Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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\o. 34 DIE^ELT 11 i halten. Ich mache daher den Vorschlag, das Institut selbständig in d unabhängig von der A. P. C. in Form einer Aktiengesellschaft ü begründen. Dr. Heymann: Der Ausschuß hat ja die Möglichkeit offen gelassen, dieses Institut selbständig oder als einen Teil der A. P. C. "j errichten. Dr. Katzenelsohn: Aus rein technischen Gründen empfehle ch den Antrag Tschlenow zur Annahme. Da die A. P. C. alle verangten Operationen vornehmen kann, wäre es ganz zwecklos und A'ürde die Angelegenheit nur hinausschieben, ein neues Institut mit deichen Zwecken zu "gründen. Es wird sich auch ein Modus finien lassen, Privatkapitalien für dieses Institut heranzuziehen. Ussischkin spricht für den Antrag des Ausschusses. Dr. Alex. Marmorek bittet, den Antrag Tschlenow anzulehmen, der dasselbe besage wie der Antrag des Ausschusses und lur verlangt, daß man den J. C. T. in Ruhe lasse. Lewin Epstein: Es ist nutzlos, wenn wir Beschlüsse nur auf lern Papier haben und nicht ausführen können. Wir sollen mit den Vlitteln unserer Institute einen Fonds schaffen; die für ein Boden- Kreditinstitut in Palästina sind, mögen aus eigenem das Geld dazu lergeben. Wenn die Versuche gelingen, werden wir genug Privatkapital bekommen; das Nationalkapital aber dürfen wir nicht angreifen. Die Herren Dr. Tschlenow und der Direktor der J. C. T., Herr )r. Katzenelsohn einigen sich auf folgenden Antrag» dem sich inch Herr Prof. Dr. Warburg anschließt: „Der Kongreß empfiehlt dem engeren A. C. und dem Direkorium der A. P. C, dafür Sorge zu tragen, daß bei der A. P. C :ine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichen und städischen l>oden eingerichtet werde, welche auch das Recht haben soll, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und zu verkaufen, zu >arzellieren, zu pachten, zu verpachten und zu ameliorieren. Nachdem sich die Herren Ussischkin und Dr. Heymann, der Referent des Palästina-Ausschusses, mit diesem Antrage einverstanden erklärt haben, wird er einstimmig angenommen. Punkt V wird in der vom Ausschuß vorgeschlagenen Fassung mgenommen. Hierauf folgt die Abstimmung über die oben mitgeteilten Thesen ies Herrn Dr. Ehrenpreis zur Frage der nationalen Erziehung n der Diaspora. Auf Antrag des Herrn Dr. Engel wurde die Einsetzung einer '5-gIiedrigen Kommission beschlossen, der diese Thesen übergeben werden sollen. Eine längere Debatte entspann sich über den Antrag Sokolow: „Der Kongreß beschließt, die hebräische Sprache als offielle Sprache der zionistischen Bewegung, ihrer leitenden Stellen, ihrer Kongresse und Konferenzen prinzipiell anzuerkennen und praktisch aikzessive einzuführen. Unsere nationale Sprache wird hiermit für len Zionismus obligatorisch. Nur aus Rücksicht auf die Notwenligkeit der Popularisierung der Idee bleibt es der Organisation rnheimgestellt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen zu bedienen." An der Debatte beteiligen sich Frau Dr. Krischewsky und die ierren Rosenbaum, Dr. Sam. Deiches, Kleerekoper, Dr. Löwe, )r. Nacht und Dr. Heu. Schließlich wird der Antrag angenommen. Stürmischer Beifall und Unruhe.) Im Laufe der Vormittagssitzung hielt noch Herr Hermann :truck folgende Anrede im Namen der Misrachi: Struck: Werte. Gesinnungsgenossen! Im Anschluß an das ochinteressante, an Anregungen so reiche Referat von Dr.Schmarjahu -ewin habe ich die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß eine Anzahl hier nwesender inisrachistischer Delegierter beschlossen haben, eine littelschule in Palästina zu begründen. (Lebh. Beif. und Händekl.) ,s sind* jetzt bereits für diesen Zweck circa 3000 Mk. jährlich für ie ersten 3 Jahre gezeichnet. (Lebh. Beif. und Händekl.) Ihr freundcher Beifall wird uns anspornen, unermüdlich für die geistige iebung der Juden in Palästina weiter zu arbeiten. Ich habe nur noch wenige Worte hinzuzufügen: Wenn diejenigen ionisten, die fest und unerschütterlich auf dem Boden der altübereferten Religionssatzungen des Judentums stehen, auch ab und zu icht mit allem einverstanden sein konnten, was von Zionisten gebrochen, getrieben und getan wurde, so benutze ich doch gern die Gelegenheit, hier öffentlich freudig anzuerkennen, daß die offizielle eitung des Zionismus immer und