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Die Welt · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Dankbarkeit seinen Lehrern seiner Heimat zu zeigen, welche ihn auf den Weg der Wissenschaft geführt und die ihm auf dem Wiener Observatorium Förderung und Anregung geboten. Löwy verließ auf Veranlassung des großen Astronomen Leverrier Wien, um an der Pariser Sternwarte einen hervorragenden Platz anzunehmen. Im Jahre 1864 ließ Löwy sich naturalisieren und wurde Assistent an der Pariser Sternwarte. Seit 1878 war er Direktor- Stellvertreter. Unter Meline im Jahre 1896 ward Löwy Jhef dieser Anstalt. Selbst unter diesem Ministerium war iie Konfession Löwys kein Hindernis für seine Ernennung. \n Stelle von Delaunay wurde er im Jahre 1873 Mitglied ler Akademie des Sciences. Er war Mitglied der Akademien on Wien, Petersburg und London. Maurice Löwy war ein Wiener, Am 15. April 1833 geboren, ludierte er in Wien Astronomie. Von Leverrier nach Paris beufen, wurde er als Astronom am dortigen Observatorium angestellt. :m Jahre 1873 wurde Löwy Mitglied der Pariser Akademie und itete seit diesem Jahre als Mitglied des Längenbureaus die Reaktion der „Connaissance des Temps" und des „Annuaire du :>ureau des Longitudes". Nach Leverriers Tode wurde ihm i! Gemeinschaft mit Admiial Mouchez im Jahre 1876 die Direktion;er Sternwarte von Montsouris übertragen. Viele Arbeiten Löwys nden sich in den Denkschriften und Publikationen der Akademien on V/ion und Paris, darunter hervorragende Abhandlungen über loue Methoden zur direkten Bestimmung der Refraktion und . .bberation, sowie die Theorie eines neuen von Löwy angegebenen nd auch auf mehreren Sternwarten eingeführten Refraktors, des igen an nten EÜbogenrefraktors. 250 jüdische Mädchen entführt Von einer unerhörten Gewalttat wird aus Marokko on zuverlässiger Quelle berichtet. Danach haben die crschiedenen sich dort bekriegenden marokkanischen lorden 25 0 junge jüdische Mädchen, Töchter von gelichteten Juden, gefangen weggeführt. Bin Teil von inen wurde als Sklaven oder in die Harems der reichen Machthaber verkauft, der andere Teil wurde den Anihrern der verschiedenen Mehallas preisgegeben. Der internationale Kongreß für Sonntagsfeier in Frankfurt a. M. Am 27. September begann die Tagung des internationalen ongresses für Sonntagsfeier, der, im Jahre 1871 in Genf .gründet, nach seinen Satzungen folgende Ziele hat: „Der Verband für Sonntagsfeier arbeitet für die Verbreitung r Grundsätze der Sonntagsruhe und der christlichen Anwendung s Sonntags. Die Durchführung dieser Sache, die zugleich eine ziale, eine humanitäre und eine christliche ist, scheint ihm uner- 'Uich für das materielle, geistige, sittliche und religiöse Wohl der irgerlichen Gesellschaft und der Familien. Unser Zweck ist, den .völkerungsklassen darzutun, daß es sich hier nicht um eine bloß ichliche oder Pfarrerfrage handelt, sondern um eine im weitesten nd edelsten Sinne christliche Frage, die zugleich eine solche der •onschenwürde, der bürgerlichen Ordnung und des öffentlichen Wohls -deutet. Darum bemühen wir uns, anzukämpfen gegen die Öffnung der ureaux und Läden am Sonntag, wie auch gegen den Sonntagsißbrauch, die allzuvielen Festet die Fortbildungsschulen am Sonndie Löhnung der Arbeiter anit Samstagabend oder am Sonntag, i' sonntäglichen militärischen Übungen und Versammlungen für iddinteressen an diesem Tag." Internationale Kongresse fanden bisher statt: in Genf 1876, in ^11 1879, in Stuttgart 1892, in Chikago 1893, in Brüssel 1885 und s()7 und in Paris 1881, 1889 und 1900, in St. Louis (Amerika) «>4, in Mailand 1906. An der Spitze der Verhandlungen stand die Beratung über Aus- ■'"hiumg der Sonntagsruhe für Handlungsgehilfen und techische Beamte. Berichterstatter waren die Herren Hiller-Leipzig, i*enieur Lüdemann-Berlin, Roth-Hamburg. Da zu erwarten war, daß die Beziehungen von Sabbatruhe id Sonntagsfeier nicht ohne Erörterung auf den Kongressen bleiben ürden, hatten die in der Sonntagsruhe-Frage kooperierenden „Freie ■ ereinigung für die Interessen des orthodoxen Juden- -ms" und „Verband der Sabbathfreunde" in der Person '^s Herrn Moritz A. Loeb einen Vertreter zu den Verhandlungen •'itsandt. Während' die Referate der Herren Lüdemann und Roth vom jüdischen Standpunkt aus keinen Anlaß zu Bemerkungen bieten, war dies um so mehr bei den Ausführungen des Herrn Hiller der Fall. Dieser Herr, der als Vorsteher des Leipziger Gehilfen-Verbandes sprach, konnte sich nicht damit begnügen, für die Ausdehnung der Sonntagsruhe einzutreten; er leistete sich auch einen ebenso unmotivierten wie sachlich ungerechtfertigten Angriff auf die „orthoxdoxjüdischen" Kaufleute. Nach Ansicht des Herrn Hiller bilden die Bestrebungen der am Sabbat geschlossenhaltenden Kaufleute eine sch * ere Gefahr für die gesamte Sonntagsruhe, weshalb er die Versammlung auffordert, sich entschieden gegen die Gewährung jeglicher Ausnahme zu wenden. Herr Hiller meint, das Arbeiten am Sonntag dürfe nicht gestattet werden, weil jenen Kaufleuten durch die Möglichkeit der früheren Erledigung der Eingänge den anderen Kaufleuten gegenüber ein Vorteil geboten werde!! Als erster Diskussionsredner meldete sich Herr Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt a. M. als Vertreter des Verbandes deutscher Juden zum Wort, um auf eine Bemerkung des ersten Referenten zu antworten. Er bemerkte, daß gerade die gesetzestreuen Juden den großen Segen der vollständigen Sabbatruhe vollauf zu würdigen wüßten und diese deshalb trotz schwerer Opfer schon Jahrtausende hindurch durchgeführt hätten. Gerade die orthodoxen Juden begrüßten die Arbeit des Kongresses mit warmer Anerkennung, und er habe an den letzten großen jüdischen Feiertagen während der Gottesdienste die Gelegenheit wahrgenommen und seine Glaubensgenossen ermahnt, ihren christlichen Angestellten doch nach Möglichkeit am Sonntag frei zu geben, damit sie eine richtige Sonntagsruhe bekämen. Er bedaure die Angriffe von Hiller-Leipzig gegen die „gesetzestreuen jüdischen" Kaufleute außerordentlich. Es sei nur verlangt worden, daß jene jüdischen Kaufleute an Sonntagen dort, wo völlige Sonntagsruhe herrsche, in geschlossenen Räumen durch jüdische Angestellte die dringendsten Arbeiten erledigen lassen dürften. Von einer Konkurrenz der jüdischen Kaufleute am Sonntag könne unter diesen Umständen doch wahrlich keine Rede sein. Wer. wie die Teilnehmer des Kongresses, dafür eintrete, daß jedem Menschen ein voller Ruhetag gewährt werde, der könne unmöglich gegen Bestrebungen sein, die den Juden die Durchführung ihres Ruhetages ermöglichen wollen. Den gehaltvollen Ausführungen des Redners, die durch die stark begrenzte Redezeit (Höchstdauer 7 Minuten!) leider nicht ausführlicher sein konnten, folgte lebhafter Beifall. Alsdann ergriff namens der von ihm vertretenen Körperschaften Herr Moritz A. Loeb-Frankfurt a. M. das Wort. Er führte aus, daß der Verband für Sabbatfreunde für Deutschland Ähnliches anstrebe wie der Internationale Verband für die Allgemeinheit, allerdings für Juden. Der Verband umfasse nach zweijähriger Tätigkeit heute schon mehr als 80 Ortsgruppen mit mehr als 4000 Mitgliedern. Er verfolge das einzige Ziel die Beobachtung des jüdischen Ruhetags dort, wo sie verloren gegangen sei, wieder einzuführen, und wo sie noch bestehe, zu ihrer Festigung beizutragen. Bei dieser Arbeit müsse die gesetzestreue Judenheit und insbesondere der Verband der Sabbatfreunde einer Körperschaft, die den christlichen Mitbürgern ihren vollen Ruhetag sichern wolle, die größte Sympathie entgegenbringen. Um so bedauerlicher sei es, wenn aus diesem Kreise Angriffe erfolgten, wie es soeben seitens des Herrn Hiller geschehen sei. Herr Hiller sei dazu um so weniger berechtigt, als er die Materie nicht einmal genügend beherrsche. So gibt er den Juden den Rat, ihre Geschäfte am Samstagabend zu erledigen. Er weiß also nicht einmal, daß der jüdische Ruhetag erst nach Eintritt der Nacht beendigt ist, wodurch ein Beginn der Arbeiten am „Samstagabend" im Hochsommer z. B. erst nach 10 Uhr abends möglich wäre! Wenn Herr Hiller behauptet, eine den jüdischen Kaufleuten gewährte Erlaubnis, am Sonntag 2—3 Stunden zu arbeiten, notabene bei verschlossenen Türen, führe zu einer Schädigung ihrer christlichen Konkurrenz, so bedürfe es da keiner ernstlichen Widerlegung. Daß ein Kaufmann, der eben nach 25stündigem Schlüsse sein Bureau zu kurzer Tätigkeit öffnet, nicht imstande ist, seinen Konkurrenten, der inzwischen tätig war, auch nur einzuholen, geschweige denn gar zu überholen, Hege für jeden Fachmann doch auf der Hand. Es sei denn auch in den Städten, in denen Ausnahmen für die gesetzestreuen jüdischen Kaufleute bereits zugelassen sind, wie München und Posen niemand eingefallen, hierin eine Schädigung zu erblicken, und die dortigen Kaufleute müßten doch ihre eigenen Interessen mindestens ebenso gut kennen als Herr Hiller aus Leipzig. Herr Loeb, vom Vorsitzenden an den Ablauf der Redezeit gemahnt, schließt mit einem warmen Appell an die Versammlung, nicht Bestrebungen die Unterstützung zu versagen, die so ganz im Geiste ihrer eigenen Aufgabe liegen. Auch diesen Ausführungen folgte lebhafter Beifall. In seinem Schlußwort versuchte Herr Hiller sich gegen die An-

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