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Die Welt · 1907-10-25 · 43 (25.10.1907) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 43 - - DIE] Die Aus= und Einwanderung in Großbritannien Das englische Handelsamt hat soeben einen Bericht über die Auswanderung und Einwanderung von und nach Großbritannien erscheinen lassen, der für uns deshalb bemerkenswert ist, weil die Auswanderung vom Kontinent nach außereuropäischen Ländern zum großen Teile über England geht. Der für jüdische Leser interessanteste Punkt ist die von dem Bericht hervorgehobene Tatsache, daß die Zahl der ausländischen (nicht-englischen) Bevölkerung in England, gemessen lediglich an den Zahlen des Auswanderungsverkehrs, konstant geblieben ist und, wenn man die Todesfälle in Betracht zieht, sogar beträchtlich abgenommen hat. Was zunächst den Passagierverkehr zwischen Großbritannien und außereuropäischen Ländern anbetrifft, so konstatiert der Bericht, daß die hohe Zahl derartiger Passagiere (557 737) die größte darstellt, die je in einem Jahre gezählt wurde und sogar 1905 gegenüber, das selbst ein Rekordjahr war, eine Zunahme von nicht weniger als 98000 oder 21°« bedeutet. Von der gesamten Zahl der Passagiere waren 97674 Kajütspassagiere und 460063 Zwischendecksreisende. Die Zahl der hereinkommenden Passagiere betrug 230165. Wenn wir diese Zahl von der Zahl der hinausfahrenden Reisenden abziehen, so bleibt die Zahl 327 572, die also die Anzahl der eigentlichen Auswanderer darstellt, die nach außereuropäischen Ländern wandern, um sich dort anzusiedeln. Hiervon waren 133878 nichtbritische Staatsangehörige. Die Zahl der von Europa nach England kommenden Passagiere betrug im Jahre 1906 134199, so daß also 321 weniger von England ausgewandert als zugewandert sind, mit anderen Worten, die Zunahme der fremden Bevölkerung betrug 321 Seelen, das heißt, die Zahl hat sich kaum vermehrt. Aber, sagt der Bericht weiter, wenn wir die Zahl der Fremden abziehen, die während dieses Jahres gestorben sind, nämlich 4500 (die Anzahl der fremden Bevölkerung auf 300000 und die Sterberate auf 15 pro mille angenommen), so ergibt sich, daß sich die fremde Bevölkerung sehr vermindert hat. Da man aber nicht nur den Zuzug von außen und die Sterbeziffer, sondern auch die Geburtsziffer in Betracht ziehen muß, dürfte dieses Resultat wesentlich anders sein, als der Bericht besagt. Noch eine andere Zahl ist geeignet, unser besonderes Interesse zu erwecken. Die Zahl der von europäischen Häfen hereinkommenden Reisenden betrug 134 199 im verflossenen Jahre, dem ersten Jahre, da die AliensacHn Kraft war, gegenüber 107 733 im vorhergehenden Jahre und 84389 im Jahre 1907. Mit Ausnahme des Jahres 1904, wo die Gesamtziffer 137313 betrug, ist die Ziffer von 1906 die höchste in den letzten 10 Jahren. Es zeigt sich also, daß die Aliensact das enorme Anwachsen der Einwanderung nicht hat ändern können. Der größte Teil der Auswanderung'vom Kontinent, die über England geht, kommt nicht von Rußland, obwohl dieses Land einen beträchtlichen Anteil stellt. Er kommt von Italien und Österreich-Ungarn. Die meisten der Auswanderer gehen nach Nord- oder Südamerika; nur wenige gehen in die britischen Kolonien. Die Zahl der nach den verschiedenen Ländern wandernden Reisenden, verglichen mit der der aus diesen Ländern zurückkommenden, ergibt folgendes Bild: 27000 gingen nach Kanada, . 11000 kamen von daher. Nach Australien gingen nur 183, und 139 kamen von dort. Aus der Kapkolonie kamen sogar mehr, als zuzogen, offenbar infolge der mißlichen geschäftlichen Verhältnisse, die dort herrschten, nämlich 3394 gegen 3252. Nach den Vereinigten Staaten wanderten 133568, nur 77 792 verließen das Land, so daß sich also die Zahl der fremden Bewohner Nordamerikas aus der über England gehenden Ein- und Auswanderung allein um 115 771 vermehrt hat. Eine Tafel in dem Bericht zeigt die in Amerika ankommenden Einwanderer nach den Ländern ihres letzten Aufenthalts, also im allgemeinen ihrer Heimat, geordnet. Diese Tabelle ergibt, daß die Zahl der aus Rußland und Polen in Amerika