Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 36 DI E ELT 15 gäbe mit leeren Händen dastehen werden. Solche Fälle gab es und wird es noch mehr geben. Ich meine den Ankauf von Ländereien im Süden, Südosten und jenseit des Jordans, obgleich man diese Ländereien in der ersten Zeit vielleicht durch Araber wird bearbeiten müssen, Konzessionen, wie z. B. solche auf Heilquellen etc. (die Mineralquellen von Tyberias), Konzessionen wie die von Jericho und Odscha, die uns beinahe die Rechte eines Charters gewährt hätten, — diese Aufgaben sind tatsächlich von nationaler Bedeutung und der Bestimmung unseres Nationalfonds entsprechend. Es ist nicht schlimm, wenn zum Nutzen einer solchen Politik die Mittel des Nationalfonds ein, zwei Jahre ohne Verwendung liegen werden. Ich will den Vorschlag gar nicht berühren, daß wir die Mittel des Nationalfonds für landwirtschaftliche Bedürfnisse indirekt verwenden sollen, — wenn wir so wenig Fundament unter diesen Einrichtungen sehen — wie kann man für sie das Volksvermögen ausgeben? Ich muß mich mit diesen wenigen Worten begnügen, um andere Probleme des palästinensischen Lebens, besonders das Kulturproblem, zu berühren. In Palästina gibt es auf vielen Gebieten des Lebens, insbesondere dem der Kulturtätigkeit, viel primitive Freiheit, sogar mehr wie in den konstitutionellen Staaten. Hier kann man tun, was man will, Schulen und andere der Bildung dienende Institutionen errichten. Und trotzdem ist unsere Position auf diesem Gebiete sehr schwach. Die besten Schulen gehören nicht uns, sondern der Alliance, der Ica und dem Hilfsverein. Die von uns geschaffene Lehrerorganisation ist sehr schwach. Die besten Lehrer sind durch ihre Pflichten gänzlich in Anspruch genommen und besitzen auch nicht die Autorität in den Augen der Organisation. Die Schulen haben keine Lehrbücher, die Studierenden und die aus der Schule Entlassenen — keine literarischen Hilfsmittel. Man kann die lebendige hebräische Sprache aus dem Munde der Kinder hören, aber mit Bedauern muß man bemerken, daß die reifere Jugend oft zum Jargon zurückkehrt. Viele, die nach weiterer Ausbildung und Selbstunterricht streben, müssen zu anderen Sprachen ihre Zuflucht nehmen, weil sie in der hebräischen Sprache nicht die nötigen Hilfsmittel dafür finden. Wir müssen in allen diesen Fragen eine unserer würdigen- Position einnehmen. Leider kann man dabei mit Resolutionen allein sehr wenig ausrichten: In dieser Hinsicht erwarte ich viel von einer zweiten Reise unseres Gesinnungsgenossen Dr. Sch. Lewin nach Amerika, der bei seiner ersten Anwesenheit daselbst vielfach den Willen, die kulturelle Tätigkeit in Palästina zu fördern, zu wecken verstanden hat und jetzt voraussichtlich die praktischen Resultate erzielen wird. Was das Lehrerpersonal in Palästina anbetrifft, so ist aus den Reihen der russischen Juden eine genügende Anzahl von Lehrern hervorgegangen, die unserem nationalen Ideal mit allen Kräften ergeben sind, und von denen manche auch in den Schulen der „Alliance" tätig sind. Diese Lehrkräfte werden zusammen mit uns arbeiten und werden uns helfen, die Kulturarbeit in unserm Lande zu organisieren und zu systematisieren. Freilich aber muß von unserer Seite aus die schöpferische Initiative ausgehen. Ich möchte noch eine wichtige Aufgabe der „praktischen Arbeit" hervorheben, die in der letzten Zeit aktuell wurde, — das ist die Organisation der örtlichen jüdischen Elemente. In Jerusalem und in den andern Städten gibt es nicht wenig Leute mit Geldmitteln, die bis jetzt ihre Kapitalien meistens brach liegen ließen, weil sie keine Verwendung dafür fanden. Die Plantagenwirtschaft beginnt diese Elemente heranzuziehen und erweitert auf diese Weise den natürlichen Zuwachs unseres Landbesitzes. Des fernem finden sich im Lande Jemeniten und andere Elemente, die an das Land gut angepaßt sind und die sehr leicht als Ackerbauer eingerichtet werden können. Man kann davon sicherlich gute Ergebnisse erwarten. Was die Organisation der palästinensischen Juden überhaupt betrifft, so hat der gemachte Versuch bewiesen, daß die breiten Massen der Bevölkerung den Wert dieser Organisation noch nicht zu verstehen gelernt haben. Man wird diese Sache nur allmählich, vorsichtig betreiben können, indem man zuerst die bewußteren Elemente heranzieht und nach und nach unsern Einfluß auch auf den übrigen Teil der Bevölkerung ausbreitet. Am Schlüsse seiner Rede spricht der Redner die Mahnung aus, man möge sich von keiner einseitigen Methode, weder der praktischen noch der politischen hinreißen lassen, sondern die Synthese von beiden