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Die Welt · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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versprechen gute Erfolge und werden zweifellos durch ihr Beispiele neue Kapitalien und Arbeitskräfte ins Land ziehen, die für ur&J ebenso notwendig sind, wie Besitz und Bestellung von Boden, hl Diese drei Faktoren können auf natürlichem Wege, dank derJ Privatinitiative, die allmähliche Entwicklung des Landes herbei->; führen. Es wäre aber ein unverzeihlicher Optimismus, würden wir] uns damit begnügen und an die großen Aufgaben unserer Sache! vergessen, die in gar keinem Verhältnis zu diesen Erfolgen stehen.^ Denn es bleibt folgende wichtige Frage offen: Sind wird wenigstens einigermaßen sicher, daß dieser wenn auch langsame Entwicklungsgang nicht in einem beliebigen Momente unterbrochen; werden kann? Und auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Nein, wir sind nicht sicher. Die Türkei kann jeden Augenblick auf welchem wir zur Erlangung eines Charters kommen werden, denndieser Weg' wird sich uns durch den Gang der Ereignisse, durch das. Leben eröffnen. Ich will hier nur einige Punkte berühren, über die ich mich auf Grund einer näheren Kenntnis der Tatsachen bestimmt äußern kann. Man sagt uns des öfteren: Die Diplomatie ist durch das Leben widerlegt worden, und jede Anstrengung in dieser Richtung ist überflüssig, ja lächerlich. Das ist unrichtig. Wir müssen bei den Regierungen unsere Anstrengungen fortsetzen schon aus dem Grunde, weil sie ihre Vertreter an Ort und Stelle in Palästina haben, die unserer Bewegung gegenüber nicht indifferent bleiben können, abgesehen von der direkten positiven Hilfe, die sie uns zu leisten vermögen. Die deutsche Landsmannschaft auf dem Kongreß lie Arbeit unterdrücken und ist imstande, diesen ihren Willen durchzuführen. Diese Gefahr besteht immer und sie steht in gar meinem Verhältnis zu der andern für uns ungünstigen Möglichkeit, iie auch besteht, nämlich, daß die andern Völker uns zuvor ivommen und die besten Plätze für sich mit Beschlag legen verden. Denn die europäischen Völker erwerben hauptsächlich die historischen Plätze in den Städten. Das ist unangenehm iir unseren nationalen Stolz, zieht aber nicht den Boden unter inseren Füssen hinweg. Hätte Gesinnungsgenosse Ussischkin mit meiner Behauptung recht, daß, wenn wir in den nächsten 20—25 Jahren den palästinensischen Boden nicht zu unserem Eigentum Hachen, es nachher zu spät würde, so hätte er damit das Todesurteil ür unsere ganze Bewegung unterschrieben. Denn es steht außerhalb;eden Zweifels, daß wir im Laufe dieser Zeitperiode weder die Vlehrheit der Bevölkerung, noch die der Bodeneigentümer ausmachen werden. Was unbedingt notwendig ist, ist die Schaffung solcher Bedingungen, die ein möglichst rasches Tempo der Bewegung gewährleisten und die Sicherheit bieten, daß unsere Arbeit nicht ieden Augenblick jdurch einen Eingriff von außen lahmgelegt werden könne. Ich glaube, daß es möglich ist solche Bedingungen zu schaffen. Ich kann hier nicht den genauen Weg vorzeichnen, Man behauptet weiter, daß wir mit keinem breiten politischen Programm auftreten dürfen, sondern uns! auf einzelne privatrechtliche Punkte beschränken müssen, wie Abschaffung des Einwanderungsverbotes, Regulierung des Oscher etc. Man vergißt aber dabei, daß in den einzelnen Maßnahmen sich das allgemeine Verhältnis der türkischen Regierung zu uns wiederspiegelt, daß wir allseitig normale Verhältnisse zur Pforte herstellen müssen, damit unsere Arbeit einen Erfolg haben könne. Und dazu ist wiederum die diplomatische Arbeit notwendig, wobei der Weg der Konzessionen einzuschlagen ist. In dieser Richtung können wir Hand in Hand mit anderen Organisationen gehen, die in Palästina ähnliche Interessen haben wie wir. Ich glaube auch, daß wir den Gedanken an El-Arisch auch nicht fallen lassen dürfen, der eine günstige Basis für uns schaffen könnte. — Ich muß gestehen, daß ich mich vom Gedanken eines Charters nicht losgesagt habe, obwohl ich nie ein ganzer Charterist war, auch zur Blütezeit dieser Idee nicht. .Ich schließe aber nicht die Möglichkeit weitläufiger Konzessionen aus, die schließlich auf einen Charter hinauslaufen. Wir müssen uns nur durch den Mißerfolg eines Jahrzehntes nicht irre machen lassen. Es ist unverzeihlich, in einer politischen Bewegung die Geduld zu verlieren. Was bis jetzt nicht gelang, kann nach 20—30 Jahren verwirklichtwerden. (Schluß folgt.)

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