Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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n o» 34 ind nicht, wie manche glauben, dadurch zu beseitigen, daß die oale Zion eines Landes gegen die eines andern Landes ausgespielt /erden und in Palästina selbst die Entstehung einer „loyalen" \rbeiterpartei herbeigesehnt wird. Das ist alles vergeblich. In /irtschaftlichen Kämpfen um Verbesserung der Lage der Arbeiter /erden diese immer einig vorgehen. Viele Kämpfe lassen sich idoch vermeiden oder wenigstens abschwächen durch Schaffung on aus Delegierten der Arbeiter- und Unternehmerorganisationen estehenden Vermittlungsämtern. Wir beantragen, die Bildung solcher Vermittlungsämter, dem neu zu bildenden Palästinaamt aufzutragen. ,s wurde hier wiederholt von einer Verdrängung der Araber geprochen. Ich möchte vor einer solchen Parole aus politischen und thischen Gründen entschieden warnen. Wir erstreben nicht in 'alästina eine Majorisierung um jeden Preis. Wir wollen nur, daß nser Volk bodenständig wird. Das kann einerseits durch Unterehmungen wie die Siedelungsgenossenschaft geschehen. Anderseits eantragen wir, durch Einführung von gewerblichen und landwirtchaftlichen Kursen bezw. Schulen, evtl. in Anlehnung an den >ezalel, die unqualifizierten jüdischen Arbeiter technisch auf eine öhere Stufe zu bringen. Dann wird eine Verdrängung der Araber berflüssig. (Beifall.) Die Sitzung wird hierauf geschlossen. Schlr.fi 8L;2 Uhr abends. Dienstag, den 20. August Vor mittagssitzun g Beginn: 10 Uhr Präsident Wolffsohn Das Wort ergreift: Professor Warburg (lebhafter Beifall und Händeklatschen): Venn ich auf die gestrige Diskussion über Palästina zurückblicke, o habe ich den Eindruck, als wenn es sich um einen Zukunftsampf gehandelt habe, der nicht auf der Erde, sondern in Luftehiffen am Himmel stattgefunden habe. Es kam mir vor, als;enn die betreffenden Kämpfer in verschiedenen Regionen der iifte sich befinden. Teils in den höchsten Wolkenregionen, teils n der Nähe der Erde, aber für einen, der nur an der Erde klebt nd sich mit Hilfsmitteln, die hier zu Gebote stehen, behelfen muß, ur sehr schwer sichtbar. Daher verzeihen Sie, wenn ich nur inige Punkte herausgreife, die mir erkennbar gewesen sind. Wohl aben wir diese kühnen Luftschiffe gesehen, aber ihre eigentliche aktik zu verstehen, war uns schwer möglich. Ich erinnere mich es prachtvollen Luftschiffes, welches Herr Dr. Alexander Marmorek esteuert hat, welches sich aber in den höchsten Regionen bewegte. )arunter ein anderes Luftschiff, das des Herrn Dr. Mahler. Das war ir uns schon mehr sichtbarer, und plötzlich fiel etwas herab, ujid als vir hinzustürzten, um zu sehen, was es war, bemerkten wir, daß s eine, ob geladene oder ungeladene, jedenfalls unwirksame Bombe var, enthaltend ein sog. Palästinaprogramrn. Voran stehen in dem Yogramm die wissenschaftlichen Studien in Palästina. Ein sehr ngenehmes Wort! Denn wir sind immer für wissenschaftliche Belegung, und wir zweifeln auch nicht, daß unsere Bewegung sich amit zu befassen hat und soll. Sie hat es auch getan. In der rsten Zeit des Bestehens der Palästinakommission war die wissenchaftliche Untersuchung von Palästina das Hauptprogramm. Aber aß es jetzt noch der erste und wesentlichste Teil unseres 'alästinaprogramms sein soll, das glauben nur solche, die hoch in en Wolken sich befinden. Das zweite Wort hatte schon ganz dischen Klang, das Wort Konzessionen. Wer freut sich nicht ei der Idee: Wir sollen nicht einen Charter, sondern viele Konessionen erwerben? Aber w:is dann? Denn, was nötig ist, um Konzessionen zu erwerben, darüber fehlte jedes Wort. Konzessionen ■werben für Hafenbauten, Straßen, Eisenbahnen usw. ist sehr :hön. Aber es kostet viel Geld, und wenn man die Konzessionen at, und sie werden nicht benutzt, dann rosten und schimmeln sie ud verlieren ihren Wert. Ich möchte wohl die Herren der Bank fragen, was sie wohl agen würden, wenn wir eines Tages kämen: wir können in Jaffa inen Hafen bauen. Konzessionen, ohne die Möglichkeit sie ausunützen, haben gar keinen Wert. Will man Konzessionen, so muß lan wissen, was man damit anfangen soll. Man könnte sie ja ielleicht an englische, französiche Konsortien verkaufen, wir aber ollen doch jüdische Unternehmungen haben — und wie sollten ■vir uns um Konzessionen bewerben, wenn wir nicht die Möglichkeit uiben, sie in unserem Sinn auszubeuten. Auch in tieferen Regionen gab es Luftschiffe. Das eine, unter;ührung des Herrn Dr. Weitzmann machte gewaltige Anstrengungen, im die oberen zu erreichen — aber es gelang ihm nicht. Bevor es herankam, war Dr. Marmoreks Luftschiff schon in Walhalla eingefahren; wo das Mahlers geblieben ist, kann ich leider nicht sagen. Gewiß ist es wünschenswert, bei unseren Beratungen über Palästina