Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-09-20 · 38 (20.9.1907) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316281--49752-3344731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

No. 38 - — \)\E% Bevorzugte, er repräsentiert die Kultur, er ist der Einheimische, er hat das Recht, national zu sein, die Minderheit muß sich fügen. Es haßt der Slave den Germanen, der Hakatist den Polen, der Pole den Ruthenen, und auch der Yankee, der erst gestern gelandet ist, den „Fremdling", der morgen ankommen wird. Nicht nur unter den Besitzenden, sondern auch unter den Besitzlosen hassen die Weißen die Schwarzen, die Weißen und die Schwarzen die Qelben, die Halbgelb.en usw. Fast alle zusammen hassen die einzigste und isolierteste Rasse der Welt, die Juden. Und wir sind ganz ohne Halt. KELT — --5 Verfolgt man die Chinesen in San Francisco, so ist China da, und Kanada muß auf Japan Rücksicht nehmen — auch Venezuela verteidigt die Interessen seiner Staatsangehörigen. Wir allein sind vogelfrei und gehen ganz in dem Kreis der inneren Angelegenheiten, in die kein fremder Staat sich einmischen darf, auf. Wir sind ein Rumpf ohne Kopf, eine Masse ohne Zentrum, — eine wehrlose, unorganisierte, zerrissene Gemeinschaft. Und es kann nicht anders werden, bis sich unser Ideal verwirklicht haben wird, bis auch wir unser Zentrum haben. N. S. DIE LAGE DES ZIONISMUS IN DEN VERSCHIEDENEN LÄNDERN*) I. Deutschland Die Entwicklung der zionistischen Organisation in Deutschland kann als eine ständige bezeichnet werden. Sowohl im Jahre 1906 wie im laufenden Jahre sind eine Reihe neuer Ortsgruppen gegründet worden. Auch die Zahl der eingelaufenen Schekel hat sich nicht unwesentlich vermehrt. Ganz besonderer Wert muß aber darauf gelegt werden, daß das Leben innerhalb der zionistischen Kreise ein wesentlich ernsteres, die Beschäftigung mit den Problemen des Zionismus intensiver geworden ist. Wesentlich beigetragen hierzu haben die tiefgehenden Diskussionen über die Bedeutung und die Ergebnisse des VII. Kongresses, der ja zum ersten Male Meinungsdifferenzen unter den deutschen Zionisten hat zutage treten lassen. Anderseits mag nachdrücklich betont werden, daß diese Differenzen die regelmäßige Tätigkeit der Ortsgruppen in keiner Weise gehindert haben. Vielmehr haben die Zionisten beider Richtungen sich weiter lebhaft an der Agitation beteiligt. Heute kann übrigens mit Befriedigung konstatiert werden, daß auch die Differenzen selbst im wesentlichen überwunden sind, und daß sich die deutschen Zionisten mit Ausnahme einzelner in der Auffassung des Zionismus wieder eins wissen. Die Zentralleitung hat ihre Tätigkeit darauf konzentriert, die notwendigen Voraussetzungen für eine intensive Arbeit der Ortsgruppen und der einzelnen Parteigenossen zu schaffen und allgemeine Grundsätze über die zweckmäßige Art und Weise, in der Agitation zu treiben ist, auszuarbeiten. Sie hat daher durch die allwöchentlich in der „Jüdischen Rundschau" erscheinenden Mitteilungen des Zentralbureaus sowie durch die den Ortsgruppen und Vertrauensmännern zugehenden Rundschreiben der zionistischen Öffentlichkeit ständig Anregungen oder neue Mittel für die Propaganda an die Hand gegeben. Außerdem sind Flugblätter und eine größere Anzahl Broschüren herausgegeben worden, so die zweite Auflage der Broschüre: „Wras will der Zionismus?" (10000 Exemplare), die Broschüre von Dr. Franz Oppenheimer: „Alte und neue Makkabäer" (4000 Exemplare) und die vierte Auflage der Broschüre *) Wir beginnen im nachstehenden mit dem Abdrucke einiger der dem Zionistischen Zentralbureau anläßlich des Kongresses von den Landsmannschaften eingereichten Berichte über die Lage des Zionismus in den einzelnen Ländern. Die Ziffern sind in dem Berichte des Aktionskomitees, der dem Kongresse vorgelegt wurde, zwar schon berücksichtigt, wir glauben aber, daß die Veröffentlichung der vollständigen Berichte von Interesse für weitere zionistische Kreise sein wird. von Dr. Max Nordau: „Der Zionismus und seine Gegner". Besondere Erwähnung verdient die von Dr. Alfred Nossig verfaßte Broschüre: „Die jüdische Volksbewegung", die im Winter 1906/07 in Deutschland in fast 80 000 Exemplaren verbreitet worden ist. Von den zahlreichen Agitationsvorträgen seien die Agitationsreisen der Herren Sokolow, Dr. Bloede, Dr. Schemarja Lewin und Dr. Elias Auerbach, die Vorträge der Herren Dr. Heinrich Loewe und Dr. Friedemann erwähnt. Auch der von allen deutschen Ortsgruppen beschickte Delegiertentag im Mai 1906 sowie der süddeutsche Zionistentag in Mannheim im September 1906 und die Gruppenverbandstage in Beuthen, Nürnberg und Bremen haben zur Förderung der zionistischen Tätigkeit beigetragen. Das Interesse für Palästina ist durch systematische Veranstaltung von Palästinavorträgen mit Lichtbildern geweckt worden; auch wurden besondere Beitragshefte zur Zeichnung von Palästinabeiträgen ausgegeben. Die rege Tätigkeit, welche die Ortsgruppen besonders im letzten Winter veranstaltet haben, war um so notwendiger, als die Gegner des Zionismus, und zwar insbesondere der „Liberale Wahlverein für die Interessen der Jüdischen Gemeinde in Berlin'' in ganz Deutschland eine intensive Agitation gegen den Zionismus in die Wege leiteten. Auch die Maßregelung zweier zionistischer Rabbiner in Berlin läßt klar erkennen, daß sich der deutsche Zionismus auf eine Periode energischen Kampfes gefaßt machen muß. Wir gehen demselben um so ruhiger entgegen, als wir wissen, daß gerade dieser Kampf uns neue Anhänger zuführen wird. Es bestehen zurzeit in Deutschland 14 Gruppenverbände, 64 Ortsgruppen und 71 kleinere Gruppen und einzelne Vertrauensmänner. Die Zahl der Schekel beträgt in diesem Jahre 6050 Mk. Für den Nationalfonds einschließlich des Goldenen Buches sind 18 608.70 Mk., für die Ölbaumspende 8732.50 Mk., für sonstige zionistische Sammlungen 4451.80 Mk., insgesamt 31 793.00 Mk. eingegangen. Der Etat der Landesorganisation einschließlich der „Jüdischen Rundschau" balanziert mit 20 000 Mk. II. Belgien Um die heutigen Verhältnisse der Juden in Belgien richtig zu beurteilen, ist es durchaus nötig, in die Vergangenheit zurückzugreifen, denn sonst könnte es unbegreiflich scheinen, warum hier die Juden nicht so homogen sind wie in anderen Ländern. 2*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.