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Die Welt · 1907-10-04 · 40 (4.10.1907) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 40 D1EÄELT Reichstagsabgeotrdneten Ernst Beckmann, aufstellten. Bei dieser Gelegenheit plauderten die Juden ihre Geheimnisse, von ihrem literarischen Trustsystem sowie die Entwürfe zur Eroberung der Nobelpreise aus (d. h. das Recht, sie zu verteilen, was genug! bedeutet), und unter diesen Gesichtspunkten werden die sich jetzt bemerkbar machenden Preßerörterungen aufzufassen sein. Hüben und drüben spitzen sie ihre Mephistoohren und werden dann das Ende der Welt verkünden, gerät die Sache nicht nach ihrem Geschmack. Andernfalls wird Schweden mit ge- \ heucheltem Pathos als Hort der Aufklärung und dergl. hingestellt werden, als was wir das Bruderland schon längst kennen, aber diesmal dürfte auch im jüdischen Lager illuminiert werden — utan svafvel och fosfor." Ein Märchenerzähler treibt hier offenbar sein Spiel. Es ist, wie es scheint, einem deutschen Antisemiten auf die Nerven gefallen, daß sich einige jüdische Auswanderer in Schweden angesiedelt und daß sie ihr Brod verdienen. Die ethische Entrüstung über Juden, die „Waren zu Preisen absetzen, die dem Wert der Waren nicht entsprechen", ist komisch. Juden wie Nichtjuden können ja Waren nur anbieten; ob sie dem Wert entsprechen, darüber kann das Publikum richtig urteilen, jedenfalls richtiger als der Herr Leitartikler, der keine einzige Tatsache außer allgemeinen Plattheiten zu erzählen weiß. Die Feststellung, die Bevölkerung sei erregt — gehört zu dem Phrasenbestand der Hetzpresse. Noch viel komischer ist der Mischmasch von Beschuldigungen gegen das Eindringen der „Juden" in die Akademie. Hier handelt es sich augenscheinlich schon gar nicht um Juden, sondern um einige Liberale, die, ob sie jüdischer Abstammung sind oder nicht — als Juden gestempelt werden. Uns ist dieses Vordringen, das wahrscheinlich furchtbar aufgebauscht ist, herzlich gleichgültig. In der Wirklichkeit sind die Juden in Schweden ein Häuflein, verschwindend an Zahl, assimiliert und nivelliert. Daß man auch einem solchen Häuflein etwas anhaben kann — diese Tendenz verdient gebührend festgenagelt zu werden. DAS LIBANON-EXPERIMENT ii. Gleich allen Gebirgsbewohnern, sind die Bauern, die den größten Teil der Bevölkerung des Libanons ausmachen, ein sehr anziehendes Volk. Körperlich stark und wohlgewachsen und oft von imponierendem Äußeren, sind sie, geistig geweckt und sehr scharfsinnig, mit einer Intelligenz begabt, die schon halb europäisch anmutet, und die mehr zum vernunftmäßigen Denken hinneigt und neue Gedanken mehr nach den Gesetzen der Logik erfaßt, als diejenige der doch immer nur ungebildeten, oder halberzogenen Ägypter, die sich niemals mehr als eine kleine Anzahl bestimmter, quasi instinktiver Ideen aneignen können, die sie zudem nur selten auf dem Wege der logischen Erkenntnis begreifen. Politisch nicht zuverlässig und zu kleinlichen Intrigen geneigt, ebenso sehr Opportunist wie die meisten der Nachbarvölker, von etwas mangelhaftem moralischen Mute, besitzt der Libanese, obwohl er lokale Angelegenheiten allzuoft von einem separatistischen und persönlichen Standpunkt aus betrachtet, doch rudimentäre bürgerliche Eigenschaften, die etwas höher entwickelt sind, als die gewisser anderer orientalischer Völker. Im Unternehmen kühn, selbstbewußt und frei von niederen Verbrechen, steht er weit über dem Ägypter; was indessen dem Kenner Ägyptens am meisten bei ihnen auffällt, ist ihre Achtung vor den Frauen, deren Einfluß auf das Familienleben des Volkes sowohl unter Christen wie Drusen stark hervortritt. Ein Mädchen kann allein durch die einsamsten Gegenden der „Berge" reisen ohne Furcht und ohne Scheu, und der Anblick einer Frau, die durch den Staub hinter ihrem Manne und Gebieter herwankt, der gemächlich auf einem Esel reitet, wie man ihn im Niltale jeden Augenblick haben kann, ist unter den Libanesen außerordentlich selten, wenn nicht unbekannt. Es würde zu weit führen und unnütz sein, den Bürgerkrieg von 1860 zu beschreiben, der den Höhepunkt eines alten Streites zwischen der engverbundenen Gemeinschaft der Drusen, die von den mächtigen Familien der Imublat und Arstan geführt wurden, und Jen weniger fest untereinander zusammenhängenden Maroniten darstellte, deren Lenker und oft auch Anführer die zahlreiche und mächtige Geistlichkeit war. Fehde war gekennzeichnet durch zahlreiche furchtbare Ereignisse, so die Erstürmung von Zahleh und das Massaker von Des el Kamas; indessen muß betont werden, daß die Drusen, wenn auch im Kampfe erbarmungslos, sich von jeder Gewalttat oder Beleidigung gegen Frauen und Kinder fernhielten, und daß die brutalen Grausamkeiten, die den Kampf entehrten, das Werk türkischer Truppen und Banden fanatischer Moslems aus den Wilajets Beirut und Damaskus waren. Der Bürgerkrieg und die wilden antichristlichen Aufstände in den Wilajets veranlaßten die Intervention der Mächte, die die Gewährung der administrativen Autonomie an den Libanon zur Folge hatte. Obwohl ihrer natürlichen Märkte an der See beraubt und obgleich ihr einige ihrer fruchtbarsten Gebiete weggenommen sind, ist die Entwicklung der Provinz durch den unschätzbaren Vorteil einer Garantie gegen direkte türkische Einmischung oder Verwaltung gesichert. - Ihre Konstitution, gemäß dem im Jahre 1864 revidierten Grundgesetze von 1861, möge im Folgenden ganz kurz geschildert werden. Das System der Verwaltung Die. Provinz wird von einem unabsetzbaren christlichen Gouverneur regiert, der auf die Dauer von 5 Jahren ernannt wird und direkt der Pforte untersteht. Er besitzt volle Regierungsgewalt, abgesehen von den lokalen Finanzen, ist für die Steuererhebung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verantwortlich und hat das Recht der Ernennung der Verwaltungs- und Exekutivbeamten einschließlich der Richter erster Instanz und des Appellationsgerichtes. Auch beruft e< die als Mejlis el Idareh bekannte Ratsversammlung ein. Diese Körperschaft besteht aus 12 Vertretern der sieben Verwaltungsbezirke oder Kaimakamliks, die von der oder den Hauptsekten der einzelnen Bezirke gewählt werden. Demgemäß wird Kürah durch einen Griechisch-Orthodoxen, Zahleh durch einen Griechisch-Katholiken und Shüf durch einen Drusen und einen Moslem vertreten. Die Mitglieder werden von den Scheiks der Dörfer auf die Dauer von sechs Jahren gewählt, vier scheiden alle zwei Jahre mit dem Rechte der Wiederwahl aus. Die Befugnisse des Rates sind beratender und finanzieller Natur. Die letzteren sind von außerordentlicher Bedeutung, denn der Mejlis 2*

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