Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316287--49905-3344864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 DJE^EElT No. 44 zu kennen, ohne jedwede Vorbereitung ging man an den Bau eines so wichtigen Werkes. Die Fehler sind heute übrigens schon allgemein bekannt. Darum mußte die erste Kolonisation mißlingen. Der politische Zionismus hat sich von jeder kolonisatorischen Tätigkeit im Lande abgesagt, weil er seine Ziele durch eine diplomatische Arbeit von außen heraus zu erreichen hoffte. Der VII. und VIII. Kongreß haben diese falsche Voraussetzung endlich abgeschafft. Denn mit Palästina ist die Hoffnung auf eine jüdische Kultur, auf eine normale jüdische Wirtschaft und auf eine jüdische Zukunft innig verbunden; mit Palästina ist auch das Interesse des jüdischen Volkes für den politischen Zionismus eng verknüpft. Ohne Palästina ist Zionismus ein leerer Schall, ein Wort ohne Inhalt (Beifall), eine Assiniilationsarbeit. (Beifall.) Wir müssen also jetzt, da sich wieder ein neues Leben in Palästina entwickelt, mit aller Kraft mitarbeiten an der wirtschaftlichen Erschließung Palästinas". Der Redner bespricht alle jüdischen Institutionen, die jetzt in Palästina wirken und legt besonders Gewicht darauf, daß die politischen Zionisten den „Bezalel" und das Industriesyndikat unterstützen sollen. Er vertritt den Standpunkt, daß die Kolonisationsarbeit sich auf industrielle Gebiete erstrecken müsse und zwar durch Heranziehung größerer öffentlicher und privater Kapitalien behufs Schaffung industrieller Unternehmungen im Sinne der Palästinakommission in Berlin. Der Redner fordert weiter die Schaffung kleiner selbständiger Bauernwirtschaften, wobei die jüdische Kolonialbank und der Nationalfonds indirekt durch Palästinabanken zur hypothekarischen Kreditgewährung, keineswegs aber zum direkten Landankauf herangezogen werden sollen; die Föderung und Gründung von jüdischen Ackerbauschulen und Musterfarmen. Zugleich müssen Gründungen größerer gemeinschaftlich bewirtschafteter Farmen vermieden werden. — Zuletzt stellt Dr. Rapaport Anträge, welche sich auf die Propaganda und Organisation der Palästinaarbeit in Galizien beziehen. Die Propaganda für die Kolonisation Palästinas wird geleitet: 1. Durch Vorträge über Palästina und den Stand der Kolonisation. 2. Durch Verbreitung von Schriften sowie durch Gründung einer Vierteljahresschrift im Jargon, die sich mit der Kolonisation Palästinas befassen soll. 3. Durch Ankauf von Anteilscheinen der Genossenschaften „Palästina" und „Agudat Netaim". 4. Durch Werbung von Mitgliedern für den Bezalel. 5. Durch Gründung von Gruppen, die sich mit dem Absätze und Vertriebe der in Palästina erzeugten Produkte befassen. 6. Durch Gründung eines Informationsbureaus. — Der Redner schloß mit einer Aufforderung an die galizischen Zionisten, daß sie eine regere und lebhaftere Tätigkeit für den wichtigsten Punkt des zionistischen Programms, die reale Arbeit in Palästina, entwickeln sollen. (Beifall.) Es entspinnt sich dann eine ernste, manchmal sehr aufgeregte Diskussion, welche ihre Spitze gegen die Parteileitung wendet, die im letzten Jahre die Palästinaarbeit gänzlich vernachlässigt habe. Del. Kahan fordert Aufrichtigkeit seitens der zionistischen Führer. Sie müssen zugeben, daß durch die politische Tätigkeit die Palästinaarbeit in den Hintergrund gestellt wurde. Er fordert, daß die Führer der Bewegung ein besseres Beispiel geben und für die Sache opferwilliger sein sollen. Del. Horowitz wendet sich auch gegen die Vernachlässigung der Palästinaarbeit und kritisiert die Projekte des Referenten. Del. Frostig konstatiert, daß auch die Parteileitung als solche gar nicht für die Verbreitung der Idee der realen Arbeit in Palästina tätig war. Der Redner wendet sich dann gegen die Thesen des Referenten und beweist, daß sie nicht annehmbar sind. Wir haben in Bielitz und auf dem Kongresse beschlossen, eine