Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Jakob Wertheimer (Prag) als Schriftführer für tschechisch und phil. Heinrich Wittmann (Prag) als Schriftführer für deutsch per Akklamation gewählt. In den Legitimationsausschuß wurden die Herren Dr. Hirsch (Komotau), Dr. Kral (Prag) und Karpeles (Prag) berufen. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolls des letzten Distriktstages wurde in die Beratung eingetreten. Das Referat über „Agitation und Presse" erstattete Abg. Dr. Mahl er. Das neue Distriktskomitee, führte er aus, wird sein Hauptaugenmerk nicht ausschließlich auf die Expansion, sondern auf die Vertiefung und Befestigung der Idee zu richten haben. Dort, wo lebensfähige Organisationen bestehen, müssen sie unterstützt, weiter ausgebaut und innerlich gestärkt werden, damit sie ihren Zweck erfüllen. Dieser Zweck besteht nicht bloß im Schekelsammeln; auch mit der Veranstaltung einzelner Feiern kann ihre Tätigkeit nicht erschöpft sein, sondern den einzelnen Mitgliedern muß das Gefühl engster Zusammengehörigkeit gegeben, das Bewußtsein eingeflößt werden, daß sie eben durch diese Zusammengehörigkeit lokale Verhältnisse schaffen können, welche allen in ihrem Orte lebenden Juden zu gute kommen. In diesem Sinne ist zu agitieren; denn nur wer durch die Tat zu uns gekommen, wird immer bei uns bleiben. Zum Punkt Presse bemerkt der Referent, daß die Zionisten überhaupt keine Presse besäßen, weder die „Jüdische Zeitung" in Wien noch die „Selbstwehr" in Prag seien offizielle zionistische Organe; doch glaubt der Referent, daß die Zionisten Böhmens die Pflicht hätten, ihr einheimisches Organ, welches jüdisch-national sei, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen und zu fördern. (Beifall.) Dr. Emil M arg uIi es (Trautenau) knüpft an die Ausführungen des Referenten, mit welchen er sich im großen und ganzen einverstanden erklärt, an und betont weiter: die Zionisten haben bei ihrer agitatorischen Tätigkeit vielfach nur das rein nationale Moment hervorgehoben und damit vielleicht viel erreicht. Wenn aber aus diesem Vorgehen nicht die einzig richtige Konsequenz des Zionismus gezogen wird, sind alle diese Erfolge wertlos. Ferner müssen die Zionisten darauf sehen, daß ihre akademische Jugend, wenn sie nach Beendigung ihrer Studien in die Welt hinausgeht, Existenzmöglichkeiten, daß sie zionistischen Umgang, zionistische Gesellschaft findet, damit sie in ihrem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu der zionistischen Bewegung gestaVrkt und rege erhalten werde. Dann wird auch die Partei an ihr wertvolle Mitarbeiter und Kämpfer haben. Weiter regt er die Abhaltung von Wanderversammlungen an, die auch an Orten, wo noch gar keine Zionisten sind, vorzunehmen wären und zur Gründung von Vereinen führen könnten. Prof. Dr. Engel vermißt eine kräftige Agitation unter den jüdischen Handelsangestellten und Handwerkern, welche den natürlichen Nachwuchs für die Bürgervereine bilden. Ferner müsse das jüdische Haus erobert, die Frauen und Mädchen in Organisationen zur Arbeit herangezogen werden. Herr Karl Resek schlägt die Gründung eines jüdischen Internates in Prag vor, welches Kinder, deren Eltern in der Provinz wohnen, gegen eine entsprechende Entlohnung aufzunehmen und jüdisch zu erziehen hätte. Herr Dr. Goldberger (Marienbad) macht die Parteileitung auf den Agitationsboden in den Weltkurorten Böhmens während der Saison aufmerksam. Gerade zu der Zeit, in welcher sonst die Agitation ruht, Jbieten die Weltkurorte einen ergiebigen Boden. Zu dieser Zeit wären Wanderversammlungen, bei welchen tüchtige Redner referieren, von großem Werte. Herr Dr. Kohn wünscht eine energische Unterstützung der Agitation durch die Zeitung. Hierauf wird die Sitzung um 142 Uhr nachmittags geschlossen. Beginn der Nachmittagssitzung \>3 Uhr. Vorsitzender Herr Ernst Bechert (Teplitz). Abg. Dr. Mahl er beantragt, die Debatte über das Referat;, Agitation und Presse" zu verschieben, bis die anderen Punkte der Tagesordnung erledigt wären. (Angenommen.) Sodann erteilt der Vorsitzende dem Sekretär des Distriktskomitees, H. Jul. Steiner, das Wort zum Rechenschaftsberichte. