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Die Welt · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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daß das jüdische Volk unbedingt für das allgemeine Wahlrecht eintrete, daß es sich über die bisherige Behandlung seitens der herrschenden Klassen beklagen müsse, da weder in der Landesbeamtenschaft noch in den Bezirksausschüssen sich ein Jude befinde und die Juden auch bei der Verteilung von Subventionen, Stipendien und dergleichen unberücksichtigt bleiben. Das jüdische Volk sei ferner für die Errichtung des nationalen Katasters, auf dessen Grundlage das Wahlrecht auszuüben sei. Dieser Kataster würde die nationalen Reibungen mildern und zuletzt verschwinden machen. Das polnische Volk, das seinerzeit die Juden in Qalizien so gastfreundlich aufgenommen und so große religiöse Toleranz bewiesen habe, möge sich jetzt auch in nationaler Beziehung tolerant zeigen. Landmarschall Qraf Badeni erwiderte, daß er sowohl wie alle Parteien des Landtages für das allgemeine Wahlrecht eintreten, dagegen müsse er sich gegen die Einführung nationaler Kurien aussprechen, da er sein Leben lang für die Einigung der Parteien und Nationen eingetreten sei und in der Schaffung eines Katasters nur eine Veranlassung zu neuen Zwistigkeiten erblicken könne. Dies sei jedoch nur seine persönliche Ansicht. Als Landmarschall nehme er die vorgebrachten Wünsche entgegen und werde sie den kompetenten Faktoren des Landes zur Kenntnis bringen. Dritte Jahreskonferenz der Poale Zion in Amerika Die dritte Jahreskonferenz der amerikanischen Poale Zion wurde in Philadelphia am 25. September abends eröffnet. Nach Verlesung zahlreicher Begrüßungen aus der ganzen Welt wurde der Bericht des Zentralkomitees verlesen, aus dem hervorgeht, daß die Mitgliederzabi die Ziffer 2000 bereits überschritten hat. Es gibt mehr als 30 Vereine der Poale Zion in Amerika. Die meisten Mitglieder gehören natürlich den Arbeiterkreisen an, indessen zählen sie auch eine ganze Anzahl von Geschäftsleuten und Studenten in ihren Reihen. Am Donnerstag wurde die Palästinafrage eingehend behandelt. Wir werden auf die interessanten Verhandlungen noch des näheren zurückkommen. VI. Bukowinaer zionistischer Distriktstag in Czernowitz Mittwoch, den 17. Tischri (25. September) a. c, 10,30 vormittags, begannen im großen Saale der I. Czernowitzer Volksküche die Verhandlungen des für zwei Tage einberufenen Distriktstages der zionistischen Vereine der Bukowina. Fast sämtliche zionistischen Korporationen der Bukowina entsandten ihre Vertreter, und so haben sich außer den Mitgliedern des Distriktskomitees über 50 Delegierte, Damen und Herren, zu den Beratungen eingefunden. Den Vorsitz führte der Obmann des Distriktskornitees, Herr Sigmund Weiß glas aus Zastawna. Nachdem er in herzlichen Worten die zionistischen Vertreter der Bukowina, insbesondere Herrn OberrabinerDr. Josef Rosenfeld, den Kultusvorstand Herrn Dr. Neumann Wender und den Kongreßdelegierten aus der Bukowina, Herrn Advokaturkandidaten Salomon Käßner begrüßt hatte, tibergab er den Vorsitz Herrn Redakteur Löbel Taubes. Hierauf erstattete Herr Weiß glas im Namen des scheidenden Distriktskornitees den Rechenschaftsbericht für die letzten 10 Monate, d. i. die Zeit seit dem let2ten Distriktstage im November vorigen Jahres. Der Referent besprach ausführlich den VIII. Kongreß, hauptsächlich die gefaßten Beschlüsse betreffend der realer Arbeit in Palästina, und führte über die Tätigkeit des D.-K. folgendes aus: Sofort nach Konstituierung des D.-K. am 25. November v. J. wurden in der ganzen Bukowina Chanukah-Feste veranstaltet, zu welchen das D.-K. sowie die akademischen Verbindungen ihre Redner in die Provinz delegierten. Sodann wurde mit der Schekelsammlung begonnen. In diesem Schekeljahre lieferte die Bukowina über 1000 Schekel, wovon 531 (mehr als 50°/o) an das L.