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Die Welt · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Niemand hatte soviel und so oft im Ostrog der Kreisstadt ausge-; sessen, wie dieser verstockte Kantonist. Die Schutzleute hatten sich ihn besonders ausersehen. Es waren viele andere, hartnäckigere Kantonisten als er, aber niemand hat soviel gelitten. Die Gefängnisstrafen und die Hiebe haben seine Gesundheit untergraben. Das faule Brüten im Kerker hatte ihm die Arbeitslust genommen. Wenn er frei war — das kam nur selten vor — ging er finster und mit zusammengedrückten Zähnen umher. Es passierte, daß ein Schutzmann aus der Kreisstadt im Dorfe erschien. Schon ahnte Jakow die Bedeutung dieses Besuches. Wiedaju — sagte er — opiat* mene uchopisz; idu sam! (Ich weiß, du willst mich wieder packen; so will ich lieber selbst gehen.) Und er ging, weil er nichts besseres zu tun hatte. Die Geldstrafen hatten ihn ruiniert. Er hatte seine paar Morgen Boden verloren, seine Mutter starb im Ansiedlungsrayon, nachdem sie sich die Augen ausgeweint hatte, die Geschwister gingen zu Grunde .... Eines Tages erschien Jakow nach einer paartägigen Kerkerhaft plötzlich in Gorewka. A te szto znaczyt? — wunderten sich die Nachbarn. Tak skoro tebia pustili? (Was bedeutet dies? So schnell hat man dich frei gelassen?) Darauf antwortete Jakow mit dem ruhigsten Tone: Pokei suchuju kaszu dawali mozno bylo wyderzat. No naczali krasit salom. Ne lublu ja towo swinstwa. Budu ja swiestzy lest? . . Nu ich . . . wzial i podpisal na ich wieru. (So lange man trockene Grütze gegeben hat, konnte man aushalten. Aber man begann die Grütze mit Talg zu mischen. Ich mag diese Schweinerei nicht. Soll ich Talgkerzen essen? Daß sie . . . So habe ichs nicht ausgehalten und ihren Glauben unterschrieben.) Die Erzählung klang uns ganz unwahrscheinlich. Es kam uns vor, als ob man erzählen würde, daß jemand aus der Traufe unter die Rinne geflüchtet wäre. Der arme Kerl wollte sich lieber taufen lassen als Cheilew essen? Ist es möglich? Ber Isakow wurde ernst. Es ist buchstäblich wahr — sagte er und fügte bedeutungsvoll hinzu — wir mochten das „goi'sche" Leben nicht. Die Glaubensartikel, die Phrasen — ja, mein Gott, man konnte sie uns leicht beibringen. Haben wir diese Dinge ja überhaupt nicht verstanden. Aber daß wir „ Jewonim" werden sollen, ohne ein jüdisches Wort, ohne ein jüdisches Leben, nur Fressen und Saufen, nur Tierisches und Unreines — unsere Natur sträubte sieb dagegen. Es war ekelhaft, einfach ekelhaft. Wir hatten anfangs den Eindruck, daß auch Ber Isakow siel vor Ekel ins Judentum, wie jener armselige Kauz sich vor Eke ins Christentum geflüchtet hatte. Ich wagte die Frage: Und was ist aus dem Chejlew-Meschu med geworden? Ein Jude ist er geworden — erwiderte Ber Isakow trium phierend — es gelang ihm zu entkommen! Er büßt für sein* Sünden — ein Baal Teschuwe! Wir wollten in ihn nicht länger dringen. Es war für uns alh klar: Das war Ber Isakow selbst. .... N. S o o o o o o o 1 o o o o o o o jj AUS DER BEWEGUNG fr % o o o o o o o! v o o o o o o o IV. KONFERENZ DER RUSSISCH-ZIONISTISCHEN LANDSMANNSCHAFT (Fortsetzung) Dr. Tschlenow*) (fortfahrend): Was die Propagierung unserer Ideen durch die türkische Presse anbetrifft, so muß ich mein Erstaunen darüber ausdrücken, daß Ussischkin, der doch die Verhältnisse kennt, dieses Mittel überhaupt in Erwägung zieht. Die Ohnmacht der türkischen Presse inbezug auf Propagierung irgendwelcher politischer oder sozialer Ideen steht außerhalb jedes Zweifels. Der Zionismus bildet sicherlich keine Ausnahme davon. Auf Grund des bisher Gesagten kann man folgende Schlüsse ziehen: In unseren Reihen gibt es viele, die bereit sind, im