordern für sich volles Vertrauen und verlangen eine möglichst autonome und einheitliche Parteileitung, wogegen die Repräsentanten des südgalizischen Distriktskomitees heftig" auftreten. Dr. Wald mann und Wechsler, die Krakauer Genossen und Dr. Brande haben ebenfalls selbständige Projekte eingebracht. In der Diskussion werden den bisherigen Distriktskomitees von vielen Rednern schwere Vorwürfe gemacht. Insbesondere wird behauptet, daß das Krakauer D. K. gänzlich untätig ist. Dr. Brau de spricht über das Verhältnis der galizischen D. K. zum Landeskomitee in Wien. Er weist auf die Schwierigkeit einer Verständigung mit den Wiener Genossen, welche die galizischen Verhältnisse gar nicht kennen, und auf die besonderen Interessen der galizischen Zionisten hin, die unbedingt eine separate zentrale Organisation erfordern. Die Zentrale muß aber aus Leuten bestehen, die in einer und derselben Stadt wohnen, und die Möglichkeit haben, ersprießlich zu arbeiten. Zuletzt proponiert der Redner die Bildung von fünf Distriktskomitees. Ober diese Angelegenheit sprechen noch mehrere Redner, die wie Dr. L. Reicht Dr. Rosenkranz und Dr. Schreiber eine starke einheitliche Zentrale in Lemberg verlangten, welche unabhängig von Wien sein soll, oder wie Dr. Schur, H. Lax und H. Tropp für die Notwendigkeit der Distriktskomitees oder die Gründung von Arbeitskommissionen in jeder größeren Stadt eintreten. Dr. A. Hausmann forderte eine Ausbildung der lokalen- Organisationen, bevor man an die Schaffung von zentralen zionistischen Institutionen herantritt. Schließlich wurde nach Ansprachen des Abg. Dr. Gabel und Dr. Wald mann beschlossen, eine Zentrale mit dem Sitze in Lemberg zu gründen, der fünf Mitglieder mit dem ständigen Wohnsitz in Lemberg und je zwei Delegierte aller Distriktskomitees anzugehören haben. Ober die Kompetenz dieser Zentrale sollte in' der Montagssitzung Beschluß gefaßt werden, da die Organisations- 'kommission ihre Anträge noch nicht vorbereitet hat. Die Beibehaltung der Distriktskomitees wurde mit 69 contra 27 Stimmen angenommen. Über die Zahl der Distriktskomitees entspann sich eine lebhafte Debatte. Von vielen Seiten wurde die Vermehrung der Distriktskomitees verlangt; während andere wieder auf der Abschaffung des Krakauer D.K, unbedingt beharren: Der Antrag der Delegierten aus Kolomea, auch dort ein selbständiges D. K. zu bilden, wurde abgelehnt. Angenommen wurde nur der Ü