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Die Welt · 1907-11-08 · 45 (8.11.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 DIE LT No. 45 Vorschlag, daß man aus dem Lemberger und Stanisiauer Distrikte beieinander liegende Ortschaften ausscheiden und sie zu einem neuen Distrikt mit dem Sitze in Tarnopol verbinden soll. Da die Zeit schon vorgerückt war, wurde die Abstimmung über die Reorganisation des Krakauer Distriktes auf Montag verschoben. Nach 10 Uhr schloß der Vorsitzende die Sitzung. Nach der Sitzung fand im Restaurant Bristol ein Kommers zu Ehren der anwesenden Delegierten statt, an welchem auch der hebräische Schriftsteller Rüben Brainin, der jetzt in Lemberg weilt, teilnahm. Der Kommers, von der „Emunah" geleitet, verlief sehr fröhlich und dauerte bis spät in die Nacht. III. Sitzung, Montag, 28. Oktober. Die Sitzung wurde um 91/« Uhr vormittags eröffnet. Auf der Tagesordnung steht eine ganze Reihe von Organisationsfragen. Von der Bildung eines zweiten, neuen Distriktskomitees für Westgalizien wurde auf Antrag Dr. Reiß abgesehen; um aber die zionistische Agitation in diesem Distrikte auszugestalten, faßte die Konferenz den Beschluß, daß in Jaslo, Tarnow, Neu-Sandez und Rzeszow Arbeitskomitees zu bilden seien, welche die dortige Organisation stärken und verbreiten sollten. Es wurde dann noch die Frage der Beteiligung der Distriktkomitees in der Zentralexekutive erledigt. Auf Antrag Dr. Reiß wurde beschlossen, daß jedes DK. zwei Delegierte ins Zentralkomitee entsendet. Alle anderen Organisationsfragen wurden der Organisationskommission übergeben, die nachmittags ihren Bericht erstatten soll. Hierauf hält Dr. A. Salz sein Referat über die Gründung einer zionistischen Landesbank in Galizien. Die zionistische Parteileitung in Galizien hat schon die Gründung eines zentralen Kreditinstituts in Lemberg mit Filialen in allen größeren Städten Galiziens beschlossen. Diese Bank soll sich zur Aufgabe stellen, das jüdische Kapital zu organisieren und den jüdischen Handels- und Gewerbestand ersprießlich zu fördern. Die Gründung einer solchen Bank ist für uns von der größten Wichtigkeit, weil wir die jüdische Masse selbständig und unabhängig machen müssen. Alle großen Parteien haben dieser Tatsache Rechnung getragen. Unsere Anhänger müssen wir von der Abhängigkeit von den gegnerischen Kreditinstitutionen befreien. Es sind zwar schon 260 jüdische Bankinstitute in Galizien vorhanden, und ihr Kapital vergrößert sich augenscheinlich. Diese Privatinstitute fordern aber fast immer einen sehr hohen Prozentsatz und befinden sich meistenteils in den Händen unserer heftigsten Gegner, was der Verbreitung der zionistischen Idee unter den von ihnen abhängigen Volksschichten störend im Wege steht. Es ist also unsere Pflicht eine jüdische Bank zu gründen, welche weitere Kreditgenossenschaften zu organisieren hätte, den bestehenden einen billigen Kredit gewähren und das ganze jüdische Kapital konzentrieren könnte. Der Referent schlägt für diese Bank die Form einer Aktiengesellschaft vor, die 2000 Aktien ä 1000 Kronen ausgeben sollte. Er hofft, daß die jüdischen Kapitalisten dieses Werk, welches großen Nutzen für die galizischen Juden bringen wird, unterstützen werden, da ja übrigens schon die bestehenden jüdischen Kreditinstitute den besten Beweis für die Lebensfähigkeit und Sicherheit des Kapitals geliefert haben. Auch die Jüdische Kolonialbank könnte uns mithelfen, da sie doch allmählich ihre Geldgeschäfte in Rußland abwickelt und ihr Geld irgendwo anlegen muß. Im Falle, wenn wir selbst eine ansehnliche Geldsumme zusammenbringen werden, wird uns die Jüdische Kolonialbank einen großen Kredit eröffnen können, und so werden wir imstande sein, ein großes Reeskonto-Institut in Lemberg zu schaffen, das im ganzen Lande ein Netz von Bankfilialen gründen könnte. Eine große zionistische Bank in Galizien ist keine Utopie. Die Bevölkerung erwartet sie mit Ungeduld, und unsere Sache ist es, trotz aller Schwierigkeiten dieses große und zukunftsreiche Werk in Angriff zu nehmen. Der Redner stellt schließlich folgenden Antrag: Die Landeskonferenz beschließt die Gründung einer Bank mit dem Sitze in Lemberg und Filialen in anderen Städten. Die Ausarbeitung eines entsprechenden Projektes wird einer Kommission von 5 Mitgliedern überlassen, die von der Konferenz gewählt werden. (Beifall und Händeklatschen.) Nach einer kurzen Diskussion über die zu wählenden Mitglieder der Bankkommission und ihr Verhältnis zum parlamentarischen „jüdischen Klub", der, wie Dr. Braude erklärte, sich mit der Bankfrage eingehend beschäftigt, wurde zur eigentlichen Diskussion übergegangen. Dr. Rapaport wies auf die Schwierigkeiten hin, welchen die Gründung einer so großen