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Die Welt · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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16 DIE ELT No. 37 Lauernde „Erben" des VIII. Kongresses — Das Wiener Zionistische Organ, die „Jüdische Zeitung" schreibt: 7 f „Die Österreichische Wochenschrift" veröffentlicht in ihrer letzten p Nummer mitten im Inseratenteil folgenden Aufruf: „Der VIII. Zionistenkongreß im Haag, der eben geschlossen 7 wurde, hat den Sieg der praktischen Zionisten gebracht. Der politische Zionismus ist tot. Im Haag ist Herzls Erbe eingesargt worden. Sie haben dort Herzl wiederum begraben. Ussischkin, der alte Gegner Herzls, hat gesiegt. Der Ussischkinismus ist Trumpf. Es lebt der durch die Tatsachen und Herzl überwundene Cliowewe-Zionismus wieder auf. Es besteht kein Unterschied zwischen dem neu verkündeten praktischen Zionismus" und dem Chowewe-Zionismus. Abgestoßen sind die Westjuden, von der Tribüne des Kongresses vertreibt man die Intellektuellen . . . Die alten, treuen Mitstreiter Herzls mögen sich uns mutig und kühn anschließen, um die Ideale des Judenstaates zu verwirklichen. Im Lager Zangwills ist der politische Zionismus, ist Herzls Erbe. Und dafür gilt es jetzt zu kämpfen allen, die für die Freiheit des Judentums begeistert und entschlossen sind. Schart euch alle um uns! Der erheiternde Aufruf ist von Dr. S. Krenberger, dem Obmann des Jüdischen Bürgervereines „Ito" in Wien, XV., gefertigt. Herr Dr. Krenberger, der, seitdem er nicht mehr Obmann des zionistischen Landeskoniitees ist, im Schmollwinkel sitzt und als „Internationalrat" der „Ito*4 diese in Wien vergebens aufzupulvern versucht, macht sich durch den bombastischen Aufruf unlauteren Wettbewerbs schuldig, indem er wie ein kundenbedürftiger Kaufmann den Konkurrenten totsagt und vor seinem Geschäftsladen das „Hereinspaziert!" in die Gassen schreit. Die hastige Gier, mit der sich Herr Dr. Krenberger auf die „verratenen abgestoßenen Westjuden" stürzt, ist sehr auffallend. Seine Wiener „lto" scheint Auffrischung und Mitglieder sehr zu bedürfen. Ob solche politische Reklame schon angesichts des Zeitpunktes sehr geschmackvoll ist, bleibe dahingestellt. Ernst zu nehmen ist sie gewiß nicht, und mehr als ungewollten Heiterkeitserfolg wird sie nicht haben. Gegen den Inhalt zu polemisieren, lohnt nicht die Mühe." Juden und Armenier Wir lesen im „Globus": Der erste, der auf die körperliche Verwandtschaft dieser beiden Völker hinwies, war F. v. Luschan (Deutsche Anthropologenversammlung, Ulm 1892), und je weiter wir in der physischen Anthropologie der Juden forschen, desto mehr stellt sich heraus, daß Luschan recht hatte. Aber wie groß ist der Sprachunterschied zwischen beiden' Völkern, den Juden mit einer semitischen, den Armeniern mit einer arischen Sprache! Jetzt hat Dr. L. Sofer in Wien die Frage wieder aufgenommen, und auch er kommt zu dem Ergebnis, daß beide Völker gemeinsam von den alten Hethitern abstammen, wobei die Juden mit der Sprache auch einen größeren Prozentsatz semitischen Blutes erhielten. Sofer begründet das auch auf dem Gebiete der physischen Anthropologie. Namentlich sind unter den bezeichnenden Zügen die bei beiden stark hervortretende Nase und das große Auge, abgesehen von der Gesichtsfarbe, hervorzuheben. Dazu kommen auch äußere Erscheinungen bei beiden Völkern (Verfolgungen, Auswanderungen), und neuerdings hat in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie Dr. Aptowitzer Beiträge zur mosaischen Rezeption im armenischen Rechte veröffentlicht, in denen er zwischen den altarmenischen Rechtscodices und den talmudischen Schriften der Juden eine Reihe von Analogien nachweist, die zum Teil auf direkte Entlehnung zurückgehen. Der Zusammenhang beider Völker ist, trotz der Religions- und Sprachverschiedenheit, nicht mehr abzuleugnen. Eine jüdische