Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Jo. 34 DIE ELT 19 Deutschland: Berthold Feiwel, Dr. Alfred Klee, Dr. Alfred Nossig, rof. Warburg. Amerika: A. H. Fromenson, Dr. Magnes, Prof. riedländer. Rumänien: Dr. Niemirower. Bulgarien: Dr. Herbst, talien: Dr. Ravenna. Südafrika: S. Goldreich. Die so zusammengesetzte Kommission konstituierte sich in iner unmittelbar nach dem Kongresse in Basel abgehaltenen Sitzung, idem sie sich in Propagandakollegien für die einzelnen Länder liederte und das Berliner Propagandakollegium als Zentrale estimmte. Der Berichterstatter als Vorsitzender des Berliner 'ropagandakollegiums wurde auch zum Vorsitzenden der Kommission ewählt. Dotierung. Der VII. Kongreß hatte der Propagandakommission ine Jahresdotierung von 12 000Mk. gewährt. Infolge der mißlichen nanziellen Verhältnisse der Organisation wurden jedoch der ropagandakornmission im Laufe der zwei Berichtsjahre statt 4 000Mk. nur 1530 Mk. ausbezahlt, wodurch ihre Aktionsfähigkeit uf ein Minimum reduziert wurde. Auch diese geringe Summe erdankte die Kommission nur dem Entgegenkommen des Präsidiums es A.C., das ihr dieselbe in Form eines Vorschusses auf die von en Federationen aufzubringende Dotierung gewährte, eines Vorehusses, der dem A. C. nicht zurückbezahlt wurde, da keine der cderationen der auf dem Kongresse übernommenen Pflicht nachekommen ist. Die Praxis hat demnach erwiesen, daß die vom 'IL Kongreß bestimmte Form der Dotierung der Propagandaommission nicht die richtige war und daß künftighin, falls die Entwicklung einer Propaganda in großem Stil gewünscht wird, die Dotierung der Kommission aus den vom A. C. verwalteten Geldern ■rfolgen muß. Bilanz. Die Bilanz der Propagandakommission für die zwei ■erichtsjahre stellt sich folgendermaßen: I. September 1905 bis 31. Juli 1907 Einn ahmen om A. C......1 530— penden....... 305.— ■rlös von Propaganda-Broschüren . . 463.50 üdisch-künstlerische Veranstaltungen \ 180.50 Jf. lehrausgaben 2 479.— JL 179.60_w_ 1^58.6ÖT^ Ausgaben: Bureauausgaben . . 164.65 Ji Propaganda-Broschüren ......1 121.75 „ Reisen........ 396.— Jüdisch-künstlerische Veranstaltungen . 719.75 „ Vorarbeiten für ein Jüdisch. Tageblatt 256.45 „ 2 658.60 Jl Hindernisse der Propagandatätigkeit. Neben der ausebliebenen Dotierung haben, besonders im ersten Berichtsjahre, uch andere Umstände hemmend auf die Tätigkeit der Propagandaommission eingewirkt. Anläßlich der russischen Judenmassakers urdeii die aktiven Kräfte des Zionismus von der Wobltätigkeitsktion in Anspruch genommen, so daß die zionistische Propaganda ] eigentlichen Sinne vernachlässigt werden mußte. Anderseits estand sowohl in den leitenden Körperschaften wie in den breiten lassen unserer Bewegung noch ein programmatischer Zwiespalt, ngesichts dessen die Majorität der Mitglieder der Zentrale der "ropagandakommission sich dafür entschied, im ersten Jahre sich bwartend zu verhalten, um interne Reizungen zu vermeiden." Zu iesen Hemmnissen trat noch die überaus schwierige, oft völlig ersagende Verständigung mit den Propagandakollegien und den "orständen der zionistischen Organisationen in den verschiedenen ändern hinzu. Dafür muß hier mit aller Anerkennung hervorehoben werden, daß der Propagandakommission von der Leitung es Zentralbureaus der zionistischen Vereinigung für Deutschland id vom Vorstande der Berliner zionistischen Vereinigung, besonders oer seitens der Herren Dr. Hantke und Dr. Heymann, regste Unterützung zuteil wurde. Dieser Unterstützung hat sie es hauptsäch- :h zu verdanken, daß ihr die Herausgabe von Propagaridarose hure n möglich wurde. Propagan d a-Broschüren. Die Reihe dieser Veröffenthungen, die der zionistischen Agitation neues, zeitgemäßes Material führten, eröffnete die Sammelschrift „Die Zukunft der Juden", der neben wirksamen Aufsätzen bekannter zionistischer Schrifteller zahlreiche Illustrationen gebracht wurden. Der Erfolg dieser iblikation war ein so guter, daß in wenigen Monaten unter Bergung des Zentralbureaus der Z. V. f. D. eine zweite, größere ufiage gedruckt werden konnte. Der Weg der Massenpropaganda wurde, ebenfalls in engster isammenarbeit mit Z. V. f. D., durch die Veröffentlichung der oschüre „Die jüdische Volksbewegung" betreten, der unter ien bisher erschienenen zionistischen Propagandabroschüreii die ößte Verbreitung zuteil wurde, da seitens der Federationen und risgruppen bis jetzt ca. 80O0O Exemplare verlangt wurden. Abeichend von der bisherigen Methode der Agitation wurde in dieser oschüre der Versuch gemacht, nicht durch Polemik, sondern durch freundschaftliches Überzeugen unter Betonung der jüdischen Einheit die neutralen Kreise der Judenheit für den Zionismus zu gewinnen. Diesem Umstände scheint die Schrift ihren Erfoig zu verdanken. Eine zweite