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen: Das abtretende Distriktskomitee habe sein Augenmerk insbesondere auf die finanzielle Sanierung des Distriktes gerichtet, welche ihm auch vollständig gelungen ist. Der Kassaabschluß habe ein Suffizit ergeben, welches fruchtbringend teils in der Volksvorschußkassa, teils in der Postsparkassa angelegt wurde. Die Zahl der Schekel sei bedeutend gewachsen. Böhmen habe 1683 Schekel abgeführt. Die Schekelzahler sind in 22 Vereinen organisiert. Ferner wurde die Haltung der böhmischen Delegierten auf dem 5. ord. österr. Parteitage in Bielitz sowie auf dem 8. Kongreß im Haag besprochen. Im Verlaufe der Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Margulies, Dr. Kohn, Resek, Dr. Hirsch (Komotau) beteiligten, wurde folgende Resolution von Dr. Margulies eingebracht und mit 20 gegen 8 Stimmen angenommen: „Nachdem der Distriktstag den Bericht der Delegierten der Distriktsvereine und des Distriktskomitees zum 5. ordentl. österr. Parteitage in Bielitz zur Kenntnis genommen, billigt er die von diesem auf dem Parteitage in der Frage der innerpolitischen Betätigung beobachtete Haltung und erklärt sich mit der von ihnen dort abgegebenen offiziellen Erklärung einverstanden." Namens des Legitimationsausschusses berichtet Herr Dr. Hirsch (Komotau), daß die Mandate der anwesenden Delegierten nach sorgfältiger Prüfung in Ordnung befunden wurden. Der Antrag des Herrn Julius Löwy, dem abtretenden Distriktskomitee Dank und Vertrauen zu votieren, wurde einstimmig angenommen. Dem Kassaberichte, den sodann der Kassierer des Distriktskomitees, Herr Moritz Löwy, erstattete, sind folgende Zahlen zu entnehmen: Den Ausgaben per K. 2867.77 standen Einnahmen per K. 3288.51 gegenüber, so daß ein Plus von K. 420.74 verbleibt. Der Bericht über den Nationalfonds, ebenfalls von Herrn Moritz Löwy zur Verlesung gebracht, ergab, daß aus Böhmen K. 9324.81 abgeschickt wurden. Außerdem sind auch für Morris Rosenfeld, die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem, den Palästina verein usw. namhafte Summen eingegangen. Weiter regt der Referent an, daß sämtliche aus Böhmen abgehenden Beträge für den Nationalfonds zunächst an den Nationalfondskommissar von Böhmen und erst durch diesen weitergeleitet werden mögen, da durch dieses Verfahren eine bessere Übersicht und auch eine Ver ringerung der Spesen erzielt werde. Abg. Dr. Mahler beantragt, dem Kassierer und Nationalfonds kommissar den Dank für dessen sorgfältige und peinliche Führum der Kassagebarung auszusprechen. (Per Akklamation angenommen. Das Referat des Herrn Karl Resek, welches sich mit de Frage des „allgemeinen zionistischen Parteifonds" beschäftigte brachte ebenso wie die sich daran anschließende Debatte, in welch; die Herren Ludwig Steiner (Teplitz), Prof. Wertheimer (Prag Heller (Kolin), Moritz Löwy (Prag), Kobler (Kolin) eingriffen wertvolle Anregungen darüber, wie diese Steuer am zweckmäßigste einzubringen sei. Sämtliche Anregungen wurden auf Antrag de Herrn Ludwig Propper (Prag) dem neuen Distriktskomitee zu Durchberatung übergeben. Hierauf wurden die statutengemäßen Neuwahlen in du Distriktskomitee und in die Parteileitung vorgenommen. In da Distriktskomitee wurden in geheimer Abstimmung gewählt du Herren: Abg. Dr. Mahler, Dr. Kuh, Dr. Kral, Glaser, Propper Moritz Löwy, Julius Löwy. In die Parteileitung die Herrer: Dr. Hugo Bergmann, Resek (für Prag), Epstein (Raudnitz), Klein (Pisek), Fanta (Nachod), Deutsch (Pilsen), Dr. Hirsch (Komotau i. Heller (Brüx), Beutler (Kolin), Dr. Thieberger (Budweis), Markus (Kuttenberg), Dr. Margulies (Trautenau), Dr. Samisch (Karlsbad.