Gesellschaftsreise nach dem Orient Das Reisebureau „Tabor" (A. Grajevsky & Co., Jerusalem) teilt mit, daß am 15. Oktober d. J. unter Leitung des Herrn A. Grajevsky, von Budapest ausgehend, eine Gesellschaftsreise nach Palästina, Syrien, Ägypten, Griechenland und Konstantinopel unternommen werden wird, wobei Syrien und Palästina besonders berücksichtigt werden. Zugleich teilt das Reisebureau mit, daß es im Oktober d. J. mit der Herausgabe einer Zeitschrift: „Im Orient" beginnen wird, deren erste Nummer auch die Liste der Teilnehmer an der obenerwähnten Reise enthalten wird. Thesaurus der hebräischen Sprache von E. Ben Jehouda Die Langenscheidt'sche Verlagsbuchhandlung veröffentlicht soeben einen Prospekt, dem wir folgendes entnehmen: Das Wörterbuch der ganzen hebräischen Sprache, das in solchem Umfange das erste Werk: auf diesem Gebiete überhaupt darstellt und das nach Urteilen bedeutender Fachgelehrter, die einen Einblick in das Material getan hatten, das hervorragendste Hilfsmittel der hebräischen Sprache zu werden verspricht, soll am Anfang des nächsten Jahres zu erscheinen beginnen. Und zwar wird vorerst in jedem Monat eine Lieferung zur Ausgabe gelangen, so daß der erste Band mit dem Ende des Jahres 1908 fertig vorliegen wird. In den darauffolgenden Jahren werden dann mehr ausgegeben. Das ganze Werk wird somit um das Jahr 1914 fertiggestellt sein. Das vollständige Werk umfaßt 150 Lieferungen von je 48 bis 52 Seiten. Je nach dem Fortschreiten der Lieferungsausgabe werden dann 12 Bände im Umfange von durchschnittlich je 600 Seiten geheftet erscheinen. Je 2 Bände ergeben einen Doppelband (Umfang 1200 Seiten), der in Halbfranz gebunden zur Ausgabe gelangt. Jede Lieferung kostet Mk. 1.70. Der Preis für jeden Einzeiband geheftet beträgt Mk. 20.—, für den gebundenen Doppelband Mk. 45.—. Behandlung jüd. Reisender in Rußland Die mittelfränkische Handelskammer in Nürnberg veranstaltet eine Umfrage über die Behandlung jüdischer Reisender in Rußland, um evtl. das Ministerium des Äußern aufzufordern, die Beseitigung bestehender Mißstände zu beantragen. Ausschreitungen gegen die Juden in Kischinew Bukarest, 11. September. Aus Rußland in Jassy eingetroffene Reisende bestätigen die Meldung von Ausschreitungen gegen die Juden in Kischinew. Die Exzesse begannen Sonntag nachts und wurden von aus Odessa eingetroffenen Rowdies. denen sich der Mob anschloß, begangen. Die Reisenden erzählen schreckliche Einzelheiten. In einer Vorstadt zündete der Mob ein Holzlager an und trieb die aus dem Schlaf geweckten Juden der Umgegend gegen die Brandstätte. Die Polizei verhält sich vollständig passiv. Aus dem Städtchen Kalarasch, welches gelegentlich des Progroms vor zwei Jahren zur Hälfte eingeäschert worden war. entflohen fast alle Juden. Die Juden wandten sich an den Gouverneur um Schutz. Dieser beobachtet aber unter dem Eindruck der Vorgänge in Odessa und der Drohungen Krusche wans eine unentschlossene Haltung. i An unsere Leser! Mit der vorliegenden Nummer beschließt der bisherige Redakteur unseres Blattes, Herr Bert hold Feiwel einer bereits früher getroffenen Vereinbarung gemäß seine Tätigkeit in der „Welt", deren Redaktion nunmehr vom Zionistischen Zentralbureau übernommen wird. Bei dieser Gelegenheit spricht der scheidende Redakteur allen Freunden und Mitarbeitern für ihr-. Anteilnahme an dem Blatte und die Unterstützung, dk sie ihm zuteil werden ließen, seinen herzlichsten Dank aus. Die Redaktion der „Welt". □P2i «ito r^h cnc vw\ nnar: jru er ernnrai qttt ,nrmn cra-nD rmfe ♦ i"QlED rUKD .rr'Dnnn mj> /rani Familie J. L. Goldberg in Wilna wünscht auf diesem Wege allen Freunden und Gesinnungsgenossen .Dran miD nwb Die herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahre allen Bekannten und Geschäftsfreunden M. J. Etin, Budapest.

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