Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36 DIBBELT 11 Kirchein Amerika ihre spezifischen theologischen Seminare besitzen, wo ihre Lehre und nur diese unterrichtet wird, so haben jetzt die Reformjuden ein theologisches Seminar für ihre Sekte, mit Ausschluß jeder anderen jüdisch-religiösen Oberzeugung. Es ist das eben nur ein weiterer und vielleicht ganz konsequenter Schritt in der Annäherung an amerikanisch-kirchliche Verhältnisse. Insofern als dieser Schritt zur Klärung der jüdischen Lage in Amerika beiträgt, ist er nicht wertlos. Traurig ist es aber, daß die Leitung des H. U. G aus wohlverstandener Interessenpolitik nicht einmal den Mut besitzt, den nunmehr vollzogenen Wandel in den leitenden Prinzipien, für die und mit denen diese Anstalt vor 30 Jahren gegründet wurde, zuzugeben, und daß sie es versucht, vor der öffentlichen Meinung die Resignation der Dozenten und Studenten auf persönliche Differenzen mit dem Rektor zurückzuführen. Wir wünschen dem H. U. C. zu seinem neuen Sektenstandpunkt, wenn es sich nur ehrlich dazu bekennt, Gutes auf den Weg. Ob Herr Dr. Kohler die geeignete Persönlichkeit sein wird, den neuen Kurs mit Glück zu steuern, wird allerdings billig bezweifelt werden dürfen, wenn man erwägt, daß während seiner vierjährigen Amtsdauer nicht weniger als 8 Dozenten — darunter einer wegen einer atheistischen Ketzerriecherei — von der Fakultät resignierten und die Zahl der Studenten von 75 auf 23 sank. Nimmt man zu dem am H. U. C. nunmehr herrschenden Gewissenszwang und der Beschränkung der Lehrfreiheit, die allerdings auf dem Papier noch in ihrem vollen Umfang existieren mag, noch die Tatsache, daß, während der Rektor lebenslänglich angestellt und nach dem Vorbild anderer amerikanischer höherer Lehranstalten mit unumschränkter Gewalt ausgestattet ist, die Dozenten am H. U. C. alljährlich auf die Empfehlung des Rektors hin vom Kuratorium aufs neue angestellt werden müssen, so kann man den Beschluß des Kuratoriums, die freigewordenen Lehrstellen mit ehemaligen Hörern des Colleges zu besetzen, nur als klug bezeichnen. Denn charaktervolle, wissenschaftlich kompetente und mit der Sachlage vertraute Lehrer wird man unter den bestehenden Verhältnissen aus Europa nicht importieren können. Was überhaupt aus der jüdischen Wissenschaft bei dem neuen Kurs am H. U. C. werden wird, bleibt noch abzuwarten; hat das College schon seit seinem 30jährigen Bestehen nicht gerade Hervorragendes in dieser Hinsicht geleistet, so wird man ihm für die Zukunft, nachdem ihm die drei besten Lehrkräfte entzogen sind, nicht gerade eine günstige Prognose stellen können. Spectator. Bericht über die Sitzungen des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust, abgehalten am 12., 13. und 22. August im Haag Es waren anwesend die Herren: D. Wolffsohn, Vorsitzender, Prof. Dr. O. Warburg, Dr. M. J. Bodenheimer, J. L. Qoldberg, L. J. Greenberg, Dr. A. Hantke, L. Kessler, Dr. A. Marmorek, Jakob Moser, S. Pineles, AdolfStand,W.Temkin, Dr. E.W.Tschlenow, M. Ussischkin und H. Neumann, Sekretär. Es wohnten der Sitzung auch die Herren Direktoren Dr. N. Katzenelsohn, J. H. Kann, S. Barbasch, H. Urysohn und Joseph Cowen bei. Es wurde beschlossen, die vom Direktorium der Generalversammlung zu machende Empfehlung, für das Jahr 1906 eine Dividende von 8 Pence pro 1 Pfund Aktie zu erklären, zu bestätigen. Herr Dr. N. Katzenelsohn, Vorsitzender des Direktoriums, lenkte