Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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keinen -Sinn; der Zeitungsartikel, den Mendel, gläubig, wie eine Weissagung rezitiert hatte, blieb ganz wirkungslos. Ein Jahr darauf rüstete sich Mendel zu einer neuen Kampagne. Er hatte schon Gutachten von einigen zionsfreundlichenRabbinern eingeholt, ein enthusiastischer Brief Rabbi Mohilewers spornte ihn zum Kampfe an. Die Leute wurden ungeduldig: Kaplans Schwiegersohn — sagte man — ist etwas verdächtig. „Was verdreht er die Köpfe?" „Neuerungen will er einführen — in Qarwolin!" „Ein Zeitungsmensch, — er drängt sich zuviel auf!" Der alte Kaplan war mißmutig. Er sagte seinem Schwiegersohne: „Sei doch kein Kind! Qarwolin ist nicht für Zeitungsideen reif!" Als der Alte diese Ratschläge in einem ernsteren Tone wiederholte — weinte Mendels Frau. Denn Mendel war unerbittlich, und mag es kommen wie es will. Er müsse, — sagte er — die Pogrom-Essrogim ausrotten! Zum dritten Jahre hatte er schon einige Dutzende Palästina-Essrogim bezogen. Man ließ es gelten, daß er in der Kahalstube auf einem besonderen Tische diese Essrogim ausgestellt hat. Man stand in murmelnden Gruppen und räsonnierte. Die meisten Essrogim hat Mendel verschenkt, einige wenige verkauft. Daß sie „segenswürdig" sind, hatte schon der Raw entschieden. Mendel genügte das nicht; er hatte sich vor Eifer und Wut ganz warm geredet. Aber er hatte einen gefährlichen Gegner zu bekämpfen: ^Reb Leibele Lande! (Schluß folgt.) o o o o o o o c I o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG l % o o o o o o o -SN -O o o o o o o o Lübeck: Am letzten Mittwoch erstattete unser Kongreßdelegierter, Herr Eduard Joel, vor einer zahlreich besuchten Versammlung der hiesigen Ortsgruppe sein Referat über den Verlauf des VIII. Kongresses. In fast zweistündiger Rede verbreitete sich Herr Joel in lichtvoller und interessanter Weise über die einzelnen Vorgänge des Kongresses und über seine Eindrücke vom Kongresse. An den Vortrag schloß sich eine anregende und lebhafte Debatte. — Während der Dauer des Kongresses fand hier ein gemütliches Beisammensein der Mitglieder der Ortsgruppe statt. Auch diese Versammlung war gut besucht. Hamburg»Aitona. In der zionistischen Ortsgruppe referierte in einer stark besuchten Versammlung Herr Dr. med. Kalmus, der Delegierte der hiesigen Ortsgruppe, über den im Haag stattgehabten VIII. Zionistenkongreß. Er begrüßte zunächst in herzlichen Worten den als Gast anwesenden englischen Friedensrichter Jakob Moser aus Bradford, der im Haag außer sonstigen namhaften Beträgen 80 000 fr. für die Errichtung eines hebräischen Gymnasiums in Jaffa gespendet hat. Darauf schilderte der Referent den Verlauf des Kongresses, den gewaltigen Eindruck der Rede Nordaus und seinen wirkungsvollen Appell an die internationale Gerechtigkeit. Von größter Bedeutung war bei den diesmaligen Verhandlungen die Einmütigkeit der Delegierten. Im Haag sei unter Ablehnung extremer Forderungen die Synthese der verschiedenen Richtungen im Zionismus vollzogen worden. Die energische Förderung der realen Arbeit, d. h. der vorbereitenden Tätigkeit und der Kulturpflege in Palästina, und eine parallel laufende politische Tätigkeit zum Zweck der Erlangung rechtlicher Garantien seien von allen Seiten als gleichwertige Momente anerkannt worden. Die zionistische Bewegung habe aufs neue ihre Lebenskraft bewiesen und für ihre Aktionen in der nächsten Zeit ihre Linien klar vorgezeichnet. Eine weitere Konsolidierung sei durch die beschlossene Schaffung eines Parteifonds gegeben. Bemerkenswert sei, daß man seitens der türkischen Regierung die Verhandlungen des Kongresses mit wohlwollender Aufmerksamkeit verfolgt