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Die Welt · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 35 DIE 3^ /. Wenn man fragen würde, welche Parole eigentlich der VIII.'* Kongreß hatte, so konnte man sagen: E in schränkung des Basale r - Programms. Eben Einschränkung, Beschränkung. Während in der;; Formel des Baseler Programms zwei Elemente vorhanden waren:" üe Renaissance des jüdichen Volkes und die Renaissance Palästinas, •at der letzte Kongreß — und das ist die Folge der seit dem VI. Kongreß eingeschlagenen Richtung — den Schwerpunkt auf Palästina erlegt. Ich spreche von der seit dem VI. Kongreß eingeschlagenen Achtung, trotzdem oder weil ich mit den „Nein-Sagern" war. Die "<:ein-Sager, die Gegner des Territorialismus nicht aus Romantik, ,icht aus verschwommenen Motiven und Rührseligkeit, hatten einen usgearbeiteten Gedankenkomplex, aus dem heraus sie den Terri- )rialismus verwerfen mußten. Sie faßten das jüdische Leben als . ine Entwicklungslinie auf, deren Kraftzentrum für sie Palästina, 1s das Symbol der historischen Einheit war. Sie faßten das udentum als ein organisches Ganzes, und waren deshalb gegen lüden Versuch, die Judenfrage auf rein mechanische Weise lösen u wollen. Und das war der Territorialismus. Und das, fürchte :h, wird auch der palästinensische Zionismus. Er wird palästinensischer Territorialismus. Das war der Grundfehler des Baseler Programms. Es hat die Sache zu einfach gemacht, zu klar. Vor auter Klarheit konnte man die Untiefen nicht mehr sehen. Es ist ollständig begreiflich, daß die meisten Zionisten sich vom rein politischen zum praktischen Zionismus wandten. Der politische ■var nur ein Schema, ein Rahmen ohne Bild, eine Fassung ohne >tein. Was ist denn Politik anders, als Regelung des Gegebenen, ■.Üe Beziehung der sozialen Erscheinungen aufeinander? Man denke •in einen Staat, der nur äußere Politik treibt, auf die inneren l'ustände im Lande selbst, auf das Leben des Volkes gar kein Gericht legt. Rußland hat uns gezeigt wohin ein solcher Weg führt. Me Zionisten haben aber eigentlich nur „äußere" Politik getrieben, nd nur selten innere. Sie haben — ich meine die leitenden Personen bloß die Beziehungen der Juden zu den Mächten regeln wollen, icht die Beziehungen der Juden untereinander. Ich habe es irgendwo einmal gelesen, die Zionisten müßten* ine Sekte sein, den Enthusiasmus der Sekten haben. Aber eine Sekte kann nur dann Enthusiasmus erwecken, wenn sie wirklich enthusiasmiert" in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, d. h. iottes voll ist, wenn sie eine eigene Weltanschauung hat, wenn ie etwas Neues und Großes in das Leben zu bringen vermag. Und ragen wir uns ganz aufrichtig: Kann das Baseler Programm als .eitmotiv eines Enthusiasmus dienen? „Eine Heimat in Palästina chaffen für die Juden, die sich nicht assimilieren wollen oder können." KE LT — ' 9 — Das ist ein politisch klarer unanfechtbarer Satz, aber kein neuer Glaubenssatz. Der Messianismus war nicht klar, aber er war ein machtvoller, Himmel und Erde umspannender Glaube. Was ist zum großen Glauben nötig? — Credo quia absurdum. Die zionistische Politik hat aber den Enthusiasmus unmöglich gemacht, in dem sie sich abgrenzte, sich zu klar und einfach zeigte. Ich weiß, im XX. Jahrhundert ist der Sabattianismus oder der Bescht-Glaube unmöglich, unnötig. Was aber damals die Persönlichkeit war, ist heute die Idee. Der Zionismus beantwortet nur einen Teil der Fragen, die das jüdische Volk aufwühlen. Was kann aber eine Partei machen? Ist denn ein Kollektivum imstande, Fragen zu lösen, die außerhalb des unmittelbar gegebenen, praktischen Lebens liegen? Auf