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Die Welt · 1907-09-27 · 39 (27.9.1907) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Bundisten bei den Diskussionen die Zionisten zu terrorisieren. Die PoaleZion-Qruppe wünscht sehr, daß ein guter Jargonredner baldigst nach Kopenhagen komme, um den Kampf mit den Bundisten aufnehmen zu können. Für die dänischen Juden gibt Dr. Louis Frankel seit 1. April d. J. ein dänisch-zionistisches Blatt heraus, „Joedisk Tidsskrift", das alle 14 Tage erscheint. Die Auflage beträgt ca. 2000 Exemplare. Die Zeitung wird in allen jüdischen Häusern gratis verteilt und ist das einzige jüdische Blatt, das in Skandinavien existiert. Da das Blatt auf Abonnenten nicht angewiesen ist, — es muß von den Annoncen leben, — kann es als Propagandaorgan gute Dienste leisten, denn das Blatt wird allen Juden zugeschickt. Was die Juden in Schweden und Norwegen angeht, so leben sie auch da unter freien Verhältnissen; in Schweden ca. 3000, in Norwegen ca. 1000. In diesen zwei Ländern wohnen sie aber sehr gedrückt in den verschiedenen Städten. Die meisten sind eingewanderte Russen; während aber diejenigen, die nach Dänemark gekommen sind, Handwerker sind, sind diejenigen, die nach Schweden und Norwegen gegangen sind, Handelsleute, die das ganze Land bereisen und handeln. Unter ihnen gibt es viele Zionisten; aber sie sind schwer zu organisieren, weil sie nur zu Pessach und den Herbstfeiertagen zu Hause sind. Organisierte Zionisten gibt es in Skandinavien ca. 250, davon leben etwas über 100 in Dänemark, etwas über 100 in Schweden und ca. 50 in Norwegen. In Schweden und Norwegen läßt aber die Propagandaarbeit, die eine absolut persönliche sein muß, viel zu wünschen übrig. Brief aus Galizien (Ein Perezabend. — Großes Meeting in Lemberg. — Palästina. — D. Trietsch in Galizien. — Zionistische Landeskonferenz.) Nach der Stille der Sommerferien sind wir heuer sehr schnell in die Hochsaison der zionistischen Propaganda und Politik übergegangen und, wie es scheint, wird diese von hervorragender Bedeutung für die Entwicklung unserer Partei im Lande sein. Als erste sind die Poale-Zionisten aufgetreten, welche zusammen mit der akademischen Verbindung „Emunah" einen großartigen Rosenfeld-Abend veranstalteten, an welchem auch der bekannte jüdische Schriftsteller J. L. Perez teilgenommen hat. Ein zahlreiches Publikum füllte den Saal und zuletzt gestaltete sich der Abend zu einem festlichen Empfang, welchen das galizische Judentum dem bekannten Voksdichter Perez bereitete. Es sprachen unter anderen S. Schiller, der die Bedeutung Perez's für die jüdische Literatur und sein ganzes Schaffen mit verständnisvoller Sachkenntnis behandelte, und Abg. A.Stand, der Perez als Repräsentanten der erwachenden jüdischen Kultur und Literatur begrüßte. Auch Perez selbst ergriff das Wort, um zu betonen, daß, trotzdem er kein Zionist ist, es doch sein größter Wunsch sei, das ganze jüdische Volk organisiert sehen zu können. „Die großen jüdischen Massen in Galizien, Rußland und Amerika", sagte er, „stehen noch leider nicht in einer fortwährenden kulturellen Verbindung untereinander. Wir müssen trachten, eine einzige jüdische Kultur zu schaffen, welche das geistige Zentrum des ganzen zerstreuten jüdischen Stammes sein sollte." ' In demselben Saale des ruthenischen Volkshauses hat am 21. ds. Mts. ein großes Meeting stattgefunden, in dem die zionistischen .Delegierten des VIII. Kongresses ihren Bericht vor 600—800 Besuchern abstatteten. Die Versammlung eröffnete med. J. Meyer, welcher im Namen der „Emunah", die diesen Meeting arrangierte, die Delegierten und zahlreich erschienenen Zuhörer begrüßte. Abg. Dr. Gabel wies in einer längeren Rede auf die Beschlüsse des VIII. Kongresses hin, und betonte insbesondere die Ziele und Erfolge der praktischen Tätigkeit in Palästina. „Wir kommen aus dem Haag" — sagte er — „wo sich der Wille und alle besten Bestrebungen des jüdischen Volkes konzentriert haben, wo die ganze Gegenwart und Zukunft der jüdischen Masse genau erwogen und überdacht wurde. Vor allem aber kennzeichnet diesen Kongreß, daß er so viel Zeit der Palästinafrage widmete und daß die Überzeugung von der Notwendigkeit der Entwicklung dieses Landes sich einer gewaltigen Majorität der Delegierten aufdrang. Und nicht von dem Traumlande hat man gesprochen, wie die Vergangenheit es sich ersehnte; das größte Interesse erweckte das heutige Palästina mit seinen 100000 Juden und 8000 Kolonisten-Familien, mit seinem Naturreichtum, mit seiner neuen, stets wachsenden Kultur, welche die kühnsten Hoffnungen auf die Zukunft des Landes zuläßt. Der Redner beweist kurz die Notwendigkeit der Palästina-Arbeit und führt alle zionistischen Institutionen an, die schon im Lande wirken oder gar bald ins Leben treten dürften, und fordert die Versammelten zur intensiven Mithilfe auf an dem großen Werk, welches die Schaffung eines Vaterlandes für die Juden erstrebt. „Palästina lebt nicht im Traum, wie es unsere Gegner behaupten. Es existiert und entwickelt sich in der Wirklichkeit. Es ist Sache des jüdischen Volkes, daß Palästina jüdisch werden soll". (Lebhaftes Händeklatschen.) Nach ihm sprach Abg. A. Stand, begrüßt von einem stürmischen Beifall: „Gerade um dieselbe Stunde vor vier Wochen wurde der VIII. Kongreß geschlossen. Man hat viel über diesen Kongreß geschrieben und gesprochen, die einen hoben dessen Bedeutung in den Himmel, die andern waren unzufrieden und nannten ihn fruchtlos. Um aber seinen Wert richtig abschätzen zu können, müssen wir ihn mit den vorigen Kongressen vergleichen. Der VII. Kongreß hatte große Kämpfe um Prinzipien, eine gefährliche Krise zu überstehen und führte zu einer Spaltung im Zionismus; er mußte das Programm kristallisieren und noch einmal seine Grundprinzipienfeststellen. Der VIII. Kongreß war ein Kongreß der Arbeit und des Friedens, trotzdem auch jetzt sich Meinungsverschiedenheiten geltend gemacht haben. Er führte nach einer lebhaften Debatte zur Vereinigung. Mit dem Territorialismus haben wir vollständig gebrochen. Man hat der ganzen und vollkommenen jüdischen Lebensanschauung Ausdruck gegeben, daß nur auf dem Zionsboden sich der Zionismus erfüllen kann. Die andern sind aber Goluspolitiker, wenn sie Zion wegen etwaiger Hindernisse wie Feiglinge verlassen wollen. Es hat sich aber schon herausgestellt, daß die Territorialsten nicht vieles für die Juden erlangen können werden. — Auf dem VIII. Kongreß handelte es sich nur um die Realisierung der Idee. Es treten zwei Richtungen auf, die söge-

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