Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316280--49745-3344697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 37 DIE ELT 15 druck machte die fein pointierte Rede des langjährigen Gönners der „Gamala" Herrn Dr. Josef Winter-Ung. Hradisch. Im Namen der ständigen Verbindungen sprach Bb. cand. jur. Theodor Kohn (Unitas), für die Ferialverbindungen Bb. cand. jur. Karl Sonnenfeld (Achiwah). So war das Gründungsfest ein frohes gelungenes Studentenfest, aber auch ein animiertes und gemütliches Fest der jüdischen Bevölkerung." „Der am 3. September a. c. abgehaltene Wahlkonvent ergab folgendes Resultat: cand. ing. Siegfried Steinitz, cand. phil. Gustav Drechsler, cand phil. Siegfried Holz. Iglau. Am Dienstag, 3. September, traf die in Altenberg bei [glau zum Sommeraufenthalt weilende Familie unseres A. C.-Mit- ^Iiedes Dr. Alexander. S. Wolf aus St. Louis ein schrecklicher Schicksalsschlag. Frau Marie Wolf, die Gattin unseres Gg., jine ergebene Anhängerin unserer Sache und durch große schriftstellerische und künstlerische Begabung hervorragende Frau, hatte Jas Unglück, beim Baden ihr liebliches Töchterchen An nie durch las hochgehende Wasser des Igelflusses fortgerissen zu sehen. Bei lern Versuche, das Kind zu retten, ertrank die Mutter mit dem (inde. Der unglückliche Gatte und Vater mußte telegraphisch in Vien benachrichtigt werden, wo er zu Studienzwecken weilt. )onnerstag, 5. September, fand das Leichenbegängnis der beiden verunglückten statt. Die Beteiligung der ganzen Bevölkerung Iglaus war ine große, da der erschütternde Unglücksfall allgemeine Teilnahme ■ervorgerufen hatte. Der Vorstand des Jüd. Volksvereines „Theodor lerzl" und die Vereinsmitglieder standen Hr. Dr. Wolf in den chweren Stunden treu zur Seite. Möge ihm die allseitige innige Teilnahme ein wenig Trost bringen! — NACHRICHTEN J^fe^ Aus den Nachbarländern Die Anatolische Bahngesellschaft hat mit der Zivilliste es Sultans einen Vertrag über die Bewässerung der Konia-Ebene ^geschlossen; die Arbeiten sind binnen fünf Jahren zu Ende zu hren und sollen annähernd 20 Millionen Franken erfordern. Die \natolische Bahn schießt die erforderlichen Summen gegen 5 ozent Verzinsung und Tilgung in 35 Jahren, von der Inbetrieb- .■tzung an gerechnet, der Verwaltung der Zivilliste vor und erhält ne besondere Sicherung durch die infolge der Bewässerungsanlagen : erwartenden Mehrerträge der betreffenden Bezirke. Der Betrieb r Bewässerung erfolgt durch die Verwaltung der Zivilliste und r deren Rechnung. Die Arbeiten umfassen u a. die Herstellung ics geordneten und kontrollierbaren Ausflusses des wasserreichen, gen 100 Kilometer westlich von Konia gelegenen Beyschehir-Sees rch den Beyschehir-Fluß; die Regelung des Beyschehirsu und :harschembesu, in einer Länge von rund 175 Kilometer; die An- <e eines 30 Kilometer langen Kanals zur Umgehung des in der epertschen Karte als Sogla-Goel bezeichneten, zum großen Teil .rsumpften Sees bei Karawiran, sowie eines weitem 20 Kilometer »■gen Kanals im Engpaß von Balikowa, der die geregelte Verödung des Beyschehir und Tcharschembesu herstellen soll; die läge von Wasserwehren und drei Hauptreservoiren, eines Aquäktes über den Tcharschembesu, sowie zahlreicher Verteilungsnäle auf den zu bewässernden Ländereien, endlich die Errichtung r zum Betrieb erforderlichen Gebäude. Die zu bewässernden -indereien liegen südöstlich von Konia in der zurzeit ziemlich öden, or fruchtbar zu machenden Ebene zwischen Konia und Karaman ei werden von der ersten Teilstrecke der Bagdadbahn durchhnitten. Es handelt sich um die Bewässerung eines Gebietes von iid 53 000 Hektaren, dessen Getreide-Erträgnis nach dem Maßstab t Erzeugung bewässerungsfähiger Landstriche in der Türkei bis 20 000 Eisenbahnwagen und mehr jährlich erreichen dürfte. Die itzbarmachung dieses Gebietes wird sich im wesentlichen auf den ibau von Weichweizen erstrecken, der für den Konstantinopeler rtsverbrauch und für die Bedürfnisse der türkischen Armee leichten s'Satz finden wird. Die Aussichten auf diese Frachten hat die mvaltung der anatolischen Bahnen veranlaßt, ein so mühevolles h1 kostspieliges Werk zu fördern. Sehr viel größer werden die orteile sein, die durch die Bewässerung für den türkischen Staatsschatz und die zu bewässernden Gebiete selbst zu erwarten sind, -er Vertrag beruht auf einem Firman des Sultans und ist unter Ermittlung der Pforte nach jahrelangen Vorstudien und Vorverhandlungen zustande gekommen. Die Arbeiten sollen durch Philipp iulzmann u. Cie., G. m. b. H. in Frankfurt a. M., ausgeführt werden, die bekanntlich auch die Bahn von Eski-Schehir nach Konia und die erste Strecke der Bagdadbahn über Karaman bis zum Taurus