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Die Welt · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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und Geschichte der Juden da! Blwa für die Verbreitung der mittelalterlichen Philosophie? Die Hand aufs Herz: ein Am-haarez möge noch so viele Vorträge über Maimonides hören, hat er Maimonides nicht studiert, ist er nicht imstande, ihn zu lesen, so bleiben ihm höchstens einige deutsche Phrasen im Kopfe. Alle Achtung vor dem Verdienste der Förderer jüdischer Geschichtswissenschaft, aber noch einmal — Hand aufs Herz: was geht den Durchschnittsjuden ein Thema wie „Die Juden in Mytilene" an? Und Don Joseph Naxos und Kostonai und dann wieder Shylock? Welche Zusammenhänge mit den Lebensproblemen, mit der Wirklichkeit, mit den Zeitströmungen? In ruhigen Zeiten möge auch das Geburtsjahr des Rabbi Eliezer Ha-Kalir die jüdische Bevölkerung von Filehne lebhaft beschäftigen. Niemand wünscht mehr als wir das Lebendigwerden des Interesses für jüdische Wissenschaft. Aber jetzt, während ein so großer Teil des jüdischen Volkes eine gefahrvolle Krise durchlebt und während der jüdische Intellekt sich anspannen muß, über Rettungswege zu sinnen, kann es etwas Aktuelleres für die jüdische öffentliche Meinung geben, als die Lebensfrage unserer bedrohten Brüder. Maassej jadaj tob'im bajam . . . Meine Geschöpfe ertrinken im Meer, und ihr stimmt Gesänge an, soll Gott nach der sinnigen Midrasch-Allegorie Moses zugerufen haben, als er das Meerlied anstimmte. Diesen Ruf müssen wir angesichts der russischen Gefahren an die jüdische öffentliche Meinung richten. Die Mischnah lehrt: Wenn drei zusammen aßen, und kein Wort der Thora über ihre Lippen kam, so ist das ein Totenmahl. Wir können auf dasselbe Motiv einen ähnlichen Gedanken aussprechen: Wenn Juden zusammengetreten sind, für irgendeinen Zweck, und die Judenfrage in Rußland nicht berührt haben, so ist das eine tote Versammlung. Es erinnert an jene byzyantinischen Weisen, die sich in Konstantinopel über scholastische Fragen herumzankten, während die Stadt belagert und die Mauern in Brand gesetzt worden sind. Hier handelt es sich nicht nur um die russischen Juden. Das Problem ist tiefer. In Osteuropa liegt das Zentralnervengeflecht des eigenartigen, volkstümlichen, in den Äußerlichkeiten der Kultur vernachlässigten, aber innerlich lebenspulsierenden und zukunftsreichen Judentums. Das Verständnis der dortigen Lage ist das Verständnis des lebendigen Judentums. Und dieses Verständnis, je mehr es gepflegt wird, desto mehr Taten wird es fördern. Nicht einmalige Zuschleuderting von Geldsummen, sondern ein unaufhörliches Mitraten und Mitwirken, nicht ein Sichunterrichtenlassen von der allgemeinen Presse, deren meisten Organe nichts wissen und nichts richtig erklären können, sondern ein originelles Verständnis, ein von der ersten Quelle fließender geistiger Zusammenhang. Aus einem solchen Verhältnis werden auch manche Taten erblühn. Wenn man genau die feindlichen und freundlichen Kräfte in Rußland kennt, so wird man wissen, wie man sich verhalten soll, nach welcher Richtung eine Anerkennung, nach welcher eine Abwehr erforderlich ist. Dieses Verhältnis zu schaffen, ist Pflicht aller Kreise und Preßorgane, die auf dem Boden des jüdischen Volkes und des jüdischen Lebens stehen. N. S. Die Lage des Zionismus in den verschiedenen Ländern VI. Südafrika Es war im April 1898, daß Mr. S. Lennox Loewe einen Brief an die südafrikanische Presse richtete, in dem er sagte, er habe einen Brief von Dr. Herzl erhalten mit der Aufforderung, die zionistische Idee in Südafrika zu verbreiten und Vereine in jeder Stadt und jeder Ortschaft zu gründen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und war überraschend. Mr. B. J. Chaimöwitz war der erste, der seine unschätzbare Hilfe anbot; die höchste gesellschaftliche Schicht, der Mittelstand und die Armen vereinigten sich sofort zu harmonischem Tun in dem Bestreben, die Sache des Zionismus zu einem unbedingten Erfolg im ganzen Subkontinent zu führen. Von diesem Tage an hat der Zionismus in Südafrika nicht nachgelassen und ist gewachsen an Kraft, Bedeutung und Einfluß, ungeachtet der Anstrengungen anderer Organisationen, ihn verschwinden zu machen. Unter den ersten Leitern befanden sich die Herren Hyman Morris, Doktor Abelheim, S. Goldreich, S. Lennox Loewe, B. J. Chaimöwitz, Hy. Solomon, J. F. Qoldreich, B. Danziger, A. Dermick und manche andere, die nach all diesen Jahren heute nicht nur immer noch eifrig für die Sache tätig sind, sondern auch, was in zionistischen Kreisen nicht eben gewöhnlich ist, immer noch die Führer und als solche auch in ganz Südafrika bekannt sind. So schnell wurden die Vereine organisiert, daß bereits am 11. Dezember desselben Jahres die South African Zionist Federation gegründet werden konnte. Folgende Vereine schlössen sich ihr an: Johannesburg, Springs, Boksburg, Elandsfontein, Pretoria, Klerksdorp, Roodeport, Randfontein, Potschefstroorn, Barberton, Piet Retief, Durban, Bulawayo und Oueenshoorn. Mit der Gründung der Federation begann eine Ära der praktischen Arbeit für das ganze Gebiet jüdischer Wohltätigkeit in Südafrika, die bis heute angehalten hat. Es wurde nicht ein Fall von Beleidigung oder Unrecht gegenüber einem Juden vom Zambesi bis nach Kapstadt zur Kenntnis der Federation gebracht, der nicht untersucht und in Ordnung gebracht worden wäre. Die ersten, die den Zionismus anerkannten, waren die Regierungsämter und offiziellen Körperschaften, und ihr Einfluß ist so groß, daß eine Empfehlung seitens der South African Zionist Federation als das höchste Zeugnis betrachtet wird, daß ein Jude in Südafrika besitzen kann. Die Lage der Juden in Südafrika ist natürlich abhängig von den ökonomischen Bedingungen der verschiedenen Bezirke und die Krise, die Südafrika durchgemacht hat, hat eine sehr große Zahl unserer Brüder veranlaßt, nach andern Ländern zu ziehen. Manche sind nach Palästina gegangen, wo es ihnen infolge ihres verhältnismäßigen Wohlstandes ganz gut geht. Im allgemeinen haben die Juden Südafrikas keinen Grund, sich über ihre Lage zu beklagen. Aber es ist keine Frage, daß der Antisemitismus hier seit dem Burenkrieg außerordentlich zugenommen hat. Und es kann kein Zweifel obwalten, daß Schuld daran der Einfluß der zahlreichen und ungebildeten weißen Bevölkerung trägt, die hauptsächlich nach Südafrika kam,

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