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Die Welt · 1907-10-25 · 43 (25.10.1907) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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18 DIEMKE LT No. 43 Punkte des inneren Rußlands und des Kaukasus besuchten. Die Ergebnisse ihrer Reisen sieht das Komitee als durchaus positive an. Um einer weiteren Forderung der Generalversammlung, — der Forderung, Nachrichten über Palästina, das Leben dortselbst und die dort bevorstehende Arbeit in der Presse reichlich zu verbreiten, — entsprechen zu können, schreckte das Komitee vor keinen Ausgaben zurück. So förderte es tatkräftig den vom Koiniteemitglied, Herrn Dr. J. Sapier, gegründeten Bücherverlag „Palästina" welcher im Laufe des Jahres acht Broschüren publizierte; ebenso wurde der Wochenschrift „Jewreskaja Myslj", deren Palästina- Rubrik vom Komitee geleitet und mit Artikeln und Informationen versehen wurde, eine Subvention zugewiesen. Der sogenannten „Kopeken-Bibliothek" stehen für Publikationen, die Palästinafragen betreffen, seitens des Komitees Redaktionskräfte und Geldmittel zur Verfügung. Das Komitee unterstützt ferner die von Professor Dr. Warburg herausgegebene Zeitschrift„Palästina", indem es für nützlich erachtet, das wissenschaftliche Material derselben im Manuskript zur Verfügung zu haben. Was unsere unmittelbare Arbeit in Palästina anbetrifft, so hat sich das Komitee in erster Reihe die Aufgabe gestellt das Informationswesen, als unmittelbare Grundlage aller weiteren Tätigkeit, auf breiter Basis zu organisieren. Es ist dies eine höchst schwierige und komplizierte Sache, die beträchtliche Ausgaben erfordert. Während aber das Komitee die Organisation und Leitung des Iiiformationswesen auf sich nahm, war es doch nicht in der Lage, auch sämtliche damit verbundenen Unkosten allein zu bestreiten. Indes gelang es dem Komitee, die tatkräftige Mitwirkung des Hilfsvereins der deutschen Juden und des Herrn Professors Dr. Warburg, dem eine bestimmte Summe speziell für Emigrationszwecke zur Verfügung steht, zu gewinnen. Gegenwärtig funktioniert in Odessa ein 'Bureau, welches auf die zahlreichen schriftlichen und mündlichen Anfragen in allen Angelegenheiten, die das Ansiedlungswesen in Syrien und Palästina angehen, unentgeltlich Auskunft erteilt. Das Bureau versieht die nach Palästina Reisenden mit Fahrkarten der „Russischen Gesellschaft für Schiffahrt und Handel" bei einer Ermäßigung von 40% für die dritte und 30 °n für die erste und zweite Klasse, ferner mit Landungsscheinen für Jaffa zu einem festgesetzten Preise. Das Bureau ist ferner bemüht, den Reisenden die Erledigung aller Formalitäten und Geschäfte beim Erlangen und Visieren der Auslandspässe und dergleichen zu erleichtern. Ein zweites Bureau funktioniert, in Konstantinopel. Seine Aufgabe ist, den Passagieren die Erlangung eines türkischen „Teskere" (Aufenthaltsbewilligung), das (Jmsteigen auf einen anderen Dampfer im gegebenen Falle, den Geldwechsel, die Landung usw. zu erleichtern. In Syrien und Palästina sind in Beirut, Chaifa, Jaffa und Jerusalem Bureaus, in Aleppo und Damaskus Agenturen eingerichtet. Alle diese Bureaus und Agenturen stehen den angekommenen Emigranten zu Diensten, indem sie sie unentgeltlich mit anleitenden Informationen zwecks Niederlassung im Lande versehen. Von nicht geringerer Bedeutung ist es, daß alle diese Bureaus damit beschäftigt sind, allerlei auf die juridischen ökonomischen, kulturellen und andern Fragen des Lebens im Lande sich beziehendes Material zu sammeln. Dieses Material wird sorgfältig geprüft, systematisiert und, nach Maßgabe des Einlaufs, zur Veröffentlichung* vorbereitet. Wir betonen nochmals: das Informationswerk ist sehr schwierig und verwickelt und erfordert reiche Mittel, wie auch Leute mit spezieller Vorbereitung; nichtsdestoweniger ergab die Erfahrung im Laufe des Jahres bereits manch positives Ergebnis. Indem das Komitee von der enormen Bedeutung der „Geülath- Hoorez" (des Auskaufs des palästinensischen Grund und Bodens) ausging, beschloß es, aus seinem bescheidenen Budget zu diesem Zwecke nach Kräften beizutragen und gewährte einer Gruppe von Arbeitern und einer solchen von kaukasischen Bergjuden eine langfristige Anleihe (ca. Frs. 50000) behufs gemeinsamer Erwerbung des Landstrichs Beer-Schalom. in der Nähe von Ramien, wo eine neue Kolonie gegründet werden soll. Das Komitee ist sich dessen wohl bewußt, daß der Ankauf des Bodens eine Sache weitgehender Privatinitiative, ferner der andern, größeren und reicheren' Organisationen sein muß, bei alledem erachtet es dasselbe aus prinzipiellen Gründen für seine Pflicht, alljährlich auch sein Scherflein für diese heilige Sache beizutragen. Das Komitee beschäftigte schon lange Zeit die Frage der Schaffung von billigem „Kleinkredit", welcher dem palästinensischen Handwerker und kleinen Gewerbsmann die Möglichkeit geben würde, sich ökonomisch zu behaupten und den Druck des Wucherers zu vermeiden. Im Berichtsjahre ist dies endlich gelungen; das Komitee hat gemeinsam mit