Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach verschiedenen Deklamationen einiger junger Mädchen und gemeinsam gesungenen zionistischen Liedern schloß die wohlgelungene Feier. Wir können der Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung zu ihrer neuen Unternehmung nur bestens gratulieren und wünschen der jung jüdischen Generation ein gedeihliches Arbeiten. * Auf Anregung der Berliner Zionistischen Vereinigung wurde hier eine Untergruppe, „Bnei Zion" gegründet, mit dem Zwecke, unter den nichtdeutschen Juden den Zionismus durch verschiedenartige Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Kurse usw. zu verbreiten, zu fördern und zu unterhalten. In der Qründungsversammlung am 24. Oktober, in welcher Herr Dr. J. Thon einen Vortrag hielt, schlössen sich gleich 60 Mitglieder an. Es wurden gewählt zum 1. Vorsitzenden: J. Engländer, 2. Vorsitzenden U. Zirnack, 1. Schriftführer A. Klarer, 2. Schriftführer N. Qonzar, Rendant A. J. Grebben Duisburg. In der zionistischen Vereinigung sprach am 28. Oktober unser Delegierter, Rechtsanwalt Dr. Epstein, über den achten Kongreß. In der sich an den Vortrag anschließenden Aussprache hob Rabbiner Dr. Neu mark hervor, daß auch jeder Nichtzionist die praktischen Arbeiten der zionistischen Bewegung fördern könne und müsse. Beuthen 0.=S.: Den Reigen von Veranstaltungen in dieser Saison eröffnete der am 8. ds: Mts. im Saale des Hotels „Deutsches Haus" stattgefundene Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Dobrzynski über den „VIH. Zionisten-Kongreß in Haagk'. Der Redner entledigte sich seiner Aufgabe mit großem Geschick. Er entwarf zunächst ein Stimmungsbild des Kongresses und ging dann auf die Verhandlungen selbst ein, wrelche er in anschaulicher und fester Weise schilderte. Ganz besonders verstand er es, die durch die gefaßten Kongreßbeschlüsse veränderte Lage des Zionismus klarzulegen. Lebhafter Beifall wurde dem Referenten für seine interessanten Ausführungen gespendet. Im Anschluß hieran wurde die diesjährige Generalversammlung abgehalten, in welcher der stellvertretende Vorsitzende, Herr Dr. med. Stahl, den Jahresbericht erstattete und eine Übersicht über die Tätigkeit und Veranstaltungen der Ortsgruppe im verflossenen Geschäftsjahre gab. Der Kassenbericht des Herrn Oberkantors de Beer bot ein erfreuliches Bild der Finanzen des Vereins, dessen Kasse einen Bestand von ca. Mk. 200 aufzuweisen hat. Der bisherige Vorstand wurde per Akklamation wiedergewählt und setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Rechtsanwalt Dr. Dobrzynski, 1. Vorsitzender, Dr. med. Stahl, 2. Vorsitzender, Oberkantor de Beer, Kassierer, Curt Löwenstamm, Schriftführer, Dr. med. Pinczower, Beisitzer, Salo Guttmann, Beisitzer. In den Vorstand kooptiert wurde Herr Herzfeld. Mit einem Appell an die /Anwesenden, sich im kommenden Wintersemester reger als bisher an der Arbeit des Vereins zu beteiligen und materiell die finanziellen Institutionen zu unterstützen, schloß der Referent die Versammlung. Leipzig: Am 17. Oktober erlebte die zionistische Ortsgruppe Leipzig einen schönen Tag, Vor gefülltem Saale sprach in seiner bekannten glänzenden Art Herr Dr. Elias Auerbach-Berlin über „Taufen und Mischehen der deutschen Juden". Fest griff er in die gefährlichste Wunde der westeuropäischen Judenheit, scharf geißelte er ihre Hauptursache, die unjüdische Erziehung der Kinder, und deutlich zeigte er den einzigen Weg zur Rettung: Rückkehr zu einem lebendigen und ganzen Judentum, jüdische Erziehung und jüdische Konzentratioh in Palästina. — Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage schloß sich eine interessante würdige Diskussion an, in welcher u. a. auch der Dozent für Religionsgeschichte an der Universität Leipzig, Herr Dr. A. Jeremias, das Wort ergriff, wobei er sich als Freund der zionistischen Bewegung zeigte. Der Referent widerlegte die Einwände der Gegner in einer so sachlichen und überzeugenden Weise, daß man allgemein mit Befriedigung und in gehobener Stimmung die Versammlung verließ. Mehrere Neuanmeldungen zur Ortsgruppe verzeichneten den unmittelbaren praktischen Erfolg des Abends, doch bedeutungsvoller war unser moralischer Sieg. Halberstadt: Unsere hiesige Zionistische Vereinigung eröffnete ihre diesjährige Wintersaison am vergangenen Mittwoch den 23. crt. durch eine öffentliche Versammlung, in der Herr Lazarus Barth, Berlin, referierte. Der Redner hatte sich das Thema: „Zionismus und Jüdische Politik'4 gestellt. In fast einstündigem Vortrage skizzierte er die Politik, die der Zionismus seit seinem Bestehen verfolge, und ging dabei auf die wichtigsten derjenigen Bedenken ein, die noch heute gegen unsere Bewegung vorgebracht werden. Dazwischen gab der Referent einzelne, sehr anregende Stimmungsbilder von früheren Kongressen, die die Anwesenden lebhaft interessierten. Seine Ausführungen fanden lebhaften, ungeteilten Beifall der ganzen Versammlung, die leider nicht so besucht war, wie wrir es eigentlich gewünscht hätten. Frankfürt a. M.: Das Thema „Die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas in den letzten fünf Jahren" hatte ein sehr zahlreiches Publikum als Gäste der Zionistischen Vereinigung nach dem Rechneisaale geführt. Auch zahlreiche Christen hatten durch ihr Erscheinen ihr Interesse für die Zukunft des jüdischen Volkes kundgetan, wodurch die Abwesenheit unserei Westendjuden doppelt auffiel. Der Redner dee Abends, Herr Davis Trietsch aus Jaffa, behandelte in seinen einstündigen Ausführungen das Thenu erschöpfend, sachkundig und interessant. Er führte aus Die allgemeine Entwicklung Palästinas in der letzten zwei Jahrzehnten ist eine gewaltige gewesen Jaffa hat seine Einwohnerzahl verfünffacht, Haif; verdreifacht, Jerusalem verdoppelt, und Gaza, das vo 60 Jahren noch 2000 Einwohner zählte, zählt heut« deren 40000. Diese Bevölkerungszunahme ist jedoci im gesamten Kleinasien zu beobachten. Auch der Handel hat sich entsprechend gehoben In Jaffa hat sich der Handel in den letzten 20 Jahrei verdreifacht und der Export vervierfacht. Trotz des Einwanderungsverbotes hat sich dk Zahl der Juden Palästinas von 30000 im Jahre 188* auf 85000 erhöht. (Jerusalem hat heute 50000, Jaffe 8000 Juden.)