habe. Herr Dr. L. Frank schilderte 4ann die Tätigkeit der Misrachi-Gruppe, die auf dem Kongreß bereits durch 25 Delegierte vertreten gewesen sei. Der Misrachi steht bekanntlich auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums und bezweckt, die Bedenken, die bei den außerhalb der zionistischen Bewegung stehenden Glaubensgenossen gegen den Zionismus vorherrschen, zu zerstreuen. Allen Forderungen der Misrachi-Gruppe wurde auf dem Kongreß das weiteste Entgegenkommen bewiesen, und ausdrücklich wurde festgelegt, daß offiziell niemals etwas geschehen werde, was gegen das traditionelle Judentum nach irgendeiner Richtung hin verstoße. Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Herr J. Moser aus Bradford äußerte sich vom Standpunkte der englischen Zionisten über die Aussichten der Bewegung. Es sprachen u. a. noch die Herren Dr. Besser, Estermann, Holländer und Dr. Frank teils zustimmend, teils ablehnend über einzelne Kongreßbeschlüsse. Zur Nachahmung bestens empfohlen! Breslau, Juli 1907. Sehr geehrter Herr! Wir gestatten uns ergebenst, Ihre Aufmerksamkeit auf die von der Berliner Kommission zur Erforschung Palästinas vorgeschlagene und seit 2 Jahren bei den deutschen Juden sehr populär gewordene Ölbaumspende zu lenken. Vor jetzt gerade 25 Jahren begann man in Palästina teils mit den Millionenspenden großer Philanthropen oder den Mitteln philanthropischer Gesellschaften, teils durch Privatinitiative eingewanderter Juden jüdische Kolonien zu gründen, deren Zahl inzwischen auf 25 angewachsen ist, und die sich zum großen Teile selbst erhalten. Einige sind zu blühenden wohlhabenden Dörfern geworden. Hier sitzt der jüdische Bauer, — der einst in Rußland und Rumänien als Krämer oder kleiner Handwerker unter der Willkür seines barbarischen Wirtes seufzte, — hier sitzt er als freier Mann auf eigener Scholle und ernährt sich und seine Familie in friedlicher Arbeit durch seiner Hände Fleiß. Die entsetzliche Lage der Juden in Rußland und Rumänien mahnt uns. das Werk der Kolonisation mit Energie weiter zu betreiben. Die Kolonisation in großem Stile erfordert ungeheure Kapitalien und ist Sache der philanthropischen Institutionen und der zahlreichen jüdischen Kolonisationsgesellschaften. Aber auch dem einzelnen bietet sich Gelegenheit, mit kleinen Mitteln das edle Werk in rationeller Weise zu unterstützen. Hierzu eignet sich besonders die Ölbaumspende. Palästina ist zu einem großen Teil hervorragend für Gemüse- 4 und Plantagenbau, fast durchweg aber für Körnerbau geeignet. Während diese Bebauungsmethoden aber intensive Arbeit, Bewässerung und vor allem Fleiß und Zeit erfordern, ist die Pflege des Ölbaums eine ziemlich leichte und stellt an den Boden die denkbar bescheidensten Ansprüche. Überall in Palästina, an der Küste, im Flußtale, im Gebirge, selbst auf steinigstem Boden, gedeiht der Ölbaum. Die Gefahr einer Überproduktion ist ausgeschlossen: die Olive dient der Bevölkerung als Nahrungsmittel, und die aus den Oliven gewonnenen Produkte — Öl und Seife — erfreuen sich der größten Sicherheit des Absatzes. Der Ölbaum ist der langlebigste Repräsentant der Kulturpflanzen, der ein Alter von 300—400 Jahren und darüber erreicht. Die Anlage- und Unterhaltungskosten sind relativ gering, da die Kulturen keine speziellen Bewässerungs- und andere Anlagen brauchen, wie sie z. B. für die Orangenplantagen notwendig sind. Es ist daher möglich, entsprechend den verfügbaren Mitteln ein Stück Landes nach dem andern zu verpflanzen. Die Bäume werfen bereits nach 5—6 Jahren größere Erträge ab; während der ersten Jahre lassen sich noch durch Zwischenkulturen (Ölfrüchte, Faserpflanzen) Gewinne erzielen. Die Ölbäume können, da sie keiner besonders aufmerksamen Pflege