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Die Welt · 1907-11-08 · 45 (8.11.1907) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 45 DIE^ELT 9 und durch Schaffung des Parteifonds, den zu füllen unsere nächste Aufgabe sei, aktionsfähiger als je geworden sei. Die Vorbereitung des Landes liege hauptsächlich in den Händen der Palästinakommission, der der VIII. Kongreß durch seinen Beschluß, ihr ein Viertel aller regulären Einnahmen zu überweisen, erst die erforderliche große finanzielle Basis gegeben habe. Das Volk sei vorzubereiten durch Verbreitung der Kenntnisse über Palästina und unsere Bewegung. Redner wandte sich dann den Einwendungen zu, die uns vom politischen und religiösen Standpunkt aus gemacht werden. Langandauernder Beifall folgte den oft von Äußerungen der Zustimmung unterbrochenen Worten des Redners. Sodann berichtete Herr Dr. Hey mann über den gegenwärtigen Stand unserer Arbeit in und für Palästina. Herr Rechtsanwalt Leszynski zog interessante Parallelen zwischen der jüdischen und zionistischen Tätigkeit in Deutschland und in anderen Ländern und Herr Barth gab uns aus dem reichen Schatze seiner Erinnerung an die verflossenen Kongresse einige stimmungsvolle Bilder, die reichen Beifall auslösten. Eine Diskussion folgte, in der sich zunächst Herr Rabbiner Dr. Worms-Stettin über den Ton beklagte, den Herr Dr. Joseph gegen die antizionistischen Rabbiner in der Stadt des Dr. Vogelstein angeschlagen habe. Er selbst sei Gegner des Zionismus. Weshalb, das wollte Herr Dr. Worms nicht sagen, weil man über Weltanschauungen nicht in Versammlungen diskutiere. Diese Anschauungen, die Herr Dr. Worms mehrfach zum Ausdruck brachte, wurden von den übrigen Rednern des Abends, den Herren Rabbiner Dr. Joseph, Rabbiner Dr. Lewy-Neusttetin, Dr. H. G. Heymann und Referendar Greifenhagen energisch zurückgewiesen. Der weitere Verlauf des Abends gestaltete sich zu einem vollen Erfolge für die Stettiner Ortsgruppe. Nachdem noch Herr Brandt namens des Jüdischen Turnvereins die Anwesenden zu dem Stiftungsfest desselben, das am 12. November stattfindet, eingeladen hatte, schloß Herr Barth die Diskussion. Tagung des Gruppenverbandes Hessen und Hessen-Nassau Am Sonntag, den 27. Oktober fand in Frankfurt a. M. die konstituierende Versammlung des neuen Gruppenverbandes statt, der die Ortsgruppen und Schekelzahler in Hessen und Hessen- Massau vereinigt. Die Tagung war außer von dem Gesamtvorstande der Frankfurter Ortsgruppe auch von zahlreichen Frankfurter Monisten besucht sowie von Vertrauensleuten der Ortsgruppen Usfeld, Mainz, Marburg, Oberingelheim, Schlüchtern, sowie von . inem Vertreter des Zentralbureaus, Herrn Dr. Friedemann. Der Vorsitzende, Herr Sondheimer, begrüßte die Erschienenen nd legte dar, daß in dem neugebildeten Bezirke zahlreiche Juden wohnen und ein lebhaftes jüdisches Leben herrsche. Es sei unsere Pflicht, unter diesen Juden, die zum Teil vom Zionismus noch gar iichts wissen und zum Teil eine ganz falsche Auffassung von diesem 'aben, den Zionismus bekannt zu machen und zu verbreiten, an edem Orte müssen Vertrauensmänner gewonnen und durch Verbreitung von Broschüren und Zeitungen den Rednern vorgearbeitet verden. Die Beispiele von Schlüchtern und Bergen haben gezeigt, daß die Juden außer in der Synagoge auch noch sonst etwas vom Judentum wissen wollen. Über die Verhältsnisse in Kurhessen, insbesondere in Schlüchtern und Fulda, berichtete Herr Sichel, über Mainz Herr Dr. Levy- ' >beringelheim, über Alsfeld und Marburg die Herren Zahnarzt 'Uietow und Oppenheim. Dr. Friedemann ist der Meinung, daß gerade auf dem Lande i'Och etwas für den Zionismus zu erreichen sei, und er fordert die indischen Studenten auf, in ihren Ferien sich in den Taunus, Vogels-!,erg und Kurhessen zu wenden und dort von Haus zu Haus für (-'en Zionismus zu agitieren, dem könnten dann später Zeitungs- :^itationen folgen. Über die Frankfurter Verhältnisse spricht sich dann der Vorsitzende eingehend aus. Er erklärt fernerhin, daß die zionistische Presse in bezug auf Volkstümlichkeit oftmals nicht mit der übrigen jüdischen Presse konkurrieren könne. Die Zionisten sollen durch ihre positive Mitarbeit mit dazu helfen, die zionistische Presse zu heben. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Debatte an, die folgende Beschlüsse zeitigte: 1. Der Gruppenverband wird konstituiert mit Frankfurt a. M. als Vorort. 2. In den Vorstand treten ein die Herren: Sondheimer, Dr. J. Feuchtwanger, Stern-Frankfurt a. M., Dr. Friedemann-Usingen, Braude-Geisa, Wislicki-Neuwied, Baum-Wiesbaden, Nußbaum-Fulda, Dr. Levy-Oberingelheim, Sichel-Schlüchtern, Buetow-Alsfeld, Oppenheim-Marburg, für Mainz wird noch ein Vertreter bestimmt. 3. Die nächsten Arbeiten bestehen in Agitationsversämmlungen in Kurhessen. 4. An einer Reihe von Plätzen, an denen Vertrauensleute schon gewonnen sind, soll der Versuch gemacht werden, Gruppen zusammenzubringen. 5. Jeder organisierte Zionist im Distriktsbezirk ist verpflichtet, Mk. 0.75 Beitrag an den Gruppenverband zu zahlen. Abrechnung geschieht mit den einzelnen Ortsgruppen. Als Grundstock für die Kasse des Gruppenverbandes zeichnen die Anwesenden gemeinschaftlich Mk. 130.—. 6. Der Gruppenverband hält die Abhaltung des deutschen Delegiertentages aus mannigfachen Gründen Weihnachten nicht für wünschenswert und überläßt die Festsetzung des Termines dem deutschen Zentralbureau. Hierauf wurde noch beschlossen, für den Parteifonds energisch zu arbeiten und eine erstmalige Tagung des Gruppenverbandsvorstandes auf Ende Dezember nach Mainz einzuberufen. — Um 8 Uhr schloß Herr Sondheimer nach vierstündiger Dauer die äußerst harmonisch verlaufenen Verhandlungen. Dessau: Am 27. Oktober fand in dem neuerbauten Saale des Gemeindehauses eine Versammlung unserer Gruppe statt. Der Saal war mit blauweißen Farben und mit auf unsere Institutionen bezüglichen Sprüchen glänzend dekoriert. Herr Landesrabbiner hielt die Festansprache, in welcher er auf die Rührigkeit der hiesigen Gruppe hinwies. Herr Dr. Nossig aus Berlin entwickelte dann in einer großzügig angelegten Rede die Ideen des Zionismus im Vergleich zu den andern Parteien. Chorgesang und Klavierspiel trugen zum Gelingen des Abends bei. Die Anwesenden blieben in Festesstimmung bis gegen 4 Uhr morgens beisammen. Rybnik: Die hiesige zionistische Ortsgruppe hielt am 28. Oktober ihre statutenmäßige Generalversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht, den Herr Salo Priester erstattete, ging hervor, daß die Mitgliederzahl ungefähr gleich geblieben isf. Nachdem hierauf Herr Glass den Kassenbericht erstattet hatte, wurde dem Vorstand Decharge erteilt und zur Wahl des neuen Vorstandes geschritten. Aus dieser gingen hervor: Herr Salo Priester als 1. Vorsitzender. Herr Simon Wolff als 2. Vorsitzender, Herr Siegfried Mannchery als Schriftführer, Herr Glass als Kassierer. Es wurde beschlossen; zu dem in Kattowitz stattfindenden Zionistentage Herrn Wolff als Berichterstatter zu entsenden. Auch hat es sich der Vorstand zur Aufgabe gemacht, im neuen Geschäftsjahre eine regere Agitation zu treiben und regelmäßige Vortragsabende abzuhalten und für Sonntag den 10. November, nachmittags, zu einem Bericht über den VIII. Kongreß Herrn Dr. Dobrzynski zu gewinnen. Frankfurt a. M.: „Religiöser Konservatismus und politischer Liberalismus" war das Thema, 2

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