-K. in Wien abgeschickt wurden. Für den Nationalfonds wurde in den letzten Wochen eine rege Tätigkeit entfaltet. Es wurden über 500 N.-F.-Büchsen verteilt, 1000 Broschüren über den N.-F. verschickt, ein Aufruf für den Herzlwald in den zionistischen und Lokalzeitungen erlassen und überall hin verschickt. Außerdem wurden vor Jom-Kippur Kaarothzettel angefertigt und in allen Bethäusern aufgelegt. Als die antijüdischen Exzesse in Rumänien ausbrachen, wurde auf Veranlassung des Obmannes und Vizeobmannes des D.-K. die Regierung in Wien telegraphisch von den Vorgängen in Rumänien verständigt und um Hilfe ersucht. Der Vizeobmann des D.-K., Herr L. Taubes, wurde nach Rumänien delegiert. Von dort aus telegraphierte er an alle zionistischen Vereine und Kultusgemeinden der Bukowina um Hilfe. Daraufhin wurde eine große Hilfsaktion eingeleitet. In Itzkany bildete sich ein Hilfskomitee, an dessen Spitze unser Gg. Herr iur. Peretz stand. In Czernowitz und in der Provinz wurden Protestversammlungen veranstaltet, die überall einen großen Eindruck machten. Der Obmann des D.-K. erließ im Lemberger „Tagblatt" einen Aufruf, der einen guten Erfolg hatte. An die Administration des „Tagblattes" wurden K. 649.52 geschickt, wovon aber K. 549.52 trotz vieler Urgenzen noch nicht an das D.-K. abgeliefert sind. Nachdem vom Parteikassierer Herrn Hermann Gottesmann der Kassabericht erstattet war, entspann sich eine lebhafte Debatte über den Rechenschaftsbericht Dem scheidenden D.-K. wurde einstimmig das Absolutorium mit Dank votiert und dem Vizeobmann Herrn Taubes die besondere Anerkennung für seine mühevolle und erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen. In der Nachmittagssitzung erstattete Herr Redakteur Löbel Taubes das Referat „über Organisation und Agitation". Der Referent besprach in ausführlicher Weise alle Mängel der jetzt bestehenden Organisation in der Bukowina und beleuchtete die herrschenden Zustände in den einzelnen zionistischen Korporationen. Nachdem er den Beschluß des VIII. Kongresses, wonach von nun ab der Schekel ganz an das A.-K. abzuführen ist, ausführlich erörtert hatte, stellte er folgende Anträge: 1. Zur Bestreitung der Auslagen des D.-K. sowie zur Beschaffung von genügenden Mitteln zwecks Durchführung einer entsprechenden Agitation in der Bukowina hat jeder Zionist einen jährlichen Beitrag von K. 2 (für Frauenu. Mädchenvereine 1 K.), zahlbar in dreimonatlichen Raten ä 50 Heller, zu leisten, für dessen Abführung die Vereine und event. Vertrauensmänner verantwortlich sind. 2. Außerdem haben die mehrbemittelten Zionisten der Schaffung eines Fonds für die zionistische Partei in der Bukowina einen ihren Verhältnissen entsprechenden Betrag als einmalige Leistung zu widmen. Auch sollen in einzelnen Orten Veranstaltungen speziell zu diesem Zwecke gemacht, event. Teilbeträge von anderen Veranstaltungen hierfür gewidmet werden.*) 3. Behufs Erweiterung der Organisation und Heranziehung neuer Orte zur zionistischen Arbeit sind in einzelnen vom D.-K. zu bestimmenden Orten Kreiskornitees zu errichten, welchen die Propaganda in dem ihnen zugewiesenen Gebiete obliegen wird und *) Wir können einen derartigen Beschluß jetzt nicht gutheißen. Das A. C. hat einen Aufruf zur Schaffung eines Parteifonds erlassen und darauf hingewiesen, daß die Sammlung hierfür überall sofort mit dem größten Eifer einsetzen müsse, weil sonst der Leitung jede Tätigkeit unmöglich wäre. Angesichts dessen müssen die Unterorganisationen mit ihren vielleicht sehr berechtigten Wünschen zurückstehen und dürfen nicht der großen Idee derSchaffung eines Parteifonds durch Aufrufe für die Sammlung spezieller Distriktsfonds einen für beide Teile schädlichen Wettbewerb machen. (Die Red.)

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