die Aufmerksamkeit des Aufsichtsrats auf einen von Herrn M. Ussischkin in der Zeitschrift Jewrejskaja Mysl veröffentlichten Aufsatz, in welchem Herr Ussischkin die Bankleitung einer abfälligen Kritik unterworfen hat. Herr Dr. Katzenelsohn beschwerte sich darüber, daß Herr Ussischkin, ein Mitglied des Aufsichtsrates, durch eine tendenziöse Darstellung der Angelegenheiten der Bank die Interessen dieser Institution in der Öffentlichkeit geschädigt hätte, und fragte, was der Aufsichtsrat gegen diese Veröffentlichung zu tun gedenke. Nach einer längeren Diskussion, während welcher sämtliche anwesende Mitglieder die Handlung des Herrn Ussischkin mißbilligten, erklärte sich Herr Ussischkin bereit, sich mit dem Aufsichtsrate und Direktorium über eine zu veröffentlichende richtigstellende Erklärung zu verständigen. Da eine solche Erklärung nicht zustande kommen konnte, weil Herr Ussischkin gleich nach dem Kongresse wegen dringender Familienangelegenheiten abreisen mußte, stellte in der darauf folgenden Sitzung der Vorsitzende des Aufsichtsrates an den Präsidenten des Direktoriums, Herrn Dr. Katzenelsohn, die Frage: „Nachdem sämtliche anwesende Mitglieder des Auf sichtsrats die Handlung des Herrn Ussischkin mißbilligt haben und nachdem Herr Ussischkin selbst erklärt habe, daß es ihm ferngelegen, die Interessen der Bank zu schädigen oder auch nur die bona fides des Direktoriums in irgend einer Weise in Frage zu stellen, ob das Direktorium sich nicht mit Protokollierung und Veröffentlichung dieserSache zufrieden erklären möchte?" Herr Dr. Katzenelsohn, der Vorsitzende des Direktoriums, und die andern anwesenden Direktoren erklärten sich damit einverstanden, womit der Fall erledigt war. Nachdem die Herren Dr. Leopold Kahn und Oskar Marmorek vom Aufsichtsrat ausgeschieden sind, wurden die Herren Dr. Julius Bruzkus, Minsk, Jean Fischer, Antwerpen, und Dr. Ad. Friedemann, Usingen i. Taunus zu Mitgliedern des Aufsichtsrats erwählt. Es wurden die Herren D. Wolffsohn, Prof. Dr. O. Warburg und Dr. M. J. Bodenheimer zum jetzigen geschäftsführenden Ausschuß des Aufsichtsrates eingesetzt. Mitteilungen des Palästinaressorts Das Palästinaressort versendet an die Federationen ein Rundschreiben folgenden Inhalts: 1. Zwecks Aufnahme einer intensiven Arbeit muß das Palästinaressort vor allem das bisherige Bureau der Palästinakommission erweitern; da jedoch das A. C. die Rückstände der Kommission, die per 1. Juli JL 9134.21 betrugen, infolge der ungenügenden Schekeleingänge nicht gedeckt hat und neue Eingänge von der Zentrale nicht vor einem Jahre zu erwarten sind, so bleibt das Palästinaressort auch weiterhin auf die freiwilligen Palästinabeiträge angewiesen. Das Palästinaressort richtet daher an die Föderationen die Bitte, die Ortsgruppen zu veranlassen, mit der Sammlung von freiwilligen Beiträgen für das Palästinaressort schon jetzt zu beginnen, damit die Erwartungen, die die zionistische Welt auf das Palästinaressort setzt, auch erfüllt werden. 2. Gleichzeitig macht das Palästinaressort die Federationen darauf aufmerksam, daß die für den Herzlwald noch fehlenden circa 5000 Bäume spätestens bis zum 1. Januar gestiftet sein müssen, da die Anlage des Herzlwaldes schon im Januar stattfinden muß, und sollten bis dahin keine 9500 Bäume gespendet sein, so würden dann auch die von einem englischen Gesinnungsgenossen bedingungsweise gestifteten 500 Bäume dem Herzlwald verloren gehen.