Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 35 •■■ ' ' - - . . - . '" . —- &IEjg noch Cäsarea und Tantura, die freilich vorerst nur selten Fracht oder Passagiere haben werden, daß eine. Geschwindigkeit von? i Knoten (= 14,5.km) ganz genug sein kann (Jaffa—Haifa auf dieset Weise in 6—7 Stunden), und so langsame Dampfer.— auch an Modernität! verden hier fürs erste keine großen Ansprüche gestellt werdennüssen '— kann man schon recht billig haben. ■• Aber auch die Fernlinien würden sich gut rentieren, ebenso; vie eine häufigere Verbindung mit dem großent und unerschöpflichen, larkte, den Ägypten bietet. An Ausfuhrprodukten hat Palästina n Winter beispielsweise über eine halbe Million Kisten Orangen: on Jaffa aus — im Sommer an 30000 Tons Getreide allein von iaza aus — zu verfrachten. Diese beiden Artikel, die hauptsächlich ach England gehen, wären allein schon fast imstande, einer Fernnie die Rentabilität zu sichern, und es gibt schließlich außer Jaffa nd Gaza noch andere Plätze, und außer Orangen und Getreide, och andere Massengüter. Im Importverkehr könnten dieselben Dampfer dem jüdischen, iroßhandel behilflich sein, das Geschäft in den Stapeiartikeln zw |E(^ 11 monopolisieren, indem an allen Küstenplätzen unter einheitlicher Leitung Läger zu unterhalten wären. Besonders vorteilhaft wäre zu solchen Zwecken die Kombination von Verkehrs- und Großhandelsunternehmungen. . Auch der Personenverkehr zur See ist großer Ausgestaltung fähig. Es gibt zahlreiche, ganz nahe beieinander gelegene Küstenplätze, die von einem lebhafteren Personenverkehr zur See — etwa durch seetüchtige Motorboote — gerne Gebrauch machen würden. Ein solches Boot in Betrieb zu stellen erfordert nur ganz geringes Kapital. Alles in allem bietet das'Verkehrswesen Palästinas jüdischer Betätigung ein außerordentlich großes und lohnendes Feld, und auch in kleinsten Anfängen gute Übergangs-Chancen zu großen und auch sehr wichtigen Konzessionen. — In dem Nutzen, den wir hierbei nicht nur uns selbst, sondern in hohem Grade auch der türkischen Regierung und dem Lande bringen, liegen unsere besten Hoffnungen für die Zukunft. DIE HEBRÄISCHE SPRACHE IN DER GEGENWART Von Dr. Leo Metmann, Jaffa.*) Mit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts beginnt für die ebräische Sprache eine durchaus neue Epoche ihres Lebens und •rer Geschichte. Je mehr die nationalen Ideen unter den Juden Wurzel faßten, m so günstiger wurde die Stimmung für das Hebräische; in dem laße sogar, daß es nicht allein als profane Schriftsprache jene risis glücklich überlebte, als das religiöse Bewußtsein zurückjng, sondern sich sogar als eigentliche Umgangssprache wieder "nzuleben suchte. Es wurden nämlich zu jener Zeit die ersten ersuche gemacht, die hebräische Sprache, die bis dahin nur ■ Büchern fortlebte, auch im Umgänge zu gebrauchen, und die eitere Entwicklung dieser Bestrebungen in den letzten Jahrzehnten igt, daß die Zeit nahe ist, in der diese Versuche eine vollzogene :itsache sein werden. Dies wird einzig und allein der segensichen direkten und indirekten Wirkung des neu auftauchenden itionalen Bewußtseins im Volke zuzuschreiben sein, das immer ößere Kreise umfaßte. Nicht wenig mögen auch die scheinbar ■imanen Bestrebungen in Europa dazu beigetragen haben; besonders ag die Befreiung der balkanischen Völker auch in den Juden das ewußtsein geweckt haben, auch ihre sehnsüchtige Hoffnung auf iederherstellung ihrer nationalen Selbständigkeit könne auf natürhem Wege verwirklicht werden.