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Die Welt · 1907-09-20 · 38 (20.9.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE2MEL1 No. 38 Ignaz Brüll gestorben Wien, 17. Septbr. Der Komponist Ignaz Brüll ist heute früh, 61 Jahre alt, gestorben. [Mit Ignaz Brüll ist ein ebenso fleißiger wie in seiner Anspruchslosigkeit liebenswürdiger Tonkünstler von spezifisch österreichischer Art dahingegangen. Er war weder ein Himmelstürmer noch ein Kündiger der tiefsten Dinge. Tändelnde Grazie und anmutige, leichtfaßliche Melodik, verbunden mit einer stets wahrzunehmenden Wohlanständigkeit des Satzes, die gerade im Zeitalter , t/<???a% S $ui# der Dissonanzenmischungen und Kakophonien nicht unterschätzt werden darf, bilden die wesentlichsten Elemente seiner kompositorischen Kunst, mag sie sich nun im Gebiete der Konzert- oder Kammermusik, oder auf jenem der kleinen Oper bewegen. Brüll war am 7. Nov. 1846 zu Frößnitz in Mähren geboren. Er bildete sich unter Epstein in Wien zum Klavierspieler aus, während er in der Komposition unter anderen von Dessoff unterwiesen wurde. Als mehr musikalischer als virtuoser Pianist unternahm er mit Erfolg Konzertreisen, wobei er meistens auch eigene Kompositionen, seine beiden Klavierkonzerte, seine Suiten für Klavier und anderes zum Vortrag brachte. Von 1872 bis 1878 war er Lehrer an den Horakschen Klavierschulen in Wien, seit 1881 Mitdirektor derselben. Seinen dauernden Ruhm nach außen hin verdankte er jedoch seiner Tätigkeit als Komponist. Brüll War ein ebenso fruchtbarer wie vielseitiger Tonsetzer. Einschrieb eine Sinfonie, mehrere Orchesterserenaden, vqjh denen die in E-dur am bemerkenswertesten ist, Ouvertüren, viele Kompositionen für Klavier, Sonaten für (Cello, für Violine, ein Trio, Lieder und Chöre. In allein diesen Arbeiten äußert sich ein gediegenes, niemals die ästhetischen Grenzen überschreitendes Können und ein konservativ-formalistischer Sinn. Ohne gerade Neues zu bieten, nehmen doch seine Themen durch die Freundlichkeit ihrer Haltung für sich ein. Doch können sie für einen gewissen Mangel an individueller Kraft, und Temperament nicht immer vollkommen entschädigen. Und kennt man eins seiner Kammermusikwerke, so kennt man eigentlich auch schon alle übrigen. Bedeutsameres leistete Brüll auf dem Gebiet der Spieloper. Unter seinen elf Bühnenwerken erzielte „Das goldene Kreuz", das 1875 herauskam, den stärksten Erfolg. Äußerst geschickt wußteer hier bei sonst nicht sehr tiefgehender Originalität den Geist jener älteren opera comique wieder aufleben zu lassen, der Heiteres mit Rührseligem zu verbinden wußte und so recht eigentlich das Genre der Erholungs- und Lieblingsstücke des deutschen Publikums umfaßte. Die Feinheit des Satzes, das Vermeiden aller auffälligen Mittel in der Instrumentation wurden bei dem „Goldenen Kreuz" auch als wohltuender Kontrast empfunden gegenüber den gewaltigen Orchesteropern Meyerbeers, Wagners und ihre Nachahmer. Von seinen später erschienenen Opern erzielten „Der Landfriede" und „Gringoire" den meisten Beifall, ohne freilich die Beliebtheit des „Goldenen Kreuzes" zu erreichen, das von allen BrülTschen Werken den Namen des Autors wohl am längsten lebendig erhalten wird.) Wir beklagen in dem Dahingeschiedenen einen der ersten Freunde unseres Blattes und behalten uns vor, eine nähere Charakteristik dieser hervorragenden künstlerischen Persönlichkeit in einer unserer nächsten Nummern zu bringen. Die amerikanische Einwanderungskommission in Berlin Die Mitglieder der amerikanischen Einwanderungskonimission, Senator Wheeler und Kongreßmitglied Bennet, haben während ihrer Anwesenheit in Berlin Gelegenheit genommen, mit den Vertretern des Hilfsvereins der deutschen Juden in eingehenden Besprechungen die Verhältnisse der jüdischen Auswanderung aus dem Osten zu erörtern. Sie haben sich insbesondere über die Tätigkeit des vom Hilfsverein der deutschen Juden und der Großloge für Deutschland ins Leben gerufenen und unterhaltenen Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, das seit Dezember 1904 eine besondere Abteilung des Hilfsvereins darstellt und in dem die Fürsorgetätigkeii für die jüdische Auswanderung zentralisiert ist, aufs genaueste unterrichten lassen. Neue Unruhen in Odessa Odessa, 16. Sept. Die an die Polizei gerichteten Befehle, die der neue Stadthauptmann am 11. ds. zu den Straßenunruhen erlassen hat, haben nur einige Tage beruhigend gewirkt. Heute kam es gelegentlich der Beerdigung eines am vergangenen Freitag getöteten Polizeibeamten wiederum zu Ruhestörungen. Mitglieder des Verbandes wahrhaft russischer Leute begingen den ganzen Tag über Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung; zwei Juden wurden, wie es heißt, ermordet und viele verwundet. In der jüdischen Bevölkerung herrscht große Besorgnis.

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