Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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14 NEBELT No. 40 von Basel nach dem Haag sei ein guter gewesen, und, er hoffe, daß die anderen europäischen Hauptstädte! nunmehr ebenfalls der Reihe nach den Kongreß be-: herbergen würden. Die Frage der Abänderung den Statuten der Kolonialbank habe der Kongreß drei; Rechtsanwälten übertragen. Er persönlich halte die Abänderungfür überflüssig. Wenn er glaube, er könne sich selbst eines Tages ein blaues Auge hauen, seidochnoch kein Grund für ihn vorhanden, sich die Hände abzuschneiden. Nachdrücklich betonte der Redner die Verantwortlichkeit jener, die einst selbst die Statuten festgesetzt haben und nun für deren Abänderung eintreten. Die Kosten sollten aus den Taschen dieser Herren und nicht aus denen der Aktionäre bezahlt werden. Die praktische Arbeit in Palästina stehe nicht in Widerspruch mit den Grundgesetzen der Bewegung, und die palästinensischen Institutionen seien noch zu Lebzeiten Dr. Herzls geschaffen worden. Es sei lächerlich, große Summen für die Erwerbung alter jüdischer Monumente in Palästina zu verwenden, wo man sie für Landerwerb dringend benötigt. Mit dem Landerwerb und der Einwanderung sollte man indessen sehr behutsam vorgehen, da wichtige moralische Gründe dagegen sprächen. Die Zionisten dürften nicht danach trachten, das Einwanderungsverbot zu umgehen, sondern müßten für seine Aufhebung sorgen. Redner beglückwünschte die Bewegung zu dem neugewählten Engeren Aktionskomitee, das aus Männern bestehe, die nicht intrigierten und von durchsichtiger Ehrenhaftigkeit seien. Er habe eine Wahl ins Große Aktionskomitee abgelehnt, aber er werde fortfahren, für die Bewegung zu arbeiten. Redner agitierte für den Parteifonds, denn es sei einer nationalen Bewegung nicht würdig, daß ihre Kosten von einigen reichen Leuten gedeckt würden. Zum Schlüsse wandte Herr Cowen sich gegen die bekannten Vorwürfe A. M. Schiffs und schloß mit einem Appell an die Zuhörer, in ihrem Eifer nicht zu erlahmen. Amerika New-York: Wir brachten in dei letzten Nummer eine von einer Massenversammlung von Zionisten gefaßte Resolution, die sich gegen die Angriffe Herrn Schiffs wendet. Die Versammlung fand am Samstag, 14. September, abends im Cooper Institute in New-York statt und war von dem Zionist Council of Greater New-York und dem Vorstande der Federation of American Zionists einberufen. Mehr als 1500 Personen waren in dem prächtig geschmückten Saale versammelt und vereinigten sich zu einer entschiedenen und würdigen Abwehr jener Angriffe, die dem Zionismus ebensowenig schaden können, als sie gefährlich für das ganze Judentum in Amerika sind. Zugleich wurde in der Versammlung Bericht erstattet über den VIII. Kongreß. Der Vorsitzende der amerikanischen Federation, Dr. Harry Friedenwald aus Baltimore eröffnete die imposante Versammlung mit einer Ansprache, in der er unter anderem ausführte: „Es ist bezeichnend, wie die Argumente, die man gegen uns vorbringt, im Laufe der Zeit sich ändern. Anfangs hielt man uns für Narren und Träumer. Als uns dies weiter nicht störte, sagte man, die Juden wollen gar nicht nach Palästina. Der Einwand wurde durch die Tatsachen hinweggeräumt, da verbreitete man die Mär, Palästina sei unfruchtbar und wüst und könne eine größere Bevölkerung nicht ernähren. Indessen bewiesen Conder und Warburg und andere Autoritäten, die das Land erforscht hatten, daß das Land die größten Möglichkeiten besitze, daß es in bezug auf die mögliche Fruchtbarkeit und das Klima im stände sein könne, mit Italien und Südkalifornien in Wettbewerb zu treten, und daß Palästina mit seinen Nachbarländern eine Bevölkerung ernähren könne, viel zahlreicher als die Juden der ganzen Welt. So folgte ein Argument dem andern, aber keines machte auf uns Eindruck. Als alle diese Waffen abgenutzt waren, da griffen sie endlich zu einer ganz alten, die aber nicht rostig war, weil sie tagtäglich von Antisemiten gegen Juden gebraucht wurde. Sie bezweifelten unsere Treue zu unserm Lande. „Wohlan, wir wollen sie mit Listen dämpfen", sprach Pharao zu seinem Volke, „daß ihrer nicht so viele werden. Denn wo sich ein Krieg erhübe, möchten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und wider uns streiten", — denn sie sind unpatriotisch und keine wahren ägyptischen Bürger. Durch die dunkelsten Jahrhunderte hat man diesen Ruf gehört, aber es war unsern Tagen vorbehalten, die Anklage auf jüdischen Lippen zu finden, einen Juden seinen Finger auf seinen Bruder weisen zu sehen und ihn Verräter schimpfen zu hören. Wir können nicht im gleichen Tone erwidern, wir können das Obel nicht aufhalten, das sie verursacht haben. Auf ihren Schultern wird die Verantwortung für die Einführung des Antisemitismus in unser freies Land liegen, der das Leben unserer Brüder in Deutschland und Frankreich verbittert hat und unser Land bisher nicht schändete. Sie mögen erfahren, daß wahrer Amerikanismus niemals im Widerspruch steht mit einer Tätigkeit, die ehrenhaft, ruhmvoll und uneigennützig ist, oder mit irgend einem Gefühl, das sittlich, rechtlich und vornehm ist. Sie mögen erfahren, daß wahrer Amerikanismus eng verknüpft ist mit hohen Idealen und unserm Streben danach. Und wir Juden mögen Gott danken, daß dies wahrer Amerikanismus ist." Nach der eindrucksvollen Rede Dr. Friedenwalds erstattete Dr. M. Radin Bericht über seine Eindrücke vom Kongreß. Er sowohl wie die beiden folgenden Redner, die in jüdischer Sprache ihren Bericht erstatteten, Dr. J. J. Bluestone und J. Maltin, hatten Worte der höchsten Bewunderung für die hinreißende Beredsamkeit Dr. Nordaus und sprachen sich sehr befriedigt über die Palästinabeschlüsse des Kongresses aus. Zur neuen Leitung könne man nur das höchste Vertrauen haben. Rev. Dr. J. L. Magnes verbreitete sich über seine Eindrücke von Palästina, das er kurz vor dem Kongresse besucht hat und von dem er die allerbeste Meinung mitgebracht hat. In begeisterten Worten schilderte er die Größe und die Möglichkeiten des wunderbaren Landes. Nach einer Schlußrede von Rev. Maslansky, und nachdem man für den Nationalfonds gesammelt hatte, schloß der Vorsitzende die glänzend verlaufene Versammlung. Die dritte Jahreskonferenz der amerikanischen Poale Zion hat vom 25. bis 29. September in Philadelphia stattgefunden. Die Tagesordnung enthielt folgende Punkte: 1. Eröffnungsrede, Bericht des Zentralkomitees und Generaldebatte. 2. Die bevorstehende Arbeit in Palästina, a) das Bureau der Poale Zion, b) der palästinensische Arbeiterfonds, c) die genossenschaftlichen Kolonien. 3. Die palästinensischen