Lande selbst zu arbeiten, ohne viel zu fragen oder zu zweifeln. Diesen Elementen müssen wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln entgegenkommen. Diese Mittel sind: Die Organisation des Informationsdienstes, eines billigen Kredits, Hilfe in Rechtsangelegenheiten etc. Aber vergessen wir dabei nicht, wie gering die Zahl dieser Elemente ist. Wir zählen in unseren Reihen kaum 2% des jüdischen Volkes. Die breiten Massen und die großen Mittel werden wir nur dann gewinnen können, wenn wir günstige Bedingungen und weite Rechte für unsere Arbeit schaffen werden. Indem ich die Einzelpunkte der praktischen Arbeit betrachten werde, möchte ich zuerst die Frage der Agrarbank berühren. Die detaillierte Untersuchung dieser Frage werde ich den Fachleuten überlassen, — hier möchte ich nur diejenigen Punkte hervorheben, die auch jedem Laien einleuchten. Vor allem bereitet die Geldfrage ungeheure Schwierigkeiten. Stellen Sie sich vor, daß wir eine Bank mit 5—6 Millionen Frcs. gegründet hätten. Indem wir an 200—300 Kolonisten Anleihen gewähren, ist unser ganzes Kapital erschöpft, und wir sind für eine lange Reihe von Jahren gebunden. Weiter müßte für die Bank die Möglichkeit bestehen, das kreditierte Land auf ihren Namen, umzuschreiben; demgegenüber steht die Schwierigkeit, daß die türkische Regierung keine juristische Person anerkennt. Es geht auch nicht, das Land auf den Namen des Direktors zu übertragen, weil die Regierung es nicht zulassen wird, daß sich viel Land in den *) Vgl. vorige Nummer. Händen einer Person ansammle. Auch darf nicht vergessen werder . daß die Kontrakte auf Landerwerb sehr selten auf die Namen de Kolonisten gemacht werden, — es existiert formell immer ein ar derer Eigentümer. Jetzt stellen Sie sich vor, ob jemand seine1: Namen hergeben wird auf die Gefahr hin, daß man das Land, d; formell sein Eigentum ist, im Falle einer Zahlungseinstellur, seitens der Kolonisten öffentlich verkauft, in welchem Falle er a bankerott gelten wird. Bei öffentlichen Verkäufen besteht ferm immer die Gefahr, daß das Land, welches im Laufe von Jahrzehnte vielleicht mit großer Mühe angesammelt wurde, plötzlich, mit einer Schlag in nichtjüdische Hände übergehen wird. Ohne weite: Schwierigkeiten in Betracht zu ziehen, glaube ich, daß das Erwähnt genügt, um einzusehen, wie das ganze Projekt im Grundlosen fui Das einzige, was möglich ist, ist die Gewährung eines langjährige Kredits seitens unserer Bank nicht nur für landwirtschaftliche, so dem auch für Industrie- und Bauzwecke. Unsere Bank kann a: mählich zu dieser Art Kredit übergehen. Es hängt von uns a; ihr dazu die Mittel zu verschaffen, sei es durch Verbreitung ihr Aktien, durch Heranziehung von Depositen oder vielleicht dure Herausgabe von Obligationen. Die Ausarbeitung der Details gehö dem Fachmann, — ich für meinen Teil glaube wenigstens behaupte zu können, daß wir diese Aufgabe erfüllen können. Ich will jetzt die Frage des Nationalfonds besprechen. Wie Sie sich vielleicht erinnern werden, war ich einer de jenigen, die am VI. Kongreß den Beschluß verteidigten, mit d Verwendung der Mittel des Nationalfonds zu beginnen, ohne abz warten, bis er die Höhe von 5 Millionen Francs erreicht haLvi wird. Ich bin auch jetzt der Meinung, daß dieser Beschluß rieht war, — es muß aber trotz alledem der Zweck des Nationalfon> nicht außer acht gelassen werden. Wir dürfen seine Mittel, wei auch für nützliche Zwecke, nicht zerstückeln; durch die Erweiternr . des Besitztums der Kolonien und ähnliches werden wir unseren B sitz im Lande um einen sehr geringen Prozentsatz vergrößei i während wir im Falle einer sich uns darbietenden größeren Ai

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