jemanden zu haben, der weite Perspektiven eröffnet und uns immer die fernen Ziele vor Augen hält. — Die Hauptsache aber muß darin bestehen, die mühsame, kleine Arbeit zu tun, die wir nun einmal auf der Erde zu leisten haben, und vor allem die schwierige Frage unserer Finanzen uns klar vorzustellen. Ich meine also: solche allgemeinen Fragen werden wohl später der Vergangenheit angehören. Sie stammen noch aus der Rüstkammer jener großen, schönen Zeiten des aufkeimenden Zionismus, von denen man sich sehr schwer trennen kann, von denen man sich aber trennen muß, will man an die nüchterne Arbeit des Tages gehen. Nur ein kleines Luftschiff bewegte sich in unmittelbarer Erdennähe, das des Herrn Groß. Unter anderem sprach er das Bedenken aus, daß die Juden als landwirtschaftliche Arbeiter von einer höheren auf eine niedrigere Kulturstufe kommen würden, er hat aber vielleicht nicht berücksichtigt, daß doch Juden in Jemen, Marokko usw. leben, die tatsächlich auf dieser Kulturstufe stehen, daß es auch möglich wäre, einen Teil der südrussischen Juden, die sich als Arbeiter in der Landwirtschaft befinden, zur Ansiedelung in Palästina zu veranlassen. Jedenfalls gibt es noch Möglichkeiten außerhalb der von Herrn Groß empfohlenen genossenschaftlichen Versuche. Ich möchte aber betonen, daß ich es mit Freuden begrüße, wenn eine Organisation wie die Poalei-Zion mit uns arbeitet an den praktischen Versuchen, zur Schaffung der Bedingungen für die Erreichung unseres Endziels. In noch tieferen Regionen schwebten die Luftschiffe der Herren Cowen und Greenberg. Die Herren haben sich auch mit der Frage der Palästinaarbeit befaßt, und Greenberg hat sogar einen Antrag gestellt, der sich auf die Organisation der Zionisten in Palästina bezieht. Ich glaube, daß dies insofern ein Mißverständnis ist, als auch wir beantragen: dem Palästinaressort werde ein in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. Wenn Herr Greenberg noch eine Palästinakonimission vorschlägt so ist dies nur ein anderer Ausdruck für unser Palästinaamt. Hingegen sind wir der Ansicht, daß neben diesem dem Aktionskomitee resp. dem Palästinaressort unterstellten Amt noch eine zweite Behörde in Palästina existieren soll: die Vertretung der palästinensischen Zionisten. Diese aber haben sich aus sich selbst zu organisieren. (Lebh. Beifall.) Hierauf erhält das Schlußwort: Dr. Schemarjahu Lewin: Auf die Punkte meines Referates hat niemand erwidert, und sogar die Gegner der praktischen Arbeit in Palästina mußten zugeben, daß sie für diese Art der Arbeit seien. Diese Erscheinung ist nicht erfreulich, denn besser ausgesprochene Gegner, als Menschen, welche immer zustimmen, aber nichts schaffen wollen. Das ist im besten Falle ein Hechscher, aber nicht mehr. Aber indirekt hat man auch diese Arbeit verneint, denn wenn die ganze praktische Arbeit zu nichts führen soll, hat auch Schulengründung usw. keinen Sinn. Aber auch wenn einmal der Charter erlangt werden sollte, kann man nicht anders vorgehen als jetzt. Herr Cowen soll nur einmal nach Palästina reisen. Es gibt faktisch kein Land in der Welt, wo die Juden so viele Rechte haben — relativ zu der anderen Bevölkerung — als in der Türkei. Jüdische Leiden beginnen erst dort, wo man in der Gesellschaft Ausnahmen« für die Juden festsetzt. In den meisten Ländern besteht außer dem geschriebenen Gesetz noch eine Art mündlicher Überlieferung. Und das Leben richtet sich nach letzterer. In Palästina existiert keine Ausnahme in der mündlichen Tradition. Zeigen Sie ein anderes Land, wo ein Jude nach einem Monat die Bürgerrechte erlangen kann. Und wenn Sie meinen, daß dies nicht viel bedeute, dann arbeiten Sie doch. Einen Charter kann man nicht auf eininal bekommen, man muß ihn auch verdienen. Und wenn Sie den Charter bekommen haben, würden Sie mit jener Arbeit beginnen müssen, die andere jetzt begonnen haben. Sehen Sie nur, wie Sie in Palästina auf Schritt und Tritt ganz anderen, viel glücklicheren Gesichtern begegnen als irgendwo. Bedenken Sie: Fünfundzwanzig Kolonien ohne einen einzigen Schutzmann, fünfundzwanzig Jahre, ohne daß je einer den anderen irgendwo verklagt hätte! Im Mittelalter haben die Juden begonnen mit Diamanten, mit Gold und Silber zu handeln. Denn: instinktiv haben sie es begriffen, daß sie jeden Augenblick ihre Reichtümer zusammenpacken müssen. In jüngerer Zeit haben die Juden erst Boden zu erwerben gesucht, aber nur sehr wenig. Aber sehen Sie einen einfachen Juden, der instinktiv jeden Groschen in den Boden hineinsteckt, um seinen Enkelkindern etwas zu geben — sehen Sie, da haben wir Boden. Wenn ein ganzes Geschlecht auf die Olivenbäums wartet, die erst nach 25 Jahren Früchte tragen werden, so hat dies eine große moralische Bedeutung — es ist dies der beste Beweis