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Die Welt · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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DIEMKE LT Wir werden weiter kämpfen, ringen und streben, bis wir für unser unglückliches Volk die alte Heimat wieder erlangen werden. Unser armes Volk hat nichts zu verlieren, als seine Ketten, und eine Welt hat es zu gewinnen. Eine Welt des Friedens, der Ruhe und der Arbeit. Unermüdlich wollen wir arbeiten bis die Zeit kommt, in der es wieder heißen wird, „wajischkon Jisroel betach No. 34 bodod ain Jaakov". Und Israel wohnte in Sicherheit, die Quelle Jakobs in sich geschlossen. Mit diesen Worten schließe ich den 8. Zionistenkongreß! (Langanhaltender Beifall.) Die Versammlung und die Galerie erheben sich. Tücher- und Hutschwenken. Die Delegierten stimmen Od lo owdo an. Sitzung des großen A.-C. Donnerstag vormittag um 10 Uhr begann unter Vorsitz des Präs. Wolffsohn die erste Sitzung des neugewählten Großen Aktionskomitees. Anwesend sind Gronemann, Feiwel, Franzie-Berenstein, Rosenbaum (Mirek), Schein, Pinelles, Böhm, Salz, Mahler, Marmorek, Stand, Gaster, Warburg, Friedemann, Hantke, Sokolow, Moser, Tschlenow, J. L. Goldberg, Boris Goldberg, Wolf, Goldreich, Fränkel, Rosoff, Trietsch, Sapir, Brande, Spitzer, Bezaiel Jaffe, Fischer, Gabel, Brutskus, Lewin, Nossig, Kessler, außerdem wohnt der Präsident der Jüd. Kolonialbank, Katzenelsohn,derSitzungals Gast bei. Über verschiedene Anträge, betreffend Einsetzung von Ausschüssen, aus der Mitte des großen A.~C. wird zur Tagesordnung übergegangen. Es wird ein Antrag Moser-Trietsch angenommen, wonach zu Anfang Januar 1908 die nächste Sitzung des A.-C. möglichst nach Berlin einberufen wird. Ein Antrag Scheinkill, daß die Mitglieder des A.-C. in Palästina, die Vorsteher unserer dortigen finanziellen Institute des Odessaer Komitees nnd der Geulah als beratende Körperschaft für die Palästinaarbeiten herangezogen werden, wird angenommen. Ein Antrag Scheinkin, dahingehend, daß das A.-C. den Vorstehern der palästinensischen Organisationen empfiehlt, dem Palästinarat beizutreten, wird angenommen! Dr. Wolf beantragt, daß das Engere A.-C. zuniindestens jeden Monat einmal den Mitgliedern Bericht zugehen läßt. (Angenommen.» In Hinsicht auf den Relief-Fonds wird beschlossen, das Engere A.-C. zu beauftragen, raschest für eine zweckdienliche Verwenduno zu sorgen und der nächsten Aktionskomiteesitzung hierüber Beric zu erstatten. Referat Dr. Sch. Lewins über nationale Erziehung in Palästina (Schluß) Dazu muß ich Ihnen sagen, meine Damen und-Herren, ich wohnte dem Unterricht in verschiedenen Schulen bei. In den Schulen des Hilfsvereins wird viel mehr Hebräisch gelehrt als Deutsch. Wenn Sie mich abeF fragen, welchen^Eindruck ich in den andern Schulen, wo fremde Sprachen gelehrt werden, empfangen habe, so habe ich nur die Antwort, die Kinder verstehen die deutsche Sprache nicht es ist einfach Quälerei. In den Rothschildschen Schulen hat man 20 Stunden englischen Unterricht und 10 Stunden Hebräisch. Daß die Kinder sehr schlecht englisch sprechen, habe ich verstanden, weil ich sie verstanden habe, daß die Kinder aber sehr gut hebräisch sprechen, habe ich auch verstanden, weil ich sie verstanden habe. (Heiterkeit.) Nach den Schulen der Alliance haben Sie eine ganze Stufenentwicklung. Die Ica kümmert sich nicht um den Unterricht. Der Unterricht ist abhängig von dem Lehrer. Steht ein