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Die Welt · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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20 DIE^ELT Kommission, eine planmäßige Agitation zwecks Gewinnung der im Orient lebenden, sowie der spaniolischen Judenheit überhaupt für die jüdische Nationalbewegung, zu eröffnen. Diese Bestrebung ist eine logische Folge der auf Schaffung einer realen Basis im Orient gerichteteten Politik, die die Macht der Tatsachen dem Zionismus immer mehr aufdrängt. Es ist eine naheliegende, ja selbstverständliche Idee, daß wir die jüdische Bevölkerung Palästinas, der europäischen und asiatischen Türkei und Ägyptens für unsere Anschauungen gewinnen, zu Pionieren und Stützen der nationaljüdischen Staatsidee machen sollten. Auf Grund zahlreicher, sehr informativer Berichte, die der Propagandakommission von unseren Vertrauensmännern in Konstantinopel, Jerusalem, Beyrut und Kairo zugekommen sind, können wir mit Zuversicht behaupten, daß hier der' zionistischen Arbeit in den den türkischen Gesetzen angepaßten Formen ein ebenso weites wie dankbares Feld offen steht. Unsere Brüder im Orient würden, nach der Oberzeugung unserer Korrespondenten, bei geeigneter Beeinflussung unsere Bestrebungen nicht nur finanziell, sondern, dank ihren Beziehungen, auch politisch wesentlich fördern. Im Einvernehmen mit dem A.-C. erledigte die Propaganda- Kommission alle erforderlichen Vorarbeiten und unterbreitete der Jahreskonferenz in Köln ein kurzes Programm der vorzunehmenden Schritte. Es handelt sich wesentlich um Anstellung von Agitatoren, die der französischen, spanischen und arabischen Sprache mächtig sind, um die Herstellung und Verbreitung von Broschüren in diesen Sprachen, sowie um die Gründung von zionistischen Organen für den Orient. Die geigneten Kräfte sind vorhanden. Eine wirksame Propagandabroschüre liegt auch bereits im Manuskript vor. Leider blieben der Propagandakommission die zur Inangriffnahme dieses Werkes von erstranger Bedeutung erforderlichen sehr bescheidenen Mittel bis jetzt versagt. Nationaljüdisches Tageblatt, Zu den Hauptgegenständen, mit denen die Propagandakommission sich befaßte, gehörten "die Vorbereitungen für ein nationaljüdisches Tageblatt. Die Idee eines repräsentativen Organes des Zionismus, das zugleich politische Progaganda größten Stiles ermöglichen würde, wurde auf dem VII. Kongreß während der Propagandadebatte von zwei Seiten angeregt. Auf dem Delegiertentage der deutschen Zionisten zu Hannover im Jahre 1906 legte die Propagandakommission einen diesbezüglichen Antrag vor, der zur Wahl einer Zeitungskommission führte. Der Kölner Jahreskonferenz wurde dann von dieser Kommission der eingehend ausgearbeitete Plan sowie die detaillierte Rentabilitätsberechnung eines jüdischen Tageblatts vorgelegt. Die Jahreskonferenz begrüßte das geplante Unternehmen sympathisch, verlieh der Zeitungskommision einen allgemein zionistischen Charakter und überließ ihr die weiteren Schritte zur praktischen Durchführung des Planes. Eine Umfrage in zionistischen Kreisen ergab jedoch, daß gegenwärtig das erforderliche Gründungskapital sich nicht aufbringen lasse. Man beschloß also, die weiteren praktischen Vorarbeiten bis zu einer Zeit zu verschieben, die der finanziellen Durchführung des Unternehmens günstiger wäre. Anträge. Inzwischen soll jedoch das Problem eines repräsentativen Parteiorganes und das der Beeinflussung der öffentlichen Meinung in anderer Weise gelöst werden. Ich komme hier zum letzten Teile des Berichtes, nämlich zu den Vorschlägen, die die Zeitungskommission und die Propagandakommission dem Kongresse zu unterbreiten sich gestatten. Umgestaltung des Parteiorgans. Um zunächst der erwähnten" Doppelaufgabe gerecht zu werden, soll einerseits durch Fusionierung der „Welt" mit der „Jüdischen Rundschau" ein jüdisches Zentralorgan mit dem Erscheinungsorte Berlin geschaffen, anderseits eine für die allgemeine Tagespresse bestimmte Zeitungskorrespondenz gegründet werden. Diese beiden Pläne entsprechen zwei längst empfundenen, dringenden Bedürfnissen unserer Bewegung. Daß unser heutiges Parteiorgan trotz der verdienstvollen Bemühungen seiner Redakteure unter den heutigen Umständen weder dem repräsentativen noch dem propagandistischen Zwecke voll genügen kann, ist eine Tatsache, die kaum einer unserer Gesinnungsgenossen wird leugnen wollen. Überdies ist die Herausgabe der „Welt" in Köln mit einem Defizit verbunden, das einen sehr erheblichen Teil der Einkünfte unserer Organisation verschlingt. Durch Fusionierung der „Welt" mit der „Rundschau" und Verlegung des neuen Organes nach Berlin, würde nach genauen Aufstellungen der Zeituiigskommission das Defizit mit einem Schlage verschwinden und ein lebensfähiges Blatt von wirklicher Anziehungskraft für das große jüdische Publikum geschaffen werden. Gründling einer Zeitungs-Korrespondenz und eines Preßburealis. Eine