**) Bald darauf gesellten sich zu esen psychologischen Motiven auch andere rein ökonomischer Art. Der Antisemitismus, der sich trotz der fortschreitenden Bildung ld Kultur in Europa festsetzte, machte den Juden das Leben in or Diaspora sauer und vernichtete jede Hoffnung auf mildere?handlung. Endlich bewirkten die Volksausschreitungen gegen die iden, die damals in Rußland und in Rumänien anfingen, und die;rauf folgenden Beschränkungen aller ihrer Rechte eine Massendigration aus diesen Ländern. Diese in die soziale Stellung der iden eingreifenden Ereignisse führten dazu, den geistig-nationalen •strebungen und der ökonomischen Not mit ein und demselben ittel abhelfen zu wollen. Es begann jene kochende und gärende ewegung im Volke, die anfangs mit dem Namen „Zionsliebe" zeichnet und später in der Form des politischen Zionismus der inzen Welt bekannt geworden ist. Begeisterte jüdische junge Leute begaben sich fast ohne Mittel ach dem Heiligen Lande, um mit ihrer Hände Arbeit das Land *i Auszug aus des Verfassers Schrift: Die hebräische Sprache (Jerusalem 1907). **) Unter den Einfluß der Ereignisse im Jahre 1878 scheinen die Artikel über 'itralisierung der Juden durch eine Kolonisation in Palästina im „Haschachar" Ii dem damaligen Studenten Ben-Jehuda verlaßt zu sein. ihrer Väter zu bebauen und ein neues Leben dort anzufangen. Diese Pioniere hegten das heiße Verlangen, in ihrer alten Heimat auch die nationale Sprache wieder aufleben zu lassen. Freilich würde dieser noch so energische Wille allein kaum imstande gewesen sein, diesen Wunsch zu erfüllen; es wurde vielmehr erst durch die neuen Umstände ermöglicht. Zunächst führte der Beweggrund, daß der ins Land zurückkehrende Jude den Einheimischen nicht als Fremdling, sondern als Mitbürger erscheinen sollte, die neuen Ansiedler dazu, ihre alte semitische Sprache wieder zu sprechen und nicht irgendeinen europäischen Dialekt. Nur so wurde es ihnen möglich, in dem semitischen Kulturleben einen angesehenen Platz einzunehmen. Ein viel wichtigerer Beweggrund wurde aber die Notwendigkeit, den Zusammenhang der jüdischen Elemente selbst im Heiligen Land zu vermitteln. Hier nämlich trafen von jeher Juden aus verschiedenen Ländern, ja aus verschiedenen Weltteilen zusammen, die keine andere allgemeine Sprache außer der hebräischen hatten, und deshalb mußte diese zur Verkehrssprache unter ihnen werden. Eben derselbe Umstand nötigte sie, auch in den Schulen, wo jüdische Kinder verschiedener Zunge ihren Unterricht erhielten, das Hebräische als Vortragssprache zu gebrauchen. Dieses hatte die Einführung der natürlichen Unterrichtsmethode zur Folge, die jetzt mit dem Namen ibrith b'ibrith bekannt ist. Hier entstanden zuerst die Vereine, welche sich die Wiederbelebung der hebräischen Sprache zum Zwecke machten und später auch in Europa verbreitet wurden. Aber auch in vielen Familien führten cÄe jungen Eltern mit großem Eifer das Hebräische als Hauptsprache ein. So gelang es endlich diesen begeisterten Idealisten, sich auf dem historischen Boden nicht nur ein neues Vaterland zu schaffen, sondern auch die nationale Sprache wieder als Muttersprache für ihre Kinder zur Geltung zu bringen. Diesen Pionieren diente als Vorbild die Familie Ben-Jehuda in Jerusalem, in der die Kinder schon gleich vom Anfang dieser Bewegung keine andere Muttersprache kannten außer der hebräischen Sprache. Zu gleicher Zeit wehte ein frischer Hauch über die hebr. Literatur. Die neuen Volksfragen und die neue Bildungsart mußten die Grenzen der bisherigen Literatur gewaltsam sprengen. Man fühlte sich der alten herkömmlichen Formen des Schaffens und Denkens müde. Das Judentum, welches der starre Rabbinismus auf die Spitze getrieben hatte, wurde nunmehr — um mit „Achad- Haam" zu sprechen — * „ein Narne, der seines Inhaltes entleert worden ist". Alles sehnte sich nach Erneuerung des innerlichen