zionistischen Bank begegnen wird, und forderte eine Verständigung mit der Kolonialbank, bevor man zur Durchführung der Angelegenheit übergehe. Dr. Thon sprach sich gegen die Gründung einer zionistischen Bank aus. Die Geldinstitutionen, welche einen ausgesprochenen Parteicharakter aufweisen, mißlingen fast immer. Die jetzigen Verhältnisse in Galizien und auf dem Geldmarkte erlauben uns auch nicht, diese Idee zu verwirklichen. Er verlangt, daß über die Bankfrage nicht jetzt, sondern auf der nächsten Landeskonferenz ein endgültiger Beschluß gefaßt werden solle. Dr. Lachs tritt in einer längeren Rede für die Gründung der Bank ein. Er beweist die Notwendigkeit der Gründung eines solchen Kreditinstitutes für die jüdischen Handwerker und Kaufleute. Unsere erste Aufgabe ist, das Volk, welches sich uns anvertraut hat, wirtschaftlich zu heben. Dazu müssen wir eine Bank haben. Es wurden schließlich zwei Generalredner gewählt. Pro. Del. Aschkenase fordert im Namen des jüdischen Bürgertums die Gründung einer zionistischen Bank. Über die Organisation dieser Bank soll die gewählte Kommission entscheiden. Contra Dr. Ringel beweist, daß die Frage noch nicht genügend vorbereitet und zur Verwirklichung reif ist. Er ist auch gegen die Anwendung der Gelder der Kolonialbank für die Zwecke einer zionistischen Bank in Galizien. In dem Schlußworte beantwortet Dr. Salz alle seinem Referate gemachten Vorwürfe. Er beweist durch Beispiele, daß gerade politische und parteiische Kreditinstitutionen sich vortrefflich entwickelt haben. Die Bank ist für unser Volk eine Notwendigkeit; sie wird schon sogar ungeduldig erwartet. Er begrüßt mit Freude die ersten Schritte des Jüdischen Klubs zwecks Gründung einer solchen Bank; er meint aber, daß eine besondere Kommission, welche die Frage genau studieren soll, unentbehrlich sei. In der Abstimmung wurde der Antrag des Referenten angenommen, nur soll die Bankkommission nicht aus 5 sondern aus 10 Mitgliedern bestehen. In die Bankkommission wurden schließlich gewählt: Dr. M. Braude, Dr. S. Rapaport, Dr. A. Salz, N. Tartakower, Dr. Kornhäuser, B. Jahr, Dr. A. Weiß, K. Stand, J. S. Philipp und Dr. A. Korkis. Die Kommission, welche das Kooptationsrecht hat, ist verpflichtet, spätestens bis zum Monat März 1908 konkrete Anträge in der Bankangelegenheit auszuarbeiten. IV. Sitzung Um 4 Uhr nachmittags wird die letzte Sitzung eröffnet. Im Namen der Organisationskommission legt Dr. Braude folgende Anträge der Konferenz vor: 1) Die Kompetenz der bisherigen zionistischen Institutionen bleibt unberührt dort, wo sie den Wirkungskreis des Zentralkomitees nicht tangiert. 2) Das Zentralkomitee ist verpflichtet, alljährlich eine Landeskonferenz der galizischen Zionisten einzuberufen, weiche die höchste Instanz für die zionistische Organisation Galiziens ist. In dem Kongreßjahre soll die Konferenz vor dem Kongresse stattfinden. 3) Das Z. K. vertritt die zionistische Organisation in Galizien nach außen, wie auch allen zentralen Parteiinstitutionen der zionistischen Organisation gegenüber. 4) Das Z. K. ist das oberste Kontrollorgan der zionistischen Agitation und Organisation im Lande. Ihr obliegt auch die zentrale Leitung der Agitation. 5) Dem Z. K. ist die zionistische Presse und alle kulturellen Institutionen im Lande untergeordnet. 6) Das Z. K. überwacht die Ausführung der Kongreßbeschlüsse und der Anordnungen der zentralen Pärteibehörden. 7) Das Z. K. besorgt die Administration des Nationalfonds und aller Fonds, welche für palästinensische Zwecke bestimmt sind. 8) Die Administration des Schekels, der Parteisteuer und des Palästinaschekels wird vom Z. K. geführt. 9) Die Landeskonferenz wählt den Präsidenten des Z. K. in einer besondern Abstimmung. 10) Jeder Zionist hat außer dem Schekel alljährlich 1 Krone als Parteisteuer zu entrichten. Nur wer die Parteisteuer bezahll hat, gehört der zionistischen Partei in Galizien an. Öie Hälfte der Parteisteuer wird dem entsprechenden D. K., die andere Hälfte dem Zentralkomitee zufallen. Alle diese Anträge wurden einstimmig angenommen. Ohne Diskussion wurde dann der Dringlichkeitsantrag Dr. Reil-> angenommen, alle in Galizien gesammelte Gelder nur dem Nationalfondskommissär in Lemberg zu übersenden. Der Antrag des Del. Förster, die hebräische Spracht als die offizielle Sprache der zionistischen Organisation in Galizien anzuerkennen, wird unter lebhaftem Beifall und Händeklatschen einstimmig angenommen. Es erfolgen dann die Wahlen in das Zentralkomitee. Zum Präsidenten wurde einstimmig Dr. Markus Braude gewählt. Die Delegierten bereiteten dem ersten Präsidenten der galizischen Organisation eine langanhaltende Ovation, Durch Stimmzettel

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