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Die Welt · 1907-09-27 · 39 (27.9.1907) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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No. 39 4. Vereine und Propaganda: In jeder Stadt Bulgariens bestehen zionistische Vereine, die sich eifrig der zionistischen Propaganda hingeben und in enger Fühlung mit dem Zentralkomitee stehen. Die zionistische Organisation ist mit Nachdruck bemüht, das stagnierende jüdische Leben in den Gemeinden wieder in Fluß zu bringen und die Macht der Notabein, die selbstherrlich die jüdischen Gemeinden verwalten, zu brechen. Zwar ist der wohlhabendere und konservative Teil der jüdischen Bevölkerung kaum in unsern Reihen zu finden, indessen um so zahlreicher der demokratische. Wir haben zwar inunsermBestreben mit einer starken Gegnerschaft zu rechnen, aber da die Jugend zu uns hält, kann der endliche Erfolg nicht ausbleiben. IV. Holland Am 30. Juni 1905 betrug die Zahl der schekelzahlenden Mitglieder unserer Organisation 594, am 30. Juni 1907 jedoch 821. Der „Nederlandsche Zionistenbond" zählt augenblicklich die folgenden Abteilungen: Amsterdam, Amersfoort, Arnhem, Deventer, Groningen, 'sGravenhage, Haarlem, Twente, Leiden, Utrecht, Graafschap, Rotterdam, Hilversum, Coevorden und eine Allgemeine Abteilung. Im abgelaufenen Jahre wurde die Propaganda eifrig betrieben. Durch Vorträge und Broschüren wurden die Indifferenten zur Beteiligung an unseren Bestrebungen herangezogen. Unter dem Eindrucke der November-Pogrome 1905 wurde in vielen Städten eifrig für die jüdische Sache gearbeitet. In einigen Abteilungen wurden Protestversammlungen veranstaltet. Auch während der Sommermonate ruhte die Propaganda nicht; es wurden in dieser Zeit in den Seebädern Scheveningen und Zandvoort Agitationsversammlungen gehalten. Auch haben einige Abteilungen mit gutem Erfolg jüdische Kunstabende veranstaltet. Wie oben bereits gesagt, wurde auch eine Anzahl Propaganda-Broschüren herausgegeben. Eine Propagandanummer des „Joodsche Wächter" wurde im Jahre 1906 in einer Auflage von zirka 10 000 Exemplaren verbreitet. In Deventer wurde eine zionistische Bibliothek errichtet, in Amsterdam ein zionistischer Gesangverein. Auch wurden Schritte zur Errichtung eines Turnvereins getan. Wenig Erfolg hatte leider bis jetzt die Agitation unter den jüdischen Arbeitern. Doch ist das Streben der Amsterdamer Abteilung fortwährend hierauf gerichtet. An Orten, wo noch keine Abteilungen bestehen, ist die Propaganda-Kommission in Verbindung mit einer Anzahl Vertrauensmänner tätig, um allmählich auch dort festen Fuß zu fassen. Die Vorbereitungen zu den Wahlen zum achten Kongreß wurden von unseren Gesinnungsgenossen mit größerem Eifer als früher betrieben. V. Skandinavien Die Lage der Juden in Dänemark ist sehr gut. Seit 250 Jahren dort ansässig, genießen sie seit 1849 dem Staatsgrundgesetz gemäß volle bürgerliche und politische Rechte, und das nicht nur auf dem Papier, sondern de facto. Alle Stellungen können sie einnehmen, alle Ämter stehen ihnen offen. Zur Illustration sei nur erwähnt, EELT — — 5 daß bis vor kurzem ein Jude Vorsitzender der Zweiten Kammer und auch des Stadtrats von Kopenhagen war, daß der Generaldirektor des Steueramts ein Jude ist, daß viele von den Universitätsprofessoren Juden sind, und daß infolgedessen als Rector magnificus der Universität sehr oft ein Jude gewählt wird. In gesellschaftlicher Beziehung gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Christen; sie verkehren gesellschaftlich und geschäftlich sehr freundlich mit einander, ohne daß man daran denkt, ob sie Juden oder Christen sind, was allerdings die traurige Wirkung hat, daß die Mischehen häufiger geworden sind als die rein jüdischen Ehen. Die meisten Kinder der gemischten Ehen sind dem Judentum verloren gegangen; getaufte Kinder von jüdischen Eltern gibt es aber im ganzen nur 3, und erwachsene Juden lassen sich überhaupt nicht taufen; die Taufe gilt als überwundenes Stadium, das in den Anfang des vorigen Jahrhunderts gehört. Die Juden Dänemarks leben mit ganz wenigen Ausnahmen alle in Kopenhagen, wohin diejenigen, die früher in den Provinzen wohnten, hingewandert sind. Die Anzahl der dänischen Juden in Kopenhagen beträgt etwas mehr als 3000 Personen, und die Volkszählungen zeigen trotz fortgesetzten Zuzugs aus den Provinzen durch 25 Jahre eine fortgesetzte Verringerung ihrer Zahl. Dies beruht auf folgenden 4 Momenten: 1. den zahlreichen Mischehen, 2. den seltenen Heiraten, 3. dem späten Heiraten und 4. der geringen Kinderzahl der Ehen. Die zwei letzten Momente hängen mit der guten ökonomischen Lage der dänischen Juden zatsammen; zwar findet man unter ihnen keine großen Vermögen, und die Millionäre sind leicht gezählt; auf der arideren Seite gibt es aber auch keine Armen unter ihnen, das heißt: es gab deren nicht bis vor 2—3 Jahren, als die russische Einwanderung anfing, die jetzt einen Zuwachs vcn mehr als 1000 Personen, das heißt, einen Zuwachs von mehr als 33 "/<> der eingeborenen Juden ausmacht. Von den guten und freien Verhältnissen dahin gelockt, hat sich ein ganz unbemitteltes russisches Handwerkerproletariat niedergelassen. Bemittelte russische Juden finden niemals den Weg nach Kopenhagen. Sie gehen lieber nach Berlin, wo sie ausgewiesen werden; aber nach Kopenhagen, wo die größte Freiheit herrscht, kommen sie nicht. Die christliche Bevölkerung sympathisiert sehr mit den russischen Emigranten und sucht überall, wo nur möglich, zu helfen, z. B. mit Arbeitsbeschaffung. Der Zionismus besteht in Kopenhagen seit ungefähr 5 Jahren; indessen ist den Juden, die die äußeren Verhältnisse gar nicht anspornen, das Interesse dafür schwer beizubringen. Nationaljudentum betrachten sie bei den wenigen, die es vertreten, als Crimen laesae majestatis. Auch von den Russen sind nur sehr wenige Zionisten. Ca. 20 haben vor einigen Monaten eine PoaleZion-Qruppegebildet; die meisten abersind Bundisten, und sie haben für das Judentum alles Interesse verloren. Für die russischen Juden haben wir eine Toynbeehalle gegründet; es wird dort dänisch gelernt, verschiedene Vorträge, teilweise in Serien, teilweise einzelne abgehalten, ebenso werden musikalische Unterhaltungen veranstaltet; die Toynbeehalle wird gut besucht und die Bibliothek viel benutzt, aber auch da versuchen die ■ä

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