Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 37 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIE^ELT No. 37 wobei gleichzeitig mit den Ländern England, Argentinien, Rumänien entsprechende Verbindungen eingeleitet worden sind. Den Mittelpunkt dieser Organisation bildet die junge Arbeitervereinigung in Palästina, die zwei Delegierte zum Kongreß entsandt hat. In der jungen, sich rasch entwickelnden Industrie und Landwirtschaft Palästinas arbeitet schon eine beträchtliche Anzahl jüdischer Arbeitskräfte, die ein wahres Gemisch jüdischer Typen repräsentieren: russische, polnische, sephardische, persische, und vor allem jewenitische Juden. In dieser Masse das Klassenbewußtsein und das Bewußtsein menschlicher Würde zu wecken, allgemeine Kultur zu verbreiten, das Verständnis für die Zukunft des jüdischen Volkes und der jüdischen Arbeiterklasse im Lande unserer Zukunft zu entwickeln, und vor allem die Organisation von Bildungs- und Fachvereinen zum Zwecke der Erkämpfung sozial-politischer Einrichtungen zu fördern, — das ist unser nächstes gemeinsames Ziel. Zu diesem Zwecke haben wir beschlossen, in Palästina ein Bureau von Vertretern unserer größten Landesorganisationen zu schaffen. Wir wollen dadurch die Verbindung zwischen der Politik der jüdischen Proletariermassen in der Diaspora und dem neuen Leben in Palästina herstellen. Diese Verbindung wird geschaffen durch die Macht der Verhältnisse, wie auch durch unsere allmähliche organisatorische Arbeit. Wir Poalei Zion sind uns des Wertes der Palästinaarbeit so bewußt, daß wir es nicht begreifen können, wie jüdische Arbeiter sich mit dem Abwarten der Erfolge von diplomatischer Tätigkeit begnügen können, während im Lande unserer Zukunft uns eine große, reiche, schwere Arbeit erwartet, die uns das Glück innerer Befriedigung gewährt. . . . Deswegen haben wir beschlossen, mit allen Kräften die kulturelle und ökonomische Arbeit unserer Brüder in Palästina zu fördern, und sind überzeugt, daß alle unsere Brüder ohne Ausnahme uns darin unterstützen werden. Wir hoffen, daß der kleine Beitrag von 10 Kopeken pro Kopf, der als Palästinasteuer der Arbeiter beschlossen wurde, die erste Grundlage eines Palästina-Arbeiterfonds schaffen wird. Verschiedenes Berlin. In sehr stark besuchter Versammlung in den Sophiensälen fand Montag abend der Bericht über den 8. Kongreß statt, den Dr. Hantke erstattete. Er wies in der Besprechung der gefaßten Beschlüsse darauf hin, wie viel fruchtbringende Arbeit auf diesem Kongreß geleistet worden ist. Darauf sprach noch Prof. Warburg speziell über die Fragen der Palästinaarbeit und die künftigen Aufgaben der Organisation auf diesem Gebiete, wobei er mit besonderem Nachdruck zu Ölbaumspenden für den Herzjwald aufforderte. Beide Redner ernteten starken Beifall. — In der Diskussion bemängelte Herr Linn die ganze Richtung des Kongresses, der die Bahnen des politischen Zionismus verlassen habe. Ihm trat in sehr eindrucksvoller und schlagender Weise Dr. Israel Auerbach entgegen, dessen Ausführungen allseitige Zustimmung fanden. Zum Schluß beleuchtete der dritte der anwesenden Berliner Delegierten, Dr. Elias Auerbach, die Bedeutung des Kongresses als eines Wendepunktes in unserer Arbeit. Der Versammlung wohnten zahlreiche auswärtige Delegierte bei, unter ihnen Ussischkin, Prof. Boris Schatz, Mossinsohn u. a. Charlotten bürg. Die zionistische Ortsgruppe Charlottenburg nahm am Sonnabend den Bericht über den 8. Kongreß entgegen, den Dr. Elias Auerbach erstattete. Der Redner besprach in zusammenfassender Weise die wichtigsten Gegenstände der Verhandlungen vor allem die Fragen der Palästinaarbeit, der nationalen Erziehung, der Organisation und der Leitung. — Sodann sprach der als Gast anwesende Dr. Leon Reich-Lemberg über die österreichischen Reichsratswahlen. Seine zündenden Worte fanden begeisterten Widerhall. — Nach Schluß der Versammlung blieben noch viele Gesinnungsgenossen mit dem Gaste in zwangloser Runde zusammen. Brody. Am 1. September hielt hier Herr Abronowcz (palästinensischer Delegierter zum VIII. Kongreß) einen Vortrag über: „Unsere Arbeit in Palästina." Der Referent besprach die kulturelle, ökonomische und politische Arbeit der Zionisten in Palästina und skizzierte auch die Lebensweise der jüdischen Kolonisten. Redner appellierte an die Versammelten, daß sie mit größter Energie für die praktische Arbeit in Palästina eintreten. Das Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. — Gestern wurde in unserer Stadt vom jüdischen Lehrerverbande eine hebräische Schule eröffnet. Osijek. Verein „Theodor Herzl". Das Sekretariat des Vereines hat dem zionistischen Aktionskomitee auf sein Verlangen einen ausführlichen Bericht über die Lage der Juden und Entwicklung der zionistischen Bewegung in Kroatien eingesendet. Da es uns leider der Raum nicht gestattet, diesen Bericht wortgetreu wiederzugeben, werden wir im folgenden dessen wesentlichsten Inhalt mitteilen. Der Bericht konstatiert, daß die Lage der Juden in Kroatien im allgemeinen eine nicht ungünstige zu nennen sei. Der Grund dafür liege hauptsächlich darin, daß die Juden sich von keinen humanitären, sozialen und patriotischen Bestrebungen der Bevölkerung ausgeschlossen haben, so daß es keine nützliche Institution in Kroatien gebe, an deren Schaffung und Erhaltung sich die Juden nicht in hervorragendem Maße beteiligt hätten. Die Folge davon sei, daß man den Juden überall eine entsprechende Mitwirkung bei öffentlichen Angelegenheiten zugestehe und daß auch im Landtage bis zum Jahre 1906 ein jüdischer Abgeordneter saß, während gegenwärtig kein einziger Jude Abgeordneter ist. Die Praxis aber sei bei der Besetzung öffentlicher Ämter durch Juden nicht einwandfrei; es müsse jedoch auch bemerkt werden, daß sich die Juden selbst um diese Ämter nicht allzusehr beworben haben. In hohen richterlichen Stellungen gibt es gegenwärtig zwei Juden. In der Verwaltung gebe es keine Juden (in den gemeinsamen Ämtern wohl, Anm. d. Red.), während ein Jude — Dr. Segen, Universitätsprofessor ist. Hingegen gebe es in Kroatien ziemlich viel jüdische Advokaten, trotzdem das Stallum von der Regierung abhängt. Durch das interkonfessionelle Gesetz vom Jahre 1906 (siehe a. a. O.) ist das Prinzip der Gleichberechtigung der Juden durchbrochen worden, was die Gesetzgebung dadurch wieder gutzumachen versuchte, daß sie den jüdischen Gemeinden einen staatlichen Beitrag für ihre Zwecke zusicherte. Im wirtschaftlichen Leben Kroatien-Slavoniens spielen die Juden eine bedeutende Rolle. Der Handel liege fast ganz in ihren Händen, und nur in letzter Zeit sei der Versuch gemacht worden, ältere und neuere Institute judenrein zu machen. Die Bevölkerung sei im allgemeinen tolerant, und Versuche, den Antisemitismus einzubürgern, stoßen bei der Bevölkerung auf Ablehnung (dies scheint uns eine allzu optimistische Auffassung; siehe Zagorien, die Serben usw.). Der Bericht schildert hierauf die uns bereits bekannte Entfaltung des Zionismus in Kroatien-Slavonien. Wenn es noch zu keiner ausgebreiteten Organisation gekommen'ist, so liege der Grund darin, daß einerseits die Statuten des Vereins „Theodor Herzl" noch nicht bestätigt, und anderseits, daß die bosnischen Zionisten darüber noch nicht schlüssig seien, ob sie mit den kroatischen eine gemeinsame Organisation bilden sollen. Der erste Grund werde aber demnächst durch die fast sichere Bestätigung der Statuten behoben werden. Der Bericht spricht dann über die Sammlungen für den N.-F. und die Einhebung der Schekalim, die wir bereits besprochen haben. Zuletzt erwähnt er „die bedeutendste Schöpfung der hierländischen Zionisten, nämlich die unter der vortrefflichen Leitung des Gg. Alexander Licht in Zagreb (Agram) stehende zionistische Monatschrift „Zidovska Smotra", der der Bericht ein sehr schmeichelhaftes Lob spendet. Pozega. Eine zionistische Ortsgruppe. Am 15, Juli wurde in Pozega eine Ortsgruppe des zionistischen Vereins „Theodor Herzl" in Osijek gegründet und der Verein davon sofort verständigt. Die Ortsgruppe wählte zum Präsidenten und Sekretär Herrn Milan Rechnitzer, zum Vizepräsidenten Herrn Fränkel und zum Kassiei Herrn Salamon Slomovic. Vor der Konstituierung hielt Herr Hugo Bauer einen Vortrag über Zionismus, in dem er die Geschichte des jüdischen Volkes und der "zionistischen Bewegung entwickelte und der beifällig aufgenommen wurde. Zusammenkünfte werden wöchentlich einmal abgehalten werden. Nächster Vortrag: Hugo Bauer über Theodor Herzl. Einer späteren Meldung aus Pozega entnehmen wir, daß die Ortsgruppe eine äußerst intensive und prächtige Tätigkeit entfaltet. Es sind in rascher Aufeinanderfolge fünf (und bis wir dies veröffentlichen, gewiß noch mehr) Abende mit schönen Vorträgen abgehalten worden. U. a. sind hervorzuheben die Vorträge über die Geschichte des Zionismus und über den Judenstaat (Julius Frim). Göding. „Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Gamala" in Göding feierte am 14. und 15. August 1. J. ihr zehnsemestriges Stiftungsfest, das einen wahrhaft glänzenden Verlauf nahm. Als interne Vorfeier fand am 14. August eine sowohl von der Bürgerschaft als auch von auswärtigen Bundesbrüdern zahlreich besuchte Festkneipe statt, die sehr animiert war. — Am 15. August fand dann im großen Saale des Hotel Europa der Festkommers statt. Fast die gesamte jüdische Bürgerschaft Gödings, an ihrer Spitze der Kultusvorsteher Herr Doktor Körner, war erschienen. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Besonders imposant war die Beteiligung der befreundeten Verbindungen, die aus allen Richtungen herbeigeeilt waren. Bb. cand. phil. Hugo Stern hielt die Eröffnungsrede. Fr. H. Victor Kohn die Festrede. Im Namen der isr. Kultusgemeinde sprach Kultusvorsteher Dr. Körner, der die Jugend zu ihren Idealen beglückwünschte. Einen glänzenden Ein-