Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 DIE ELT No. 40 Deshalb richten wir an alle, die jemals mit'der „Kadimah" in Verbindung oder Verkehr gestanden haben, das Ersuchen um Einsendung ihrer Namen, Adressen und Mitteilungen, damit wir sie über alle Maßnahmen der Festkomitees verständigen können. J. A. d. A. C. Ferialleiter ing. A. Löwenstein (X X , X X X ) 1. Kommerskomitee: 11. Ballkomitee: Dr. Isidor Schalit. Dr. Maximilian Piekarskv. Dr. M. T. Schnirer. Dr. Josef Feingold. Dr. Max Bernhardt. Dr. J. Weiler. III. Festschriftkomitee: IV7. Finanzkomitee: Dr. Nathan Birnbaum Bankier J. und A. Brecher Red. Julius Uprimny Dr. S. Wassermann Akad. Maler Karl J. Pollak. Cand. iur. L. Rosenheck. Alle Zuschriften sind gefl. an das Sekretariat der „Kadirnah", Wien, IX. Grüne Torgasse 19A zu richten und mit dem Vermerk „L Semester" zu versehen. Aufruf des Bukowinaer Distriktskoniitees Geehrter Volks- und Gesinnungsgenosse! Ein monumentales Kultur- und sozialpolitisches Werk ist gegenwärtig im Lande unserer Sehnsucht, in Palästina, im Entstehen begriffen. Auf einem dem jüdischen Nationaifonds gehörigen großen Landstreifen, somit auf demjenigen Grund und Boden, welcher Eigentum des ganzen jüdischen Volkes bildet, soll ein großer Ölbaumwald, der den Namen unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl s. A. „Herzlwald" führen wird, auf welchem vorläufig 10000 Ölbäume angepflanzt werden, geschaffen werden. Die Tragweite dieser großen Schöpfung ist für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung von Volk und Land von unermeßlicher Bedeutung. Hierdurch wird unserem Lande der ihm, nach einem Ausspruche des Deutschen Kaisers, mangelnde Schatten wiedergegeben; hierdurch werden die durch mehrhundertjährige Vernachlässigung der Bodenkultur entstandenen Sümpfe getrocknet; hierdurch werden die Bewölkungen und Regenniederschläge häufiger und, was noch wichtiger, hierdurch wird Arbeit und Existenz für mehrere Hundert jüdische Arbeiterfamilien im Lande unserer Väter geschaffen. Dieses segensreiche, humane, kulturelle und sozialpolitische Werk steht unter der Leitung des bekannten Sozialökonomen Professor Dr. Otto Warburg in Berlin, dessen fachmännisches Wissen und Kennen, ebenso wie dessen berühmter Name und Weltruf uns die beste Gewähr für das gedeihliche Entwickeln des großen Unternehmens bieten. Die Anpflanzungs- und Pfiegekosten eines Ölbaumes bis zur Ertragsfähigkeit betragen bloß 7 Kronen, so daß auch der mindestbemittelte Jude, der Herz und Gefühl für die Schicksale unseres Volkes und Ahnenlandes hat, in der angenehmen Lage ist, dieses große Kulturwerk zu fördern und mindestens einen Baum auf seine Kosten anpflanzen zu lassen. Alle von Einzelpersonen oder Korporationen gestifteten Ölbäume werden auf einen beliebigen vom Spender bezeichneten Namen eingetragen und verewigt. Unsere Brüder in Deutschland haben bis jetzt, laut Bericht des Prof. Warburg, mehr als 2000 Bäume gestiftet. Wir hingegen, die Juden in der Bukowina, stehen diesem großen Volkswerke fast teilnahmslos gegenüber. Wir appellieren deshalb an Sie, lieber Volksgenosse in der Bukowina: Bezeigen Sie Ihr jüdisches Herz, Ihr jüdisches Gefühl, und helfen Sie mit, dieses große Kultur- und volkswirtschaftliche Werk aufzurichten! Jede kleinste Gabe wird dankend angenommen und ihrer Bestimmung zugeführt. Wir ersuchen Sie aber, sich durch die Anpflanzung von mindestens einem Ölbaum auf Ihren eigenen, oder auf den Namen einer Ihnen sonst beliebigen Person an diesem heiligen Volkswerke zu beteiligen, damit wir einen der Bukowiner Judenheit angemessenen Hain im „Herzlwald" schaffen können. Vom Bukowinaer zionist. Distriktskomitee Czernowitz: Der Obmann: Der Vizeobmann: Der Nationalfondskommissär: Sigmund Weißglas Löbel Taubes Max Wender in Zastawna. Franzensg. 12. Rathausstraße 22. Der Kassierer: Der Schriftführer: Hermann Gottesmann Dr. Philipp Fleischer. Türkengasse 3. Spenden werden von den Gefertigten entgegengenommen und in den Partei blättern ausgewiesen. c ooooooooo NACHRICHTEN ooooooooo Zur Anerkennung der jüdischen Nationalität Aus Czernowitz wird uns gemeldet: Im Anhange des Lektionskatalogs für das Wintersemester 1907/1908 sollte die Vermerkung der zur jüdischen Nationalität sich bekennenden Hörer der Universität ausgewiesen sein. Da nun ein solcher Ausweis nicht erschienen ist, begab sich eine Deputation der jüdischnationalen Verbindungen „Emunah, Hebronia und Zephirah" zum Rektor, Professor Dr. Ehrlich und verlangte eine diesbezügliche Aufklärung. Der Rektor erklärte, daß dieses Vorkommnis durchaus nicht auf eine Änderung in dem Verhalten des Senates gegenüber den berechtigten Forderungen der jüdischen Studenten zurückzuführen, sondern bloß einem Versehen der Universitätskanzlei zuzuschreiben sei, das sicherlich im nächsten Semester gut gemacht werden wird. Im übrigen werden gemäß dem seinerzeit gefaßten Senatsbeschlusse die jüdische Nationalität in dem Rektoratsberichte, der der eigentliche, statistische Ausweis der Universität sei, verzeichnet werden. An der Czernowitzer Universität waren im abgelaufenen Sommersemester mehr als 300 jüdische Hörer inskribiert. Landesschulrat Dr. Bendiener über den Zionismus In der am 26. v. M. stattgefundenen Generalversammlung des Böhmischen Israelitischen Landeslehrervereins, in der die brennende Frage der jüdischen Jugenderziehung besprochen wurde, ergriff Landesschulrat Dr. Bendiener das Wort zu einer Rede, in der ec erklärte, daß der Landesschulrat, den die Frage de jüdischen Religionsunterrichtes schon "seit dem Jahre 1887 beschäftige, einen Erlaß über den Privatunterricht herausgeben werde. Doch habe man hier viel gegen die Eltern selbst anzukämpfen, die die Kosten scheuen und ihr Kind lieber ohne jüdischen Unterricht aufwachsen lassen. Redner müsse anerkennen, daß der Zionismus, dessen Gegner er zwar sei, in dieser Hinsicht äußerst segensreich wirke. Der Zionismus wecke den Sinn für das Judentum, seine Geschichte, er fördere das Verständnis und die Liebe für jüdische Sprache und Sitte.