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Die Welt · 1907-10-25 · 43 (25.10.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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io DIE 3! die Existenz der Bank geradezu gefährden würde, sei es, indem Rückzahlung der Aktien an die mit der Statutänderung unzufriedenen Aktionäre angeordnet würde (und deren Zahl würde in diesem Falle durchaus nicht klein sein), sei es, * daß der Richter die Auflösung der Bank verfügen würde. Er beantragte darum, folgende' Resolution zu fassen: Die Frankfurter Zionistische Vereinigung steht in Übereinstimmung mit allen maßgebenden Faktoren im Zionismus auf dem Standpunkt, daß der J. C. T. nur in Palästina und dessen Nachbarländern kolonisatorisch tätig sein soll; sie hält aber die Weiterführung des Prozesses behufs Abänderung der Bankstatuten aus mannigfachen Gründen für unangebracht und erwartet, daß das A. C. von der Weiterführung des Prozesses Abstand nehme. Nach kurzer Debatte wurde die Resolution einstimmig angenommen. Hamburg: Die zionistische Ortsgruppe Hamburg- Altona veranstaltete am 14. ds. Mts. im großen Saale des Logenheimes eine Versammlung, die von ca. 300 Personen besucht war. Oberlehrer Dr. Carlebach, der bis jetzt am Lehrerseminar des „Hilfsvereins der deutschen Juden" tätig war, sprach über das Thema: „Zweieinhalb Jahre in Palästina." Wer, so führte der Redner aus, Palästina als den Boden betrachtet, der mit unserem religiösen und nationalen Empfinden auf das innigste verknüpft ist, der muß das Land trotz mancher unerfreulicher Erscheinungen liebgewinnen. Das Land selbst ist gut, fruchtbar, sein Klima mannigfach und gut erträglich; wer es nicht bloß als flüchtiger Tourist kennen lernt, dem offenbart es sich in seiner ganzen Schönheit. Schlecht dagegen ist das türkische Verwaltungssystem mit seiner Feindseligkeit gegen alle Kulturerrungenschaften, mit seiner Bestechlichkeit und Gesetzlosigkeit. Diese kulturfeindliche Tendenz der türkischen Verwaltung ist daraus zu erklären, daß man eine stärkere Invasion fremder Nationalitäten verhindern will. Man will das Land künstlich auf einer niederen Kulturstufe halten. Die Ansiedlung von Juden erfolgte früher nur aus religiösen Motiven; an der Stätte alten Glanzes wollte man ein gottgeweihtes Leben führen. Erst mit dem Beginn der Anlegung von Kolonien erhielt diese Ansiedlung nationale und wirtschaftliche Bedeutung. Seit Juden mit ihren Händen den Boden Palästinas bearbeiten, seit dort die Sprache der Propheten in Gesängen über die Felder tönt und von Kindern gesprochen wird, hat der nationale Gedanke in der jüdischen Bevölkerung Palästinas tiefe Wurzel geschlagen. Groß war die Begeisterung, mit der der Präsident der zionistischen Organisation, David Wolffsohn, überall empfangen wurde. Die Tätigkeit des „Hilfsvereins der deutschen Juden" hat sich als sehr segensreich erwiesen, weil seine Leitung stets bestrebt gewesen ist, besonders bei Errichtung von Schulen, den nationalen und religiösen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Ebenso Günstiges läßt sich von den Schulen der Allianz nicht sagen. Die zionistischen Bankinstitute haben zur Befestigung der wirtschaftlichen Stellung der Juden wesentlich beigetragen. Die Chalukah, das System der Palästinaspende, fordert zur Kritik heraus; man darf aber nicht der Verdienste vergessen, die sich das System durch die Ansammlung und Unterhaltung jüdischer Massen in Palästina erworben hat. [ELT No.43 Der Vortrag schloß mit einem begeisterten Appell an die Opferfreudigkeit der außerpalästinensischen Juden und forderte die Anwesenden auf, der Ortsgruppe beizutreten, Reicher Beifall folgte den gehaltvollen und interessanten Ausführungen des Redners, der noch nach seinem Vortrag eine Reihe von Fragen eingehend beantwortete. Die Ortsgruppe ehrte Herrn Gustav Tuch wegen seiner Verdienste um die gesamte Judenheit durch Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. Berlin: Am 14. d. M. fand bei Dräsel eine öffentliche Versammlung der Misrachi-Gruppe statt. Der Vorsitzende machte Mitteilung von herzlichen Begrüßungsschreiben der Herren Professor Dr. Berliner und Seminarrektor Dr. Hoffmann, welch letzterer in warmen Worten aufforderte, sich möglichst zahlreich dem Misrachi anzuschließen, damit dieser seine Aufgabe, innerhalb des Zionismus im religiösen Sinne zu wirken, erfüllen könne. Herr Lazarus Barth führte in seinem Referate aus, daß der Zionismus mit dem gesetzestreuen Judentum keineswegs in Widerspruch stehe. Stets sei von leitender Stelle aus betont worden, daß niemals etwas geschehen würde, was den Religionsgesetzen widerspräche. Auf den. Misrachi übergehend, schilderte der Referent, daß derselbe auf dem VIII. Kongresse zum ersten Male mit einem festen Arbeitsprogramm hervorgetreten sei, seinen Willen zur praktischen Arbeit kundgetan und dadurch auch die Sympathien der anders Denkenden gewonnen habe* Es sei auch höchste Zeit, jetzt intensiver als bisher für eine jüdische Erziehung der Jugend im heiligen J^ande zu sorgen. Mit größter Genugtuung sei deshalb der Beschluß des Misrachi zu begrüßen, eine Mittelschule in Palästina zu begründen, die der Unterstützung aller gesetzestreuen Elemente sicher sei. In der Diskussion führte Herr Jakob Wagner nochmals aus, daß bisher, seit Beginn der Bewegung, niemals offiziell etwas gegen das überlieferte Judentum geschehen sei, daß vielmehr bereits eine ganze Anzahl „liberal" erzogener Zionisten sich dem Standpunkte der Gesetzestreuen genähert hätten. Schließlich nahm die Versammlung fast einstimmig folgende Resolution an: „Die heutige, von gesetzestreuen Juden Berlins besuchte Versammlung ist der Ansicht, daß der Zionismus in keiner Weise den Ideen des gesetzestreuen Judentums widerspricht, und daß es Pflicht jedes gesetzestreuen Juden sei, sich dem Zionismus im Misrachi anzuschließen und die praktischzionistische Arbeit in religiösem Sinne zu fördern." Beitrittserklärungen zum Misrachi sind an Herrn Edmund Lewy, Berlin, Auguststr. 84, zu richten. Königsberg: Dem Kassenberichte der hiesiger Ortsgruppe entnehmen wir folgendes: Für Vorträge Reisespesen der Redner und Saalmiete wurden Mark 79-1 verausgabt, für Broschüren 240, für Abonnement „Rundschau" Mark 155, für Abonnement „Welt Mark 189. Schekel wurden 300 gesammelt, National fondsspenden Mark 1911. Die gesamten Ausgaber. betrugen Mark 4384. Die Einnahmen ergaben dem gegenüber einen Überschuß von Mark 191.20. Wir können die Ortsgruppe zu diesem vorzüglichen Ergebnis nur beglückwünschen. Charlottenburg: Am Freitag den 18. ds. verschied unser Vorstandsmitglied, pr. Arzt Dr. Alfred Lubowsky. Die zionistische. Sache verliert in dem Verstorbenen einen treuen und tatkräftigen Anhänger.

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