Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316278--49699-3344649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 35 DIEÄELT 13 Lebensohn) und einige andere waren auch bemüht, den Vers nur > mit einem Vokale, nicht mit Schewa, anzufangen und mit einem; Worte zu schließen, das den Akzent auf der vorletzten Silbe hat. ' Allein die hebräischen Dichter der Gegenwart huldigen in ihren Dichtungen dem in den modernen Sprachen angenommenen akzentuierenden Rhythmus, worin der Versfuß aus betonten (langen) ind unbetonten (kurzen) Silben sich bildet. Von dem zweisilbigen Versfuß sind am üblichsten der Jambus und der Trochäus, von den dreisilbigen — der Anapest, der Daktylus und der Amphibrachus. Aber auch hierin zeigt sich der Einfluß des Volksdialektes. In liesem Dialekte eben hat den Hauptton auch in den vorkommenden hebräischen Wörtern (wie in den deutschen und polnischen) licht die letzte Silbe im Wort, sondern meist die vorletzte. Nach dieser Akzentuation richten sich auch die meisten Dichter bei der Bestimmung des Rhythmus. Dies ist aber nur bei den „Aschkenasim" ler Fall, während bei den „Sefardim" (im spanischen „Spaniolisch" vie in dem persischen Jargon) in den häbräischen Wörtern meist die Ultima betont wind. Diese und noch viele andere Prosaiker und Dichter machten die hebräische Sprache den andern modernen Sprachen gleich und befähigten sie, jedem modernen Gedanken und Begriffe Ausdruck zu geben. Das sich steigernde nationale Bewußtsein und die hohe Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur schaffen ihr immer weitere Kreise von Lesern und Verenrern, und diese versuchten es, auch in Europa dem Hebräischen als Umgangssprache wieder Eingang zu verschaffen. Immerhin fehlt der hebräischen Sprache in Europa die Natürdchkeit und Lebendigkeit, die sie in ihrer eigentlichen Heimat Palästina besitzt. In Palästina kann dem Bedürfnis nach neuen Sprachbildungen, wie es der lebendige Verkehr mit sich bringt, im Hebräischen als Umgangssprache ganz anders entsprochen werden als in Europa, wo es doch Schriftsprache geblieben ist. Während der Schreibende veranlaßt wird, nachzudenken, um für jeden Gedanken den passenden Ausdruck zu finden oder jedes in der Sprache fehlende Wort durch eine entsprechende Umschreibung zu ersetzen — ist das alles beim mündlichen Verkehr gänzlich ausgeschlossen. Hier muß sich auch der ungebildete Volksmann und das lallende Kind im Moniente des Redens selber rasch helfen; und auch ihre spontanen und natürlichen Sprachbildungen schieichen sich in die Sprache hinein wie die künstlichen der Gelehrten und Grammatiker. Auch der äu(3erliche Einfluß macht im Orient die Entwicklung der hebräischen Sprache viel natürlicher als in Europa. Während er hier ein nichtsetnitischer ist, kommt er dort mehr und mehr durch die nahe Berührung mit dem Arabischen zur Geltung. Zwar ist dies bis jetzt noch in geringem Maße der Fall. Denn nur die Juden aus Asien und Afrika sind von der arabischen Sprache stärker beeinflußt, während denjenigen aus Europa das Arabische noch fremd ist. Doch läßt sich eine solche Einwirkung schon nachweisen. Zunächst macht sich der arabische Einfluß in der Aussprache des Hebräischen bemerkbar. Nach und nach schwindet die europäische „aschkenasische" Aussprache in allen ihren Abzweigungen vor der asiatischen „sefardischen"; und diese befestigte sich, besonders in Galiläa, am meisten in ihres syrischen Abart, welche der Aussprache des Vulgärarabischen in Palästina sehr nahe steht. Dann zeigt sich dieser Einfluß in ganzen Klassen von arabischen Wörtern, die ins Hebräische übergehen. Auch sind vielleicht manche grammatische Abweichungen in