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Die Welt · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ludwig Steiner und Ernst Bechert (Teplitz). Als Revisoren für das Distriktskomitee und die Nationalfondsverwaltung gingen die Herren Ing. Paul Mahler und Prof. Wertheitner aus der Wahl hervor. Hernach wird die Debatte über das Referat „Agitation und Presse" fortgesetzt. Der Antrag des Herrn Dr. Kuh: „Der Distriktstag erteilt dem Distriktskomitee den Auftrag, seine Mitteilungen an die Organisationen durch die „Selbstwehr" zur Kenntnis zu bringen, und zwar mit der Wirksamkeit, daß diese Kundmachungen als offizielle zu gelten haben," wird angenommen und die Debatte durch folgende, per Akklamation gebilligte Resolution seitens des Abg. Dr. Mahler geschlossen: „Das böhmische Distriktskomitee wird beauftragt, seine intensive und extensive Agitation in allen Teilen des Landes aufs nachdrücklichste zu fördern. Auf Erhaltung der bestehenden Organisationen, auf Vertiefung der zionistischen Arbeit, auf das Hineintragen des zionistischen Gedankens in das jüdische Haus und in die jüdische Schule muß sein Hauptaugenmerk gerichtet werden." Nachdem hierauf dem Vorsitzenden Herrn Ernst Bechert der Dank für seine unparteiische Leitung der Verhandlungen ausgesprochen wurde, wurde die Tagung um 3A8 abends geschlossen. Das neue Distriktskomitee hielt nach Schluß des Distriktstages seine konstituierende Sitzung ab. Zum Obmann wurde Herr Dr. Mahl er, zu dessen Stellvertretern die Herren Dr. Kuh und Glaser und zum Schriftführer Herr Dr. Kral gewählt. Zionistische Landeskonferenz in Galizien i. Sitzung Sonntag den 27. ds. Mts. wurde die Konferenz der galizischen Zionisten im großen Saale des „Jad-Charuzim"-Vereins in Lemberg in Anwesenheit von 120 Delegierten und über 200 Gästen feierlich eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt der Obmann des Lemberger Distriktskomitees Gg, Dr. G. Zip per. Er begrüßte herzlich alle Delegierte als Einberufer dieser Versammlung und drückte die Erwartung aus, daß wie die früheren Zusammenkünfte der galizischen Zionisten, auch diese Konferenz viel zur Verbreitung und zum Wachstum der zionistischen Idee im Lande beitragen wird. Die Bewegung sei jetzt in Galizien sehr stark; es fehle ihr aber an einer entsprechenden Organisationsform. Die Vorwürfe, die man den galizischen Zionisten gemacht hat, daß die Landespolitik die reinzionistische Tätigkeit verdrängt hätte, sind falsch, bewußt falsch. Wir werden darauf eine passende Antwort geben, indem wir alle die Fragen der praktischen Tätigkeit in Palästina, die doch die Basis des Zionismus, ist, gewissenhaft besprechen und jede Möglichkeit ausnützen, um sie in Gemeinschaft mit der ganzen zionistischen Organisation zu unterstützen. Anderseits aber sollen wir nicht die realen Bedürfnisse des heutigen alltäglichen jüdischen Lebens vergessen. In dieser Hinsicht werden wir auch über die Frage der national-jüdischen Politik und über die Gründung einer besonderen jüdischen Bank diskutieren. Auf unsere Beschlüsse warten Tausende von Anhängern; fühlen wir also die Verantwortlichkeit, welche wir gegenüber unserem Volke tragen und stehen wir auf der Höhe unserer Aufgabe. Ich begrüße die Konferenz mit unserem alten Worte: Baruch haba! (Beifall.) Im Namen des A.-C. sprach dann Rabbiner Dr. Braude. „In Vertretung des Abg. A. Stand, welcher durch sehr dringende parlamentarische Angelegenheiten zurückgehalten ist, habe ich die Ehre, im Namen des A.