Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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16 D1E a|^E LT No. 3 Kommissionen haben, wie man sie in jedem Ministerium der Volksbildung hat. Es muß Sorge getragen werden für Bücher, Lehrmittel etc., und auf diesem Gebiete können wir wirklich Hand in Hand gehen mit den andern Organisationen. Wenn wir uns nur auf tinsern Reichtum verlassen, werden wir nicht eben allzu groß werden, aber wir haben einen moralischen Einfluß. Nur dadurch haben wir die Einführung der hebräischen Sprache erzwungen, und ebenso müssen wir weiter arbeiten, wir werden so die anderen Organisationen dazu bringen, daß sie auch im nationalen Geiste arbeiten. Wo Schulen fehlen, müssen noch Schulen eröffnet werden. Wenn die Schulen nicht genügend Mittel haben, müssen wir für Mittel sorgen, wenn man eine Mittelschule nötig hat, darf diese nicht in privaten Händen bleiben, sondern die Organisation soll mindestens diese Schule unterstützen und einen Einfluß auf sie gewinnen. Ein weiteres: Die Franzosen, die Deutschen und die Amerikaner haben archäologische Institute. Sie wissen, daß wir Juden, denen man solchen Reichtum nachsagt, in der ganzen Welt nur vielleicht sieben oder acht Schulen für die Wissenschaft des Judentums haben. Die beste Schule haben wir vielleicht in New-York, weil dort gerade an der Spitze eine viel bedeutendere und ernstere Person steht als anderswo, und es herrscht dort auch ein anderer Geist. Wir haben in Breslau, Budapest und Wien solche Schulen und wahrscheinlich werden wir, noch bevor die Emanzipation der Juden in Rußland sich vollzogen hat, auch dort solche Schulen haben. Aber wie soll die Wissenschaft des Judentums dort betrieben werden? Ich spreche nicht wie ein Fachmann, aber ich sage Ihnen meine Meinung, nur in Palästina ist ein solches Institut möglich, nur dort können wir die Propheten richtig verstehen. Dort werden schon den Kindern die Augen geöffnet, und sie begreifen alles ganz anders. Die Franzosen, die Engländer und die Deutschen haben es verstanden, und sie haben dort archäologische Institute eingerichtet. Die Juden aber gehen nach Leipzig, oder Unter die Linden, aber in Palästina haben sie nichts. Es wäre schön, könnten wir in Palästina eine Hochschule haben. Mindestens ein Jahr oder ein ein Semester würden die, die lernen wollen, dort bleiben und sie würden dann dort mehr lernen, als sie hier nicht lernen. Und die Einrichtung eines solchen Instituts ist gar nicht mit zu großen Kosten verbunden, es fehlt nur die Initiative. Wir haben hunderte von jungen Leuten, die sich vielleicht dieser Wissenschaft gewidmet hätten, aber sie finden keine Verwendung. Schaffen Sie doch eine Heimat für die jüdische Wissenschaft! Nicht in einem andern Lande, sondern in Palästina. Vor kurzem ist ein reicher Jude in Amerika gestorben und hat 800000 Dollar für eine jüdische Schule hinterlassen. Bei uns handelt es sich nicht um so große Summen, wir wollen nichts Testamentarisches, sondern wir wollen von den Lebenden. Es war in Beyrouth, da habe ich gesehen, was man bei einem festen Willen machen kann. Die Amerikaner haben dort eine Schule eingerichtet, und ich rate jedem, er soll in Beyrouth diese amerikanische Schule besuchen. Wir sind dort willkommene Gäste. Das ist ganz gut, aber wir haben dort nichts geschafft. Also es muß etwas auf diesem Gebiet geschehen: Erstens muß eine Organisation geschaffen werden, die alle Schulen vereinigt, und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß auch andere Organisationen mit uns Hand in Hand gehen werden. Es muß ein ganzer Plan ausgearbeitet werden. Wir müssen zweitens sehen, daß wir von einer Mittelschule nicht nur hier sprechen, sondern daß wir eine solche Schule