der Anglo Palestine Company in Jaffa eine Gesellschaft für billigen Kredit gegründet, zu deren Grundkapital das Komitee Frs. 50000 beigetragen hat. Die schwierigen Bedingungen, auf die die neuen Ansiedler der Städte und Dörfer Palästinas stoßen, führen oft dazu, daß man ihnen neben Anleitung und Informationen auch noch Geldunterstützung gewähren muß. Während aber das Komitee irgendwelche derartige Unterstützung einzelner Personen als unzweckmäßig unwiderruflich abgelehnt hat, entschloß es sich für das System der Unterstützung von Organisationen und Institutionen, welchen dadurch die Möglichkeit geboten wird, sich zu befestigen und zu entwickeln. Im verflossenen Jahre bezog die jüdische Bevölkerung der Städte Jaffa und Ramleh und der Kolonien Chederah, Kästinia und Artuf vom Komitee Subsidien für verschiedene gemeinnützige Zwecke, so z. B. für die Besoldung und Unterhaltung eines Arztes eines Arztgehilfen, eines Krankenhauses, von „Schochtim", einer Volksküche, ferner für Grenzschutz, Entrichtung von Steuern, Führung eines Gerichtsprozesses wegen Grenzstreitigkeiten mit Arabern u. dgl. m. Der Organisation der jüdischen Arbeiter kam das Komitee durch Assignierung von Frs. 25000 zwecks Errichtung billiger Wohnungen zu Hilfe. Gegenwärtig wird bereits in den Kolonien Wad-el-Chanin und Rechoboth an den Bau dieser Wohnhäuser geschritten. Seine besondere Aufmerksamkeit wandte das Komitee der Erziehung des heranwachsenden Geschlechts in Palästina zu. In der zuversichtlichen Hoffnung, in nächster Zukunft auf palästinensischem Boden ein neues, junges, physisch und moralisch gesundes Element vor sich zu haben, welches seinem Volke, seinem Lande und seiner Sprache ergeben ist die Arbeit und Unabhängigkeit liebt und mit allgemeinen Kenntnissen in genügendem Maße ausgestattet ist, um den Kampf um das unabhängige Dasein mit Würde und Erfolg führen zu können — widmete das Komitee einen beträchtlicher. Teil seines Budgets dem Schul- und Erziehungswesen. Die sieben klassige Mädchenschule in Jaffa, die von ca. 300 Schülerinnen besucht wird, war Gegenstand der besonderen Fürsorge des Komitees. Diese Schule kam dem Komitee im Berichtsjahre auf beinahe Frs. 20000 zu stehen. In demselben Jahre ging das Komitee an die Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Schule; das Gebäude wird, abgesehen vom Bauplatze (ca. 5000 Quadratmeter im Zentruni der Stadt) einen Kostenaufwand von Frs. 50000 erfordern, dessen größeren Teil das Ehrenmitglied unserer Gesellschaft Herr J. Feinberg, gespendet hat. Auf diesem GebFete erhielten noch vom Komitee in größerem oder geringerem Umfange Unterstützungen die folgenden Institute In Jaffa: Schule für die Emigrantenkinder, Kurse für arabische Sprache, hebräisches Gymnasium, Bibliothek, Kindergarten; h- Jerusalem: Nationalbibliotbek, Kindergarten, Bezalel (das Komitee übernahm die Besoldung eines Lehrers der hebräischen Spracht und die Einrichtung und Erhaltung einer Werkstätte für Steinmetze< in Saffed — Kindergarten; in Beirut — Schule; in den Kolonie!' Gederah, Chederah, Artuf, Rechoboth, Moza, Wad-el- Chanin und Kastinia: Kindergärten und Schulen. In de¬ Kolonie Wad-el-Chanin errichtet gegenwärtig das Komitee ei; Schulgebäude, das den Namen Losinskys tragen wird; de; größeren Teil der Baukosten spendeten die Mutter und Freund ' des Verewigten., Wenn wir zu all diesem noch die Assignierung von Rutu > 1000 für eine gemeinsam mit Professor Dr. Warburg herauszugebende hebräische Wandkarte Palästinas, ferner die moralisch;: und materielle Förderung junger, aber vielversprechender Organsationen, wrie des Lehrerverbands und des „Palästinarats" hinzufügen, so ist damit die Arbeit unseres Komitees im verflossene-.i Jahre erschöpfend gekennzeichnet. Klein und bescheiden ist unsere Arbeit im Verhältnis zi ■ Größe der Aufgabe, — „der Wiedergeburt des jüdischen Volk-- im Lande seiner Vorfahren1', und mehr als irgend jemand ande:s erkennt das Komitee selbst das Unzureichende des Geleisteten ar.. Eins aber dürfen wir mit ruhigem Gewissen sagen: Wir taten alle . was wir bei den Mitteln vermochten, die uns unsere Gesinnung - genossen und Mitarbeiter zur Verfügung stellten. Indem-nun das Komitee in das zweite Jahr seiner Tätigkui eintritt, darf es seinen Mitarbeitern ruhig erklären, daß seine Statuten, sein Programm, schließlich seine Erfahrung und sein Eil : ihm die Möglichkeit bieten, eine viel weitere, umfassendere Tätigkeit auf allen Gebieten der Neubelebung Palästinas zu entfalte;;. Hierzu ist aber unvergleichlich mehr Interesse für seine Leistunge: seitens der Gesinnungsgenossen, unvergleichlich mehr geistige Fühlung seitens der Mitarbeiter und sind unvergleichlich mehr Einläufe seitens der Spender erforderlich. Daruni wenden wir uns auch an Sie und hoffen zuversichtlich, daß unser App^ tiefen und lebhaften Anklang finden wird Das Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer, und Handwerker in Syrien und Palästina, Odessa. Der Präsident: M. Ussischkin

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