ankommenden Einwanderer von 7132. im Jahre 1877 auf 117692 im Jahre 1892 gestiegen war. Im Jahre 1902 betrug diese Zahl 107 347, 1905 184897 und 1906 215665. Das sind so sprechende Ziffern, daß sich jeder Kommentar erübrigt. EELT-- 19 Eine neue hebräische Zeitung In Odessa wird demnächst eine hebräische Wochenschrift unter dem Namen „Hatechiah" zu erscheinen beginnen. Dieselbe soll vorzugsweise vom Odessaer Palästinakomitee subventioniert Vierden und die bisherige, in russischer Sprache herausgegebene „Jewreiskaja Mysl" ersetzen. „Hatechiah" soll, ebenso wie ihre Vorgängerin, ihre Spalten hauptsächlich den aktuellen Fragen der Palästinaarbeit, den verschiedenen Seiten des in Palästina neu aufkeimenden jüdischen Lebens, der Förderung der Privatinitiative in Palästina und den Angelegenheiten des Odessaer Palästinakomitees widmen. Zu diesem Zwecke soll in Palästina ein ausgiebiger Nachrichtendienst organisiert und die jetzt bereits bestehenden Informationsbureaus weiter ausgebaut werden. Als Redakteur dieser Wochenschrift ist der ehemalige Redakteur des „Hazofeu, Herr Ludwipol, der das letzte Jahr in Palästina zugebracht hat, ausersehen. Yiddish als europäische Sprache anerkannt Infolge der energischen Bemühungen des Board of Deputies der südafrikanischen Juden ist es gelungen, die Regierung zu bewegen, Yiddish als eine europäische Sprache anzuerkennen. In dem neuen Einwanderungsgesetz ist ein Passus enthalten, der als Vorbedingung für die Zulassung nach Südafrika die Kenntnis des Schreibens einer europäischen Sprache verlangt. Dieser Bestimmung ist folgender Passus zugefügt worden: „Yiddish soll dabei als eine europäische Sprache angesehen werden." Berichtigung In unserem Berichte über den Delegiertentag des Jüdischen Frauenbundes (Nr. 41 S. 17) muß es in der Rede des Frl. Baneth natürlich heißen: „Dasjenige Parlament, wo die Frauen Stimmrecht hätten" (nicht, wo die Juden Stimmrecht hätten). Der in Nr. 40 der „Welt", Seite 13, erwähnte Artikel „Zehn Jahre Zionismus in der „Semaine literaire" hat zum Verfasser Herrn Ilia Grünberg, Delegierter von Basel auf dem VIII. Kongreß, und nicht Herrn Ch. Grünberg, wie versehentlich angegeben wurde. Briefkasten der Redaktion Harnschorer, Brody. Wir haben noch einen kleinen Vorrat von der Jubilä umsfestnum mer auf Lager und können Ihnen ein Exemplar gegen Einsendung von 50 Pfennig liefern. # „Tasso": Leider zur Aufnahme nicht geeignet. Auszeichnung-. Wie das „Neue Wiener Tageblatt1' berichtet, fand dieser Tage die Verteilungder Diplome und IMed'iilleii an die Aussteller der Londoner Mode- und Heiseausstellung im Wiener Modoklul» statt. Der bestreuoinmlerten Fi r m a 1t u d o 1 f G o 1 d stein, W i i? n II, T;t b o r s t r. 54, wurde für ihre ausgestellten, außerordentlich schönen Svna^ogonornate das Diplom samt Medaille ül»erreicht. Seitens der Gemeinde, die für ihre Indien Punktionlire namhafte Aufträge bei der Firma machte, erhielt Herr Goldstern eine belobende Anerkennung für die exakte Ausführung. wammmmmmammmmmmmmmmmmm NACHRUF. Freitag den 18. Oktober (10 Cheschwan 5668) verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser Vorstandsmitglied, der prakt. Arzt Herr Dr. Alfred Lubowski. Ein treuer Sohn des jüdischen Volkes, ein begeisterter und bewußter Kämpfer für unsere Bewegung ist in ihm dahingegangen. Selbstlos und opferfreudig, stets bereit, au jedem Platze seine Pflicht zu tun, war und bieibt er uns ein dauerndes Vorbild. In treuer Dankbarkeit werden wir seiner stets gedenken. Der Vorstand der Zionistischen Ortsgruppe Charlottenburg Parteifonds! Der erste Ausweis über die für den Parteifonds eingegangenen Beträge wird in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Wir ersuchen die Federationen, ihre Eingänge sofort an die Kolonialbank abzuführen und uns eine genaue Liste darüber umgehend einzusenden. Jeder, der seine Parteisteuer noch nicht bezahlt hat, hole dies umgehend nach, damit der erste Ausweis recht groß werde. Köln, 24. Oktober 1907. Zionistisches Zentralbureau

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