Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 42 - DIE' weil sie meinte, dort ein leichtes Leben führen zu können, und nun, da sie sich in dieser Hoffnung getäuscht sieht, die Juden ihren Mißmut entgelten läßt. Das zeigt sich am deutlichsten in dem tatsächlichen Ausschluß der Juden aus allen Konzessionsbehörden. Südafrika, das Land der Freiheit ist mit Konzessionsvorschriften jeder Art gesegnet, die die Zahlung hoher Gebühren bedingen, bevor man ein Geschäft eröffnen oder einen Beruf ergreifen kann. Demgemäß existiert eine besondere Konzessionsbehörde, die darüber entscheidet, ob jemand einen Laden aufmachen darf oder nicht, und zwar ohne die Möglichkeit einer Berufung. An Hand dieser Bestimmungen wird der jüdischen Bevölkerung furchtbares Unrecht zugefügt, denn es gilt in fast allen Fällen als Regel, daß jüdische Gesuche abschlägig beschieden werden. Rin gewisser Teil der südafrikanischen Presse hatte den Antisemitismus kräftig unterstützt, bis die South African Zionist Federation so energische Maßregeln dagegen ergriff, daß die Herren einige Zeit Ruhe halten mußten. Einen besonderen Aufschwung brachte der zionistischen Bewegung in Südafrika der Besuch unseres Führers, David Wolffsohn, dessen Reise durch Südafrika einem Triumphzuge glich. In jeder Stadt und in jeder Ortschaft entlang der Eisenbahn wurden ihm und der von ihm vertretenen Bewegung Ehrungen in einer Weise zuteil, daß sowohl der gesamten jüdischen wie auch cler christlichen Bevölkerung klar wurde, welchen Wert, welche Bedeutung die zionistische Bewegung hat. Herr Wolffsohn wurde von allen offiziellen Behörden Ms hinauf zum Vertreter Seiner Majestät in Pretoria empfangen. Dadurch hat der Zionismus in Südafrika;»anz außerordentlich an Macht und politischer Wertschätzung gewonnen. Während des Aufenthaltes des Herrn Wolffsohn in Johannesburg gelang es dank seinen Bemühungen md dank der Unterstützung, die ihm dabei von den Herren Goldreich und Kessler zuteil wurde, eine Agentur der Jüdischen Kolonialbank in Johannesburg zu gründen, leren Leitung von der Firma E. Friedländer & Sons übernommen wurde. Diese Einrichtung hat sich bereits sehr bewährt, indem sie der Bevölkerung Südafrikas den Wert unserer Bank tatkräftig vor Augen führte. Von besonderer Bedeutung für die Bewegung in Südafrika war auch die von Herrn Goldreich eingeleitete Sammlung für den russischen Waisenfonds, der die Sympathien aller Bevölkerungsklassen zuteil wurden. Es wurden über 50000 Mark gesammelt und der Kolonialbank überwiesen. Auf Ersuchen der Regierung übernahm es die Federation, die Einwanderung von russischen Juden nach Transvaal zu regeln. Es gelang auf diese Weise, Tausenden von Juden die Erlaubnis zur Einwanderung zu verschaffen, die sonst unzweifelhaft zurückgewiesen worden wären. Im Auftrage der Regierung sprach Lord Milner Herrn Goldreich für seine Leistung auf diesem Gebiete seinen Dank aus. Leider sind gerade diejenigen, die der zionistischen Organisation in Südafrika am meisten zu Dank verpflichtet sind, am wenigsten geneigt, ihre Arbeit zu fördern. Auf Anregung der Federation wurde der South Africa Maccabean Club gegründet mit dem Zwecke, p^E LT ==— -:-- -= 7 alle intellektuellen und im Gemeindeleben tätigen Kräfte zum Wohle des Judentums in Südafrika zu vereinigen. Der Jüdische Arbeiterklub gedeiht ebenfalls vortrefflich und wird sicher sehr viel zur Hebung der sozialen und moralischen Bedingungen der jüdischen Arbeiterbevölkerung Südafrikas beitragen. Der Wolffsohn-Palästina-Klub wurde gegründet mit der Absicht, £ 5000.— aufzubringen, die dem Aktionskomitee zum Zwecke der Unterstützung seiner politischen Tätigkeit gegeben werden sollen, in der Erwartung, daß die andern Länder sich an der Sammlung beteiligen werden, um einen Fonds von £ 25000 aufzubringen, der den Namen von Wolffsohn tragen soll. Im nächsten Jahre soll in Johannesburg eine Palästina-Ausstellung stattfinden, um die landwirtschaftliche und geschäftliche Hebung Palästinas zu fördern und einen Markt für den Verkauf palästinensischer Erzeugnisse in Südafrika zu schaffen. Zum Andenken Theodor Herzls sind bisher jährlich Gedächtnisfeiern veranstaltet worden, zu deren Begehung alle Klassen der jüdischen Bevölkerung sich vereinigten. Der Nationalfonds wurde in vorzüglicher Weise von Herrn B. J. Chamiwitz propagiert. Es gelang ihm, im ganzen Lande energische Mitarbeiter zu finden, die überall Nationalfondsklubs bildeten und den Sammlungen zu einem ausgezeichneten Erfolg verhalfen. Die Finanzlage der Federation ist seit der Amtsführung des Herrn A. M. Abrahams als Schatzmeister eine sehr gute. Nicht zürn wenigsten seiner Tätigkeit ist es zu danken, wenn die südafrikanische Federation in der Lage war, so hohe Beträge zu sammeln und abzuführen. Die südafrikanische Presse hat dem Zionismus gegenüber immer eine freundliche Stellung eingenommen. Die Veröffentlichungen der Federation werden von den Zeitungen gerne publiziert. Der Federation sind zurzeit 60 Vereine, nämlich 17 in Transval, 11 in Orange River Colony, Natal und Rhodesia und 32 in der Kapkolonie angeschlossen. 2. Tagung des Verbandes der Deutschen Juden in Frankfurt a.M. am 12. und 13. Oktober 1907 Von unserem Spezialberichterstatter Am 12. und 13. Oktober d. J. hielt der Verband der deutschen Juden in Frankfurt a. M. seine 2. Hauptversammlung, zu der mehr als 400 Teilnehmer aus ganz Deutschland erschienen waren, u. a. die preußischen Landtagsabgeordneten Kassel, Aronsohn, Wolf-Lissa, Peitasohn, die Professoren Cohen, Landsberg, Gundelfingen Landau, Pinnes, Rosin, von zionistischer Seite Dr. Boüenheimer, Dr. Moses Sondheimer, Friedemann u. a. Die Versammlungen desVerbandes dienen im Wesentlichen Demonstrationszwecken, während die eigentliche Arbeit in den zwei Jahren vor denselben liegt. Von diesem Gesichtspunkte muß die Betrachtung einsetzen und die Kritik an Stellen, die sonst wohl nicht ganz einwandfrei erscheinen würden, schweigen. Die Vorträge sollen bestimmte Wirkungen ausüben, — nicht nur auf die Teilnehmer der Tagung. Dies der Grund, weshalb auch die Ver-