Zeitungs-Korrespondenz gehört bekanntlich zu den unentbehrlichsten Propagandamitteln jeder seriösen nationalen oder sozialen Bewegung. Daß der Zionismus bis jetzt über eine solche nicht verfügt, ist eine Unterlassungssünde, die um Nö. 34 so eher gut gemacht werden muß und kann, als unsere Vorarbeiten ergeben haben, daß zur Herausgabe einer Korrespondenz nur ein Betrag von etwa 5000 Mark erforderlich wäre. An die Zeitungs-Korrespondenz sollte in engster Verbindung mit derselben ein Preßbureau für sonstige Informierung und Beeinflussung der Tagespresse in der jüdischen Presse angegliedert werden. Organisation. EinandererVorschlag betrifft die Organisation der Propaganda-Kommission. Da es sich gezeigt hat, daß die tätigen Mitglieder der Propaganda-Kollegien in den einzelnen Ländern zumeist mit den Propaganda-Ausschüssen der Landesorganisation identisch sind und der Natur der Verhältnisse nach identisch sein müssen, erscheint es unnötig, für die Länder außerhalb der Zentrale der Kommission Propaganda-Kollegien zu wählen. An die Stelle derselben können die Propaganda-Ausschüsse der Landesorganisationen treten. Es wäre demnach nur eine Propaganda-Kommission von 3 Mitgliedern mit dem Sitze in. Berlin zu wählen, die ihre Agenden in ständiger Verbindung mit den Propaganda-Ausschüsse!: der einzelnen Länder zu erledigen hätte. Dotierung: Der dritte und letzte Vorschlag betrifft die Dotierung der Propaganda-Kommission. Wir sind bereit, uns für die nächster zwei Jahre mit der Hälfte der uns vom VII. Kongresse gewährter Subvention, demnach mit 6000 Mk. jährlich zu begnügen, ersuchet jedoch, daß diese Dotierung nicht von den Landesorganisationen, sondern vom A. C. ausbezahlt werde. Gewähren Sie der* Propaganda-Kommission nicht außerordentliche Kredite, sondern nur diese bescheidene Dotierung, dann werden wir nicht nur die Zionisierung der orientalischen Judenheit beginner können, wir werden auch in der Lage sein, in die gesamte zionis tische Propaganda allmählich mehr System, Großzügigkeit unt Schwung zu bringen, ein ständiges, aber stetig sich erneuerndes Korps von Wanderagitatoren zu schaffen, die in enger Fühlung mi* Palästina, in genauer Kenntnis der laufenden Bedürfnisse unseres nationalen Restaurationswerkes, die Welt bereisen, die Judenhei aller Länder aufrütteln und für unsere Werk gewinnen werden Kein Geld ist besser angelegt, denn die Propaganda bedeutet nich die Vergrößerung unserer Ausgaben, sondern die unserer Ein nahmen. N Bericht der Statistisch=volkswirtschaftIichen Kommission Der VII. Kongreß hat auf Antrag des Herrn Dr. Werne eine Kommission für die jüdische Statistik und die Volkswirtschaft liehen Fragen der Judenheit eingesetzt und als solche den jedes maligen Vorstand des Verbandes für Statistik der Juden, sowie die Mitglieder des von letzterem geleiteten statistischen Bureaus bestellt. Die Bewilligung einer Jahresdotation von 3000 Mk. fii diese Kommission wurde dem A. C. anheimgestellt mit der Direktive diesen Vorschlag nach Tunlichkeit zu berücksichtigen. (Protokol des VII. Zionisten-Kongresses S. 279.) Den ersten Anlaß, die Dienste der statistischen Organisation al zionistische Kommission in Anspruch zu nehmen, boten dem A. C die russischen Katastrophen und die vom A. C. nach Brüssc einberufene Konferenz. Da gerade kurz vorher die Ergebnisse der letzten russischen Volkszählung zur Veröffentlichung gelangten so war unsere Kommission in der Lage, eine Übersicht über du sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland auf Grum amtlicher Daten in Bearbeitung von Dr. Artur Ruppin der Brüs seier Konferenz als Grundlage für ihre Beratungen zu unterbreite!] Das A. C. bewilligte der Kommission für diese Arbeit 1000 Mk. Der zweite Gegenstand, dem unsere Kommission ihre Auf merksamkeit zuwendete, waren die Verhältnisse der jüdsche; Bevölkerung in Palästina unter Berücksichtihung der neuer dings zunehmenden Einwanderung unserer Stammesgenossen. Di diesbezüglichen Arbeiten sind in vollem Gange. Sie ruhen haupt sächlich in den Händen des Herrn Smeliansky, von dem wir n der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" bereit einen Aufsatz veröffentlichen konnten. Auch der Leiter des „Bc zalel", Prof. Boris Schatz, beteiligt sich an denselben. Si dürften in nicht allzuferner Zeit zu gedeihlichem Abschluß gebrach werden, da auch Dr. Artur Ruppin, eines der kompetenteste! und tätigsten Mitglieder unserer Kommission, sich nach Palästin begeben hat, wo er sich neben der Organisation statistischer Er hebungen hauptsächlich mit den für die jüdische Einwanderung i: Betracht kommenden wirtschaftlichen Fragen befassen wird. Die Statistik der Juden Palästinas, welche für die zionistisch Organisation naturgemäß von ganz besonderem Interesse ist, be streitet unsere Kommission aus eigenen Mitteln, die ihr von nicht zionistischen Körperschaften geliefert werden.

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