Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 39' nannten „praktische" und die „politische". Ich sehe aber nicht den Unterschied zwischen ihnen. Die „politischen" versichern, daß sie auch „praktische" sind. Die „praktischen" beharren auf ihrem „politischen" Zionismus. Es hat sich den Repräsentanten dieser beiden Schattierungen im Zionismus nur um das Quantum dieser „Politik" oder „praktischen Tätigkeit" gehandelt. Der Zionismus wird aber nicht zur Krämerbewegung werden, wie man .es befürchtet. Er wird seine Größe und seinen Schwung niemals verlieren, weil er auf den inneren realen Bedingungen des jüdischen Lebens basiert." Der Redner bespricht dann eindringlich die Bedeutung der praktischen Arbeit, das Referat Lewins und charakterisiert dann meisterhaft die wichtigsten Personen, die am Kongresse Anteil genommen haben. Er konstatiert, daß die Bewegung trotz allem im steten Wachstum begriffen ist, und er schließt: „Ich kann mit Nordau ausrufen: Das Judentum hat vor sich zwei Wege, Zionismus oder nationale Liquidation. Hoffen wir, daß die Liquidation nicht eintreten, daß sich aber auf der jüdischen Scholle ein jüdisches Leben entwickeln wird." (Minutenlanger Beifall.) Delegierter Dr. L. Reich hielt dann eine längere Rede, welche mit großem Beifall aufgenommen wurde. Er bewies die Unrichtigkeit der Meinung, welche unsere assimilatorischen Gegner in der Presse verbreiten, als ob der VIII. Kongreß die galizische Landespolitik verurteilt hätte. „Als wir besondere national-jüdische Politik zu führen begannen, da schrien die Herren, daß wir den Zionismus verrieten, da er eine innerpolitische Tätigkeit der zionistischen Partei nicht zuläßt. Damals waren sie die „guten Zionisten", und hüteten uns gegenüber den „reinen unverfälschten" Zionismus. Als wir aber im Haag uns entschlossen haben, die reale Arbeit in Palästina mit aller Kraft zu fördern, da behaupten diese „mosaisch-polnischen Israeliten", daß die Juden nach Palästina nicht gehen sollen, dafür aber eine ausgesprochene jüdische Politik im Lande, das sie bewohnen, nötig haben. Diese Herren, die übrigens schon lange abgewirtschaftet haben, müssen wir gänzlich au§ dem jüdischen öffentlichen Leben verdrängen, und zu diesem Zwecke müssen wir eine besondere Politik treiben." Mit scharfer Ironie, welche große Heiterkeit im Saale hervorrief, schilderte er die faulen Verhältnisse, welche die Assimilation im jüdischen Lager geschaffen hat, und verwies auf die Reinheit der zionistischen Idee, welche das ganze Leben unseres Volkes, seine Gegenwart und Zukunft ordnen und gesunden lassen will. Freie Bürger fordern heute nicht mehr „panem et circenses", sondern „panem et patriam". Wir wollen dem Volke sein Brot geben durch die politische Tätigkeit; sein Vaterland wird ihm aber die Arbeit der ganzen Partei schaffen." Zuletzt sprach noch der poale-zionistische Delegierte Kenner, der die besondere Konferenz der Poale- Zionisten und die Stellung dieser Gruppe auf dem Kongresse erörterte. Eine Resolution, daß die Versammlung den Bericht der Delegierten dankend zur Kenntnis nimmt und laut den Beschlüssen des Kongresses mit aller Kraft zu arbeiten verspricht, — wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung war von der „Emunah" einberufen, die hierfür redlich den Dank des zahlreich erschienenen Publikums verdiente und nahm einen würdigen Verlauf. — Eine Gruppe von Genossen, welche mit besonderem 7 Eifer die praktische Arbeit in Palästina unterstützen und die Idee in Galizien verbreiten sollen, ist schon ans Werk herangetreten und betreibt energisch ihre Agitation. Die akademische Verbindung „Judäa", welche diese Agitation in ihre Hände genommen hat, entwickelt eine rege Tätigkeit, welche der Sache eine vielversprechende Zukunft voraussagt. Diese wackere Verbindung wird im künftigen Monat die erste Nummei einer Vierteljahrsschrift „Palästina" unter der Redaktion des Dr. A. Korkis erscheinen lassen, die im ganzen den Fragen der realen Arbeit in Palästina gewidmet sein wird. Von der „Judäa" eingeladen, wird auch Herr Dawis Trietsch in Lemberg und andern Städten Galiziens eine Reihe von Vorträgen abhalten, in welchen er die jetzige Lage in Palästina behandeln wird. Wir können unsern jungen Genossen in dieser Arbeit nur viel Ausdauer und Eifer wünschen. — Die zionistische Organisation steht jetzt vor großen und schwierigen Aufgaben, die unsere Leitung zu erfüllen haben wird. Insbesondere müssen wir das Verhältnis der zionistischen Organisation zu der nationaljüdischen politischen Partei genau festsetzen, da der Verwechslung der Kompetenz dieser beiden Parteien die Vernachlässigung der zionistischen Arbeit im vorigen Jahre zuzuschreiben ist; wirmüsseneineneueOrganisation schaffen für die rein zionistischen Angelegenheiten, da die alte Form sich nicht mehr in den neuen Verhältnissen bewähren kann. Die neue Organisation muß uns die Möglichkeit geben/für diezionistischen Institutionen ohne Unterbrechen arbeiten zu können. Auch über die Gründung einer jüdischen Bank, welche für unsern Mittelstand in Galizien von der größten Bedeutung wäre, müssen wir beraten. Zuletzt werden wir auch zu entscheiden haben, welche Stellung wir zu den nächsten Landtagswahlen einnehmen sollen. Das Lernberger Distriktskomitee hat schon für Mitte Oktober eine Landeskonferenz der galizischen Zionisten einberufen, auf der aber alle diese Fragen verhandelt werden dürfte. Lernberg im September. M. Fr. An unsere Leser! Mit dieser Nummer endet das III.Quartal. Wir bitten alle jene Abonnenten, deren Bezugszeit abläuft, um rechtzeitige Einsendung des Abonnementsbetrages, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die p. t. Abonnenten in Österreich- Ungarn wollen sich der der Nummer beiliegenden Posterlagscheine bedienen. Expedition „DIE WELT44, 2*