-C. dieseLandeskonferenz zu begrüßen und ihr den besten Brfolg zu ihren Beratungen zu wünschen. Ihr werdet, Gesinnungsgenossen, an die Tradition der zionistischen Landeskonferenzen in Lemberg anzuknüpfen haben, welche schon seit 15 Jahren ein mächtiges Mittel zur Verbreitung des Zionismus im Lande sind. Diese Zusammenkunft wird das Verhältnis der galizischen Zionisten zu der ganzen österreichischen Organisation gestalten. Aber nicht ein Akt der Sezession aus der österreichischen Landsmannschaft wird es sein. Mit Zustimmung des Bielitzer Parteitages und der österreichischen Parteileitung werden wir eine besondere zionistische Organisation für Galizien schaffen, weil uns besondere Interessen und eine grundverschiedene politische und ökonomische Lage von unseren Genossen aus den andern Ländern Österreichs sondern. Bezüglich der praktischen Arbeit in Palästina selbst werden wir Beschluß fassen, und auch die Ausgestaltung der Palästinaarbeit wie unsere diesbezügliche Agitation in Galizien werden wir in Betracht ziehen. Die Politik, welche wir jetzt im Lande zu führen begonnen haben, müssen wir einzig und allein vom zionistischen Standpunkt betrachten. Wir wollen diese Politik auffassen als Weg zur Verwirklichung des Basler Programms. Durch Taten, nicht Worte, werden wir es klar beweisen. Es wird unsere Aufgabe sein, das Verhältnis der rein zionistischen Arbeit zur politischen zu regeln und auf dem wirtschaftlichen Gebiete mit aller Kraft und Energie tätig zu sein. Dabei soll aber nicht verkannt werden die Bedeutung der Kulturarbeit. Es ist eben ein dauerndes Verdienst der zionistischen Partei, daß sie die Notwendigkeit einer solchen Kulturarbeit schon in den Golusländern erkannt hat und daß jetzt ein großer Teil der jüdischen Jugend unter unserem Einflüsse sich den alten Kulturschätzen unseres Volkes zuwendet. Das zionistische A.-C. wird mit voller Aufmerksamkeit Ihren Beratungen folgen, da der galizische Zionismus einen wichtigen Bruchteil unserer ganzen Organisation darstellt und wünscht Ihnen einen guten Erfolg. (Stürmischer Beifall.) Im Namen des „Jüdischen Klub" im österreichischen Parlament begrüßte die Versammlung Abg. H. Gabel. Der jüdische Klub, welcher im ständigen Kontakt mit der zionistischen Partei in Galizien wie auch mit dieser Konferenz verbleibt, will durch meinen Mund der Überzeugung Ausdruck.geben, daß er einzig und allein die Ziele der zionistischen Partei zu verwirklichen erstrebt. Unsere Aufgaben müssen wir ernst und ehrlich erfüllen, da wir heute schon die Repräsentanten des ganzen jüdischen Volkes sind, welches mit Zuversicht und Hoffnung sein Los willig uns anvertraut hat. Der „Jüdische Klub" weiß ganz gut, daß er ein zionistischer Klub ist, der sich nicht nur mit den rein politischen und allgemein jüdischen Fragen zu beschäftigen hat, sondern auch mit der Palästinaarbeit und mit allen Angelegenheiten, welche den Weg zur Lösung der Judenfrage vom Standpunkte der zionistischen Weltanschauung anzubahnen bestimmt sind. Wir sind nicht nur ein besonderes Organ für jüdische Politik, sondern für diese ganze Summe von Arbeitsmöglichkeiten, welche das politische und kulturell erwachende Judentum geschaffen hat, wollen wir tätig sein. Und wie man alle diese Lebensfragen, welche heute unser Volk tangieren, nicht abtrennen kann von der zionistischen Tätigkeit und Organisation, so betrachtet sich der „Jüdische Klub" als Repräsentant des ganzen modernen jüdischen Lebens. — Mit Euch, meinen Herren, zusammen wollen wir gehen, um dem jüdischen Volke seine Heimat wieder aufzubauen." (Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Man schreitet dann zur Tagesordnung. Nachdem nach einer kurzen Debatte die Geschäftsordnung angenommen wurde, wurden Gg. Dr. Abraham Salz zum Präsidenten, Dr. Pachtmann, Seelenfreund, Tartakower und Dr. Weinberg zu Vizepräsidenten einstimmig gewählt. Da im letzten Momente Dr. Malz das Referat über die „jetzige allgemeine Lage des Zionismus" nicht abhalten konnte, wurde sofort zum zweiten Punkte der Tagesordnung geschritten, dem Referate über „die praktische Tätigkeit in Palästina". Der Referent Dr. Samuel Rapaport verweist in der Einleitung seiner Rede auf das lebhafte Interesse, welches sich jetzt im zionistischen Lager für die Idee der realen Arbeit in Palästina fühlbar gemacht hat. Die Grundlage der ganzen früheren kolonisatorischen Arbeit war philanthropisch, religiös und geheim-national. Man schaffte große Kolonien ohne auch nur das Land in geographischer Hinsicht 3

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