gebaut hat. Leiter der Arbeiten soll der in Diensten der Anatolischen Bahngesellschaft stehende Ingenieur H. Waldorp werden, der den Hafen in Haidschir-Pascha angelegt und die Studien zu der Bewässerung geleitet hat. Die Aufdeckung von heiligen Stätten in Jerusalem Die Nachforschungen nach den heiligen Stätten der Bibel in Jerusalem sind in letzter Zeit mit besonders regem Eifer fortgesetzt worden und haben zu einer Reihe von Entdeckungen geführt, die, wenn es natürlich auch nicht sicher ist, ob die Interpretation sich wirklich bestätigt, doch von größtem Interesse sind. So ist man jetzt, wie einem Bericht des „American" aus Jerusalem zu entnehmen ist, in der heiligen Stadt in lebhafter Aufregung über die Entdeckung einer Zelle, in der man glaubt, den Ort wiedergefunden zu haben, an dem der Führer der christlichen Religion vor seiner Kreuzigung gef angen gehalten wurde. Nachdem er von den Hohenpriestern und den Ältesten verurteilt worden war, übergab man ihn dem Pontius Pilatus (Matth. XXVII, 1,2); er wurde somit Gefangener der Römer. Der Tempelbezirk, auf dem die Hohenpriester Gericht hielten, war nur durch eine Straße von dem Antonia-Kastelle getrennt, den römischen Baracken, wo der Statthalter Recht sprach. Die Juden hatten nicht das Recht die Todesstrafe zu verhängen; darum führte man Christus , zu Pilatus. Die neuentdeckte Zelle nun liegt in unmittelbarer Nähe der Ecce homo genannten Straße, die ihrerseits wieder einen Teil der Via Dolorosa bildet. Das Grundstück, auf dem die Entdeckung gemacht wurde, ist Eigentum der griechischen Kirche. Noch vor wenigen Monaten standen armselige Hütten an der Stelle. Als man sie abriß, um für ein neues Gebäude Raum zu gewinnen und mit den Fundamentierungsarbeiten beginnen wollte, stieß man plötzlich auf einen unterirdischen Gang, der in den massiven Felsen geschlagen war. Er erstreckt sich von Süden nach Norden, ist etwa 15 Fuß lang, 10 Fuß hoch und 4 Fuß breit. Man erreicht den Gefängnisraum von Süden, indem man über eine kleine Steintreppe den Gang gewinnt und ihn bis ans Ende verfolgt; er mündet am nördlichen Ende in die Zelle, die nahezu quadratisch ist und an jeder Seite eine Ausdehnung von gegen 7 Fuß hat. Offenbar diente diese Zelle nur einzelnen vornehmern Gefangenen zum Aufenthaltsort. Unmittelbar unter diesem Raum befindet sich eine zweite, größere, in der anscheinend die gewöhnlichen Verbrecher gefangen gehalten wurden. Es ist anzunehmen, daß der Führer der christlichen Kirche in dem oberen Räume untergebracht war. Denn nach der Furcht und Besorgnis der Hohenpriester und der Erregung des Volkes hielten ihn die Römer gewiß für eine hervorragende Persönlichkeit. Neben dieser Entdeckung will man nun aber auch das echte Golgatha gefunden haben. Der englische Generalmajor Sir Charles Wilson, einer der besten Kenner Jerusalems, hat die Schädelstätte identifiziert und die seit Konstantins Zeiten angenommene Stelle als der Logik der Tatsachen widersprechend verworfen. Die Evangelien sprachen von Golgatha als der „Schädelstätte". Nur Lukas, der Grieche, spricht kurzweg davon, daß sie Christus hinwegführten zu einer Stätte,m „die Schädel genannt wird". Golgatha ist nur eine griechische .Übersetzung des hebräischen „Gulgoleth", das einfach Schädel bedeutet. Man bezog diese Bezeichnung auf einen wirklichen Schädel, der einmal an jenem Orte begraben worden sei oder sein sollte, und ein Grieche^ der um den Beginn des dritten Jahrhunderts lange Zeit in Jerusalem weilte, erzählt von einer alten hebräischen Tradition, nach der Adam an der alten Schädelstätte begraben sein soll. Wilson ist nun der Ansicht, daß die Bezeichnung Schädelstätte andere Ursachen habe als allein die der Sage von Adams Grab. Genau nördlich des Tempels, am östlichen Abhang des Moriahberges, der als Bezetha bekannt ist, hart an der Straße, die vom Antoniakastell und dem Tempelbezirk ostwärts führt, hat er eine Stätte entdeckt, für die viele gewichtige Gründe sich anführen lassen. Denn merkwürdigerweise zeigt die Gestaltung des Hügels in auffallender Deutlichkeit die Gestalt eines menschlichen Schädels, und dieses seltsame Spiel der Natur hat schon manchen überrascht, der nicht daran dachte, daß hier ein Zusammenhang mit der „Schädelstätte" der Bibel verborgen sein könnte. Volksküchen in Palästina Das Komitee für Volksküchen in Palästina (Vorsitzender: Siegb. Seckelsohn) veröffentlicht den Bericht über seine Tätigkeit in den Jahren 1904—06. Es verausgabte in dieser Zeit für seine Volksküche in Safed 10 330 Mark. 'Die 8000 Juden in Safed sind meistens sehr arm. Die Volksküche verabfolgt täglich 40— 50 Gratisportionen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.