Broschüre ähnlicher Art, „Die jüdische Realpolitik" ist zunächst in kleinerer Auflage erschienen und wird erst im Herbst gleich der vorigen, Massenverbreitung erhalten. Mit der Frage des Territorialismus beschäftigen sich vom zionistischen Standpunkte aus zwei Broschüren: „Palästina oder ein anderes Land?", der Abdruck einer Rede von Dr. Tschlenow, und „Die jüdische Landpolitik" vom Berichterstatter. Schließlich war die Broschüre „Moderne jüdische Dichtung" der indirekten Kulturpropaganda gewidmet, von der im Folgenden noch ausführlicher die Rede sein soll. Propagandaredner. Ein zweites Mittel zur Belebung der Propaganda, welches die Kommission in ihrer Plenarsitzung ins Auge gefaßt hatte, war der Austausch von Propagandarednern zwischen den einzelnen Zentren unserer Bewegung. Die in dieser Hinsicht unternommenen Bemühungen scheiterten zum Teile an den in einzelnen Ländern herrschenden Verhältnissen, an den revolutionären Unruhen in Rußland, an der Walilbewegung in Österreich, an der inneren Zerrissenheit der zionistischen Organisation in England. Doch kamen innerhalb dieser Gebiete zwei größere Tourneen von Agitationsrednern zustande, die von großem Erfolge begleitet waren: die Dr. Sch. Levins in Nordamerika, die ausschließlich das Verdinst des New-Yorker Propaganda-Kollegiums bildet, und die Tournee N. Sokolows in Deutschland. Versammlungen. Zur Veranstaltung von Propaganda- Versamlungen boten die russischen Pogrome eine traurige Veranlassung. Besonders bedeutsam und denkwürdig waren die großen Protestversamrulungen in Berlin. Es ist uns bei dieser Gelegenheit gelungen, die einflußreichsten nichtzionistischen Kreise der Judenheit zu einer gemeinsamen Aktion heranzuziehen und der Protestbewegung einen nationaljüdischen Charakter zu verleihen. Literarisch-künstlerischeVeranstaltungen. In größerem Stil und konsequenterer Weise, als dies innerhalb unserer Bewegung früher geschah, wurden literarisch - k ü n s 11 e r i s c h e Veranstaltungen in Angriff genommen. Die Propaganda- Kommission ließ sich hierbei von zwei Gesichtspunkten leiten. Einerseits galt es, angesichts des Mangels einer Kulturkonimission, die Aufgaben, die der jüdischen Nationalbewegung, der jüdischen Dichtung und Kunst gegenüber obliegen, zu erfüllen. Anderseits jedoch lehrte die Erfahruno-, daß jüdisch-künstlerische Veranstaltungen ein vorzügliches Mittel für indirekte Agitation bilden, das besonders für die großen, dem Zionismus noch fernstehenden Kreise des jüdischen Publikums wirksam und anziehend ist. Der geradezu unerschöpfliche Schatz von zum Teile erstrangigen Kunstwerken jüdischen Inhalts, den uns auf dem Gebiete der Dichtung und der Musik, der Malerei und der Plastik Meister jüdischer und nichtjüdischer Abstammung hinterlassen haben, gibt ein treffliches Material zur Neubelebung des jüdischen Volksbewußtseins ab. Dazu tritt eine Reihe von Werken neueren Datums, die von zionistisch empfindenden Künstlern geschaffen wurden und deren Agitationskraft nie versagt. Dank den künstlerischen Aufführungen, sowie den der jüdischen Dichtung und Kunst gewidmeten Vortragsabenden, die in Berlin stattfanden, ist ein Material zusammengestellt worden, das von allen anderen Zentren der zionistischen Bewegung für ähnliche Veranstaltungen verwendet werden kann Es erwies sich als zweckdienlich, für die literarisch-künstlerische Kultur- und Pfopagandaarbeit besondere Organisationen zu schaffen, die auch außerhalb der zionistischen Kreise Anlehnungspunkte und finanzielle Förderung finden. In Berlin wurde für diese Aufgaben im ersten Berichtsjahre das „Komitee für jüdisch-künstlerische Veranstaltungen" ins Leben gerufen. Angesichts des großen Interesses, das die Veranstaltungen des genannten Komitees erweckten, konnte man im darauffolgenden Jahre an die Gründung des „Vereins zur Förderung jüdischer Kunst" schreiten, dessen Leitung einer der hervorragendsten jüdischen Bühnenkünstler der Gegenwart, Rudolf Schildkraut, übernahm. Der Verein veranstaltet Rezitationsabende jüdischer Dichtung, Konzerte, die dem jüdischen Volkslied und der jüdischen Kuustinusik gewidmet sind, Theateraufführungen, Vorträge über jüdische Kunst mit Lichtbildern und Kunstausstellungen. Im November d. J. wird eine Ausstellung jüdischer Künstler in der Galerie Schütte stattfinden, für die die Werke der hervorragendsten jüdischen Meister gewonnen sind. Bei der Geringfügigkeit der der Propagandakommission zur Verfügung stehenden V eranstaltungen war dieselben unerläßlich, Kreisen aufzubringen. Propaganda i m O rien t. politischen Propaganda war es Mittel und den großen Kosten derartiger die Beschaffung spezieller Fonds für und es gelang, solche in lüchtzionistischen Auf eindem Gebiete der eigentlichen : der Hauptbestrebungen cicr