Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Von der Landwirtschaft, die anfangs nur künstlich gefördert und erhalten wurde — und zwar durch Baron Edmund v. Rothschilds großzügige Hilfe —, leben heute 8000 jüdische Seelen.' Auch die Industrie, die viel schneller als die Landwirtschaft große Massen wirtschaftlich selbständig machen kann, hat in den letzten Jahren unter den Juden Palästinas erfreuliche Anfänge gemacht. Es gibt heute eine recht ansehnliche Mühlenindustrie und eine Olivenöl- und Seifenindustrie, eine Wollwäscherei und eine 70 Arbeiter beschäftigende Eisengießerei. Ein von Zionisten Deutschlands mit 100000 Mk. Kapital gegründetes Industriesyndikat will die Industrie durch die Errichtung von Straßen- und Kleinbahnen und durch die Erwerbung von Bergbaukonzessionen fördern. Die vor einigen Jahren in Jerusalem errichtete Kunstgewerbeschule Bezalel hat bereits 40 Steinhauer ausgebildet Durch die Filialen der Jüdischen Kolonialbank ist das Kreditwesen organisiert worden. Österreich Wien: Samstag den 2. November findet in Wien IX., Türkenstraße 9, eine Sitzung des Landeskomitees statt. Für den 3. November ist eine Konferenz des Parteivorstandes der Jüdischen Nationalpartei einberufen, welche den Vorberatungen eines zu Weihnachten in Lemberg stattfindenden Parteitages gelten wird. Am 6. November (Mittwoch abend) findet im Hotel Kontinental eine große Volksversammlung statt, in der die vier Abgeordneten des Jüdischen Klubs und Dr. Schalit referieren werden. Über das Thema „Nationalität und Klassenkampf" referierte Herr Doktor Paul Weisengrün am 19. Oktober im Vereinslokale des Akademischen Vereins „Jüdische Kultur". Von der Rassenfrage ausgehend, streifte der Vortragende alle Phasen in der Entwicklung der Nationalitätenbewegung und besprach den Klassenkampf, die Sozialdemokratie, um mit einer Kritik des Poale-Zionismus zu schließen. Das zahlreiche Auditorium folgte den Ausführungen des Referenten mit großem Interesse und spendete ihm lebhaften Beifall. Der Vortrag dürfte demnächst im Druck erscheinen. Verein „Jehuda-Halevy". Am 20. Oktober fand die 3. ordentliche Generalversammlung statt. Nach der Berichterstattung des A. H. Groß wwden die Vorschläge der Ferialleitung von H. Kästenbaum vorgebracht. Besonders lebhaften Beifall fand der Vorschlag auf Einführung der hebräischen Sprache als Geschäfts¬ und Verkehrssprache im Vereine. Gewählt wurden: Herr S. Auerbach, Präsident; Herr L. Dichter, Vizepräsident; Herr J. Kästenbaum, hebräischer Schriftführer; Herr J. Chili, deutscher Schriftiuhrer; Herr J. Groß, Kassierer und Nationalfondsreferent. Sämtliche Zuschriften sind an Herrn S. Auerbach, 2. Bezirk, Rembrandtstr. 28-41 zu richten. Prag: Am 20. d. M. veranstaltete der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" anläßlich des Distriktstages einen öffentlichen, sehr stark besuchten Vortragsabend, an dem Gg. Dr. Emil Margulies Trautenau) in bekannt ausgezeichneter Weise über Die gegenwärtige Lage im Zionismus" referierte, uisgehend von dem letzten Kongresse, dessen imposante Wirkung er aufs anschaulichste schilderte, hob er hervor, -laß der Gedanke an das uns allen gemeinsame große Endziel wieder einmal alle Differenzen, alle scheinbaren Gegensätze zwischen praktischer und politischer Arbeit überwunden habe. Alle Delegierten waren sich darüber einig, daß nur auf dem Boden Palästinas das jüdische Volk zu neuer reicher Kulturarbeit erwachen werde, daß nur dort die Judenfrage endgültig gelöst werden könne. — Den wirkungsvollen Worten des Redners folgte rauschender Beifall. Teplitz=Schönau: Der hiesige Volksverein: „Zion" betrachtet die vom Kongreß beschlossene Schaffung eines Parteifonds für das A. C. als eine außerordentlich wichtige Sache. — Es wurde demnach beschlossen, diese Sammlung in der Weise durchzuführen, daß je zwei Herren des Vorstandes bei unsern Gesinnungsgenossen und bei solchen, die Sympathie für unsere Bestrebungen haben, persönlich vorsprechen, um die Liste vorzulegen. — Dieses System hat außerordentlich günstige Erfolge gezeitigt. — Bisher wurden bereits 1000 Kronen gesammelt. Strij: Sonntag, 20. Okt., fand im hiesigen Vereine „Zion" unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Vereinsmitglieder die diesjährige Generalversammlung statt. Vizepräses Dr. Buxbaum leitete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache ein. Sodann erstattete Schriftführer Gg. Rubin den Rechenschaftsbericht, aus dem zu ersehen ist, daß der hiesige Verein im vergangenen Jahre an allen zionistischen Angelegenheiten regen Anteil genommen hatte. Natürlich wurde des Nationalfonds nicht vergessen. Im letzten Jahre wurde auch eine reichhaltige hebräisch-deutsche Bibliothek errichtet. Dank der Bemühung des wackern Gg. H. W. Dies endruck wurde auch ein „Ibriah-Klub" im Vereine „Zion" gegründet, dem eine große Anzahl von Mitgliedern angehört. Es werden jeden Samstag verschiedene hebräische Vorträge und Vorlesungen aus der neuhebräischen Literatur abgehalten. An den Rechenschaftsbericht schloß sich eine längere Debatte, an welcher sich die Gg. Katz, Widrich und Schmorak beteiligten. Herr Jäckel erstattete den Kassenbericht. Unter Eventualia wurden dem neuen Ausschusse viele Anregungen gegeben, deren Ausführung Sache des neuen Ausschusses sein wird. Die Neuwahl ergab: Präs. Herr Dr. Wurzel Jul., 1. Vizepräs. Herr Abner Katz. 11. Vizepräs. Herr Apfelgrün Abr., I. Kassierer Herr Lasar Ellner, IL Kassierer Herr Leon Gottesmann, I. Schriftführer H. Rubin, II. Schriftführer Herr B. Klein. Lemberg: Hier hat sich eine neue zionistische Akademische Verbindung unter dem Namen „Hasmonea" gebildet. Ihre Adresse lautet: Kleparowka 4. Distriktstag der böhmischen Zionisten Im „Hotel Europe" in Prag waren Sonntag den 20. Oktober die Delegierten der zionistischen Organisationen Böhmens in großer Zahl versammelt, um zu den im Zionismus gegenwärtig aktuellen Fragen Stellung zu nehmen, die Verhältnisse im Distrikt und die Agitationsarbeit zu beraten und die statutenmäßige Neuwahl des Distriktskomitees und der Parteileitung durchzuführen. Die Verhandlungen boten ein erfreuliches Bild von der Stärke und Zielsicherheit der zionistischen Bewegung in Böhmen, und die Debatten bewegten sich durchaus auf einem Niveau, wie es dem idealen Streben der Zionisten entspricht. Um 10 Uhr vormittags eröffnete Herr Karl Resek die Beratungen mit einer Begrüßung der Anwesenden. Sodann wurden die Herren Ernst Bechert (Teplitz) als Vorsitzender, Max Epstein (Raudnitz) als Vorsitzender-Stellvertreter,