Siedlungsgenossenschaft nach dem Oppenheimerschen Plane zu gründen, und wir haben dadurch der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß wir die Kolonisation Palästinas auf genossenschaftlicher Basis führen können werden. Wir müssen jetzt mit aller Kraft eine Industrie in Palästina schaffen; unser wichtigstes Ziel wird aber immer die Erwerbung der Erde und die Entwicklung eines gesunden jüdischen Bauernstandes sein. Del. Tieg er macht der Opposition den Vorwurf, daß sie allzuviel theoretisch veranlagt, nicht aber praktisch genug ist. Die Anträge und Thesen des Referenten sind praktisch und deshalb sollten wir sie annehmen. Del. Frankel, Linn, Schönbach, Herzig und Tartakower sprechen sich auch gegen die bisherige Leitung der Palästinaangelegenheiten in der Parteiexekutive aus. Sie fordern mehr Verantwortlichkeit vor der jüdischen Bevölkerung. Insbesondere wird die frühere, nachlässige Führung des N.-F. heftig kritisiert. Del. Dr. Braude bemerkt, daß die Partei eine gesunde Opposition brauche; die Opposition muß aber loyal sein und an - die Ehrlichkeit der Führer glauben. Ihr könnt uns vorwerfen, daß wir zu wenig für die Sache geleistet haben, daß ihr aber an unserem guten Willen, unserer Ehrlichkeit, unserem Zionismus zweifeln sollt, ist unzulässig. Die Opposition hat die Palästinaarbeit nur für sich allein gepachtet; ich behaupte aber, daß wir alle die reale Arbeit in Palästina so gut wünschen, daß wir sie so unterstützen wollen, wie Sie, meine Herren. Die politische Tätigkeit hat auf [einen Augenblick die palästinensische Arbeit wirklich verdrängt; deshalb brauchen wir noch nicht zu verzweifeln. Wir werden die Arbeit jetzt mit allem Eifer in Angriff nehmen und damit klar beweisen, daß wir unser Endziel, unser eigentliches Programm nicht vergessen haben. — Der Redner tritt auch gegen die Thesen des Referenten auf, weil die Konferenz nicht das Recht habe, über das zu entscheiden, was der Kongreß schon beschlossen hat. Es werden dann nach dem Schlußworte des Referenten die Anträge wegen der Propaganda mit kleinen Änderungen angenommen. Über die Thesen wurde nicht abgestimmt, da der Referent erklärt, daß er sie nur als Inhaltsangabe seines Referates hat drucken lassen. Als Mittel für die Propaganda (Palästina-Fond) wurden folgende Anträge des Referenten angenommen: a) Verkauf von Palästinaschekel, b) Verkauf von Palästinaprodukten, c) Spenden bei Feierlichkeiten u. dgl. Der Antrag, daß von dem im Lande aufgebrachten Schekel 7°o und von Nationalfondsammlungen 3% in Abzug gebracht werden sollen, wurde abgelehnt. Nach dem Berichte des Verifikationsausschusses, der die Zahl der angemeldeten Delegierten auf 160 und der auf der Konferenz anwesenden auf 120 konstatierte, und nach der Wahl einer Organisationskommission schließt der Vorsitzende Dr. A. Salz um 2-1/« Uhr nachmi tags die Sitzung. (Schluß folgt! Ungarn Budapest (Jüd.-akademischer Verein „Makkabäa"): Ins Präsidiu m des Wintersemesters 1907 /8 wurden gewählt: cand. jur. Baruch Tomaschoff, Präses; stud. med. Leopold Weisz und stud. phil. Isak Pfeiffer, Vizepräses; stud. med. Franz Schönfeld, Sekretär; stud. jur. Marcell Schwarz. Schriftführer; stud. med. Rudolf Barta, Kassier; cand. med. Fr. Emma Hauser und stud. med. Samuel Glück. Kontrolle; stud. jur. Robert Füredi, maior domus; stud. jur. Ferdinand Madarasz, Shareklub-Verwalter; Vereinslokal (IV. Hajo u. 10.). Außerdem wurden verschiedene Kommissionen gewählt, deren Zweck es ist, die in unserem Programme enthaltenen Punkte zu verwirklichen. Das Programm der Makkabäa bezweckt, eine möglichst intensive Agitationsarbeit im Bereiche der hiesigen Hochschulen auszuüben, starke Kämpfer für unsere Sache zu gewinnen, aus den Neuankömmlingen solche heranzubilden. Die Mitgliederzahl unseres Verbandes beträgt 120, wovon 20 Seniore, 40 aktive Bundesbrüder und 60 Juniore sind]; darunter befinden sich 10 Damen. Hörer hiesiger Hochschulen. —