in Palästina wirklich erhalten, damit die Eltern, welche nach Palästina kommen, keine Ausrede haben können. Drittens soll auch eine Hochschule geschaffen werden. Meine Damen und Herren, ich habe keinen ganzen Plan en rworfen. Es gibt auch Organisationen, die für ein Technikum ode; für eine Universität schwärmen. Es wird aber schwer sein, dam! zu beginnen; wir müssen erst die Elementarschulen ausbauen, un! auf dieser Grundlage müssen wir eine Mittelschule haben. Dies: braucht nicht einmal ein Gymnasium zu sein. Auch für den Bezalel muß viel mehr getan werden, diese große Werk muß weiter ausgebaut werden, und zum Schluß wolle wir auch eine höhere Schule für die jüdische Geschichte, Archo; logie, Kultur etc. haben. Wir werden zweifellos Lehrer finden, wi werden auch Schüler haben für diese Hochschule. Also das soll auf dem Wege der allmählichen Entwicklung geschehen. Ich fordere Sie auf, daß Sie die kulturelle Entwicklun Palästinas nicht aus Ihrer Tätigkeit ausschalten. Es muß gearbeite werden, und wir werden andere Organisationen finden, weil wi aber mehr Interesse daran haben und vielleicht auch die Leute nac; Palästina schicken, werden wir eine bessere Möglichkeit haben. Also die Lehrer in Palästina sind damit einverstanden, si verlangen, das man Ihnen auf diesem Gebiet helfen soll. Es wär sehr traurig, hätte die zionistische Organisation keine Pläne ai diesem Gebiete gehabt, und ich kann nur dringend raten, daß auc: die zionistische Organisation als solche sich von nun an mit de Regelung des Schulwesens beschäftigt. Vielleicht wird man Große erreichen; sollten wir aber nicht Großes auf einmal erreichen, dam werden wir auf dem Wege der Entwicklung vieles erreichen können was wir anderswo nicht erreichen können. Wir müssen danaci streben, daß wenigstens in Palästina [die Jugend uns gehört. Wi haben die Juden der Welt in 2 Kategorien eingeteilt. Es gibt bar. Juden und es gibt Wechseljuden. Wechseljuden in dem Sinne,' da! wir nicht wissen, ob die zweite oder dritte Generation aucb Jude bleiben werden, Wechseljuden sind die Juden der ganzen Wel' Bare Juden gibt es nur in Palästina. Wir glauben doch alle, dal die Erlösung nur auf dem Wege der geschichtlichen Entwicklung geschehen kann. Wer kann die Garantie übernehmen, daß wi nach 100 Jahren oder nach 60 oder 70 Jahren noch genug Menschei haben werden? Jetzt zum Beispiel haben wir 5 Millionen Juden i! Rußland, auch nach Amerika haben wir 2 Millionen geschickt. 0> sich diese Anlagen verzinsen, wissen wir nicht, aber wir werde, zufrieden sein, wenn das Kapital wenigstens ganz bleibt. Wir-haben nur ein Plätzchen auf der Erde, wo wir es mi wahren Juden zu tun haben. Wenn die junge Generation i; Palästina die richtige Erziehung bekommt, dann bleibt sie im Lande Der palästinensische Jude braucht doch kein Opfer zu bringei um Palästina zu lieben. Denn wer nur einmal Palästina eine Besuch abgestattet hat, muß das Land lieben, und wer dort gebore; ist, begreift nicht, wie man das Land nicht lieben kann. Also doi haben wir es zu tun mit wahren Juden. Oder wollen Sie da bischen Wahre in Wechselpapiere umtauschen? Wir müssen sehei; daß dieses Vermögen erhalten bleibt. Die Jugend muß eine gut Erziehung bekommen. Ich mache keine konkreten Vorschläge, wei ich weiß, daß die zionistische Organisation noch nicht diese Mitte geschaffen hat, an die Zionisten kann ich mich aber wenden, die Zionisten der ganzen Welt, daß sie uns-Hilfe bringen, dam; das Schnlwesen in Palästina geregelt wird. Alles, was wir i: Palästina pflanzen, wird wachsen und blühen wie in keinem ander; Lande. (Langanhaltender, sich immer wieder erneuernder Beifa: und Hedad-Rufe. Die Versammlung erhebt sich und bereitet den Redner eine stürmische Ovation.) m