auswählen. Die früheren Enttäuschungen haben genügend bewiesen, wie gefährlich es ist, sich nur auf eine Methode zu stützen, indem man den Zionismus mit einem Teil seiner selbst identifiziert. Sich von der praktischen Arbeit allein leiten zu lassen, ist auch unpraktisch, weil nur ein kleiner Teil Zionisten einen Anteil daran nehmen könne. Womit würde man also die Bedürfnisse und Energie der weiten Massen, besonder? der Jugend, befriedigen können, die im Zionismus ihre Ideale und eine Antwort auf die inneren Fragen sucht? Der Redner bittet weiter, von der einseitigen Wahl nur der Anhänger der praktischen Arbeit abzusehen, da wir auch Männer mit weitem politischen Horizonte brauchen. Er richtet sodann einen warmen Appell an die Versammlung, der weiß-blauen Fahne, die unser verstorbener Führer zum ersten Male vor uns aufgerollt hat, treu zu bleiben. Unter dieser Fahne, schließt er, werden wir in Zion einziehen. (Fortsetzung folgt.) Kanada Sir Wm. Mortimer Clark, Gouverneur der Provinz Ontario in Kanada, schrieb jüngst folgenden Brief an Mr. Clarence de Sola, den Präsidenten der Federation of Zionist Societies of Canada: Regierungsgebäude, Toronto, Juli 1907. Sehr geehrter Herr! Gestatten Sie mir, Ihnen Dank zu sagen für Ihren geschätzten Brief vom 4. d., in dem-Sie mir die Glückwünsche der Jahreskonferenz der Federation of Zionist Societies of Canada anläßlich meiner Ernennung zum Pair übermitteln. Wollen Sie die Güte haben, der Federation bei nächster Gelegenheit meinen aufrichtigen Dank für die Freundlichkeit der Jahreskonferenz auszudrücken und die Mitglieder meines dauernden Interesses an der zionistischen Bewegung zu versichern. Ich hoffe, daß Ihr Volk allen Versuchen, es von seinen Bemühungen, sein Vaterland wiederzuerlangen und seine Nationalität zu erhalten, abzulenken, widerstehen wird. Alle Pläne ei ner Kolonisation in anderen Ländern können nur dazu dienen, Ihre Nation zu zerstören. Ich beglückwünsche Sie dazu, daß Sie sich der zionistischen Bewegung angeschlossen haben. Es ist eine Sache, die siegen muß. Gott hat den Juden Palästina gegeben, und „Er, der Israel zerstreut hat, wird es wieder versammeln." Mein Standpunkt ist als der eines Christen notwendigerweise von dem Ihrigen verschieden, aber ich denke, daß ich für Ihr Volk tiefer empfinde, als mancher Jude. Mit allen guten Wünschen für den Zionismus und das jüdische Volk verbleibe ich Ihr ganz ergebener Wm. Mortimer Clark. Als Gouverneur der größten und bevölkertsten Provinz Kanadas und auch als ein Staatsmann, der eine ganz ausgezeichnete Laufbahn hinter sich hat, ist Sir Mortimer Clark einer der einflußreichsten Männer im öffentlichen Leben Kanadas, und seinen Enthusiasmus für den Zionismus, die er so bald nach dem Besuche der jüngsten Jahreskonferenz in Ottama durch zwei Minister des kanadischen Kabinetts zum Ausdruck bringt, ist der Beweis einer überaus freundlichen Stimmung in den höheren Kreisen Kanadas wie auch bei der christlichen Bevölkerung im allgemeinen, Amerika Zur Feier des Kongresses fand in Philadelphia ein von mehr als 1000 Personen besuchtes Massenmeeting statt, bei dem die Herren Tierkel, Dr. Brav, Mr. Packmann (Poale Zion), Mr. Brenner und Dr. Singer sprachen. Die Versammlung nahm einen enthusiastischen Verlauf und endete mit der einstimmigen Annahme einer Resolution. Auch die zionistischen Vereine von Greater New York, Boston und St. Louis haben die Eröffnung des achten Kongresses' durch große Versammlungen gefeiert. Die Zionisten von St. Louis eröffneten eine Zionshalle und eine Bibliothek. The „Young People's Union" von Washington (ein Verein, der im Jahre 1900 gegründet wurde und anfangs nicht zionistisch war, sondern erst im Jahre 1902 wurde) gibt jetzt eine sehr hübsch ausgestattete Jugendschrift unter dem Titel: "The Zionist,, heraus. Verschiedenes Die „Bibliotheca Sionista" in Jassy hat die Broschüre des Zentralbureaus „Zehn Jahre Zionismus" in sehr schöner Ausstattung, übersetzt von Dr. H. Moscovitz, in rumänischer Sprache erscheinen lassen. Der zionistische Verein „Gideon" in Belgrad veranstaltete am 18. August einen Vortragsabend, wobei Herr Sabitaj Gjaiu, der jüngst von seiner Palästinareise zurückgekehrt ist, einen äußerst instruktiven Vortrag über seine Eindrücke hielt. Theodor Herzl-Heim in Suczawa. Der jüdisch-nationale Verein „Theodor Herzl" Suczawa kommt hiermit seiner angenehmen Pflicht nach, die zuletzt aus nachfolgenden Orten für den Baufond zur Errichtung eines „Theodor Herzl-Heims" in Suczawa eingeflossenen Spenden im Gesamtbetrage von 213 K. 55 h. veröffentlichen zu können: