Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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\ No. 43 DIE] Oberschlesischer Zionistentag am Sonntag den 3. November 1907 im Saale des Hotel Kaiserhof zu Kattowitz O./S. Nachmittags 3 Uhr: Interne Sitzung. Tagesordnung: I. Eröffnungsansprache und Bericht des Ausschusses. II. „Zionistische Arbeit in Oberschlesien." Referent Dr. Stahl-Tarnowitz. III. Vortrag von Dr. Aron Sandler-Breslau: „Städtische und ländliche Kolonisation in Palästina." IV. „Parteifonds, Nationalfonds." Referent: Dr. Fraenkel-Königshütte. Nach jedem Punkt der Tagesordnung findet auf Antrag Diskussion statt. Abends 8 Uhr: Jüdischer Volksabend. Aus dem Programm: Festrede. Moderne jüdische Dichtung. Jüdische Kunstmusik. Jüdische Volkslieder. Eintrittskarten ä 75 Pfg. an der Abendkasse. Der Reinertrag fließt dem Palästina-Zentralfonds zu. Der Ausschuß des Qruppenverbandes „Oberschlesien. Dr. Stahl-Ternowitz. Rechtsanwalt Dr. Dobrzynski-Beuthen. Dr. Kassel-Ratibor. Dr. jur. A. Cassirer. Gerichtsassessor Dr. Poznansky-Qleiwitz. Referendar Schutz-Zabrze. Referendar Nothmann- Qroßstrelitz. Dr. jur. Fraenkel-Königshütte. Salo Priester-Rybnik. Arnold Wiener. Dipl. Ingenieur Hecker. Siegtn. Rappaport-Kattowitz. Belgien Brüssel: Am 12. September .erstattete Herr Jean Fischer in einer vom Verein Ahawas Zion veranstalteten Versammlung Bericht über den 8. Kongreß. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich mehrere Herren. Einige äußerten das lebhafte Verlangen, sich mit dem Zionismus eingehend zu beschäftigen. Nachdem noch bezüglich einer Chanukafeier einige Beschlüsse gefaßt waren, wurde die Sitzung durch Herrn Klinger, der die Versammlung vorzüglich geleitet hatte, in vorgerückter Stunde geschlossen. Antwerpen: Donnerstag am 3. Oktober fand im Vereinslokale Beth Zion die Berichterstattung über den 8. Kongreß statt. Dr. L. Herz, der als Referent angekündigt war, war verhindert zu erscheinen. An dessen Stelle sprach Herr Jean Fischer. In der Diskussion sprachen die Herren Dr. Bioede, Beer als Vertreter der Poale Zion, Blettermann, van der Horst (Misrachi) und Sardon. Österreich Wien: In einer sehr stark besuchten, von Gg. Stricker präsidierten Versammlung, welche der Zionistische Zentralverein am 10. d. in seinem Lokal abhielt, referierte Gg. Adolf Böhm über den VIII. Kongreß. Den großen Fortschritt könne man nur konstatieren, wenn man die Situation mit jener des VII. Kongresses vergleiche, auf welchem infolge des Todes Herzls und der Aufregung über das Ugandaprojekt chaotische Zustände herrschten. Der Territorialismus hat sich inzwischen als Seifenblase erwiesen; die zionistische Bewegung, namentlich ihr palästinensischer Grundcharakter, ist wesentlich gestärkt, und die seinerzeit als Provisorium eingesetzte Leitung erwies sich als so gefestigt, daß sie mit der großen russischen Landsmannschaft einen Kampf bestehen konnte. Die österr. Föderation setzte sich übrigens für jEELT -= 11 die Vertretung der Russen im engeren A.-C. ein, da sie der Ansicht war, daß unsere Leitung keine Administrativbehörde sei, sondern tatsächlich zu leiten und große Aktionen durchzuführen habe. Redner bespricht die Arbeiten des Kongresses, besonders die auf Palästina bezüglichen. Die Einsetzung eines Palästinaamtes im Lande selbst begrüßt Redner aufs wärmste. Er wendet sich gegen eine Bemerkung, welche in einer Versammlung der Poale Zion gefallen ist, daß die „Bürgerlichen" in der Frage der Siedlungsgenossenschaft „umgefallen" wären. Er schildert eingehend die Situation am Kongreß und legt dar, daß nur durch das Eingreifen der österr. Landsmannschaft ein Kongreßbeschluß in dieser Sache herbeigeführt wurde. Bezüglich der nationalen Erziehung in Palästina habe Dr. Lewin Redners Ansichten bestätigt und dem Kongreß die große Bedeutung der Kulturarbeit zum Bewußtsein gebracht. Bezüglich der Organisation sei eine Verschlechterung beschlossen worden. Anstatt festzulegen, daß jeder Zionist seiner Landesorganisation angehören müsse, was das einzig- Richtige sei, wurde sogar die Bildung interterritorialer Föderationen gestattet. Redner schildert noch das glanzvolle äußere Bild, das der Kongreß bot, und den Verlauf der Verhandlungen, welche trotz der leider nicht immer genügenden Vorbereitung des Kongresses stellenweise ein hohesNiveau hatten. Wieder erwies sich, daß bei all seiner schlichten Einfachheit Prof. Warburg mit seiner ruhigen Klarheit und sachlichen Entschiedenheit der — nicht „ruhende", aber — feste Pol inmitten der sich bekämpfenden Richtungen war. Wollen wir unser Ziel erreichen, so müssen wir große Opfer bringen und heroische Anstrengungen machen, das * sollten wir nie vergessen! An das Referat schloß sich eine lange und interessante Diskussion. Gg. Groß plädierte für die Schaffung besoldeter Sekretariate bei den Ressorts der Leitung. Es sprach noch Dr. Kadisch, der vor Einseitigkeit warnte und die Wichtigkeit betonte, welche eine sofortige Hilfe für die emigrierenden Massen hat, ferner Dr. Weisengrün, der die Siedlungsgenossenschaft nur als eines der nötigen Mittel betrachtet und angesichts der in Palästina betriebenen intensiven Kulturen auf die Produzentengenossenschaften hinwies. Nachdem noch einige Redner — darunter ein Genosse aus Rischon le Zion hebräisch — gesprochen hatten, forderte Gg. Böhm die Anwesenden auf, auch die weiteren Abende so zahlreich zu besuchen, damit Wien wieder ein reges zionistisches Leben entfalte. Die Versammlung schloß erst um Mitternacht. Aus dem Zirkular I des Zionistischen Distriktskomitees Czernowitz, 8. Cheschwan 5668 Wir rnben die Beschlüsse des D.-T. in unserem Parteiorgan „Die Welt", — welches von allen Qg. und in allen Vereinen gelesen wird — (Nr. 41 vom 3. 8. 5668) veröffentlicht. Nun teilen wir Ihnen mit: 1. Das D.-K. hat sich, wie folgt, konstituiert: Vizeobniann Löbel Taubes, Kassierer Hermann Gottesmann, Schriftführer Dr. Chairn Kinsbrunner, Nationalfondskomrnissär Max Wender. 2. Wir sind mit der Nationalfondsverwaltung in Köln behufs Errichtung einer Sammelstelle für den Nationalfonds in der Bukowina in Verbindung getreten. 3. Wir haben die Vorarbeiten behufs Errichtung von Kreditgenossenschaften begonnen und werden demnächst ein Musterstatut fertigstellen und es den einzelnen Vereinen zukommen lassen.