ausnahmslos bestrebt war, so u handeln, wie es diesen Anschauungen entsprach. — Gestatten ■'•ie mir noch, an der Hand der Protokolle zwei für uns höchst ichtige Willensäußerungen des Kongresses wieder ins Gedächtnis -i rufen: Auf dem ersten Kongresse erklärte Herzl auf eine Anfrage -'s Baseler Rabbiners Dr. Cohn hier wörtlich folgendes: „Ich kann Sie versichern, der Zionismus beabsichtigt nichts, was die religiöse Überzeugung irgend einer Richtung innerhalb des Judentums verletzen könnte". Diesen Worten unseres teuren, unvergeßlichen Führers folgte „stürmischer Beifall". Der zweite Kongreß beschloß auf Antrag des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis folgendes: „Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes und befindet sich heute auf dem Boden der modernen Kultur, an deren Errungenschaften er festhält. Der Zionismus unternimmt nichts, was dem Religionsgesetze des Judentums widerspricht." Hieran anknüpfend gebe ich der bestimmten Zuversicht Ausdruck, daß der Kongreß für richtig befinden wird, daß bei allen denjenigen Unternehmungen, die religiöse Interessen tangieren, diesen in entsprechender Weise Rechnung getragen wird. Ich glaubte, gerade jetzt Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Punkt lenken zu sollen, da wir endlich am Beginn einer Periode praktischer Arbeit in Palästina stehen, auf der der Segen Gottes ruhen möge. (Beifall.) Nachmittagssitzung Beginn 1|s4 Uhr Präsident: Wolffsohn. Der Präsident verkündet unter langanhaltendem stürmischem Beifall des Hauses, daß der Delegierte Friedensrichter Moser aus Bradford gestiftet hat: 10000 Mark in Jahresraten ä 2000 Mark für die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem, und 80000 Mark für ein hebräisches Gymnasium in Palästina, woran er nur die Bedingung geknüpft hat, daß dieses Gymnasium den Namen „Theodor Herzl-Gymnasium" trage. (Lauter, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Hermann Struck teilt mit, daß für die misrachistische Schule in Palästina bereits 10000 Mark aufgebracht und überdies für den Bezalel einige größere Spenden, darunter 150 und 90 Maik, eingelaufen sind. Es folgt nunmehr die Debatte über die Organisation, die fast bei jedem Punkte Anlaß zu lebhaften Diskussionen gibt. An Stelle Hantkes referierte Gronemann. An anderer Stelle bringen wir das Organisationsstatut in der vom Kongreß endgiltig akzeptierten Form. Hervorzuheben ist insbesondere die Änderung, daß nunmehr die Bildung von Föderationen, die sich über die Grenzen einer Landsmannschaft hinaus erstrecken können, beim Vorhandensein von mindestens 3000 Schekelzahlern mit Genehmigung des Engeren Aktionskomitees gestattet ist. Damit endet die Nachmittagssitzung. Mittwoch, den 21. August 1907 Mittwoch Vormittag wurde die 10. ordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust abgehalten. Es waren 154 Aktionäre anwesend. Der Versammlung wohnten auch Herr D. Wolffsohn, Vorsitzender des Aufsichtsrats, und die Herren Direktoren Dr. Katzenelsohn, Jacobus H. Kann, S. Barbasch, Hugo Urysohn und Joseph Cowen bei. Dr. Katzenelsohn führte den Vorsitz und beantragte bei Eröffnung der Sitzung, daß die Verhandlungen in deutscher Sprache geführt werden. Darauf verlas der Sekretär die Bekanntmachung bezüglich der Versammlung. Der Vorsitzende trug dann den Bericht des Direktoriums vor, und der Sekretär verlas die Bilanz und den darauf bezüglichen Bericht der Bücherrevisoren. An der Diskussion über den Bericht und die Bilanz nahmen die folgenden Herren teil: Dr. Gideon Heymann, A. Spira, N. Schapiro, Dr. Strauß, Rabb. Reines, J. Kohanowitz, Joseph Kantorstschik, Schelevvitzki, Dr. Reich, Dr. Freudenberg, L. Lewinski und Jean Fischer. Nachdem der Vorsitzende der Versammlung und Herr Wolffsohn, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, auf die verschiedenen Punkte der Diskussion geantwortet hatten, wurde auf Antrag des Herrn Jean Fischer, unterstützt von Dr. Heymann, dem Direktorium Decharge erteilt und der Bericht des Direktoriums zusammen mit der Bilanz und dem Berichte der Bücherrevisoren angenommen. Die Generalversammlung beschloß auch, eine Dividende von 8 Pence per 1 Pfund xAktie für das Jahr 1906 zu erklären. Der statutengemäß zurücktretende Direktor S. Barbasch wurde auf Empfehlung des Direktoriums durch Akklamation wiedergewählt.