der hebräischen Umgangssprache auf den Einfluß der arabischen Umgangssprache zurückzuführen. o o o o o o o i ooooooojj AUS DER BEWEGUNG (jOOOOOOO "I o o o o o o o IV. KONFERENZ DER RUSSISCH-ZIONISTISCHEN LANDSMANNSCHAFT (Fortsetzung) In der Frage der Palästinaarbeit erstattete, wie bereits kurz mitgeteilt, Herr Ussischkin das Referat. Indem wir nachfolgend lie Hauptgedankengänge des Referenten festhalten, lassen wir aus ">er Debatte, die wir (in Nr. 1 der Kongreß-Ausgabe der „Welt") bereits kurz skizzierten, die Ausführungen Dr. Tschlenows folgen. Herr Ussischkin führte unter anderm aus: Die Arbeit in Palästina — das ist der Kampfruf. Überall spricht nan davon, und auf dem Kongresse wird sie die Hauptrolle spielen. Uns erwartet dabei ein schwerer Streit, aber ich glaube an den Bndsieg. Vor 10 Jahren, als wir zum ersten Male uns in Basel versammelten, stand die Frage der realen Arbeit in Palästina folgendermaßen: Die alten Freunde Palästinas — die Chowewe-Zion — erschienen zum ersten Kongreß mit einer gewissen Vergangenheit, nit einem, wenn auch bescheidenen Programm. Die neuen Zionisten haben das Problem in neue Formen gekleidet. Die Alten stimmten damit überein, haben sich aber dabei von den alten Formen nicht losgesagt. Ihre Stimme war aber zu schwach. Alles war von den neuen Devisen hingerissen. Der Glaube an das Neue war allgemein und stark. Aber nach 3—4 Jahren begann allen der Glaube an die einzig-seligmachende neue Form zu schwinden. Man merkte, daß im alten System auch viel Richtiges da sei, daß es falsch war, das Land ganz außer acht zu lassen und sich mit nichts anderem als der bloßen Organisation unserer Kräfte in der Diaspora zu befassen. Es kam der VI. Kongreß mit seinem Skeptizismus: man fing an nachzudenken, und es erfolgte der erste Zusammenstoß. Die einen verfielen in ein Extrem, die anderen in ein anderes: das der realen Arbeit. Unter den Anhängern der realen Arbeit gibt es zwei Sorten: die einen, die längst daran dachten, zur Zeit nämlich, als der Gedanke daran als eine Sünde galt, als niemand die Bedeutung der realen Arbeit noch zu schätzen verstand. Sie verstanden diese Arbeit als einen langsam sich entwickelnden Prozeß, und sind auch jetzt die wärmsten Vertreter dieser Auffassung. Die anderen betrachten die reale Arbeit als einen Faktor, der allerbaldigst das zionistische Werk zur Vollendung bringen kann, und verfallen auf diese Weise ebenso in ein Extrem wie ihrerseits die reinen Charteristen. Ein rasches Ergebnis der Palästinaarbeit darf man aber nicht erwarten. Alle diejenigen, die das erwarten, möchte ich nicht auf meiner Seite sehen, nicht im Lager der für praktische Arbeit Interessierten, das durch solche Elemente nur verlieren kann. Ohne ein tiefes und klares Verständnis für die Notwendigkeit eines dauerhaften, schweren, langsamen und allmählichen Arbeitsprozesses in Palästina — gibt es keine Wiederauferstehung für uns. Wir selbst werden vielleicht eher von der Lebensbühne abgetreten sein, als wir wirklich große Ergebnisse dieser Arbeit sehen werden. Aber anderseits stehen wir vor der ehernen Notwendigkeit: Ohne die Anhäufung ökonomischer, kultureller und anderer Werte in Palästina gibt es keinen Zionismus! Die Kolonisationsbedingungen in Palästina sind die denkkar schwierigsten. Die Erwerbung von Land im eigentlichen rechtlichen Sinne dieses Wortes unterliegt vielen Hindernissen. Die politischen Bedingungen, die den Zutritt von Ausländern nicht zulassen, sind für die Juden, als die schwächsten unter den Völkern, am empfindlichsten fühlbar. Die klimatischen Verhältnisse sind für Einwanderer in den ersten Zeiten auch nicht günstig. Handel und Industrie