die Sehnsucht des jüdischen Menschen können nur einzelne Persönlichkeiten die Antwort geben. Das ist wahr — aber Pflicht der Partei ist es, wenn sie eine Volksbewegung sein will, — die Situation richtig zu erfassen, ein Echo der inneren Stürme muß sie sein. Wer konnte sich nach dem VIII. Kongresse ein wahres Bild von dem Leben und Leiden, von dem Wollen und Trachten des jüdischen Volkes machen? Zu früh haben wir uns abgezirkelt, zu früh sind wir selbstzufrieden und selbstgenügend geworden. Das ganze Judentum beruht nicht allein auf denjenigen, „die sich nicht assimilieren wollen und können". Es gibt große Massen, es gibt zahlreiche Intellektuelle, die nach einem neuen Judentum, das der Stimmung des Weltenakkords entsprechen würde, sich sehnen. Sie wollen auch eine Renaissance — wissen aber nicht wie. Die Aufgabe des Zionismus ist, dem Suchenden zu helfen. Damit aber, daß man die praktische Arbeit in Palästina als das Alpha und nicht nur das Omega der nationalen Arbeit erklärt, wird man die Angliederung der Weiten nicht herbeiführen. ... Nach dem VI. Kongresse hat der „politische" Zionismus in seiner ursprünglichen Form abgewirtschaftet. Der „praktische" kam ans Ruder. Wenn er auch kein Fiasko erleiden wird, wenn er auch in absehbarer Zeit gewisse Erfolge zeitigen wird, der Zionismus ist er nicht, kann es allein nicht werden. Eine große Volksbewegung kann keine Kolonisations- und keine Gründerbewegung sein. Eine Volksbewegung, eine Renaissance muß eine politischkulturelle Bewegung sein, anregend, alle Erscheinungen des Lebens umfassend, die Keime zur Beantwortung aller quälenden Fragen in sich bergend. Das ist die große zionistische Partei der Zukunft, 'deren Umrisse ich schon jetzt in ihrer Schattenhaftigkeit sehe. ... A. Coralnik ÜBER DIE VERKEHRS-VERHÄLTNISSE PALÄSTINAS*) von Davis Trietsch Vor 15 Jahren war in ganz Palästina und Syrien noch keine Eisenbahn in Betrieb. Seitdem aber folgte eine Konzession und in Bahnbau dem andern. Es wurden dem Verkehr übergeben die Strecken: 1892 Linie Jaffa—Jerusalem 87 km 1894 V Damaskus—Muzeris 101 n 1895 J) Beirutl) —Damaskus 147 „ 1898 „ Beirut—Ma'amilten2) 19 n 1902 n Rayak— Hama 188 „ 1902 » Damaskus —Der'at4) 123 „ 4903 „ Der'at—Amman4) 100 „ 1904 » Haifa—Beisan3) 60 „ *) Aus der Propaganda-Broschüre „Wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina", herausgegeben vom „Allgemeinen Informations-Bureau für Palastina." Siehe Anzeige in dieser Nummer. *) In Jaffa 350, in Sarona 270 und in Wilhelma 100. — Restvereinzelt. a) 1894 war <ler neue Beiruter Halen dem Betrieb geöffnet worden. 3) Dampf-Trambahn (Tramway Libanais) soll nördlich bis Tripolis, südlich bis Saida verlängert werden. 1904 „ Amman—Ma'an4) 236 km 1905 „ Beisan—Samach3) * 27 „ 1906 Samach—Der'at3) 74 „ 1906 „ Hamah—Aleppo 143 „ 1906 „ Ma'an—Tebuk5) 236 „ Diese Tabelle zeigt außer einer recht respektablen Bautätigkeit im allgemeinen auch eine sehr 'beträchtliche Zunahme in den letzten Jahren. Sind doch allein im Jahre 1906 auf drei Linien insgesamt über 450 km dem Betriebe übergeben worden! Aber dies ist noch nicht alles. Im Süden wie im Norden fehlen nur je ca. 300 km zum Anschluß der palästinensisch-syrischen Bahnen an das ägyptisch-afrikanische Bahnsystem und an die anatolische Bahn. Ist dann noch die Jaffa-Jerusalem-Linie beispielsweise mit der Haifabahn verbunden, so stehen die Bahnverbin- 4J Teilstrecken der türkischen Hauranbahn (Haifa-Der'at). •*») Teilstrecken der türkischen Hedschasbahn (Damaskus-Mekka). Alle übrigen Bahnen Palästinas und Syriens gehören französischen Gesellschaften.

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