nationalgesinnter Lehrer an der Spitze, dann ist die Sache gut, steht ein Franzose an der Spitze, dann ist sie nicht gut. Und dazu möchte ich bemerken, der Franzose ist'in der Regel gar nicht aus Palästina, sondern aus Bordeaux, Paris oder Nancy. Und diese Lehrer können Kinder in Palästina gar nicht erziehen, sie verstehen sie die gar nicht. Sie haben eine andere Psyche. Ganz anders steht es mit den Schulen, die von dem Odessaer Komitee, beziehungsweise der chowewezionistischen Organisation unterstützt werden. Es sind nur einige Schulen. Die Hauptschule st die sogenannte Bet Hasefer Lebanoth in Jaffa, dort haben wir ungefähr 300 jüdische Mädchen. Für mich ist es nichts Wunderbares, wenn man hebräisch spricht. Aber daß man so spricht, wie dort gesprochen wird, daß man alles in der hebräischen Sprache erklären kann, wie es hier geschieht, das habe ich nicht erwartet — und ich habe viel erwartet. Ich will nicht sagen, daß die Schule ganz fertig ist, sie muß noch ausgebaut werden, die Mädchen müssen noch manches lernen, damit sie im Lande bleiben können. Aber jedenfalls sehe ich, daß wir eine gesunde Richtung eingeschlagen haben. Eine „gesunde Richtung" in Palästina — d. h. es muß alles nur natürlich sein. Und das erleichtert die Aufgabe des Lehrers. Geehrter Kongreß! Wenn unsere Eitern, die noch ein warmes Herz und gewisse jüdische Gefühle sich bewahrt haben, wenn diese Eltern schweren Herzens ihre Kinder in ein russisches Gymnasium schicken, dann müssen sie bei 99°/o Adieu sagen. Und das ist so in der ganzen Welt. Es gibt keinen Pardon. Wir sind auf eine schiefe Ebene geraten. Man kann nicht gegen die ganze Umgebung kämpfen. Ganz anders ist es in Palästina. Hier braucht man nicht den Kindern Nationalismus einzuimpfen. Man muß nur sehen, daß man nicht das Vorhandene herausreißt in der jüdischen Schule. Dann wächst alles natürlich. Das Menschenmaterial, das Schülermaterial erleichtern die Aufgabe des Lehrers in Palästina. Ich war in der russischen Schule. Man hat mir die Kinder für 2 Stunden in der Woche zum Unterrichten gegeben. Allein, es ist sehr schwer in 2 Stunden gut zu machen, was andere schlecht gemacht haben. In Palästina sagen die Eltern einfach dem Lehrer, wenn sie zu ihm Vertrauen haben: Mach aus meinem Kinde einen normalen Menschen, und das bedeutet: mach aus ihm einen guten Juden, einen guten Zionisten, der national, doch nicht chauvinistisch gesinnt ist, und für sein Volk sehr viel zu leisten imstande sein wird, auch sehr viel leisten wird. Ich war in verschiedenen Kolonien und ich habe da 2 Systeme gefunden. In Petach Tikwah haben alle Knaben in der Schule ausschließlich französisch gesprochen, die Mädchen haben ausschließlich hebräisch gesprochen. Und das soll ein System sein. In einer anderen Kolonie habe ich gehört, die Kinder.verstehen keine andere Sprache außer Hebräisch. Nun ist die Frage des hebräischen Unterrichts eine Hauptfrage, die wir uns hüten müssen, leichtsinnigerweise zn unterschätzen. Wir würden z. B. wissen, datl jeder Araber, der in die Schule der Missionäre kommt, uns verloren geht. Wir wollen doch, nicht wahr, keinen Antisemitismus im Lande haben, und den Arabern wird leicht von solchem Geiste etwas eingeflößt, wenn sie keine andere Schule haben. Der größte Teil der Araber wäre meiner Meinung nach damit voll einverstanden, seine Kinder in jüdische Schulen zu schicken. Denn es ist für ihn

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